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Laufberichte

Rheinsteig-Erlebnislauf (4. Etappe): Auf und nieder immer wieder

14.04.14

Die Baumwipfel schlagen über meinem Kopf zusammen. Steil führt der Weg hinab. Wasser gurgelt zu meinen Füßen. Immer enger wird der Weg. Links und rechts schrauben sich die glatten Felswände senkrecht in die Höhe. Es wird immer dunkler. Die Steine, auf denen ich mich bewege, werden nasser und nasser. Teilweise geht es nur über kleine Brücken und an Stahlseile geklammert weiter. Meine GoreTex-Schuhe patschen durchs Wasser. Ich bin im Paradies.

„Der Rheinsteig ist der unbequemste Wanderweg, um von Bonn nach Wiesbaden zu gelangen. Aber auch der schönste.“ So überschrieb die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ ihren Beitrag zur Erstausgabe des Rheinsteig-Erlebnislaufs über 320 km und 13.200 Höhenmeter in acht Tagesetappen vor mittlerweile acht Jahren. Genau so lange verbinden begeisterte Langstreckenläufer das Angenehme mit dem Nützlichen. Denn neben dem Erlebnis von Sport in der Gemeinschaft und schöner Strecke ist noch eine weitere Qualität verbunden, denn der Lauf dient einem guten Zweck.

Rund 40 Ultramarathonläufer sind in dem geführten Gruppenlauf (kein Wettkampf) die komplette Strecke oder als Etappenläufer dabei und spenden ihre Startgelder von mindestens 0,50 Cent pro km dem Kampf gegen die Duchenne Muskeldystrophie. An dieser tödlich verlaufenden Krankheit leiden ausschließlich Jungen, im gesamten Bundesgebiet ca. 3.500. Die „aktion benni & co.“, ursprünglich von meinem Nachbardorf Niederbreitbach ausgehend, widmet sich dem Kampf gegen diese Geißel und freut sich über die stets zum Jahresende von den Laufinitiatoren und –organisatoren Brigitte und R(du)olf Mahlburg übergeben Spenden. Zwischen 5.000 und 6.000 € kommen da jedes Jahr zusammen.

 
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Ich bin, wie in jedem Jahr, gerne wieder mit dabei, diesmal u.a. auf der vierten Etappe von Urbar bei Koblenz bis nach Filsen. Diese Etappe kenne ich noch nicht, rund 45 km und 1.600 Höhenmeter sind ausgeschrieben. Obwohl immer nur als Etappenläufer mit von der Partie, begrüßen mich die Wiederholungstäter herzlich und ich bin froh, Teil des Ganzen sein zu dürfen. Es ist schön, gemeinsam mit netten Menschen seine Gesundheit und Fitness gewinnbringend einsetzen zu können.

Nach wenigen Metern kommen wir zu einem Kindergarten, wo wir schon erwartet werden. Die kleinen Jungs und Mädels begleiten uns auf dem ersten km und erhalten zum Dank einige unserer nagelneuen Schirmmützen. Leider kann ich meine nicht hergeben, denn uns ist Aprilwetter angedroht und als Brillenträger kann ich auf den Schutz nicht verzichten. Mit nasser Brille sieht’s und läuft’s sich schlecht. Bergauf sind wir bald auf einem Plateau. Ich erkenne die Stirnseite der inzwischen aufgegebenen Kaserne, in der ich die letzten drei Jahre als Soldat mein Unwesen trieb. Junge, wie Zeit vergeht!

Seit der Bundesgartenschau vor wenigen Jahren ist das Vorfeld der Festung Ehrenbreitstein, die wir jetzt ansteuern, mustergültig hergerichtet und immer noch gut in Schuß. Toll ist auch die begehbare Aussichtsplattform, von der man einen schönen Blick  auf die Stadt Koblenz und das Rheintal hat. Leider muß man seit einigen Jahren Eintritt zum Betreten der Festung berappen, wir aber werden verschont und dürfen deren Schönheit für „umme“ genießen. Ja, wirklich Schönheit, denn man hat gewaltige Summen verbaut, um die riesige Anlage wieder herzurichten. Daß sie als Hauptwerk der ehemaligen Festung Koblenz überhaupt noch vorhanden und der Schleifung aufgrund des Versailler Vertrages entging, ist nur Glück und ihrer schon zum damaligen Zeitpunkt militärischen Bedeutungslosigkeit zu verdanken. Heute können wir froh darüber sein, denn sie ist ein echter Publikumsmagnet.

