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Syltlauf: Lang, sehr lang – und doch zu kurz

15.03.15

Sylt ist mit fast 100 Quadratkilometern die größte deutsche Nordseeinsel und schon beim ersten Blick auf die Karte eine ziemlich einzigartige Erscheinung: Das  Langgestreckte ist, trotz Juist und der Länge der anderen ostfriesischen Inseln, einmalig für die deutschen Nordseeinseln. Über 38 Kilometer erstreckt es sich von Norden nach Süden. Wobei es im Norden eher nach Nordnordost zieht – was später, beim Syltlauf, noch zu beachten ist. Die Länge der Insel ist unangenehm für alle Touristen, die mit ihrem Fahrrad statt mit Pedelecs gegen den Wind ankämpfen.

Für einen Marathoni sind 38 Kilometer aber keineswegs furchterregend: Einmal längs die Insel entlang ist ja noch nicht einmal die Marathondistanz! Die Idee des Syltlaufs ist aber klar: einmal von Süden nach Norden, immer strikt geradeaus! Und "33.333 Meter durch Sand und Dünen, von Hörnum bis List, gegen den Sturm oder unter sengender Sonne. Keep on Running. Auch wenn's stürmt und schneit. Oder waagerecht regnet: Sylt von Süd nach Nord in zwei Stunden ist ein sandiger Dauerlauf. Und ein Kampf mit den Elementen." So sieht der Inselauftritt den Syltlauf. Und ich bin gespannt, wie ich das sehe - nach dem Lauf.

Der Syltlauf ist für mich Anlass, endlich einmal der nördlichsten deutschen Nordseeinsel einen Besuch abzustatten. Die ostfriesischen Inseln kenne ich – alle zusammen vor allem dank des „Nordseelaufs“ –, aber vom Besuch der nordfriesischen Inseln hielt mich bisher immer ihre „Lage hinter Hamburg“ ab. Aber noch gibt es eine günstige Möglichkeit, von Bonn aus bequem die Insel zu erreichen – mit dem durchgehenden Intercity. Und wenn man den Reisetermin kennt, sich auf einen Zug für Hin- und Rückfahrt festlegen kann, kommt man sogar preisgünstig zu einem Ticket für unter 100 Euro. Ich plane gleich eine ganze Woche, von Donnerstag bis Donnerstag, auf der Insel zu bleiben, um sie richtig kennenzulernen: Dann gibt es jetzt, in der Nebensaison im März, auch noch eine preiswerte und trotzdem sehr schöne Ferienwohnung für unter 400 Euro in Wenningstedt, günstig für eine Inselentdeckung gelegen.

Ich brauche also weder ein Auto noch muss ich den teuren Syltshuttle benutzen und bin stattdessen gespannt, wie mobil ich auf Sylt mit dem örtlichen Busverkehr sein kann. Für mich als Verkehrsfachmann ist das immer wieder ein spannender Qualitätstest: Die „Sylter Verkehrsgesellschaft“ verdient sich an den Folgetagen ordentliche Plus-, aber auch Minuspunkte. Die Busse fahren häufig genug für Touristen, in der Regel alle 30 Minuten und auch noch am Abend, aber leider nur zeitweise im leicht merkbaren 30-Minuten-Takt. Wer vor 10 Uhr oder in der Mittagszeit unterwegs ist, braucht den Fahrplan. Die Busse sind gut gefüllt, meistens sogar übervoll – und das selbst jetzt, im März. Besonders ärgert mich die Werbung an den Fenstern, da ich hinausschauen und die Insel kennenlernen will.

So sitze ich also am Donnerstag vor dem Syltlauf, der am Sonntag stattfindet, auf der Fahrt im Zug nach Sylt. Die Landschaft in Schleswig-Holstein bietet, von der Überquerung des Nord-Ostsee-Kanals abgesehen, nicht viel Abwechslung, so dass erst die Fahrt ab Niebüll so richtig interessant ist: Zwischen Niebüll und Westerland geht es über den 11 Kilometer langen Hindenburgdamm. Gleichzeitig ist das die einzige Eisenbahnstrecke, mit der man in Deutschland derzeit richtig Geld verdient. Auch wer mit seinem Auto nach Sylt will, benutzt in der Regel per Autoverladung diese Schienenstrecke, weil der Umweg zur Syltfähre über Dänemark zu lange dauert.

