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Szölöskör Marathon – Panoramalauf am Balaton

 

Nach einer urlaubsbedingten Auszeit vom Marathonsammeln von drei Wochen ist der Abstecher zum Balaton der Auftakt für den Wiederbeginn meiner Lauftätigkeit über die klassische Distanz von 42,195 km. Von Wien aus erreicht man den größten Steppensee Europas über die Autobahn bis Györ und dann weiter bequem in 3 Stunden.

Allerdings sind meine Erinnerungen an den Plattensee abgesehen von früheren Kurzaufenthalten ohne sportliche Ambitionen, wo die kulinarischen Freuden – essen und trinken – im Mittelpunkt standen, eher düster, denn im Mai 2013 bin ich beim Marathon in Keszthely am Westufer des Balaton auf den vier Runden beinahe verglüht. Bei 2000 Sonnenstunden im Jahr und infolge der Kessellage sind Temperaturen weit über 30 Grad auch noch im September die Regel. Herrliches Obst wächst in der Region, Marillen, Melonen, Pfirsiche, Äpfel und Birnen, Zwetschen, ja sogar Feigen reifen am Plattensee.

Gefunden habe ich die Laufveranstaltung mit Start und Ziel in Balatonszölös eher durch Zufall, nämlich über meinen serbischen Lauffreund Drago Boroja, der zwar in Polen lebt, aber der Webmaster des 100 Marathon Club Serbia ist und auf der homepage einen Kalender für Veranstaltungen in den Nachbarländern führt. Die Registrierung bereitete einige Tage vor dem Event am 3. September ab 10 Uhr dank einer englischen Übersetzung der wichtigsten Informationen keine Probleme, meine E-Mailanfragen beantwortete Organisator Zoltan Kynsburg in perfektem Deutsch.

Als ich am frühen Abend das Rennbüro in einem Amtsgebäude der kleinen Ortschaft Balatonszölös betrete, sind die Helfer dabei, die Startpakete auszugeben. Als Inhaber einer Running Card, für Marathonläufe in Italien inzwischen eine Voraussetzung, werden mir 500 Forint (1 Euro = dzt. ca. 310 Ft.) nachgelassen, für die überwiesenen 11.500 Ft. (statt 12.000, entspricht 38,-- Euro) erhalte ich ein Funktionsshirt und hochwertige Kompressionssocken der Marke Cep. Im Sackerl ist noch ein Gutschein für eine Portion Gulasch nach dem Lauf und der Gratisleihchip der Fa. Viking Timing.

 

 
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Erstmals wird heuer ein Marathon angeboten, den Ultra über 50 km gibt es schon seit einigen Jahren sowie auch weitere regionale Laufveranstaltungen über kürzere Distanzen. Daher ist die Anzahl der Teilnehmer beim Ultra, den zwei Läufer exakt in je 25 km auch splitten oder alternativ gleich in einem Fünferteam zu je 10 km absolvieren können, deutlich höher als beim Marathon. Zusätzlich steht ein Halbmarathon auf dem Programm. Zoltan erklärt mir, dass man guter Dinge sei, das Lauffestival international  bekannt machen zu können. Meine Präsenz sei daher eine gute Werbung und erst recht der angekündigte Bericht auf M4Y. Als Beleg machen wir einige Fotos mit seinen Assistentinnen.

Über Google-Maps kann man den Rundkurs auch topologisch nachvollziehen, die Steigungen sind dabei nicht zu übersehen. Für Sprachliebhaber ein paar Anknüpfungspunkte: Szölöskör bedeutet wörtlich übersetzt „Weinberg-Kreis“, szölös ist der Weinberg, szöl heißt Traube auf Ungarisch. Es wird also ein Marathon angeboten, der auf kleinen Zufahrtsstraßen zunächst durch die hügelige Landschaft inmitten der Weinberge führt, dann auf Radwegen entlang des Balaton verläuft, für die Ultras ein Stück weiter auf die Halbinsel Tihany geht und schließlich wieder zum Ausgang in Balatonszölös ansteigt. Zoltan ist sich nicht sicher, ob es nicht doch mehr als die angegebenen 400 Höhenmeter sind.

Als Quartier für die Nacht habe ich ein Appartement um sehr günstige 38,-- Euro für drei Personen in der bekannten und beliebten Fremdenverkehrsstadt Balatonfüred, die am Nordufer des Plattensees liegt und ca. 13.000 Einwohner zählt, gebucht. Balatonszölös ist nur 5 Kilometer entfernt und in ein paar Minuten mit dem Auto zu erreichen.

Ich spaziere am Abend bei lauen Temperaturen auf der Seepromenade entlang, viele Menschen, neben Ungarn auch zahlreiche Österreicher und Deutsche, sind hörbar unterwegs. Für einen Moment habe ich den Eindruck, dass es im ruhigen Ostteil von Jesolo kaum anders aussieht. Doch die Promenade ist nur ein paar Hundert Meter lang, dann ist es wieder aus mit dem touristischen Hotspots. Die Jachten am Seehafen können aber mit denen in oberitalienischen Adriahäfen verankerten durchaus mithalten. Immerhin ist der Balaton ca. 80 km lang und seine Wasserfläche umfasst an die 600 km2 (durchschnittliche Tiefe 3,25 m), auf der viele Segelboote Platz haben.

Bei so vielen Wochenendgästen ist es für mich gar nicht einfach, in einem der umliegenden Restaurants einen freien Tisch zu bekommen. Um 12 Euro schlage ich mir den Bauch voll, Palatschinken mit Topfenfüllung und zwei Viertel edlen Muskatweins heben meine Stimmung. Ich habe das Auto ja stehenlassen, außerdem bin ich trinkfest.