Nach einem ausgiebigen Blick auf das deutsche Eck mit dem Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. und einigen kompetenten Erklärungen der mitlaufenden Projektmanagerin Wandern, Karin Hünerfauth-Brixius von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, steigen wir ins Mittelrheintal hinab und laufen zunächst an den Gestaden von Vater Rhein entlang in Richtung Süden. Ich liebe meine Geburtsstadt und freue mich, hintereinander das kurfürstliche Schloß, das jetzt leerstehende ehemalige Grand Hotel, das traumhafte Regierungsgebäude der ehem. Rheinprovinz, die Schiffsbrücke, das Pegelhaus (ehem. Rheinkran) und das Weindorf auf der gegenüberliegenden Seite bewundern zu können.

Der Leinpfad, auf dem früher Pferde die Schiffe rheinaufwärts zogen, bringt uns in den Koblenzer Stadtteil Pfaffendorf. Ein Unentwegter hat die Vereinsfahne des 1. FC Kaiserslautern herausgehängt und hofft wohl, daß das zu erwartende Gemetzel im Halbfinale des DFB-Pokals bei den Bayern nicht allzu drastisch ausfällt. Wir verlassen den Rhein, steigen ins Bienhorntal auf und bekommen so einen ersten Geschmack von den heutigen schönen Trailabschnitten. Gut ausgebaute Waldwege und schöne schmale Trampelpfade bringen uns zum Einstieg in die Ruppertsklamm. Die zu erleben ist der Oberhammer, eingangs habe ich meine Gefühle beschrieben. Schade, daß die im düsteren Licht gemachten Fotos dieses herrliche Stückchen Erde nicht ansatzweise so schön wiedergeben, wie es ist.

 
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Eine gemütliche Art der Fortbewegung ist das, was wir hier und heute betreiben. Und das ist gut so, denn die Gegend ist zu schön zum Vorbeihetzen und durch das langsame Tempo und immer wieder Warten auf Nachzügler können auch Marathonnovizen einen Ultra schaffen. Als Etappenläufer muß man auch immer berücksichtigen, daß die Masse der Läufer in den Vortagen schon drei schwere Ultras von je über 50 km mit jeder Menge Höhenmeter hinter sich hat. Am Rande Lahnsteins wartet Paradies Nr. 2: Das Running Team Bad Ems hat einen sagenhaften Verpflegungsstand mit allem, was man sich vorstellen kann, aufgebaut. Alleine drei Bleche selbstgemachten Kuchen und eines mit einer Art Lauchkuchen (dem Zwiebelkuchen ähnlich) machen die Auswahl schwer, denn alles kann man unmöglich essen. Dazu gibt’s auch frischen Kaffee. Einfach toll.

Einige Meter begleiten wir die Lahn, bevor wir sie auf einer Fußgängerbrücke überqueren. In der Mitte des kleinen Flusses befindet sich ein Grasstreifen mit Pavillons und Gartenstühlen. Idylle pur! Auf und nieder immer wieder, so ist das halt beim Rheinsteig. Rauf auf die Höhe und über die Aspichklamm, die aber wesentlich moderater zu bewältigen ist, kommen wir wieder ins Tal. Hinter dem Lahnsteiner Stadtteil Einmuth verlassen wir die Zivilisation erneut, steigen auf und brettern über einen nicht ganz ungefährlichen Schotterweg handlaufgesichert wieder nach unten. Jetzt erwartet uns ein weiterer Höhepunkt: Die Marksburg hoch über Braubach.

