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Laufberichte

Tel Aviv: Marathon am Frühlingshügel

 

Das Ziel  meiner diesjährigen Israel-Reise ist Tel Aviv. In der lebendigen und lebensfrohen Stadt am Mittelmeer gibt es seit der 100-Jahr-Feier 2009 einen Marathon. Und der fehlt mir noch in meiner Israel-Marathonsammlung.

Gedacht als einmaliges Ereignis wurde der Marathon dank des großen Zuspruchs beibehalten und erfreut sich heute großer Beliebtheit. Tel Aviv ist nach der Hauptstadt Jerusalem die zweitgrößte Stadt Israels. Betrachtet man jedoch den Großraum Tel Aviv, dann ist dieser mit 3,2 Mio Einwohnern der größte Ballungsraum des Landes.

Tel Aviv wurde auf Sandhügeln gegründet und war ursprünglich ein Vorort von Jaffa. 1950 wurden Tel Aviv und Jaffa vereinigt, besser Jaffa ging in Tel Aviv auf. Der Name Tel Aviv bedeutet Frühlingshügel. Ein schöner Name für die sich unverändert rasant entwickelnde Weiße Stadt.

 

Das Abenteuer fällt aus

 

Ich komme Dienstag vor den Lauf in Tel Aviv an und kann den Lauf - leider - sofort abschreiben. Ich habe 39 Grad Fieber. Da ist ein Start am Freitag unmöglich, zumal das Fieber erst am Marathontag verschwindet.

Ich mache das Beste aus der doofen Situation,  fahre nach Jerusalem und bummele über den Carmel Markt und durch Jaffa. Am Donnerstag gehe ich zur Expo auf dem Rabinsquare.

Ich treffe direkt auf die Favoritentruppe aus Kenia. Die schlaksigen Jungs sehen echt schnell aus. Einen der Burschen, er hat eine PB von 2.10 Std., erkläre ich zu meinem Favoriten. Aber wer plaudert denn dort mit den Jungs aus Kenia? Es ist Manfred Steffny, Olympiateilnehmer im Marathon 1968 in Mexiko und 1972 in München. Ich erkläre meinem kenianischem Freund, wer Manfred ist und er zeigt Respekt.

Die Pasta Party steht ab 18 Uhr auf dem Programm. Es gibt verschiedene Nudeln, Gnocchi, Salate, Vorspeisen, leckeres zum Dessert. Und Getränke, sogar Bier vom Fass. Ich bin schon neidisch auf all die vielen Läufer, die da morgen auf die Strecken gehen werden.

 

 
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Strassen gesperrt

 

Auch wenn ich  nicht laufen kann, dabei sein will ich. Also leihe ich mir ein Fahrrad für 17 Schekel/Tag. Das sind 4 Euro. Damit will ich den Marathon verfolgen.

Die Marathonis müssen nach dem Start am Shtern Mordekhai Khayim Square erst noch eine Runde um den Dov Hoz Flughafen laufen. Sie kommen dann durch den Alten Hafen, und da will ich sie erwarten.  Meine Fahrradstation ist auf der Dizengoff. Und dort laufen die Zehner in Massen rum. Insgesamt starten heute 19.000 Zehner. Mitten drin ist Manfred Steffny. Und schon ist er auf einem Foto. Ich löse mich von den Zehnern und fahre den Marathonis entgegen.

Auf der breiten vierspurigen Hayarkon ist die Spitze auf Höhe meines Hotels schon durch. Aber die Spitze interessiert mich nicht so sehr. Ich radele der Masse entgegen. Und die kommt langsam ab dem Alten Hafen. Die Läufer haben hier schon 13 Km in den Beinen und alles sieht gut aus. Es fallen mir hier schon viele Läufer mit nacktem Oberkörper auf. Meistens mit nach oben sich windenden Strippen für die Ohrstöpsel der Musikplayer.

