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Laufberichte

RAJECKÝ MARATÓN 2014

 

Immer der Rajčanka entlang

 

Bisher bin ich drei Marathons in der Slowakei gelaufen, alle drei in Bratislava und jedes Mal war es windig und vor allem kalt. Das passiert mir bei meinem vierten Marathon in der Slowakei nicht. Anfang August ist ein guter Termin, um unvermuteten Schneestürmen keine Chance zu geben.  Den Namen Rajec kenne ich von Mineralwasserflaschen her, jetzt bin ich an der Quelle, 200km nordöstlich der slowakischen Hauptstadt.

August-Marathons sind generell weit, weit weg, haben viele Höhenmeter, sind sehr selten und leben nicht lange. Nicht so in Rajec: Zwar auch weit weg, geht dieser Marathon heuer schon in sein 31. Jahr. Mit im Vorjahr über 1.000 Startern in allen Disziplinen ist er gar nicht so klein. Die 200 Höhenmeter müssten machbar sein, leider ist der Start um 10h für einen Hochsommertermin schon arg spät.

 
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Die Hotel-Suchmaschine läuft bei „Rajec“ ins Leere. Fündig werden wir ein paar km weiter in Rajecké Teplice, einem Kurort mit eleganter Therme. Das ist gut so, denn meine Frau Evi und ich machen ein langes Wochenende. Auf der Gemeinde bekomme ich am Freitagnachmittag meine Startunterlagen mit einem Getränk der ortsansässigen Cola-Fabrik Kofola und einem  orange-farbenen BW-Shirt. Kofola war 1960 die Antwort der ČSSR auf Coca-Cola, ein guter Jahrgang!

Vor der Türe wird morgen Start und Ziel sein und eine Art Kirtag, Standlmarkt, wie wir dann Samstag früh erleben. Wenn die Großen erst einmal gestartet sind, gibt es noch Rennen für die Kinder. Dutzende Standln mit buntem Plastikspielzeug, Honig in allen möglichen Variationen, Lebkuchenherzen. Süßigkeiten und Oblaten, Gewürze, Kräuter und Küchenutensilien. Würste und Schweinshaxen brutzeln schon am frühen Morgen. Gehäkeltes wird angeboten und T-Shirts mit diversen Aufdrucken. Ein Platzsprecher unterhält die Menge mit allerlei Wissenswertem und Interessantem. Schade, dass man nichts versteht!

 
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Ich halte mich im Schatten auf, denn es ist jetzt schon recht warm. In vorderster Linie stehen die Inline-Skater, dahinter die Läufer. Kurz vor 10h werden die Skater los geschickt, wenig später starten an die 750 Läufer unter großem Beifall und Hallo. Wir laufen die Start-Ziel-Gerade entlang und biegen nach links ein, die ersten paar Minuten werden im Ort gelaufen. So kommen wir alle nach etwa 2km noch einmal bei Start und Ziel vorbei, sehr zur Freude der Zuseher. Dann geht es raus auf die Bundesstraße.

Da wird schon munter gestaut, eine der beiden Fahrbahnen wird von Autos mit laufendem Motor blockiert. Irgendwas stimmt mit meinem Magen nicht, das Frühstück hat sich noch nicht gelegt. Ich fühle mich ganz mies, blicke auf meinen Garmin und sehe, ich bin wohl auch zu schnell angelaufen.

Raus aus Rajec, ich stelle um auf Genuss-Modus, gleich geht es mir besser. Der Straßenverkehr scheint in keiner Form geregelt zu werden, eine der beiden Fahrbahnen ist fast immer blockiert, immer wieder sogar beide Fahrbahnen, für uns Läufer bleibt der Straßenrand oder die Leitlinie in der Mitte! Am Ende des Dorfes Šuja gibt es zu trinken, die Labestelle ist hoffnungslos unterbesetzt. Gezählte zwei Helfer beim Wasser! Sie müssen für hunderte Läufer Becher mit Wasser befüllen. Das kann nicht funktionieren. In der Hektik wird schwungvoll eingeschenkt, sodass die Becher umkippen. Die Organisation sollte sich mal in Thüringen am Rennsteig kundig machen! Die wissen, wie man das macht.