Um den „Syltshuttle“ ist ein heftiger Kampf entbrannt, weil ein Eisenbahnunternehmen mit Sitz in den USA („RDC“), das auch den zurzeit einzigen privaten Fernzug in Deutschland, den Hamburg-Köln-Express, fährt, auch den Syltshuttle übernehmen möchte. Was der Deutschen Bahn natürlich nicht gefällt. Immerhin zeigt die Geschäftsführung von RDC Deutschland großes Interesse nicht nur am Geldverdienen, sondern auch an der Insel und ihrer Entwicklung: Der Geschäftsführer Hans Leister steht auch beim Syltlauf am Start. Und wird, als M60, in 3:08 Stunden finishen. Respekt!

Der Zug bringt mich nach Westerland, doch noch ehe ich die „grünen Riesen“ auf dem Bahnhofsvorplatz gebührend bewundern kann, sitze ich schon im Auto des „Hausdieners“, der mich in meine Ferienwohnung bringt – ein toller Service! Und so genieße ich schon kurz darauf nach einem kurzen Gang zur 30 Meter hohen Steilküste einen phantastischen Sonnenuntergang an der Kliffkante.

Am nächsten Tag gibt es den ersten Erkundungslauf, immerhin gute (und vor dem Syltlauf fast zu lange) 14 Kilometer durch die Braderuper Heide, am Wattenmeer um Kampen herum und über das Rote Kliff mit dem höchsten Punkt von Sylt (Uwe Düne, 52 m) zurück nach Wenningstedt. Und der Tag geht spannend weiter: Fahrt nach List (im werbebeklebten Bus), von dort per Ausflugsschiff zu einer Seehundbank und anschließend im Erlebniszentrum „Naturgewalten Sylt“, ein sehr spannend und modern gestaltetes Nationalparkhaus. Da darf ich den Samstag ruhiger angehen: Statt nach Norden geht es wieder per Bus ganz in den Süden der Insel, wo ich in Hörnum die Südspitze umwandere. Der Laufcomputer, den ich die Strecke aufzeichnen lasse, vermittelt mit der in die Karte übertragenen Route ein überraschendes Bild: In natura sitze ich an der Westseite der Südspitze nahe der Wasserkante bei Flut – bei mir ist gerade Ebbe -, aber „auf der Karte“ befinde ich mich (je nach Karte) eher am Oststrand oder inmitten der Südspitze, die inzwischen um bis zu 500 Meter nach Osten „gewandert“ ist. Besser kann man den Landschaftswandel durch die Nordseestürme und den Landverlust auf Sylt kaum persönlich erfahren!

 
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Leider bewölkt es sich am Samstagabend, während ich mir in Westerland in der nicht gerade attraktiven Hauptstraße des Inselhauptortes und im dortigen Congress Centrum die Startunterlagen abhole. Eine lange Läuferschlange wird zügig „abgearbeitet“, die Pasta schmeckt, wenngleich sie mengenmäßig nicht für einen 33-Kilometer-Lauf reicht, aber es gibt auch noch guten Kuchen; im Saal gibt es derweilen Infos zum Lauf und Darbietungen von Kindertanzgruppen. Als ich das Congress Centrum verlasse, bläst der Wind nach wie vor unangenehm von Osten: Die spannende Frage lautet also, wie es am Sonntag wird. Immerhin sind die Temperaturprognosen im Laufe der Woche nach oben gewandert, 4 bis 7 Grad sind jetzt prognostiziert, kein Niederschlag, aber weiterhin Wind mit Stärke 4 bis 5 von Osten – und bewölktes Wetter. Das ist in der Dünenlandschaft – 35 Prozent der Insel bestehen aus Dünen – eher trostlos: keine guten Aussichten also für Landschaftserlebnis und Fotographieren.

