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Laufberichte

Rheinsteig-Erlebnislauf (1. Etappe)

22.03.13

Immer wieder gerne

 

Das ist ein für mich strammes Programm, das ich mir ausgesucht habe: Halbmarathon in Frankfurt am 10., Wiedtal-Ultratrail am 16., Fliegerhorstlauf (10 km) am 20. und heute schon den nächsten Ultra in Form der ersten Etappe des Rheinsteig-Erlebnislaufs. Aber es gibt Dinge, zu denen ich einfach nicht nein sagen kann.

Bereits zum achten Mal organisieren Brigitte und Rudolf Mahlburg ihren Acht-Tage-Lauf den kompletten Rheinsteig entlang von Bonn nach Wiesbaden über 320 km und 11.700 Höhenmeter. Jedes Jahr springen bei diesem Benefizlauf tausende Euros zugunsten der Stiftung „Bennie & Co“ heraus, die sich dem Kampf gegen die Duchenne-Muskeldystrophie verschrieben hat. Dies ist eine Krankheit, die nur Jungs betrifft und spätestens im jungen Erwachsenenalter zum Tod durch Ersticken führt, wenn der Muskelschwund gesiegt hat. Pro km spenden die Komplettläufer einen halben Euro, die Etappenläufer 20 € pro Teilstück. Bevor ich es vergesse: Bis einschl. Karfreitag könnt Ihr noch kurzentschlossen dabei sein. Alle Infos unter www.rheinsteig-erlebnislauf.de.

Ich fahre ans heutige Etappenende nach Unkel/Scheuren, wo mich der nette Hotelier zum Start mitnimmt. Ein tolles Prinzip, welches das Gepäck-Transportproblem löst. Immer holt der nächste Hotelier das gesamte Gepäck am Etappenstart ab. Am ersten Tag wird um 8:30 Uhr gestartet, eine halbe Stunde später als üblich. Wieder begleiten uns die Kindergartenkinder von nebenan auf den ersten Metern, Hand in Hand geht es los. Dann haben wir ein Einsehen mit den Erzieherinnen, die bereits schwer am Pumpen sind. Die Kleinen könnten durchaus noch weiterlaufen. Bergab geht es in die Bonner Innenstadt zum alten Rathaus. Dort, am offiziellen Beginn des Rheinsteigs, werden wir, das sind rund dreißig Läuferinnen und Läufer, von der Stadtverwaltung und Vorstandsmitgliedern des Vereins öffentlichkeitswirksam begrüßt und pressebegleitet auf die Reise geschickt.

 
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Noch zunächst über den Rhein, durch die Telekom-Zentrale, über die Autobahn und durch einen Vorort steht bald die erste Steigung zum sog. Foveaux-Häuschen an. Dies ist ein 1820 errichteter netter Aussichtspunkt, an dem eine erste kurze Rast eingelegt wird. Für diejenigen, die diese Art der Fortbewegung nicht kennen: Es eine Art „Wanderlauf“, die Gruppe bleibt zusammen, geht die Bergaufstücke, im Geraden wird gejoggt und bergab gelaufen. Wir entern den Wald, der sich hier noch Ennert nennt, bevor er später zum Siebengebirge wird. Besondere Aufmerksamkeit garantiert uns heute Heinrich, der trotz der oft zweifelhaften Untergründe barfuß unterwegs ist und von Spaziergängern immer wieder bestaunt wird.

 
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Oberhalb der unmittelbar am Rhein verlaufenden B 42 geht es rheinaufwärts über gute Waldwege in Richtung Oberdollendorf. Das nördlichste rheinische Weinanbaugebiet gewährt jede Menge schöne Blicke über die Wingerte (Weinberge). Der markante Petersberg mit dem Steigenberger Hotel auf der Spitze (früheres Gästehaus der Bundesregierung) ist unser nächstes Ziel, das wir durch ein kleines Tor auf steilem Weg erklimmen. Von dessen Terrassenseite aus kann man einen unvergleichlichen Blick auf das gegenüberliegende Bonn genießen, wenn das Wetter stimmt, was heute endlich einmal der Fall ist. Tatsächlich haben wir heute nach dem Sch…wetter der letzten Wochen mal einen Ausnahmetag. Zwar Frost am Morgen, aber viele Stunden Sonne. Hier machen wir, wie immer, eine kleine Rast und nutzen auch die saubere, geheizte (!) Toilettenanlage.

 
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Den Petersberg müssen wir wieder über viele Stufen hinunter, die feucht ganz schön gefährlich sind. Jogi Löw würde sagen: Höggschte Aufmerksamkeit! Sehr aufmerksam müssen wir laufen, denn schnell hat man mal eine Abzweigung verpasst und muß wieder den Pfad der Tugend finden. Wir überwinden den vielbefahrenen Zubringer zur A 3 und sind im Gelände der traditionellen Läufe des LT Siebengebirge. Vom Geisberg, wo zwei ältere Damen qualmend die frische Luft genießen, lassen wir hechelnd kurz den Schweif rheinaufwärts blicken, bevor uns der Weg wieder hinabführt. Wir passieren nach einer langen Bergabpassage das sog. Milchhäuschen, ein hochbeliebtes Ausflugslokal. Schon ein paar hundert Meter zuvor habe ich mich vor dem Anblick gegraust, der exakt so vorzufinden ist: Gabi, Martine und zwei weitere unserer Begleiterinnen sitzen beim Cappuccino in der Sonne und lassen es sich gutgehen. Mann, und wo bleiben wir?

