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Laufberichte

Sommer, Hochsommer, Szombathely

 

Szombathely (dt.: Steinamanger) liegt in Westtransdanubien, 130km südlich von Wien und 130km östlich von Graz, wir sind im äußersten Westen Ungarns.

Szombathely, als Savaria gegründet, war die älteste Stadt in der römischen Provinz Pannonien. Vor 2.000 Jahren führte hier die Bernsteinstraße der Römer durch. Heute leben hier 80.000 Menschen. Stadtbesichtigung am Samstag. Besonders schön ist die 1880 im maurischen Stil erbaute Synagoge, sie ist heute ein Museum.

In der katholischen Kathedrale (spätes 18 Jhdt., barock) wird gerade wie am Fließband geheiratet. Nichts deutet darauf hin, dass in dieser Stadt morgen früh ein Marathon über die Bühne gehen soll. Ein Sri-Chinmoy-Marathon steht am Programm, nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wer nicht mitläuft, hat keine Ahnung, was hier vor sich geht, das stört das überschaubare Starterfeld aber nicht. Wer Stimmung am Streckenrand braucht oder will, der muss woanders laufen, das ist vorher schon klar.

 
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Es werden so an die 100 Läufer sein, die sich ab 7 Uhr morgens am Ende der Gagarin út  einfinden, die meisten melden nach. Aus einem EURO-Land ungarische Fórint zu überweisen, ist mit vernünftigem Aufwand nicht  zu machen. Umgerechnet knapp € 13,- kostet der Marathonstartplatz. Die meisten Starter sind beim Halbmarathon, einen gut besuchten 8km-Lauf gibt es auch. Der homepage konnte ich im Vorfeld keinerlei Information über die Streckenbeschaffenheit entlocken, da dieser Marathon aber heuer bereits zum 15. Mal über die Bühne geht, nehmen Susanne, Willi und ich an, dass die einen Marathon veranstalten können.  Eine nette Helferin spricht deutsch, übersetzt uns das ungarische Anmeldeformular und informiert uns über Streckenverlauf und die Labestellen.

Wolkenloser Himmel, schon in der Startaufstellung stehen mir die Schweißperlen auf der Stirn. Es hat 22°C. Als um 8 Uhr alle loslaufen, laufen wir mit, ohne vorher ein Startsignal gehört zu haben. Erst gegen die Sonne, bald eine Schleife nach links, mit Blick auf ein eigenartiges Denkmal (Felszabadulási emlékmű), das man eher loswerden will. So sieht es zumindest aus der Nähe betrachtet aus - wir waren gestern oben - komplett verwahrlost. Vielleicht ist nur zu viel Eisen in dem Beton verbaut, um es gefahrlos sprengen zu können? Wie auch immer, wir laufen in einen schattigen Hohlweg und gewinnen Höhe. Hochsommer, 30 Grad aufwärts im Laufe des Tages sind zu erwarten, daher nichts übereilen.  

Gut, dass ich mein Berglauftraining bereits aufgenommen habe. Einige Streckenposten wirken beruhigend auf die Autofahrer ein, denn die Straße bleibt auch während des Rennens für den Individualverkehr offen. Ortsende Szombathely, wir bleiben auf der Straße. Die Läufer sind angehalten, am Streckenrand zu laufen. Links ist durch die Sträucher eine Pferdeweide zu erkennen, rechts ein paar Kleingärten. Bald kommen mir die ersten Halbmarathonis entgegen, denn nach etwa 1km haben die bereits eine Wende. Zwei Streckenposten achten darauf, die Startnummern haben je nach Bewerb eine unterschiedliche Farbe. Eine kleine Senke, und an einem Kreisverkehr mitten im Wald drehen nun die Marathonis um, nach 2,05km um genau zu sein. Hier ist eine Labestelle eingerichtet, es gibt Mineralwasser und Coca Cola im Becher.                        