Der erste Blick aus dem Fenster am Sonntagmorgen zeigt: Der Wind bläst frisch, und der Himmel ist gerade mit Wolken aus dem Osten bedeckt, ganz wie vorhergesagt. Um 8:04 Uhr geht der einzige Bus von Wenningstedt nach Westerland. Immerhin bin ich nicht der einzige Läufer. In Westerland am ZOB sammelt dann die Verkehrsgesellschaft einen weiteren dicken Pluspunkt: Etliche Busse stehen bereit und fahren los, sobald alle Sitzplätze belegt sind; insgesamt erweist sich das Busunternehmen während des gesamten Syltlaufs als gut gerüsteter Partner. Die Fahrt geht allerdings leider nicht zum Hafen von Hörnum mit seinem maritimen Flair, sondern endet knapp drei Kilometer vorher „mitten im Land“, ohne Meerblick, am „Fünf-Sterne-Heim“.

 
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Klar, dass der Veranstalter für Start und Ziel Örtlichkeiten auswählen muss, die für 1000 Läufer gut geeignet sind. Weil ich aber Läufer treffe, die vorher beispielsweise noch nie das Südende von Sylt umwandert oder das Naturerlebniszentrum in List besucht haben, möchte ich den Rat geben, nicht nur nach Sylt wegen des Syltlaufs zu fahren: Plant zusammen mit dem Lauf mindestens zwei Tage ein, um sich in Ruhe die landschaftliche Exponiertheit der Insel in der Nordsee zu vergegenwärtigen! Dem Respekt vor dem Lauf, aber auch der Erlebnisqualität kommt das ungemein zugute.

Das Fünf-Sterne-Heim dient Jugenderholungsaufenthalten und gehört dem Fünf-Städte-Verein Pinneberg e.V.; für den Syltlauf ist es ein relativ guter Aufenthaltsort vor dem Start, an dem man auch noch seine Startnummer erhält, wenn man sie nicht am Vortag in Westerland abgeholt hat. Im Haus ist es angenehm warm, so dass sich dort die gesamte Läuferschar trotz ziemlicher Enge versammelt. Doch auch vor dem Haus ist es wegen des Windschattens noch gut auszuhalten. So gehen alle Läuferinnen und Läufer erst spät zum Start, und kaum jemand läuft sich warm. Wer nämlich den Windschutz verlässt, ist gleich mit Zweifeln bezüglich seiner Laufkleidung konfrontiert.

Die Taschen mit der Wechselkleidung kommen in zwei Busse und werden in List wieder bereitstehen – eine einfache, wenig personalintensive Problemlösung. Am Start gibt der Veranstalter vorab noch einmal nützliche Hinweise: Der Syltlauf ist kein „Wellnesslauf“, sondern wegen des Windes eine Herausforderung. „Lauft bis Wenningstedt nur mit 70 Prozent und gebt erst auf den letzten drei Kilometern alles“, so der Veranstalter-Tipp. Den ersten Teil dieser Ansage kommentiere ich mit: „Ob wir dann überhaupt dort ankommen“ und ernte Zustimmung in der Runde. „Jetzt haben wir nur Windstärke 3, für die Sylter also ein laues Lüftchen. Erst später wird der Wind auffrischen. Wir haben im Ziel schon gestandene Marathonläufer vor Anstrengung weinen sehen,“ so der Veranstalter weiter. Das kann ja heiter werden! Und in der Tat hat der Wettergott, hier vermutlich in Gestalt des Inselgottes Nekkepenn, ein Einsehen: Kurz vor dem Start bricht tatsächlich die Sonne durch’s Gewölk – klasse! Und kaum zu glauben: Die Sonne begleitet die schnellen Läufer bis ins Ziel!

