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Laufberichte

Winter-Trainingsmarathon in Hersbruck

 

Hinein in die tiefste Ouwerpfoiz

 

So früh wie schon lange nicht mehr bin ich wieder auf der Marathonpiste. In Hersbruck, direkt an der Autobahn 9 gelegen, etwa 20 Kilometer nördlich von Nürnberg, wird dem Lauffreund eine Möglichkeit gegeben zu testen, wie weit er schon in seiner Marathonvorbereitung im neuen Jahr ist. Oder man nützt den Lauf zum Abbau des Kalorienüberschusses aus der Weihnachtszeit.

Ein kleines Jubiläum steht an, denn der Winter-Trainingsmarathon in Hersbruck wird schon zum fünften Mal von den routinierten Läufern und Helfern des Marathon-Teams Pegnitztal organisiert.

Ohne Zeitdiktat wird hier an die Distanz herangegangen, denn, so heißt es in der Einladung, „wir laufen gemeinsam in der Gruppe und in moderatem Tempo“. Vor drei Jahren konnte ich mich davon schon überzeugen. Es wird also wieder höchste Zeit, einen Ausflug nach Hersbruck zu machen. 67 Meldungen, davon 15 Frauen, sind zu verzeichnen. Zwar sind nicht alle erschienen, aber mehr als 50 Marathonis sind dennoch am Start. Eine Anmeldung ist problemlos über das Internet möglich, und für kurzfristig Entschlossene findet sich noch eine Möglichkeit, die Teilnahme festzuzurren.

Bei meiner Teilnahme in 2011 hatte man das Problem des vielen Tauwassers aufgrund der Schneeschmelze. Heute schaut das ganze anders aus. Der Winter findet nur in den Bergen weit oben statt, so haben wir gute Bedingungen. Mit ein wenig Glück soll es von oben trocken bleiben. Die Temperaturen erinnern eher an den Vorfrühling.

 

Gleich geht es los

 

Als ich auf den Parkplatz des Schulzentrums in der Happurger Straße einbiegen will, sehe ich, dass dieser schon besetzt ist. Also weiche ich auf den großen Parkplatz am Plärrer aus. Vor der Schule stehen bereits  zwei Versorgungsfahrzeuge bereit und davor hängt eine große Traube von Läufern, die ratschend die wenigen Minuten bis zum offiziellen Start um 11.00 Uhr überbrücken wollen.

 
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Ein lauter Pfiff sorgt für Silencium, denn wir werden offiziell begrüßt. Der Führungsläufer Sven Gius, zugleich Sportwart des Vereins, weist uns ein. Er bittet um aufmerksames Laufen in der Gruppe, da auch einige Straßen überquert werden müssen. Man sollte auch zusammenbleiben, denn die Strecke ist nicht markiert. Und wenn einer abhängen sollte, dann wird es gefährlich, so der Sven mit einem Augenzwinkern, denn wir laufen in die tiefste Ouwerpfoiz, und da sollen noch Wölfe und Bären unterwegs sein.

Im Vordergrund dieses Lauferlebnisses steht nicht der Wettbewerb, sondern die Verbesserung und Erhaltung der eigenen Grundlagenausdauer. Für den Aufenthalt an den Verpflegungsstellen wird man sich genug Zeit nehmen. So kann jeder Hobbyläufer teilnehmen. Und damit sich auch keiner überfordert, ist ein Ein- und Ausstieg an jeder der drei V-Stellen möglich. Man kann also alles laufen, von etwa zehn Kilometern bis hin zur Marathondistanz. An jeder V-Stelle gefragt, wer denn schon genug hat.

Jede Veranstaltung kostet auch Geld kostet. Ein Startgeld wird hier aber trotzdem nicht erhoben. Stattdessen bittet man um eine Spende, um die Unkosten zu decken. Das Sparschwein wird vorgestellt und kann auch noch während unseres Laufes gefüttert werden.