Zu den vielen Läufern kommt auch noch Straßenverkehr in beiden Richtungen mit all seinen Abgasen. Motorräder, Busse, Wochenendausflügler, das volle Programm. Eigentlich unglaublich, dass hier keiner angefahren wird. Wegen der Sonne wollte ich an sich in weißem Shirt laufen. Da der Marathon aber durchwegs auf der Straße verläuft, habe ich mich für das auffällige Orange vom M4Y-Shirt entschieden. Farbe kann Leben retten.

Km5 nach 30min, die Wasserflasche in meiner Linken ist mir wichtig. „Nie war sie so wertvoll wie heute“, fällt mir ein uralter Werbeslogan ein. Bisher haben wir kaum Höhenmeter gemacht. Jetzt geht es etwas übers Land, links ein erntereifes Weizenfeld, rechts ein paar Apfelbäume am Straßenrand. Von weitem sehe ich die quietschorangen Shirts der Helfer der nächsten Labestelle noch vor km7. Na immerhin, denke ich mir, wegen des Wetters haben sie zusätzliche Wasserstationen eingeschoben. Falsch gedacht, zwar gibt es hier Helfer mit Wasser und Kofola, aber alles noch zu. Das ist dann wohl die Ration für die letzten paar km am Rückweg.

Bei der Kofola-Fabrik zweigen die Halbmarathonis links ab. Übrig bleiben 231 Marathonis, die den Straßenrand entlang laufen. Jetzt tut sich auch der Straßenverkehr leichter mit uns.  Mittlerweile ist die Steigung spürbar geworden, bis km22 sollen wir 200 Höhenmeter geschafft haben. Vor allem aber wellig ist die Strecke jetzt, sie folgt einem Bachlauf und ist entsprechend kurvig. Da und dort ein überfahrenes Wildtier, wie es auf Überlandstraßen halt immer wieder vorkommt. Zuseher gibt es hier keine, wenn man von den Autofahrern absieht die uns hoffentlich sehen. Ohne noch viele Höhenmeter gemacht zu haben, komme ich nach Fačkov, einem Straßendorf. Die Kirche ist eingerüstet und wird gerade frisch gestrichen, ich widme mich mehr der Labestelle. Alles da, was man braucht, ich spüle mein peeroton-Gel runter. Nachdem ich meine Getränkeflasche befüllt habe geht es weiter. Hier im Ort gibt es verhaltenen Applaus und sogar einen Gehweg.

Dann begegnet mir der erste Inline-Skater, dessen Rennen ist bereits zu Ende. Die Inline-Skater haben einen Halbmarathon absolviert und rollen jetzt nach und nach zurück zum Startort.  

Zwei km nach Fačkov verlassen wir die viel befahrene Straße nach Prievidza, wir zweigen rechts ab nach Čičmany. Wegweiser haben schon vor einigen km auf diesen besonderen Ort hingewiesen. An der Kreuzung erwartet mich Slávka, eine Freundin der Familie, mit ihrem Vlado, sie läuft ein paar Schritte mit mir. Ist doch schön, wenn man in der Ferne einen kleinen Fanklub hat!

 
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Die meisten Höhenmeter rauf erwarten mich zwischen km15 und km22. Zum einen ist diese Straße nun breiter, zum anderen ist hier weniger Verkehr, sodass ich mich von Autos und Motorrädern nicht mehr gefährdet fühle. Als ich bei km16 bin, kommt mir der Führende Kenianer Elias Kiptum Maindi entgegen, der etwa bei km28 ist. 1h43 sind seit dem Start vergangen. Elias kippt nicht um, er wird gewinnen. Nur wenige Sekunden später folgt der Lokalmatador Viktor Starodubtsev. Dann schon mit Respektabstand Daniel Orálek, der mir nun auch schon öfters untergekommen ist, vor allem bei tschechischen Marathons, da ist er immer weit vorne. Er ist es auch, der am Veranstaltungsplakat abgebildet ist.

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