 
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Nach dem Startschuss setzen sich 950 Läufer und 56 Staffelläufer in Bewegung: Auf dem ersten Kilometer hadere ich mit meinem Fotoapparat und Laufcomputer, dessen GPS-Modus dummerweise noch ausgeschaltet ist. Kurz vor dem ersten Kilometerschild sind beide Probleme gelöst – nur was ist das: die Polizei mit Blaulicht gleich hinter mir? Ich erlebe eine echte Premiere, bin plötzlich Letzter des Läuferfeldes: Das hatte ich noch nie! Und weil ich ja nicht nur Läufer von hinten sehen und am Ende am Vier-Stunden-Limit des Veranstalters – das er eisern einzuhalten verspricht! – scheitern will, beginnt jetzt die Aufholjagd. Da ich Temperaturen und Wind auf einmal eher als angenehm empfinde, gibt es dabei keine Probleme. Doch kurz nach dem zweiten Kilometer ist es damit vorbei: Die Polizei weist alle Läuferinnen und Läufer unmissverständlich von der zweispurigen Straße auf den Radweg zur Linken, auf dem nur drei Läufer gut nebeneinander laufen können. Und überholen geht nur mühsam und ist riskant, weil das sandige Gelände neben dem Radweg zu holprig ist; so überhole ich immer nur kurz, um mich dann wieder auf dem Asphalt zu „erholen“.  Bald wird klar wird, warum sich die Politsai – das ist friesisch – so verhält: Auf der Straße herrscht bald dichter Verkehr, fast ein Stau in Richtung Norden.

Etwas eintönig geht es nun einige Kilometer dahin, links Dünen, rechts Straße und Dünen, später auch Blicke auf’s Wattenmeer. Ein Läufer fragt von hinten, ob es denn dauernd bergauf gehe oder ob das nur eine Täuschung sei. Ich gebe zurück, es sei nur eine optische Täuschung. Ich kenne das Phänomen vor allem von Läufen entlang von Deichen. Straße und Radweg weisen nur ganz leichte Wellen auf – nicht nennenswert –, und da sich auch der Wind zurückhält, läuft es sich abgesehen von der kompakten Läuferschlange recht angenehm. Abwechslung bieten die Schilder an den Abzweigen nach „Sansibar“ (km 6) – ein renommiertes gastronomisches Ziel mit Weinkeller – und „Samoa“, eine bekannte Strandsauna. Landschaftlich begeistern mich die flachen Seen in den Dünen erst rechts, dann links der Straße; Ihre blauen Wasserflächen vermitteln jetzt im Sonnenschein ein freundliches Ambiente.

 
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Die ersten Häuser von Rantum nahen; reetgedeckt, wie viele Häuser auf Sylt, vermitteln sie echten Inselcharme. Und ein schönes M4Y-Erlebnis: Eine Läuferin, die mich zum wiederholten Mal fotografieren sieht, fragt, wo es die Bilder zu sehen gibt. Als ich ihr das sage, geht der Daumen hoch. Das passt doch zum M4Y-Jubiläums-Motto und dem Logo auf meiner Mütze. Nach Rantum folgt zur Rechten mehrfach Wald, in dessen Windschatten es sich entspannt laufen lässt, zumal der Radweg jetzt auch immer breit genug ist; besonders nett sind auch die Birken, die als „Windflüchter“ mit ihrer Wuchsform die Hauptwindrichtung verraten. Kurz hinter km 14 verlassen wir die Straße, und links rücken die ersten Häuser von Westerland ins Blickfeld. Dort geht es nach dem bisherigen langen „Geradeaus-Lauf“ abwechslungsreich mit einigen Abzweigungen zur Strandpromenade. Zuschauermäßig ist hier, bei km 16, der Höhepunkt. Fast Zielatmosphäre und nicht Etappenziel nach erst knapp der Hälfte der Strecke. So viel Aufmerksamkeit tut gut, zumal ich inzwischen trotz der Fotostopps fast im angestrebten Zeitrahmen laufe. Schön ist der Blick auf das weite Meer – beim Syltlauf übrigens kein sehr häufiger Anblick. Bei km 18 gibt es dann speziell für mich eine weitere Überraschung: Ich sehe eine Kollegin, die seit drei Wochen auf Sylt in Kur ist.