Es wird sich am Ende der Begrüßung für ein gemeinsames Bild aufgestellt und dann laufen wir los.

 

Abschnitt 1: Hersbruck nach Mittelburg

 

Die Kleinstadt Hersbruck zählt heute rund 12000 Einwohner und ist damit drittgrößte Gemeinde im Kreis Nürnberger Land. Im Jahr 976 wurde der Ort urkundlich als „Haderihesprucga“, vermutlich die Brücke des Haderich, genannt. Wenn man direkt beim Start das Wassertor anschaut, das in die Altstadt hineinführt, will man diesen Zusammenhang gerne glauben. Im Mittelalter lag der Ort an der Goldenen Straße von Nürnberg nach Prag, was für wirtschaftlichen Aufschwung sorgte.

 
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Nach einigen Minuten verlassen wir die Stadt und laufen an einem idyllischen Weiher vorbei. Die Gruppe ist zusammen, das Tempo ist wie versprochen moderat und hinten stellt der Veranstalter einen Schlussläufer, damit auch keiner verloren geht.

Rund 20 Minuten sind wir unterwegs, da führt unser Kurs nach Happurg. „Habbuich“, so sagt der Einheimische, ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Ein Schwerpunkt sind die ausgeschilderten Wanderwege: Neben dem überregionalen Ulrich-von-Königstein-Weg können der Happurger Geschichtsweg oder der Geologische Lehrpfad abgelaufen werden. Der Turm der evangelischen St. Georgs-Kirche überragt den Ortskern, die komplette Kirche kriege ich jedoch nicht voll vor Kimme und Korn meiner Kamera.

Eine Engstelle reißt unsere Gruppe noch in Happurg auseinander. Die anschließende Steigung führt uns dann auf unbefestigten Untergrund auf den Bergstock der Houbirg. Auf dem Bergplateau sind noch Reste einer keltischen Wehranlage vorhanden. Wir bleiben jedoch auf halber Höhe und haben eine prima Sicht auf den Happurger See.

Vor dem Eingang zum Doggerstollen wird kurz pausiert, damit sich die Gruppe wieder sammelt. 1944/1945 wurde der Stollen von Häftlingen des KZ-Außenlagers Hersbruck, einem Nebenlager des KZ Flossenbürg angelegt. Hier sollten Flugzeugmotoren produziert werden. Fertiggestellt wurde die Anlage aber nicht mehr. Von den eingesetzten 9500 Zwangsarbeitern kamen aufgrund der widrigen Lebens- und Arbeitsbedingungen 4000 ums Leben. Beeindruckt lesen wir die Info-Tafeln am Eingang. Besichtigen kann man die Anlage nicht, es gibt jedoch Bestrebungen, ein Konzept für eine Dokumentationsstätte KZ-Hersbruck auszuarbeiten.

Auf unserem Weiterweg bleiben wir auf Trails oberhalb von Förrenbach. Wer sich heute Schuhe mit Profil untergeschnallt hat, hat richtig gewählt. Wir sind eine gute Stunde unterwegs, da sehen wir auf der Hochfläche Mittelburg, wo wir zum ersten Mal verpflegen können.

 

Abschnitt 2: Über Weizenfeld nach Fürnried

 

An der V-Stelle klappt der Betrieb ohne Probleme. Jeder nimmt sich einen Becher und etwas zum Beißen und geht sofort auf die Seite. Es kommt zu keinem Gedränge. Warmer Tee, Wasser, Kaffee, Cola, Suppenbrühe, Nussecken, Brezen, Mandelkuchen, Äpfel, Bananen, Nüsse, Schokolade - wer da verhungert, ist selber schuld. Nach gut fünf Minuten ein Pfiff, damit es ruhig wird und eine Nachfrage, wer schon zurück will. Einer meldet sich und der wird gleich einem Fahrer übergeben.