Der nächste dicke Brocken, das erkennen wir nach der Unterquerung der Gleisanlage schnell, wird der Drachenfels. Zwischenziel auf dem Weg zum „höchsten Berg Hollands“ (früher fielen die Kameraden hier zu Tausenden ein) ist zunächst die Drachenburg, ein frisch renovierter Traum in Stein mit wechselvoller Geschichte. (Erst) 1882 legte Baron Stephan von Sarter, er war durch Börsenspekulationen zu großem Reichtum gelangt, den Grundstein zu seinem repräsentativen Wohnsitz, einer Mischung aus Villa, Burg und Schloss. Er wohnte hier zwar nie, hinterließ uns aber ein Kleinod, an dem vorbeizulaufen eine Freude ist. Leider bleibt uns heute durch eine Drachenfels-baubedingte Umleitung des Rheinsteigs dieser Anblick verwehrt. Wer hier noch nicht dabei war, hat echt etwas verpasst.

Weiter geht es den Drachenfels steil hinauf. Früher wurden die Holländer in Bataillonsstärke auf Eseln hinaufbefördert. Jetzt sind wir die Esel, die teilweise im Laufschritt an Höhe gewinnen. Und das auf nur zwei Beinen. Wir teilen uns etwas unterhalb der Bergspitze, einige nehmen eine Abkürzung, die meisten aber wollen ganz nach oben. Hier angekommen überwältigt uns der Blick schlechthin. Die Bauarbeiten sind auch nach über zwei Jahren immer noch im Gange. Auf der anderen Seite geht es wieder herunter Richtung Rhöndorf, der Heimat unseres ersten Bundeskanzlers, Konrad Adenauer.

Nach dem Erklimmen des Breibergs umrunden wir (leider nur) die ruinöse Löwenburg. Nach 34,5 km legen wir eine etwas längere Rast im dortigen Gasthaus ein, und die haben wir auch nötig. Ich zumindest. Herrlich, auf den Tischen sind jede Menge Kaltgetränke bereitgestellt, Wasser, Apfelschorle und Cola können kaum so schnell nachgereicht werden, wie sie in unseren Hälsen verschwinden. Ich esse erst einen, dann den zweiten, gefolgt vom dritten Riegel, den Abschluss bilden ein großes Stück Käsekuchen, selbstverständlich mit Sahne und ein Milchkaffee. Hervorragend! Im Ernst, bei so viel Zucker auf einen Schlag befürchte ich einen glykämischen Schock, aber meine (natürliche) Insulinproduktion funktioniert hervorragend, der Treibstoff hätte am Ende vermutlich noch für weit mehr als die restlichen 17 km gelangt.

Anschließend stürzen wir uns hinab ins Schmelztal. Heinrich ist besonders flott, hat er doch wieder besohlte Füße. Seit 1753 wurde hier für rund 120 Jahre intensiver Bergbau (Kupfer, Blei, Zink und Eisen) inkl. des Schmelzens (daher der Name des Tals) betrieben werden. Wieder hinauf geht’s zum Leyberg. Das gemalte „Auge Gottes“ auf diesem Heiligenhäuschen erinnert mich an meine früheren Türkeiurlaube. Auch befindet sich hier immer eine Verpflegungsstelle beim Siebengebirgsmarathon. Der anschließende Weg führt uns vorbei an einigen interessanten Bildstöcken. Ich bin wirklich beeindruckt, daß sich diese Mal wirklich kein einziger verläuft, denn ein paar hundert Meter zieht sich die Gruppe doch immer wieder auseinander, bevor wir uns erneut sammeln. Die Schnelleren müssen halt warten, aber das weiß man ja im Vorfeld.

 
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Meine Frage an Rolf lohnt sich: Tatsächlich haben wir heute wieder eine Ultranovizin dabei und das wird traditionell gefeiert. Nach 42,2 km bilden wir ein Spalier und die strahlende Neu-Ultraläuferin unter allgemeinem Beifall in den Club aufgenommen. Die Dame strahlt über alle vier Backen.

Dann sind es nach einer ganz langen Bergabpassage nur noch ein paar hundert Meter ins Etappenziel nach Scheuren. Wir sammeln ein letztes Mal alle Läufer ein, dann freuen wir uns, mit dem Scheurener Hof, in dem die Komplettläufer übernachten werden, das heutige Ziel erreicht zu haben. Aber nicht nur, weil wir es damit nach 51,5 km und 1.792 Höhenmetern geschafft haben, sondern es gibt – welch eine Wohltat! – erst einmal ein frisch gezapftes Kölsch. Das muß für einen bestimmten Herrn im vergangenen Jahr die Erlösung gewesen sein.

Immer wieder gerne bin ich hier dabei, Ihr habt die Fotos gesehen und könnt es gewiss nachvollziehen. Und Ihr habt die Chance dabei zu sein. Entweder noch bis Karfreitag als Etappenläufer, oder bei der 9. Ausgabe im kommenden Jahr über die komplette Distanz. Irgendwo werde auch ich bestimmt wieder mitmischen.

 


 

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