Es geht zurück in den Szent István Park, wo wir vorhin gestartet sind. Nach 20min bin ich wieder unten.Nach der erneuten Schleife gilt es, die Jégpinec út wieder raufzulaufen, diesmal aber bis zu deren Ende und das 6x. Bin schon gespannt, wie es nach dem Kreisverkehr weiter geht. Ein Blick nach oben zeigt mir, dass mit steigendem Sonnenstand der Schatten weniger werden wird, das Blätterdach ist nicht geschlossen. Da wir aber schon um 08h00 gestartet sind, sollte ich vor Erreichen des Sonnenhöchststands im Ziel sein. Zu Beginn sind die 8km-Läufer noch dabei, da ist richtig viel los.

Ein Vater mit seinem kleinen Sohn hat es sich am Straßenrand gemütlich gemacht, sie feuern die Mutti an, uns aber auch: „Hajrá“. Es hört sich an wie „Heura“ oder „Hoira“ und wird nicht gerufen, sondern gesagt. Anfeuern kann man in anderen Sprachen besser!

Die Straße ist beiderseits von Bäumen und Sträuchern gesäumt, wir bewegen uns auf einer Anhöhe. Mit dem angenehmen Effekt, dass der Wind weht. Fast permanent und immer von der Seite. Wenn man sich die Höhenmeter wegdenkt, dann ist es perfekt für einen Marathon bei hochsommerlichen Temperaturen. Nach dem Kreisverkehr laufen wir erstmal durch dichten Wald, hier wird uns der Schatten erhalten bleiben. Immer auf Asphalt, der recht wellig ist, und zum Straßenrand hin abfällt. Man sollte also schon aufpassen, wo man seinen Fuß hinsetzt.

Ein paar sind losgebraust, als wäre es ein Sprintbewerb, da bin ich etwas zurückhaltender. Besonders ein tätowierter Hüne mit „MAGYAR“-Schriftzug am roten Shirt beginnt erstaunlich forsch. Kurz vor Ende der Jégpinec út begegnen mir bergauf u.a. Susanne und Willi, während ich noch runter laufe. Unten im Schatten eines Baumes dann die nächste Labestelle: Hier gibt es zum Wasser auch Waffeln, Erdnüsse, Melonen und Bananen. Für genügend Stärkung ist also gesorgt, trotzdem behalte ich meine Getränkeflasche bei mir.             

 
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Ich kippe mir einen Becher Wasser über den Kopf, fühlt sich gut an. Es geht zurück, erst leicht bergauf, dann vor allem bergab. Ich schaue mir an, wer sonst noch so unterwegs ist. Die Strecke ist schließlich ein einziger Gegenverkehrsbereich. Drei Marathondamen sind es, eine pro Altersklasse. Auf den kürzeren Distanzen ist der weibliche Anteil ein wesentlich höherer.

Am Rückweg sind einige unschlüssig: den Kreisverkehr außen nehmen oder auf dem relativ schmalen Weg mitten durch. Als später die Läufer weniger werden, laufen alle in der Mitte durch. Ist, glaube ich, auch so vorgesehen. Nach 8,4km bin ich wieder bei Start und Ziel. Hier gibt es zusätzlich belegte Brote, Hirsebällchen, Kekse und Mehlspeisen. Da soll man nicht dick werden! Die kurze Schleife läuft man in der Sonne, bevor man wieder in den Schatten eintauchen kann. Ein paar Zuseher haben sich noch eingefunden, wenn angefeuert wird, dann mit dem gleichen emotionslosen „Hajrá“ wie ich es schon kenne. Das macht man so hier. Nach einer Stunde nehme ich ein Energiebeutelchen zu mir. Die beiden Salami-Semmeln zum Frühstück um 5 Uhr früh sind abgearbeitet.