Im Bereich des Alten Hafens ist in den letzten Jahren ein schönes Einkaufsviertel entstanden, wo man leckeres Eis essen oder entspannt etwas trinken kann. Ich erinnere mich an so manche schöne Stunde, vor allem abends. Da gibt es von hier eine tolle Sicht auf den Sonnenuntergang. Weit hinten versinkt dabei die Sonne tief im Mittelmeer. Davon kann ich jetzt am frühen Morgen nur träumen.

Kurz vor Km 13 verlassen die Läufer den unmittelbaren Strandbereich und laufen etwas versetzt zum Meer über die Hayarkon. Rechts liegt der schöne Independence Park. Die Tel Aviv Marina (Yachthafen) wird im Tunnel der Hayarkon umlaufen, rechter Hand stehen markante Hotels. Im Tunnel, aber auch oberhalb, ist so mancher in die Jahre gekommene Beton renovierungsbedürftig.

 

 
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Strand mit Blick auf Jaffa

 

Nach dem Renaissance Hotel dürfen die Läufer wieder an den Strand bzw. laufen parallel zum Strand auf der Shlomo Lahat Promenade. Hier ist mir jeder Meter bekannt. Des Öfteren bin ich diese Promenade schon nach Jaffa gegangen oder gelaufen. Heute also die Premiere im Rahmen des Tel Aviv Marathons. Ich bin immer wieder vom Blick nach Jaffa und der Skyline von Tel Aviv begeistert.

Auch am Strand wird fleißig gebaut. Trotzdem, es ist eine Wucht, hier zu laufen bzw. zu radeln. Absolut imposant. Ich beneide die Läufer. Aber Fieber ist Fieber und da herrscht absolutes Laufverbot. Es ist übrigens bestes Wetter, noch. Um 9 Uhr liegt die Temperatur schon bei 16 Grad, Tendenz steigend. Ich habe längst die Windjacke abgelegt.

Die Halben müssen am markanten Opera Residential Tower einem roten Schild folgen und links abbiegen. Lautstarke Helfer achten hier und an den weiteren Abzweigungen darauf, dass möglichst keine Läufer auf die falsche Strecke laufen. Zwei blaue Marathonis werden erst in letzter Sekunde vor der für sie richtigen Strecke überzeugt und laufen  weiter Richtung Jaffa. Mann, ist das schön. Nicht laufen zu können finde ich zwar doof, aber ich habe dennoch meinen Spaß. Die gute Laune der Läufer überträgt sich auf mich.

Kurz vor Jaffa stoppe ich mein Fahrrad und leite die Wende ein. Nicht ohne vorher noch einmal wehmütig nach Jaffa zu schauen.  Die arabische Bevölkerung floh nach der UN-Resolution zur Gründung des Staates Israel 1948 mehrheitlich und die Stadt verfiel und wurde mit Tel Aviv vereinigt. Der Niedergang ist längst beendet und Jaffa mausert sich zu einer im Altstadtbereich begehrten und teuren Wohngegend von Tel Aviv.

Jaffa dürfte den meisten durch die Jaffa Orangen bekannt sein. Die wurden zwar nicht alle hier nicht angebaut, aber sie wurden hier verschifft.

 

 
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Gegenverkehr

 

Die Streckenführung macht mir das Verfolgen der Marathonis einfach. Ich muss nur auf die andere Seite der vierspurigen Straße und treffe auf die aus Jaffa kommenden Läufer. Das Meer liegt nun zur Linken, rechts ist die beindruckende Skyline von Tel Aviv vor den Läufern.

Und da, etwas weiter vom Strand weg, das kenne ich doch. Es ist der historische Bahnhof HaTachana. Der Bahnhof gehörte zur historischen Eisenbahnlinie zwischen Jaffa und Jerusalem. Das Gelände ist war verfallen, wurde aber in mehr als fünfjährigen Restaurierungsphase als Kultur- und Freizeitzentrum neu gestaltet. Hier gibt es heute Lifestyle pur. Man kann in schicken Boutiquen einkaufen oder im Restaurant essen. Es gibt jede Menge Events, kurzum, hier lohnt ein Besuch immer. Quasi nebenan schufteten vor etwas mehr als einhundert Jahren die ersten 66 Siedlerfamilien für den Aufbau der neuen jüdischen Heimat und erbauten die Stadt Tel Aviv.

