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Laufberichte

Wexford Marathon (Irland): A friendly One

 

Schon Anfang des Jahres war klar, dass es heuer endlich mal wieder nach Irland in den Urlaub geht. Da Silke die Urlaubsplanung immer mir überlässt, war es am Ende natürlich kein Wunder, dass ausgerechnet im Nachbarort ein Marathon stattfindet. So war ich auch schnell für den Wexford Marathon angemeldet.

Wexford liegt im Südosten von Irland und ist von Dublin aus gut in zwei Stunden zu erreichen. Die Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft hat rund 20.000 Einwohner und liegt unweit von Rosslare entfernt, wo wir uns für zehn Tage ein nettes Haus am Strand gemietet haben. Da mein Navi scheinbar nur die gälischen Namen der Ortschaften kennt, ist es gut zu wissen, dass Wexford im Irischen „Loch Garman“ heißt. Auf Ortsschildern und Hinweisschildern ist immer beides zu lesen, so dass dies kein großes Problem darstellt.

Einen Marathon hat Wexford erst seit dem vergangenen Jahr. Hinter der Organisation steht Dee Boland zusammen mit dem Wexford Marathon Club. Dee ist selbst begeisterte Läuferin und hat sich im vergangenen Oktober sogar einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde gesichert. Sie ist in zwölf Stunden auf dem Laufband so weit gelaufen, wie keine andere Frau vor ihr. Inzwischen wurden die 60,26 Meilen aber schon wieder durch Susie Chan aus Großbritannien überboten und Dee`s Eintrag ist gelöscht.

 

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Etwa achtzig Läufer konnte Dee im letzten Jahr im Ziel begrüßen. Es ist also ein kleiner Marathon und man wird auf der Strecke meist alleine sein. Informationen auf der Homepage über den Lauf sind mehr als spärlich. Keine Streckenbeschreibung, kein Höhenprofil, eigentlich nur ein paar Bilder von der Premiere. Neugierig wie ich bin, frag ich halt mal bei Dee nach. Mehr, als dass es nach 16 Meilen einen langen Anstieg gibt, will sie nicht verraten. Aber sie garantiert mir, dass ich die Strecke lieben werde. Und zudem verspricht Dee, dass sie mit einem frischen Guinness im Ziel auf mich warten wird. Na wenn das nicht verlockend klingt.

Drei Tage vor dem Marathon reisen wir an und schauen uns schon mal die Umgebung an. Burgen, Ruinen, Kirchen. In Irland gibt es immer viel zu sehen. Für Samstag haben wir uns Wexford selbst vorgenommen. Im Clayton Whites Hotel in Wexford können zudem die Startnummern abgeholt werden und das lässt sich doch ideal verbinden. So lerne ich Dee auch endlich persönlich kennen. Doch mehr als den Berg bei Meile 16 kann ich ihr immer noch nicht entlocken. Ach ja, dass der Start am Hafen stattfindet, gibt sie dann doch preis. Wir verabreden uns also für den nächsten Tag um 10.00 Uhr im Hafen. Etwa 140 Teilnehmer werden es in diesem Jahr sein und das Wetter verspricht nur Gutes. Angenehme Temperaturen und blauen irischen Himmel.

 

 
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So ist es dann auch, als ich anderthalb Stunden vor dem Start am Hafen stehe. Es ist kühl und am Himmel sind nur ein paar harmlose Wolken zu entdecken. Sonst ist hier am Hafen noch nicht viel los. Ein paar Bürger führen ihre Hunde Gassi, einige Senioren schlendern durch die Autoausstellung vom Vortag. Aber Läufer, einen Startbogen oder irgendetwas anderes, das auf einen Marathon hinweist, suche ich vergeblich. An einer Straßenlaterne entdecke ich ein Schild „Marathon Start“. Also bin ich hier richtig und nur etwas zu früh dran.

Die Iren sind ein gutes Stück gelassener, als wir das von zu Hause kennen und so vertrete ich mir im Hafen halt einfach noch etwas die Füße. Etwa eine Stunde vor dem Start tut sich dann doch etwas. Nach und nach trudeln Läufer und Zuschauer ein, der Startbogen wird aufgepumpt und die Zeitmatte wird ausgerollt. Alles ohne erkennbaren Stress, es scheint pünktlich loszugehen.

Schließlich ist es so weit. Absperrgitter sind aufgebaut, zwei Polizeimotorräder stehen bereit und meine Uhr zeigt zehn Uhr. Dann kann es also losgehen. Doch irgendwie scheint es keiner eilig zu haben. So vergehen noch ein paar Minuten, bis plötzlich Applaus aufbrandet. Gerry Forde, der als Handbiker an den Start geht, wird auf die Reise geschickt. Ihm lässt man ein paar Minuten Vorsprung, damit er dem Gewusel entgeht. Mit einer viertel Stunde Verspätung ist es dann endlich soweit. Wir Läufer werden auf unsere 26,2 Meilen lange Reise geschickt.

 

 
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Ich sortiere mich erst mal am Ende des Feldes ein. Da ich ja keinerlei Ahnung über den Verlauf der Strecke habe, lasse ich es lieber gemütlich angehen. Auf Holzbohlen verlassen wir nach ein paar hundert Metern den Hafen und laufen durch ein Wohnviertel stadtauswärts. Die Strecke führt schnurgerade immer leicht ansteigend raus aus Wexford. Ich habe mich inzwischen einer kleinen Gruppe angeschlossen und entdecke auch den Pacer für 4:30 Stunden im Feld. Ob ich mit ihm mithalten kann, weiß ich zwar nicht, aber momentan fühlt sich das Tempo gut an.