Bald werde ich von den ersten Halbmarathonis überholt, ich habe kein Problem damit. Die Startschwierigkeiten habe ich überwunden und ich habe mein Wohlfühltempo gefunden, variierend je nach Gefälle bzw. Anstieg. Richtig steil ist es nirgends, richtig flach auch nicht. An den anderen Sportlern erkennt man, wie man drauf ist. Wem begegnet man immer mehr oder weniger an denselben Stellen, wer knickt weg? Ist man es etwa selber? Kommen immer alle in derselben Reihenfolge? Susanne nicht, die holt auf und überholt, ist klar ersichtlich.

Ab Mitte des Rennes platziert sich ein Helfer mit einer Sprühflasche und besprüht einem auf Anforderung das Gesicht, scheint ihm Spaß zu machen.

Längst bin ich waschelnaß, das kühlt gut im warmen Wind. Da ich praktisch ständig nach Bedarf trinken kann, es gesalzene Erdnüsse gibt und Süßes, kann ich lange so dahin traben, da ist mir nicht bange. Alle 6,35km wird die Zwischenzeit genommen und notiert. Als ich zum vierten Mal zur Wendemarke kommen, ist mir nach Melone. Ein Stückchen abgeschnitten und einen Becher Wasser über den Kopf, weiter geht es. Der nun folgende Anstieg ist mittlerweile in der Sonne.

Ein paar Läufer fängt man nun an zu grüßen und anzulächeln, wie in einem konspirativem Zirkel. Ich erwarte kein Verständnis von den paar Umstehenden. Aber die, die wir da unterwegs sind, wir senden und empfangen auf derselben Wellenlänge. Wir sind nicht an oder in einem See, wir laufen, dabei wäre heute perfektes Badewetter. Der ungarische Hüne hat dramatisch Tempo rausgenommen. Als ich ihn überhole, sprechen wir uns ein ehrlich gemeintes „Hajrá“ zu. Das Ende ist ja absehbar. Auf meiner vorletzten Runde überrundet mich die schnellste Dame. Nach 3Std und 54min habe ich noch 6,35km vor mir, die letzte Runde beginnt. Laut ZAMG hat es nun 29°C. Um diese Zeit war ich vor zwei Wochen bereits im Ziel! Ein kleines Topfenbrot mit Paprika, schließlich sind wir in Ungarn, nehme ich noch als Wegzehrung.

Susanne begegnet mir, wenig später Werner, die beiden müssen nur mehr runter, ich habe die letzte Wendemarke noch vor mir. Wie ich sehe, ist meine Platzierung gut abgesichert. Kein Mensch 2km vor und 2km nach mir. Mich verdrängt keiner mehr von meinem AK-4.Platz.

Erwartungsgemäß dauert die letzte Runde am längsten. Schließlich laufe zügig zum Ziel runter, ein 14. Mal  über die kleine Böschung rüber auf den Gehweg und dann bin ich im Ziel, noch bevor die Sonne den Zenit erreicht hat.                                                                                                                                         
Ich komme gerade zu Susannes Siegerehrung zurecht. Sie ist AK-1. und Gesamtzweite, das heißt Gold- und Silbermedaille. Bravó!                                                                                            
Nur zu finishen ist hier zuwenig um eine Medaille zu bekommen. Meine Urkunde wird prompt ausgestellt, schon am späten Nachmittag sind wir wieder zuhause.

Das Startgeld von etwa  € 13,- (= 3.800 ft) gab es:

Bruttozeitnehmung, per Hand gestoppt, ein BW-Shirt mit Sri-Chinmoy-Aufdruck in gewünschter Größe, 32  Labestellen mit allem, was man braucht und mehr, 366 Höhenmeter auf 99% Asphaltstraße

Und ZAMG heißt:  Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik

 

Marathonsieger

 

Damen
1. Veiner Rita (H)            03:47,3
2. Schöberl Susanne (A)      04:12,3       
3. Fejér Zsuzsa (H)              04:26,5       
  
Herren
1. Kalmár Gerzson (H)   03:26,1      
2. Poór Péter   (H)            03:28,4      
3. Kormos Áron   (H)      03:34,4  

25 Finisher

 


 

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