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Laufberichte

Sagenhaftes Gebirge, sagenhafte Trails

 

V. Riesengebirgsmarathon 
mit Weltmeisterschaft im Berglauf auf der Langdistanz

 

Auch weitgereiste Marathon-Touristen wissen auf Anhieb nicht, wo sich Sklarska Poreba befindet, jener Ort im sagenreichen Riesengebirge (Karkonosze), der Heimat des Rübezahl an der Grenze zwischen Polen und Tschechien im einstigen Niederschlesien, wo am 3. August 2013 die 10. Weltmeisterschaften im „Long Distance Mountain Running“ – 2012 im Rahmen des Jungfrau-Marathons von Interlaken aus durchgeführt – ausgetragen wurden. Doch die Website der Stiftung Maraton Karkonoski bot in ansprechender Form all jene Informationen, die man benötigte, um sich für diesen Bewerb zu registrieren.

Nachdem ich bereits mit M4Y-Reporter Herbert Orlinger eine Fahrgemeinschaft nach Wunsiedel zum Fichtelgebirgsmarathon zwei Wochen davor eingegangen war, die sich sehr bewährt hat, konnte ich diesmal meinen Clubkollegen Ernst Fink überzeugen, mit nur einem Auto die 380 km von Linz über Freistadt, Budejowice (Budweis), vorbei an Prag und weiter über die Europastraße 65, die bis Stettin an der Ostsee führt, in den vor dem 2. Weltkrieg Schreiberhau heißenden Zielort zu fahren. Ein prominenter Ehrengast hatte sich uns in Linz angeschlossen: Robert Gruber, der österreichische Bergmarathonstaatsmeister des heurigen Jahres, der den 27. Veitscher Ultra-Alpin-Marathon in der Steiermark über 54 km mit über 2000 HM in 4:00:52 Stunden gefinisht hatte – für ihn Grund genug, sich auch bei der WM im Riesengebirge einen vorderen Platz auszurechnen.

Die Autofahrt an einem heißen Freitag mit viel Wochenendverkehr dauerte allerdings fast sechs Stunden, sodass wir gerade noch rechtzeitig zur Startnummernausgabe und Pastaparty kamen, die von 16-20 Uhr im Startbereich an der Talstation des „Sudety“-Liftes, der von 710 m.ü.d.M. ca. 850 m hinauf nach Szrenica, dem Ziel des Marathons, führt. Ernst und ich hatten je ein EZ mit HP in der Villa Romantica gebucht, die mit ca. 45 Euro pro Nacht sich als empfehlenswertes Quartier erwies– das Abendessen war allererste Qualität. Robert als Salzburger Naturbursche schlug sein Zelt unweit des Startes auf und war somit einer der Ersten vor Ort gewesen, als der Marathon am Tag darauf pünktlich um 8.30 Uhr vom Präsidenten des WMR, Bruno Gozzelino, gestartet wurde.

Am Abend hatten Robert, Ernst und ich uns nach der Pastaparty noch ein großes Bier gegönnt und festgestellt, dass wegen der Marathon-WM die mit knapp 7000 Einwohnern zum Landkreis Jelenia Gora gehörende Kleinstadt Sklarska Poreba mit ca. 800 registrierten Marathonteilnehmern plus fast nochmals so vielen Betreuern und Angehörigen richtig überlaufen war. Doch abgesehen von Bergwandern, ein wenig Mountainbiken und Schifahren im beschränkten Ausmaß (aus Sicht eines verwöhnten Älplers aus Österreich), kann man hier eigentlich wenig unternehmen, zumal das Tal relativ eng ist und die Weitläufigkeit der Ebene in der bergigen Landschaft naturgemäß fehlt.

Ernst Fink (M-45) und ich (noch ein halbes Jahr M-55) sind Vorstandsmitglieder des erst am 26. Juni 2013 ein Jahr alt gewordenen 100 Marathon Club Austria, daher sozusagen an vorderster Front stehend und beispielhaft voranlaufend, um die eigene Statistik beständig auszubauen. Der Riesengebirgsmarathon sollte mein 32. Lauf über 42,195 km im heurigen Jahr sein, Ernst hat heuer auch schon 14 Marathons bestritten. Robert hingegen ist ein Siegläufer (Bestzeit: 2:26 Stunden), der sich am Start ganz vorne hinstellt und auch diesmal gleich mit der Weltelite mitlief. Da auch Ernst um eine Stunde schneller bei Marathons finisht als ich, platzierte ich mich gleich am Ende des Feldes.