 
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Beim zweiten Pfiff macht sich das Feld auf für den zweiten Abschnitt. Wir verlassen Mittelburg, einem Ortsteil von Pommelsbrunn, auf einer Straße, die wir aber bereits nach einer Minute wieder verlassen. Es geht rustikal weiter. Fünf Minuten später tangieren wir den Ortsteil Waizenfeld, auch der gehört zu Pommelsbrunn.

Der Abschnitt bis Lichtenegg gestaltet sich schwer, es gibt viele Steigungen und Gefälle auf Trailpfaden. Fast im Entengang müssen wir die Stellen hinter uns bringen. Aber es macht Spaß, auch wenn der Schuhputz gehörig leidet. Dazwischen überschreiten wir die Grenze von Mittelfranken in die Oberpfalz, denn Lichtenegg, ein Ortsteil von Birgland und gehört zu der Gegend, wo sich die Wölfe und Bären „Gute Nacht“ sagen. Im Gemeindegebiet von Birgland verläuft die Wasserscheide von Rhein und Donau.

Wir verlassen den Wald und dann sehen wir auf einer Anhöhe die Burgruine Lichtenegg. Ich muss auch bei einem MTP-Läufer nachfragen, was das ist. Unterhalb der Ruine ist der gleichnamige Ort, der zur Gemeinde Birglang gehört. Nun sind wir im Landkreis Amberg-Sulzbach. Die Burgruine ist zwar vor über 700 Jahren erstmals erwähnt worden, ist aber vermutlich viel älter. Die Gegend war schon vor über 5000 Jahren besiedelt, Funde in einem vorgeschichtlichen Steinwall beweisen dieses. Vor der zugänglichen Ruine, die heute der Gemeinde selbst gehört, hat man einen weiten Blick in den Oberpfälzer Jura und in das Fichtelgebirge. Die Streckenführer sind gnädig, denn wir besichtigen die Ruine von unten und sparen einige Höhenmeter. Schade, ich wäre da schon hoch.

Viele weitere Höhenmeter begleiten uns dann auf dem Weiterweg über Ammerried nach Fürnried, wo wir die zweite Tankstelle am Wanderparkplatz pünktlich wir die Maurer erreichen. Genau um 13.30 Uhr, so wie es auch im Plan steht. Fast 20 Kilometer haben wir jetzt hinter uns.

 

Abschnitt 3: Über Heldmannsberg nach Förrenbach

 

Knapp zehn Minuten verbleiben wir zur Nahrungsaufnahme an diesem Ort. Wer verfroren ist, bekommt einen Schuss Rum in den Tee. Damit lässt es sich besser rumlaufen. Oder torkeln. Nur kurz laufen wir auf einem befestigten Feldweg, dann geht es fast querfeldein auf und ab durch den Wald. Mehrere Wegstücke können auch hier nur hintereinander belaufen werden. Teilweise ist das Dickicht mannshoch und hängt in den Weg hinein.

 
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Ein längerer Wiesenweg führt uns nach Heldmannsberg hinunter. Holzarbeiten am nebenanliegenden Wald haben den Weg mehr als ländlich gemacht. Wer in der Wiese rennt, muss mehrmals ausweichen, denn Äste und Zweige liegen zum Abtransport bereit. Wir laufen jedoch nicht nach Heldmannsberg hinein, sondern biegen am Ortsrand rechts ab. Die Kirche Mariae Himmelfahrt dominiert das Ortsbild. In der Laufgruppe wird jetzt durch drei, vier Läufer etwas auf das Tempo gedrückt, doch einige Pfiffe von den Organisatoren bremsen diese ein. Mittlerweile sind wir wieder im Gemeindegebiet von Pommelsbrunn, also in Mittelfranken.

