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Laufberichte

San Francisco Marathon

31.07.11

Sonntagmorgen auf der Golden Gate Bridge

 

Der öffentliche Nahverkehr in San Francisco beginnt an Sonntagen erst 8 Uhr. Um pünktlich 5.30 Uhr am Start des San Francisco Marathons zu sein, ist man auf das Taxi angewiesen. Überhaupt weist in den Tagen vor dem Lauf nichts in der Stadt auf das Ereignis hin. Kein Plakat findet man und selbst die Hinweisschilder zu bevorstehenden Sperrungen und Verkehrsbehinderungen an manchen Straßen nennen nicht den Grund.

Der frühe  Start ist nicht dem Wetter geschuldet, denn es ist Ende Juli eher kühl in San Francisco. Die heiße Sommerluft über dem Festland führt auf dem Pazifikwasser der Bay zu sich kaum auflösenden Nebel. So steigen die Temperaturen auch in der Mittagszeit kaum über 70 Grad Fahrenheit, was für den Mitteleuropäer etwa 20 Grad Celsius sind - also fast optimales Marathonwetter. Allerdings verlangen die örtlichen Behörden, dass die Golden Gate Bridge ab 9 Uhr wieder voll dem Verkehr zur Verfügung steht, was den frühen Start notwendig macht.

Mit etwa 6000 Marathonläufern ist die Veranstaltung einer der mittelgroßen Marathons in den Staaten. Klein genug jedenfalls, dass man auch Halbmarathonläufer auf beide Streckenhälften schickt.

Wenn die Läufer sich in die Startblöcke begeben, ist es noch dunkel und die beleuchtete Brücke nach Oakland bietet eine beeindruckende Kulisse. Bevor die beiden großen Brücken in den dreißiger Jahren gebaut wurden, war die Stadt vom Festland aus nur mit Fähren sinnvoll zu erreichen. In dieser Zeit hatte das Ferry-Gebäude neben dem Start seine Blütezeit erlebt. Heute legen hier zwar auch noch Fähren ab, doch vor allem beherbergt das Gebäude nun die etwas bessere Gastronomie. Dass die Burger bei „Gott it“ zu den besten der Stadt gehören, sollten wir nach dem Lauf feststellen. Doch zuerst musste ein Kinderchor noch die amerikanische Hymne singen, dann starteten die Spitzenläufer und schließlich im zehnminütigen Abstand die einzelnen Startblöcke. Außerdem wurde es nun hell.

 
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Die Strecke führte an den um diese Zeit noch menschenleeren Piers entlang, die wie Fishermans Warf heute vor allem Touristenattraktionen mit Restaurants und Vergnügungsbahnen sind. Einige Meilen weiter hatte man die ersten Blicke auf die Golden Gate Bridge, die morgendlich im Nebel lag. An dieser Stelle jubelten auch die ersten Zuschauer den Läufern zu. Mit amerikanischen Fahnen und Fotos erinnerten sie dabei an gefallene Soldaten - wir liefen durch ehemaliges Militärgelände. Die Golden Gate Bridge sollte der Höhepunkt des Laufes sein. Für die Läufer waren zwei Fahrbahnen gesperrt, während auf den übrigen Spuren der Verkehr vorbei rauschte. Im Mittelfeld galt es daher leider vor allem darauf zu achten, niemand in die Hacken zu treten.

Auf dem Parkplatz an der anderen Seite der Brücke, der zugleich Wendepunkt der Brückenüberquerung war, spielte einsam eine Rockband mit gewaltigen Bärten. Diese Verpflegungsstelle war die erste von den beiden, an denen es Gel gab. Ansonsten wurden nur Wasser und Isogetränke gereicht.

Hinter der Brücke führte die Strecke durch gepflegte, aber noch völlig verschlafene Wohngebiete. Nur selten sah ein Frühaufsteher mit der Kaffeetasse in der Hand hinter der Gardine hervor. Dies änderte sich bald im Golden Gate Park. Im relativ dicht bebauten San Francisco ist es ein Park mit gewaltigen Ausmaßen, rund 5 km lang und 800 m breit. Der Park ist recht hüglig und so führte die Strecke hier oft mehr oder weniger stark bergauf. Überhaupt ist der Marathon in San Francisco mit rund 400 Höhenmetern kaum für Bestzeiten tauglich.

Der schöne Park mit seinen Wiesenflächen, künstlichen Seen, einem japanischen Teepark, Sportanlagen und Museen ist ein beliebtes Sonntagsziel der Einwohner. Einige von Ihnen waren auch in dieser zeitigen Stunde  schon im Park, um den Läufern zuzujubeln. Ein Zuschauer teilte mir auf einem großen Schild mit, dass Jesus mich liebt. Der direkte Einfluss dieses Hinweises auf meine Laufleistung dürfte aber eher begrenzt gewesen sein. Auf anderen Schildern wurde einer Mama der Liebe ihrer Kinder versichert und  Gerret zum Helden erklärt. Leider musste ich das von einer Zuschauergruppe angebotene Bier zu diesem frühen Zeitpunkt ablehnen.

Im Park war auch Ziel des ersten und Start des zweiten Halbmarathons. Folge war, dass von nun an sich die schnelleren Halbmarathonläufer durch das Mittelfeld der Marathonläufer schoben. Die hatten dadurch auf dem zweiten Teil der Strecke das zweifelhafte Vergnügen, permanent überholt zu werden. Allerdings wurde dies dadurch kompensiert, dass die Strecke ab km 31 vorrangig bergab ging, wenn auch Anfangs mit gewaltigem Gefälle. Wer die Krimiserie der 70er Jahre „Die Straßen von San Francisco“ kennt, hat etwa eine Vorstellung, was ich meine. Nach dem Park folgt die Strecke der bunten Haight Street, dem Zentrum der Hippiebewegung, die der Stadt eine starke Prägung gab. Allerdings liegt das Interesse dieser Bevölkerungsgruppe nicht vorrangig darin, am frühen Sonntagvormittag einem Marathonlauf zuzuschauen.

Nach Wohngebieten mit den für die Stadt typischen Häusern im viktorianischen Stil und schließlich einem öden Gewerbegebiet erreichte die Strecke wieder das Ufer der Bay, untrügliches Zeichen, dass sich das Ziel näherte. Hier konnten die Läufer noch eine Band bewundern, die mit ihrem schrillen Outfit deutlich machte, dass San Francisco auch als amerikanische Hauptstadt der Homosexuellen gilt.

 
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In Zielnähe kam nach dem Golden Gate Park dann zum zweiten Mal so etwas wie Stadtmarathonfeeling auf. Hier bejubelten vor allem die Angehörigen ihre Läufer.
Im Ziel gab es reichlich Verpflegung und eine Medaille, die ich in dieser Größe noch nicht in meiner Sammlung hatte. Dafür war auch nicht der Ansatz von Umkleide- oder gar Duschmöglichkeiten vorhanden.

Da der Sieger bei den Männern Michael Wardian mit 2:27:06 h kurz vor 8 Uhr im Ziel war, hätte er wie alle Läufer nun den öffentlichen Nahverkehr nutzen können. Dort schauten die meisten Fahrgäste etwas ungläubig auf die durchgeschwitzten, in Folie gehüllten Gestalten. Was die so früh gemacht haben, dürften ihnen wie den meisten Einwohnern der Stadt unbekannt geblieben sein.

 


 

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