 
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Schon beim Start um 8.30 Uhr hatte es über 20 Grad C. Ich bedauerte es, die eingepackte, vor der Sonne schützende Kappe nicht im Kleiderbeutel mitgenommen zu haben, denn nur beim Anstieg auf der ersten Etappe spendeten Nadelbäume entlang der Strecke ein wenig Schatten. Oben am Berg brannte die Sonne direkt auf die Köpfe jener Läufer/innen, die weder eines der schicken und zweckdienlichen Tücher umgebunden (ein Werbetuch von Enervit war im Startsackerl), noch eine andere Bedeckung dabei hatten.

Als notorischer Marathonsammler wird man etwas bescheiden, was die Finisherzeit betrifft. Was zählt, ist das Dabeisein. Für mich sind 4:30 bis an die 5 Stunden bei einem Marathon in der Ebene in Ordnung, bei einem Bergmarathon je nach Schwierigkeitsgrad auch 6 Stunden und mehr passabel. Der vermeintliche Vorteil ist, dass man bei so langsamen Zeiten, die sogar flotte Geher unterbieten können, nicht so sehr müde wird und daher jede Woche (auch als Endfünfziger) bei einem Marathonbewerb antreten kann. Heuer habe ich auf diese Weise sogar schon 5 Doppelpacks geschafft, also je einen Marathon an einem Samstag und darauffolgenden Sonntag. Die Anreisen (von Österreich ins benachbarte Ausland: Deutschland, Italien, Slowakei, Slowenien, Schweiz Tschechien, Ungarn) waren meist kräfteraubender als die sportliche Leistung. Ich kann daher nur alle Oldies bestärken, es auch zu probieren. Man erlebt den Genuss  intensiver als ein unter Zeitdruck stehender Läufer.

 
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Doch diesmal war der zeitliche Rahmen auch für mich klar vorgegeben: Von der Talstation des Schiliftes nach dem Start hinauf zur Berghütte Łabski Szczyt und weiter zur ersten Kontrollstelle an der Rundfunkrelaisstation Sniezne Kotly (ca. 6,5 km) durfte man nur 1 Stunde und 15 Minuten benötigen. Die Steigung betrug mehr als 12 %, die Laufstrecke wurde zusehends steiniger. Im Gänsemarsch in praller Sonne quälten sich Hunderte den Berg hinauf. Doch die Zeit wurde immer knapper, nur wenige hinter mir schafften noch die erste Hürde, die ich mit 1:15 passierte. Auch ich hätte das Zeitlimit fast nicht einhalten können, zum Glück war der Weg zur Rundfunkstation ziemlich eben, sodass ich vielleicht zwei Minuten läuferisch aufholen konnte. Dort befand sich auch die erste Labestelle – es gab Mineralwasser, Iso und Kekse.

Die Landschaft im Riesengebirge ist gekennzeichnet durch große herausragende Felsformationen, dicht bewaldete Berghänge, karge Böden am Berg, abgestorbene Bäume knapp an der Waldgrenze und eigentlich nur einem einzigen markanten Rundweg, auf dem an diesem Tag nicht nur die Bergmarathon-Weltelite anzutreffen war, sondern zeitgleich Hunderte Wanderer mit Kind und Kegel, die einem manchmal auf der Strecke nur ungern Platz machten. Der Unterschied zu den Läufern war in der Kleidung auszumachen. Die einen luftig und sportlich, die anderen oft mit Anorak, riesigen Rucksäcken, Bergschuhen – und man glaubte es nicht – auch einfachen Hausschuhen und sogar Badeschlapfen.

 
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Als ich die Veranstalter-Website genau studierte, war ich ein wenig fasziniert von den Fotos der Wanderwege im Riesengebirge. Es schien, als hätte man kilometerweit Granitblöcke in die Berghänge verlegt und steinerne Treppen gebaut.  Vor Ort bekam ich dann zu spüren, welche große Probleme es nicht nur mir bereitete, in diesem Gelände voranzukommen. Die Gefahr, darauf aus- oder abzurutschen, war immer gegeben. Mehrmals bin ich umgeknickt, gestolpert, konnte einen Sturz gerade noch verhindern.

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