Die Marathonis laufen an den wenigen erhaltenen ersten Häusern aus der Gründungszeit Tel Avivs vorbei, heute ein schmuckvoll restauriertes Viertel. Es folgen die Hassan Bek Moschee und die Hotels Dan Panorama und InterContinental David. Etwas weiter rechts liegt der Eingang zum Carmel Markt. Hier tobt der Bär. Man kann alles kaufen, nur menschenscheu sollte man nicht sein, wenn man sich in das Getümmel stürzt.

Ich folge den Marathonis. Es geht lange parallel zum Meer. Rechts zweigt die Ge'ula Street in die Allenby. Allenby war übrigens britischer Feldmarschall. Sein Name ist im Nahen Osten bekannt, war er doch Kommandeur der alliierten Truppen auf dem Sinai und in Palästina 1917/18. Nach ihm wurde die Brücke über den Jordan zwischen Jericho und dem Königreich Jordanien benannt. Heute wird die Brücke offiziell als König-Hussein-Brücke bezeichnet und ist der einzige Grenzübergang zwischen dem Westjordanland und Jordanien.

 

 
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Heute nix mit Allenby

 

Ich lasse die Läufer in die Allenby Straße abbiegen und nehme die aus der Allenby herauskommenden Läufer quasi auf und begleite diese weiter. Für 42 Km Fahrrad bin ich nicht fit. Also lasse ich einige Teile der Strecke aus.

Es ist ein wenig verwirrend, was ich alles an Läufern um mich herum habe,  die meisten tragen rote Startnummern. Das sind die Halbmarathonis, von denen insgesamt 12.000 am Start sind. Die blauen Marathonis sind in der Minderheit.  

Die Läufer stoßen auf den Hinweg. Links liegen das Meer und viele hohe Hotelbauten, der Beton des Hayarkon Tunnels wartet. Es folgt bei Km 34 linker Hand der Independence Park. Eine Helferin hat einen Wasserhydranten angezapft und hält den Schlauch auf die Läufer. Die nehmen das erfrischende kühle Nasse gerne an. Es ist mittlerweile auch schon über 20 Grad warm.

Am Ende der Hayarkon wird gewendet und die Dizengoff, eine bekannte Einkaufsmeile der Stadt, nimmt die Marathonis auf. An der Abbiegung steht wieder ein Podest, auf der eine Musikgruppe den Läufern einheizt. Es sind insgesamt 21 solcher Gruppen oder DJs an der Strecke. Der Lauf ist gut beschallt.

Immer wieder sind schöne Bauten zu sehen, die an Bauhaus erinnern. Zum Teil versucht man den Bauhausstil auch bei Neubauten mit einfließen zu lassen. Ein interessantes Spezialfahrrad steht am Abzweig. Hinten sind Bobbycars angebracht, vorne sind sechs Kleinkinder und ein Papagei in einem Kasten.

 

 
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Die Stadt erwacht

 

Bei Km 35 ist wieder eine Zeitmessmatte zu überlaufen. Trotz der aufkommenden Hitze herrscht im Läuferfeld gute Laune. Jetzt gibt es auch etwas mehr Zuschauer, die waren bislang ziemlich spärlich. Auf der Dizengoff gibt es viele Cafes, Restaurants und Geschäfte. Und die sind besucht. Tel Aviv erwacht.

Es geht rechts herum in die Ben Gurion. Allerdings wird das Feld wieder geteilt. Alles was nicht blau ist, läuft auf der linken, die Blauen auf der rechten Seite. Und dazwischen liegt ein palmenbestandener breiter Grünstreifen. Ich sehe Massimo, einen Italiener aus Elba, den ich gestern Abend bei der Pasta Party traf. Er sieht gut aus. Wird wohl deutlich unter vier Stunden ins Ziel kommen.