Wenningstedt ist der nächste Etappenort: Hier gibt es zum ersten Mal einen kleinen „Berg“ zu überwinden. Schön, dass ich den Ort schon kenne und weiß, wo ich auf der Strecke gerade bin, denn mehrere Male biegen die Läufer rechts ab und laufen dann gen Osten, voll hinein in den jetzt deutlich stärker gewordenen Ostwind. Der Dorfteich und die Friesenkapelle werden passiert, dann der wieder strikt nach Norden führende Radweg erreicht: Er markiert die Trasse der früheren Inselbahn. Als Schmalspurbahn mit 1000 mm Spurweite erschloss sie Sylt von 1888 bis 1970 – sicher für heutige Verhältnisse nicht leistungsfähig genug, aber angesichts der überlasteten Busse eine interessante Zukunftsoption, die das Image einer „Nationalparkinsel im nordfriesischen Wattenmeer“ stärken würde. Denn das ist für mich schon am vierten Tag auf Sylt klar: Die Insel bietet tolle Landschaften und Erlebnismöglichkeiten. Aber in der Hauptsaison, in der sich bis zu 150.000 Menschen auf den 99 Quadratkilometern tummeln, wäre es mir zu hektisch.

Auf der Trasse der Inselbahn geht es nun flott voran, besser: ginge es voran, aber jetzt bläst der Wind seitwärts und von vorn. Ostwind, während die Insel hier nach Nordnordost zieht, bedeutet quasi Gegenwind und den versprochenen „Kampf mit den Elementen“. Hinter Kampen mit schönen reetgedeckten Häusern kommen zum Gegenwind noch lange Steigungen und Gefälle hinzu. Der zweite Teil des Syltlaufs beginnt nicht bei rechnerisch 16,7 Kilometern, sondern erst nördlich von Wenningstedt bei Kilometer 22. Immerhin: Der Lauf aus Kampen heraus (km 25), auf eine Schmalstelle der Insel zu mit Blick auf das westlich und östlich liegende Meer und einsam links am Roten Kliff stehende Häuser, ist der erlebnismäßige Höhepunkt des Syltlaufs, der hier und auf den folgenden fünf Kilometern den Charakter eines sehr attraktiven Landschaftslaufs hat. Wer das Landschafts- und Aussichtserlebnis toppen will, sollte unbedingt die 52 m hohe „Uwe-Düne“, den höchsten Punkt der Insel mit Aussichtsplattform, erwandern. Bei klarer Sicht hat man von dort einen phantastischen Blick auf den Nordteil der Insel.

Kurz bevor es hinter Kampen endgültig auf der Inselbahntrasse (dem heute asphaltierten Radweg) abseits der Inselstraße durch die Dünen geht, ist ein Blick nach links interessant: Die auffälligen Hügel sind nicht etwa überwachsene Bunkerbauten, sondern ein Gräberfeld aus der Bronzezeit. Anschließend geht es mehrfach zwar sanft, aber ausdauernd auf- und abwärts. Hier ohne jede Straßengeräusche, sozusagen einsam durch die Dünen zu laufen, ist ein weiterer Höhepunkt des Syltlaufs, den allerdings manche Läufer nicht mehr als attraktiv, sondern nur noch als anstrengend erleben. Auch ich verliere auf diesem Streckenabschnitt einiges an Zeit: Der Vorsprung des „virtual partner“ wächst bei jedem Fotostopp und auch der Gegenwind sorgt für weiteren Zeitverzug. Da ich aber längst in den Genussmodus umgeschaltet habe, bleibe ich entspannt.

 
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Nach der letzten Verpflegungsstelle bei km 28 wird es noch härter, denn jetzt geht der Weg noch mehr nach Osten, also voll in den Wind. Die Wolken, die sich jetzt vor die Sonne schieben, sorgen für ein deutlich weniger attraktiveres Landschaftsbild. Wir überqueren die Listlandstraße und ich mache das letzte Bild auf der Strecke. Eine lange, zum Schluss ansteigende Gerade nimmt uns Läufer auf. Die Häuser auf dem hohen Hügel zur Rechten kommen kaum näher. Hier muss jeder Syltläufer kämpfen! Auch der Siegläufer hat hier die 44 Sekunden verloren, die ihm am Ende für eine Zeit unter zwei Stunden fehlen.

Das Ende kommt dann überraschend schnell: Noch einmal queren wir die Hauptstraße und streben dann mit einem leichten Rechtsbogen abwärts zum erst im letzten Moment in den Blick kommenden, aber längst „hörbaren“ Ziel. 3:28 Stunden sind für mich heute okay, denn zum Kennenlernen des Syltlaufs reicht auch eine schlechte Zeit.

