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Laufberichte

Tiberias Marathon: Immer wieder gerne

 

Wenn der Winter in Deutschland grau ist und die Tage kurz sind, dann ist es Zeit für mich in den Süden zu entfliehen und einen Lauf mit einem Urlaub zu verbinden. Gesagt getan – ich bin wieder in Israel. Zum nunmehr bereits achten Male. Mein Laufziel ist  zum wiederholten Mal der Tiberias Marathon – der tiefst gelegene Marathon der Welt, 200m unter dem Meeresspiegel.

Schon als ich Mittwoch in Tel Aviv am Flughafen ankomme empfängt mich ein völlig anderes Klima. Es ist angenehm warm und die Sonne lacht vom Himmel. Ich bleibe  einen Tag in der "Nonstop City" Tel Aviv und genieße das mediterrane Flair der lebensfrohen Stadt. Dann mache ich mich den Weg nach Tiberias. Hier steigt am Freitag der Marathon.

Die Startunterlagen gibt es im Gai Beach Hotel nahe dem Stadtzentrum. Hier findet auch die Marathonexpo statt und ab 18.30 Uhr steigt die Pasta-Party. Einen Bon dazu gibt es in den Startunterlagen. Rasch haben wir unsere Startnummern. Als Marathoni darf ich zwischen einem grünen und gelben Teilnehmershirt wählen. Ich nehme grün. Die 10er bekommen weiße Shirts.

 

 
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Frühstück um Sechs

 

Der Start des Marathons ist um 7.30 Uhr. 20 Minuten später starten die Zehner. Ich stehe früh auf und bin um 6 Uhr beim Frühstück. Es heißt langsam in die Gänge kommen. Der Kaffee ist gut und ich komme in den Tag. Da mein Hotel fußläufig zum Start in der Hagalil Straße im Stadtzentrum liegt, gehe ich erst kurz vor dem Start aus dem Hotel. Warmlaufen ist heute nicht. Dazu habe ich 42 Km Gelegenheit, zudem verheißt die Wetterprognose einen sonnigen Tag mit bis zu 20 Grad Wärme.

Es sind wieder weit über 1.000 Läufer aus über 30 Nationen  am Start. Auch bei der 40. Austragung hat der Marathon nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Die Stimmung im Feld ist locker und gelöst wie immer. Ich fühle mich wohl. Tiberias hat was. Ich bin gerne hier und freue mich auf einen schönen Lauf um die südliche Hälfte des See Genezareth und zurück.

Besonders freut mich, dass die Wettervorhersage Recht behält. Es ist zwar noch frisch so früh am Tag, aber am Himmel zeigt sich keine Wolke. Ich bin bereit. Sorgen bereitet mir nur der Wind. Es ist richtig stürmisch - schon die ganze Nacht. Auf dem See Genezareth rollen schwere Wellen. So habe ich das noch nie erlebt.

Noch eine Ansprache von Yossi Ben David, Bürgermeister von Tiberias, und pünktlich um 7.30 Uhr schickt er uns mit dem Startschuss auf die Strecke. Auf geht‘s. Die Masse der Läufer zieht sich entlang der Hagalil Straße aus der Stadt hinaus. Rasch sind wir am Friedhof rechter Hand vorbei. Links taucht das Gai Beach Hotel auf. Hier werden wir unseren Zieleinlauf erleben.

 

 
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Gegen den Wind

 

Es ist wunderschön am links von uns gelegenen See Genezareth entlang zu laufen. Da ich schon vier Mal hier gelaufen bin, ist mir die Strecke wohl vertraut. Die Kühle des Morgens spüre ich bereits nach den ersten Metern nicht mehr. Aber der Wind bläst uns voll entgegen, und das mit Macht. Ich hoffe darauf, dass es auf der gegenüberliegenden Seite des Sees im Lee der Berge besser wird, bzw. dass wir auf dem Rückweg Rückenwind haben.

Vorbei geht es an einem Schwimmpark mit riesigen Wasserrutschen. Kurz nach Km 2 taucht rechts ein großer Hotelkomplex auf. Hier führt eine Holzbrücke vom Hotel über die Straße zum Strand. Heute steht niemand auf der Brücke, dafür ist es vielleicht doch zu stürmisch.

