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Laufberichte

QuelleChallenge: Die Regenschlacht von Roth

13.07.08

Die Regenschlacht von Roth ist geschafft. Hier meine Eindrücke von einem Wettkampf, nach dem mich nichts mehr erschüttern kann:

Die Vorfreude auf meinen zweiten Ironman wurde immer größer, nachdem ich in Frankfurt als Zuschauerin die Triathleten tatkräftig angefeuert habe.

Wir hatten wieder in der Nähe eine Ferienwohnung gemietet, um unabhängig zu sein. Am Freitag fuhren wir nach Roth die Startunterlagen abholen und am Abend zur Pastaparty.

Am Samstagnachmittag wurde im strömenden Regen das Rad eingecheckt. Letztes Jahr hatte es auch am Samstag geregnet und am Sonntag war es sonnig und heiß, darauf hoffte ich natürlich wieder.

Sonntagmorgen um 3:00 Uhr aufstehen. Nach einem Blick aus dem Fenster sagte ich: "Wenn es ein normaler Wettkampf wäre würde ich im Bett bleiben." Es regnete in Strömen. Frühstücken und um 4:00 Uhr Abfahrt zum Parkplatz nach Heuberg, von dem mein Ehemann Herbert nach dem Schwimmen ohne Straßensperrung zur Radstrecke fahren konnte. Am Schwimmstart zuerst Arme und Beine beschriften, Rad fertig machen mit Drinkflaschen, Powerriegel, Kleiderbeutel für das Ziel packen usw.

Um 6:20 Uhr war es endlich soweit, alle Frauen starteten gemeinsam mit den Profis in der ersten Startgruppe. Der Main-Donau-Kanal hatte eine Wassertemperatur von 20,5 Grad. Die 3,8 km Schwimmen hatte ich in 1:34 Stunden hinter mich gebracht, 6 Minuten schneller als letztes Jahr -- für meine Verhältnisse super.

 
© Norbert Wilhelmi

Im Umkleidezelt überlegte ich, ob ich ein Kurzarmhemd oder die Rad-Regenjacke anziehen sollte, entschied mich aber zum Glück für die Jacke. Vor mir lagen 180 Radkilometer und es regnete unaufhörlich. Schon nach 20 km hatte ich Probleme in der Oberschenkelmuskulatur durch die Nässe und die Kälte. Von Anfang an fuhr ich sehr vorsichtig um bei diesem Wetter um keinen Sturz zu riskieren.

Als ich in die zweite Radrunde einbog war mir noch nicht klar, wie ich noch einmal 90 km mit einer Höhendifferenz von 850 Höhenmetern bewältigen sollte. Meine Füße waren nass und eisig kalt, die Oberschenkelmuskulatur spürte ich überhaupt nicht mehr. Der Dauerregen hörte zum Glück auf und es gab nur noch Schauer, dafür aber starken Gegenwind. Herbert war an vielen Stellen der Radstrecke um mich anzufeuern und aufzumuntern. Irgendwie schaffte ich erstaunlicher Weise auch noch die zweite Runde und die 180 km nur 15 Minuten langsamer als letztes Jahr.

 
© Norbert Wilhelmi

In der Wechselzone nahmen mir zwei freundliche Helfer das Rad ab und fragten mich, ob mich einer zum Unkleidezelt begleiten sollte, weil schon mehrere wegen Unterkühlung kaum noch gehen konnten. Das konnte ich zum Glück noch, obwohl die Füße taub vor Kälte waren. Ich wollte den nassen Triaanzug ausziehen und trockene Laufkleidung anziehen, da aber der Kleiderbeutel auch im Regen lag, war alles darin nass. Also wechselte ich nur die Strümpfe und zog die Laufschuhe an. Diese hatte ich zum Glück in eine Plastiktüte gepackt.

Jetzt lagen "nur noch" 42,195 km vor mir. Die Beinmuskulatur hatte sich schnell erholt, nicht so die Füße, es dauerte 6 km bis sie wieder warm waren. Die schöne Laufstrecke am Kanal entlang mit den vielen Stimmungsnestern vor Augen lief es richtig gut. Bei km 12 setzte wolkenbruchartiger Regen ein und überschwemmte einen Teil der Laufstrecke zwischen der Schleuse Eckersmühlen und der Lände. Ein Ausweichen war nicht möglich und ich dacht nur, Augen zu und durch. Es war ein schönes Gefühl, wenigstens 12 km trockene Füße zu haben, jetzt waren sie wieder nass, aber nicht kalt.

 
© Norbert Wilhelmi

Herbert wollte an der Laufstrecke mit dem Rad unterwegs sein, was aber bei diesem Regen unmöglich war. Er wartete bei km 38 auf mich und lief mit mir ins Ziel. Trotz allem lief ich den Marathon 3 Minuten schneller als letztes Jahr und meine Endzeit 13:56 Stunden war bei diesen Bedingungen nur 7 Minuten langsamer als letztes Jahr. Im Ziel waren alle Strapazen schnell vergessen und ich war überglücklich die Regenschlacht überstanden zu haben.

Es waren im Vergleich weniger Zuschauer an der Strecke als letztes Jahr, was man aber auch keinem verdenken kann bei diesen Wetterbedingungen.

Der Lohn für alles kam am Montag bei der Siegerehrung: Der Sieg und der Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der Klasse W55.

Mein Fazit: Nach einem solchen Wettkampf kann mich nichts mehr erschüttern - Roth, ich komme wieder!

 

Fotos: Norbert Wilhelmi

Weitere Bilder von der QuelleChallenge unter www.wilhelmi-fotograf.de

 

 


 

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