Diese einzige nie zerstörte Höhenburg am Rhein hat es allen angetan. Uns, die wir sie im Logo des Rheinsteig-Erlebnislaufs auf dem Trikot tragen, allen Wanderern sowieso und auch den Japanern. Die wollten sie in den 80er oder 90er Jahren allen Ernstes kaufen, abtragen und auf Nippon wieder aufbauen. Die lokale Begeisterung über dieses Angebot hielt sich erwartungsgemäß in Grenzen, selbstverständlich auch die der Deutschen Burgenvereinigung, die hier ihren Hauptsitz hat. Was sollten die dann auch auf einem nackten Felsen? Also gab es keinen Deal, was die Damen und Herren aus Fernost aber nicht davon abhielt, das Teil zu vermessen und 1:1 in Japan zu reproduzieren. Sachen gibt’s! Und auch für uns gibt’s etwas, nämlich eine heiße Gemüsesuppe und ein Getränk nach Wahl vom Marksburger Gastronomen gesponsert, und das im feinsten Saal des Hauses.

 
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Schwer fällt mir das Wiederanlaufen. Wenn ich ehrlich bin, die Pause ist mir zu lang, aber ich bin ja nur Etappenläufer. Aber wenn Du schon fünf Stunden unterwegs bist, schaltet der Körper nach einer gewissen Phase auf Regeneration um und will nicht mehr so richtig. Hilft ihm heute aber nichts. Unsere liebe Co-Autorin Birgit Fender, die den Rheinsteig mit ihrem Norbert ebenfalls unsicher macht, fotografiert sich auch die Finger wund und den Akku vorzeitig leer. Die beim 6-Stunden-Lauf geklaute Kamera wurde wieder ersetzt, auch daher dürfen wir von ihr wieder einen Bericht, aber über die gesamte Tour, erwarten. Jörg, der Flussläufer, ist mit Hund dabei und der ist unglaublich. Über 40 km zieht der, was das Zeug hält, und röchelt dabei, als hätte sein letztes Stündlein geschlagen. Das verträgt nicht jeder von uns und so halten manche größeren Abstand zu ihm. Aber er ist ganz brav und freut sich seines Lebens.

Herrliche Ausblicke auf den Höhen sorgen immer wieder für Fotostopps, die sein müssen und auch dürfen. Was haben wir nur ein Schwein mit dem Wetter! Angekündigt war der schlechteste Tag der Woche mit immer wieder einsetzenden Regenschauern. Wir erleben häufig Sonne und der einzige nennenswerte Guss erfolgt während unserer Pause in der Marksburg. So ließ sich der gut aushalten. An einer eisenhaltigen Quelle im Wald erfreut uns der Lahnsteiner Globus-Markt mit einer schon wieder hochwillkommenen Verpflegungsstelle. Ich weiß wirklich nicht, wie ich hier und heute mit einer negativen Kalorienbilanz nach Hause kommen soll. Hoch über Osterspai erklimmen wir eine Höhe und der Blick nach rechts zeigt einen schier undurchdringlichen grünen Teppich, nichts, aber auch gar nichts weist auf Zivilisation hin. So ähnlich muß sich das Bild flächendeckend den Römern dargeboten haben, als sie sinnvollerweise beschlossen, unter anderem uns Westerwälder Germanen bleiben zu lassen.

Der schöne Tag neigt sich seinem Ende zu. Unsere Wanderer erwarten uns einen guten km vor unserem Ziel Filsen, auch Wüsten- und wüste Läuferin Heidi ist dazugestoßen und freut sich ein Loch in den Bauch, uns zu sehen. Nach allgemeinem Abknutschen werden dann die letzten Meter in Angriff genommen und eigentlich, ja wirklich, ist das Ziel zu früh erreicht. Schön war’s! Im nächsten Jahr wird zehnjähriges Jubiläum gefeiert und für mich ist es selbstverständlich, auch zum zehnten Mal mit dabei zu sein. Danke, Rolf und Brigitte!

 


 

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