Das karge Frühstück gegen Aufpreis von 4 Euro um 7 Uhr 30 im Nebenhaus meines Appartements ist dann ernüchternd. Neben mir sitzt ein deutsches Ehepaar um die Fünfzig wie ich auf weißen Plastiksesseln bei Tisch – selbiger eigentlich eine Eigenbaukonstruktion mit Plastikabdeckung, damit man die Pressspanauflage nicht sieht und ohne Fußfreiheit  wegen der stabilisierenden Seitenbretter.

Die Dame erzählt, dass sie nun 14 Tage hier waren und nächstes Jahr wieder kommen wollen. „Machen wird doch, Thomas, oder?“ Thomas schmiert unverdrossen die Margarine aus der Gemeinschaftsdose auf die halbe Weißbrotschnitte und anschließend eine undefinierbare Marmelade, wohl verkocht aus Marillen, Zwetschen und Fallobst, auf die cholesterinfreie Erstauflage. Er antwortet nicht, sondern schielt rüber auf meine zwei am Abend bestellten weichgekochten Eier, die ich nun aufschlage. „Wie kann man es nur solange hier aushalten?“, frage ich mich in Gedanken. Wenn ich Urlaub mache, dann sollte auch das Essen passen. Mein erster Weg nach dem Frühstück führt mich in eine Bäckerei im oberen Teil von Balatonfüred, wo am Samstag um 8 Uhr 30 alle Geschäfte längst offen haben. Mein Magen knurrt, ich muss was nachessen.

 

 

 
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Gegen 9 Uhr treffe ich beim Sportgelände in Balatonszölös ein. Offizielle und viele Helfer der Laufveranstaltung  sind schon vor Ort, private Dienstleister, die Essen und Getränke an diesem herrlichen Sommertag mit erwarteten Temperaturen über 30 Grad anbieten werden, sind mitten im Aufbau ihrer Stände bzw. Buden. Bei einer vom Militär bereitgestellten, mit Holzscheitern beheizten Feldküche sind geübte Köche gerade dabei, Berge von Schweinefleisch zu zerkleinern, mit Zwiebel, Paprika und weiteren Zusätzen anzureichern und daraus ein klassisches scharfes Gulasch („Pörkölt“) zuzubereiten. Ein schönes Bild, in Gedanken kann man sich allerlei ausmalen und erträumen.  Doch eigentlich bin ich hier wegen des Marathons, um nach der Sommerpause wieder in der einzigartigen Marathonaustria-Statistik von Gust Schwab anzuschreiben.  

Vor dem Start wird aufgewärmt, da mache ich aber nicht mit: Stattdessen parke ich mein Auto um, von der Wiese auf einen Platz nahe dem Zieleinlauf unter einen Baum. Damit sollte sich der Wagen nicht so aufheizen wie in der prallen Sonne. Späte Starts bei Marathons in der warmen Jahreszeit wie heute um 10 Uhr bedeuten, dass auch viel schnellere Läuferinnen und Läufer erst am frühen Nachmittag finishen werden und für die meisten so der Lauf strapaziöser wird als bei den beliebten Herbstläufen unter 10 Grad. Aber alle haben die gleichen Ausgangsbedingungen – oder doch nicht? Ich bin seit exakt 3 Wochen keinen Meter gelaufen, war zwar im Meer schwimmen, aber trainiert habe ich trotzdem nicht. Für einen Marathon aus dem Stand sind die heutigen Bedingungen erschwerend. Ich rechne mit einer Zeit um 5:20, vielleicht etwas besser.

 

Beim großen Gemeinschaftsstart für alle Disziplinen stehen die Läuferinnen und Läufer nicht wie gewohnt in einem Korridor, sondern sind im Umkreis von 50 Metern auf dem Sportplatz verteilt. Es gibt keine Führungsspitze wie sonst bei Rennen. Nach dem Kommando stürmen alle los, von allen Seiten. Ich selbst bin am nächsten zur Matte postiert und verweile knipsbereit, bis die meisten an mir vorbeigezogen sind. Der Kurs verläuft zunächst durch die Ortschaft Balatonszölös in südwestlicher Richtung. Um nicht zu weit abzufallen, überhole ich einige vor mir, darunter auch Donald Ying aus den USA, der den Marathon international wie auch ich aufputzt.

 

 
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Die Strecke steigt nach wenigen Hundert Metern an, also Tempo raus, die Überholten schließen wieder auf. Sobald es abwärts geht, lege ich wieder zu. Nach zwei Kilometern bin ich bald nur mehr von Läuferinnen umgeben, Donald liegt zurück, auch einige andere Herren, die im Team laufen. Langgezogene Steigungen in einer Bilderbuchlandschaft, die an die Toskana erinnert, sollte man nicht unterschätzen. Gut, dass ich eine Kappe mithabe – jene vom Budapest Marathon 2012 mit dem unübersichtlichen Spar-Logo. Nach 35 Minuten erreiche ich im Damentross die erste Labe bei 4,5 km in der Ortschaft Pecsely. Auch hier hängen Plakate, mit denen die Ungarn zur Abstimmung am 2.Oktober 2016 über die Aufnahme von Flüchtlingen aufgerufen werden. An der Versorgung bekommt man auch Tomatenstücke, ist mal was anderes als die üblichen Bananen- und Orangenhäppchen. Nur beim falschen Cola habe ich meine Bedenken, das trinke ich nicht. Dafür das nach Zitronen schmeckende Isogetränk.

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