Unser nächstes Ziel wird Murntown sein, ein kleiner Stadtteil von Wexford, den wir nach gut fünf Kilometern erreichen. Immer wieder geht es leicht bergan, dann wieder bergab. Wir laufen nun auf einer typischen irischen Landstraße. Die Straße ist links und rechts von Büschen gesäumt und erlaubt kaum einen Blick auf die Landschaft. Die Strecke ist übrigens zu keiner Zeit für den Autoverkehr gesperrt, ein Problem ist das aber zu keiner Zeit. Ist die Strecke mal unübersichtlich, bleiben die Iren geduldig und zuckeln halt einfach hinter einem her, bis sich eine Überholmöglichkeit ergibt.

Wir haben Murntown erreicht und ich schließe auf Dinny Johnston auf. Er hat wohl eine private Verpflegungsstation, denn aus einem Kofferraum bekommt er ein Schinken-Käse-Sandwich gereicht. Wie selbstverständlich fragt er mich, ob ich auch eine Ecke haben will und natürlich greife ich zu. Gemeinsam traben wir nun nebeneinander her und vertilgen gemeinsam das Sandwich. Die nächsten Kilometer teilen wir uns und unterhalten uns über Gott und die Welt. Dass wir in Deutschland auf den Autobahnen keine Geschwindigkeitsbegrenzungen haben, findet Dinny unglaublich.

 

 
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Nach Murntown biegen wir rechts ab und nun zeigt sich Irland von seiner schönsten Seite. Durch endlos scheinende Waldgebiete schlängeln wir uns weiter und müssen auch den ein oder anderen Höhenmeter wieder in Kauf nehmen. Wir überqueren den Forth Mountain, der unglaubliche 237 Meter hoch ist. Doch wenn man bedenkt, dass wir ja nahezu auf Meereshöhe gestartet sind, ist das doch eine ordentliche Aufgabe, die da vor uns liegt. Doch wir werden mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Wenn es die Randvegetation zulässt, haben wir einen kilometerweiten Ausblick über Wexford County.

Obwohl es bei diesem Lauf keinerlei Sehenswürdigkeiten am Streckenrand gibt, wird es nie langweilig. Die Landschaft alleine ist sehenswert genug. Schließlich geht es den Forth Mountain auch wieder hinunter und man kann es eine Zeit lang so richtig schön laufen lassen. Dinny enteilt mir hier trotzdem und ich bin wieder völlig alleine unterwegs. Allerdings hat man alle 2,5 Kilometer eine Verpflegungsstation, wo ich steht`s ein paar Gummibärchen verdrücke und mit Wasser oder Cola nachspüle. Die Strecke ist überall perfekt ausgeschildert, so dass ich nie Probleme mit der Orientierung habe.

Die Ortschaft Taghmon ist unser nächstes Ziel. Nach wenigen hundert Metern ist sie durchlaufen. Am Ende gibt`s wieder Gummibärchen und Wasser. Die Helferin an der Verpflegungsstelle frägt mich, ob ich hier schon mal gelaufen bin, was ich natürlich verneine. „Du bist jetzt bei Meile 16“, sagt sie bedeutungsvoll. Mir dämmert’s. Dee hatte doch von einer langen Steigung gesprochen. Grinsend weist mich jetzt auch die Helferin darauf hin.

Zwei Meilen, also über drei Kilometer, sind es, auf denen es stetig bergauf geht. Immer wieder denke ich, ich habe das Ende erreicht, dann geht es hinter einer Kurve von neuem bergauf. Kuhweiden und Wiesen säumen den Weg und zwischendurch herrliche Aussichten. Mitten im Wald gibt schließlich ein Streckenposten Entwarnung und weist darauf hin, dass der höchste Punkt der Stecke erreicht ist und es nun fast nur noch bergab geht. Meine Laufuhr zeigt nicht mal 200 Höhenmeter an.

 

 
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Nach einer kurzen Wendeschleife im Wald geht es tatsächlich bergab. Nun schließe ich mich Margaret Sludds an, die offenbar mit ihren Schuhen zu kämpfen hat. Am linken Schuh hat sich die Sohle gelöst. Meine Hilfe bleibt erfolglos. Das Messer eines Helfers ist dann die bessere Lösung.  Wenig später erreichen wir auch schon wieder Wexford und die letzten Kilometer liegen vor uns.

Orientierung habe ich keine, also gebe ich noch mal ordentlich Gas. 500 Meter vor dem Ziel übernehme ich verabredungsgemäß die bayerische Fahne und laufe damit zufrieden ins Ziel. Silke erwartet  mich bereits und Dee überreicht mir meine Finisher-Medaille und wenig später das versprochene Guinness. Frisch gezapft und eiskalt - das beste Guinness aller Zeiten.  Im Gegenzug bekommt Dee ein bayerisches Bier. So stoßen wir auf einen tollen Marathon an. Nach ein paar Erinnerungsfotos verabschiedete ich mich. Ein Wiedersehen ist nicht ausgeschlossen.
 

 


 

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