Später, bei der Siegerehrung, erzählt mir ein früherer Gewinner, man müsse den Lauf erst kennen, ehe man ihn mit einer guten Zeit und einem vorderen Platz beenden kann. Ich fotografiere noch einige Läufer, die nach mir das Ziel erreichen und gehe dann in den warmen Aufenthaltsraum, wo es neben der schönen Medaille Bananen, Getränke und, sehr positiv, auch heiße Gemüsebrühe gibt.

Überhaupt scheinen dem Veranstalter, dem TSV Tinnum 66 mit seinem „Syltlauf-Team“, der persönliche Charakter des Syltlaufs und die Förderung auch der Jugend wichtig. Einiges mutet etwas antiquiert an, ist aber liebenswert: Zum Beispiel muss man sich (übrigens Jahr für Jahr wegen des Teilnehmerkontingents sehr frühzeitig) per Post anmelden und bekommt dann eine Ansichtskarte mit der Startberechtigung zugeschickt. Penibel wird auch auf die Einhaltung von verbindlichen Zeitlimits und der 4-Stunden-Sollzeit geachtet: „Unser Zielschluss ist endgültig und nicht verhandelbar.“ Zwar kommen Läufer auch nach vier Stunden durch’s Zieltor, sie erscheinen aber nicht mehr in den Ergebnislisten.

Die Siegerehrung findet ab 16:30 Uhr im Congress Centrum statt. Man hat also genügend Zeit für die Rückfahrt in den bereitstehenden Läuferbussen und für einen kostenlosen Besuch in der „Sylter Welle“. Zuvor gibt es den Kurzauftritt einer Mädchentanzgruppe, dann einige Worte von Franz Beilmann, dem Vater des Syltlaufs, der 2015 zum 34. Mal stattgefunden hat. Die Gesamtsieger, anschließend die drei besten Altersklassenplatzierten werden ausgezeichnet, beginnend bei den ältesten in der M80 (!) und M75. Für besondere Leistungen wie die ältesten und den jüngsten AK-Sieger gibt es wiederholt die „Sylter Rakete“, heftiges Schlagen auf die Tische in drei Steigerungen. Die Sieger der Hurrikan-Staffel des Lauftreffs Uelzen, der hier mit über 100 Teilnehmern sein 30-jähriges Sylt-Jubiläum feiert, kommen mit ihren acht überwiegend jungen Teilnehmern – und sogar einem Mädchen - auf das Podium und schließlich auch die Teilnehmer aller 56 Staffeln: Franz Beilmann sieht so den Breitensportcharakter des Syltlaufs betont. Es ist in der Tat ein würdiger Abschluss.

Auch auf der Rückfahrt im Bus sehe ich nur glückliche Gesichter: Zwei junge Läufer haben mit ihrer Schülerstaffel den dritten Platz belegt und freuen sich, dass ich sie mit ihren „Pokalen“, einer stilisierten Sylt-Darstellung, fotografiere. Als ich mit einem „Keep on running“ aus dem Bus steige, verlasse ich zwei hoffnungsvolle Nachwuchsläufer. Das Konzept eines anspruchsvollen Naturlaufs begeistert offensichtlich junge Läufer ebenso wie Läufer und „Wiederholungstäter“ jeden Alters – der Syltlauf ist jährlich immer schon im Herbst ausgebucht.

Sieger:

Männer:
Dennis Mehlfeld, Lübeck, MHK, 2:00:43
Ingmar Lundström, Gütersloh, M40, 2:08:50
Robin Dörrie, Hannover, M45, 2:09:30

Frauen:
Doris Marquardt, Bonn, W30, 2:21:02
Martina Boe-Lange, Uelzen, W45, 2:23:40
Silke Roesener, Moorläufer, W45, 2:26:52

Staffeln:
Hurrikan-Staffel, Lauftreff Uelzen, 2:09:04
Masonic Road Runnner, 2:22:45
Schulzentrum Sylt, 2:25:54

 

 


 

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