Nach Aicha beginnt ein längeres Gefällstück, das uns hinunter nach Thalheim bringt. Abermals entstehen große Abstände zwischen den Läufern. Rund 100 Höhenmeter geht es steil hinunter in das Tal, das nach Happurg hinausführt. Linkerhand sehe ich das Thalheimer Schloss, das ich aber im Talgrund nicht vor die Linse bekomme. Dafür geht es beim Feuerwehrhaus über die Hauptstraße und auf der anderen Talseite gleich wieder steil hinauf. Wir laufen nun ein längeres Wegstück, immer wieder mit Wellen nach Förrenbach, wo wir am Frohnberg fast pünktlich um 14.45 Uhr die letzte V-Stelle erreichen.

 

Abschnitt 4: Auslaufen nach Hersbruck

 

Es wird reichlich zugegriffen. Besonders begehrt ist nun Cola. Einer berichtet von knapp 30 gelaufenen Kilometern mit fast 800 Höhenmetern. Seitens des Veranstalters heißt es, dass es nunmehr recht gefällig nach Hersbruck zurück geht und keine schweren Steigungen mehr warten.

 
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Nach zehn Minuten machen wir uns auf das Auslaufen nach Hersbruck. Wir laufen zuerst hinunter in den Ortskern von „Fieraboh“ (Förrenbach). Im Pfarrdorf (gehört auch schon zu Happurg) sehen wir einige denkmalgeschützte Fachwerkhäuser. Auf einem Radweg erreichen wir schließlich den Happurger Stausee. Das Asphaltband endet wieder.

Das Gelände um den See ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Klar, dass in der wärmeren Jahreszeit hier Wassersport betrieben wird. Jetzt sind immer einige Spaziergänger unterwegs, die meist überrascht sind, eine so große Laufgruppe zu sehen. Wobei man nicht mehr von einer Gruppe sprechen kann, denn jeder läuft jetzt sein eigenes Tempo.

Am Ende des Happurger Sees wurde ein Pumpspeicherwerk betrieben. Derzeit liegt ein Störfall vor, da im Oberbecken (rund 200 Höhenmeter oberhalb der Talsohle) ein Leck vorhanden ist. Die Sanierungsarbeiten dauern an und werden voraussichtlich 2016 beendet.

Im Ortskern laufen wir nun doch an der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche St. Maria und Georg vorbei. Das Gotteshaus stammt teilweise aus dem 14. Jahrhundert. Die Laufgruppe löst sich nun immer mehr auf. Jeder läuft sein Tempo nach Hause. Die einen genießen, andere kämpfen, manche wollen noch ihr Spurtvermögen testen. Wir verlassen Happurg. Entlang eines Radweges führt nun die Strecke direkt nach Hersbruck. Das Fotografieren lasse ich jetzt bleiben, die Lichtverhältnisse sind nicht mehr berauschend.

Mit einem Läufer aus Amberg, mittlerweile ist nach hinten und nach vorne mehr keiner mehr zu sehen, mache ich noch ungewollt eine kleine Stadtbesichtigung in Hersbruck. Wir finden nicht das Schulgelände. Stattdessen schauen wir am Bahnhof vorbei und lassen uns von zwei Personen auf den rechten Weg bringen. So verbessern wir noch die Ortskenntnis, die Variante kostet uns keine zehn Minuten.

Am Schulgelände stehen nochmals beide Versorgungsfahrzeuge und wollen den Rest der Verpflegung an den Mann und an die Frau bringen. Die meisten Läufer verabschieden sich gleich, denn viele sind aus der Gegend. Wer möchte, kann in der Mehrzweckhalle duschen und mit den Organisatoren noch in einer Wirtschaft einkehren.

Fazit: Ein gutes Training für die Marathonspezies. Für Versorgung ist gesorgt und ganz nebenbei kommt man noch unbekanntes Geläuf zu Gesicht. Und für die Bildung ist auch noch was übrig. Zuschauer sind keine vorhanden, nur wenige Spaziergänger in den Ortschaften und am Happurger See. So ungezwungen fängt das Jahr gut an.

Nächster Termin: Anfang 2015. Schaut einfach beizeiten auf die Homepage des Marathonteams unter www.mtphersbruck.de.

 


 

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