Rechts von uns liegen Diamanten, besser Diamantengeschäfte, links die Tiberias Hot Springs. Ich überlege wie es wäre,  lieber in das heiße Thermalwasser einzutauchen als im Sturm weiter zu laufen. Klar, der Läufer gewinnt.

 

Schnee auf dem Berg Hermon

 

Ein erster Kreisverkehr wird umlaufen, weitere werden folgen. Weit hinter dem Nordende des See Genezareth ist heute der schneebedeckte Berg Hermon zu sehen, eine  Strandanlage folgt der anderen. Shikmim Beach, Zinabberay Beach, Berniki Beach, Tzimbari Beach ...

Ich schaue zurück und habe einen schönen Blick auf Tiberias. Hat schon was, wie sich die Stadt vom Seeufer den Berg hinauf zieht. Links liegt der See, auf dem sich die Wellen aufgrund des starken Winds brechen, rechts liegen die Berge des Unteren Galiläa.

Hinter einem Kreisverkehr kommt die erste Verpflegungsstelle. Es gibt Wasser aus Halbliterflaschen. Ich habe diesmal keinen Trinkrucksack dabei und stecke mir eine Wasserflasche in den Trinkgürtel. So hab ich immer einen Vorrat an Bord. Aus Sicht des Umweltschutzes ist das Ganze zwar eine Verschwendung, aber der Flaschenmüll wird sofort von freundlichen Helfern eingesammelt.

Ich fotografiere fleißig und bin erstaunt, dass ich fast immer nach dem „Foti“ ein „Toda“ zu hören kriege. Einen Dank für ein Foto gibt es ja sonst kaum, hier ist es die Regel. Eine Läuferin hat schon ein blutendes Knie. Da hat es wohl einen Sturz gegeben.

Eine Straße führt nach etwa 4 Km rechts hinauf in die Berge in die Schweiz. Ja wirklich, da steht Zwitzerland auf dem Schild. Dort oben liegt auch die Jugendherberge Poriya, in der ich auch schon mehrfach genächtigt habe.

Km 5 wird passiert und die erste der alle 5 Km ausliegenden Zeitmessmatten ist zu überlaufen. Schummeln ist nicht möglich. Der Wendepunkt der Zehner ist vor uns. Diesmal bin ich nicht vom Führenden eingeholt worden. Das liegt wohl daran, dass die Zehner jetzt nicht 10, sondern 20 Minuten nach dem Marathon starten.

 

 
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Santa Klaus

 

Jemand liest meinen Namen vom M4Y-Trikot und fragt nach meinem Vornamen? „Your first name is Santa?“ Klar sage ich, ich bin Santa Klaus. So einfach geht das. Ich laufe jetzt als Santa Klaus weiter.

Auf der Straße ist reichlich Platz für die Läufer. Die 90 ist wieder mustergültig für den Verkehr abgesperrt und das große Feld hat sich weit auseinander gezogen. Ich will mir ein schmuckes Rennrad angeln, aber die Besitzerin will ihr Rad nicht hergeben und ich muss weiter laufen. Immer stramm gegen den Wind. Der wird und wird nicht schwächer.

Ich überlege, ob ich unter diesen Bedingungen überhaupt mein Ziel von 4.30 Std. erreichen kann. Ich will zwar "nur" trainieren für einige Ultras in diesem Jahr, aber nicht mehr als 5 Std. unterwegs sein - mal sehen. Kurz vor Km 8 erreichen wir den Ort Kinneret. Ich weiß aus Erfahrung, jetzt gehts es nach links und dann ordentlich den Berg hoch. So ist es auch diesmal.

Erst mal am Shaldag Strand vorbei und dann den Berg in Angriff nehmen. Links laufen wir beim Aufstieg am Friedhof von Kinneret vorbei. Vater und Sohn laufen nebeneinander. Der Sohn begleitet den sechzigjährigen Vater bei dessen Marathondebüt. Find ich Klasse. Vattern trägt Kopfhörer und kriegt nichts von meiner Unterhaltung mit dem Sohn mit.

Auf der Höhe angekommen liegt links zum See hin die Beit Yerach high School. Noch sind, anders wie früher, keine Schüler draußen um die Läufer anzufeuern. Vielleicht beim Rückweg hoffe ich. Zuschauer hat es übrigens generell wenige in Tiberias. Es ist halt kein Stadtmarathon, sondern ein Landschaftslauf auf Straße um die südliche Hälfte des See Genezareth.

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