Die Marathonis kommen zum Platz der Könige Israels, der bekannt ist durch unzählige Massendemonstrationen, so auch die Kundgebung, an deren Ende Jitzchak Rabin 1995 ermordet wurde. Eine Gedenkstelle erinnert daran. Der Platz heißt heute Rabin Platz. Mit der Ermordung Rabins kam leider der Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern ins Stocken.

Die Marathonis können sich am Rabin Platz mit Gels stärken, bevor sie um den Platz und damit auch die Marathonexpo herum laufen und sich nach Norden wenden. Auf der langen breiten Ibn Gabirol erfreut ein Saxaphonist die Halben links und die Marathonis rechts.

 

 
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Schwil

 

Ich sehe den Vierstunden Zug- und Bremsläufer. Zug- und Bremsläufer gibt es von 3.15 - 4.45 Std., übrigens auch für HM, 10er und 5er. Bei Km 39 wird der Yarkon überlaufen und direkt am Fluss geht es Richtung Ziel. Durch den Park am Yarkon verläuft die Strecke (wie schon am Strand neben dem Flughafen im Norden) auf dem Israel National Trail (Schwil). Der Schwil ist ein Fernwanderweg, der Israel von Nord nach Süd auf über 1000 Km Länge durchquert. Gerade erst habe ich ein Buch darüber gelesen und freue mich, einige Meter des Weges kennen zu lernen. Oben von der Brücke hat man als Fahrradfahrer übrigens einen hervorragenden Blick auf die Läufer, die nach einer scharfen Kehre am Ende der  Brücke auf den Yarkon stoßen und dort flussaufwärts die letzten Meter zum Ziel unter die Beine nehmen.

Es kommen vermehrt Mediziner und Sanitäter in Sicht. Ein Medizinjeep und mehrere Medi-Segways fahren an mir vorbei. Einsätze sehe ich aber keine. Aber es ist gut zu wissen, dass die Veranstalter für Notfälle gewappnet sind.

Immer wieder wird den Läufern Wasser geboten. Kühlung und Flüssigkeit ist angesichts der hohen Temperaturen auch dringend notwendig.

 

 
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Kurz vor dem Ziel  muss ich die Strecke mit dem Fahrrad verlassen. Ich gebe den Drahtesel bei der extra temporär errichteten Fahrradstation in Aufbewahrung und schlage mich zur Ziellinie durch. Das ist nicht so einfach. 20 Minuten später stehe ich am Ziel und sehe freudestrahlend Läufer ins Ziel kommen. Im Ziel und im Regenerationsbereich sehe ich lauter zufriedene Gesichter, von denen die Hälfte ein Ohr am Telefon hat.

Ich halte mich nur noch kurz im Zielbereich auf, löse meinen Drahtesel aus und fahre zurück zum Hotel. Am Yarkon kommen mir noch immer Läufer entgegen, auf anderen Straßen der Stadt tobt derweil das normale Verkehrschaos.

 

Fazit

 

Stimmungsvoller Stadtmarathon mit interessanter Strecke. Grandiose Skyline von Tel Aviv und traumhafte Streckenführung am Strand und sehr gut organisiert. Optimal mit einem Urlaub im Heiligen Land zu kombinieren.

 

Weitere Argumente gefällig?

 

300 Sonnentage

450 Bars

1.320 Restaurants

14 Km traumhafte Strände

Weltkulturerbe mit vielen Sehenswürdigkeiten historischer,
kultureller und  religiöser Art.

Gute Ausgangslage für Exkursionen ins Land

Mehrere Strecken im Angebot:
Marathon, Handbike Marathon, HM, 10 Km, 5 Km

 

Für mich ist klar:

Das war nicht mein letzter Besuch in Tel Aviv. Israel wird mich wiedersehen. Die Termine für die nächsten Tel Aviv Marathons stehen übrigens schon fest:

24.02.2017; 23.02.2018; 22.02.2019 und 21.02.2020.

Die Registrierung für 2017 ist schon offen. Das nenne ich gelungenes Marketing!

Schalom!

… und gewonnen hat wieder William Kiprono Yegon aus Kenia in 2.10,51 Std.

 


 

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