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Laufberichte

Pietersberg Trail in Holland

20.09.15

Die Holländer können auch Trail

 

Ich staunte nicht schlecht, als ich im Benelux Laufkalender und im Internet einen Traillauf über 32 Km mit fast 1000 HöM im Auf und Ab in Holland gefunden hatte. Dazu gab es auf You Tube sogar noch einen kleinen Film.

Im äußersten Südosten von Holland, in Maastricht, nicht weit der belgisch/holländischen Grenze entfernt, findet ein anspruchsvoller Traillauf statt. Der Sint Pietersberg ist mit 171 müNN die höchste Erhebung der Niederlande. Nach dem Kahlen Asten im Sauerland, würde mancher Oranje hinzufügen.  Start und Ziel befindet sich neben dem Steinbruch von Maastricht im Südwesten der Stadt. Maastricht ist die Hauptstadt der niederländischen Provinz Limburg und eine der ältesten Städte Hollands.

Die Höhlen von Sint Pieter, an denen der Lauf teilweise vorbeiführt, entstanden im Laufe der Jahrhunderte durch den Abbau von Mergel. Insgesamt entstand ein Labyrinth mit ca. 20.000 Tunnels, von denen etliche touristisch erschlossen sind. Der Abbau von Mergel begann womöglich schon zur Zeit der Römer. Die Höhlen dienten den Menschen später als Zufluchtsort während der Belagerungen, die Maastricht erleiden musste.

Da der Start des 32 Km Laufes erst am Sonntag um 14 Uhr erfolgen sollte, können Marita und ich noch in aller Ruhe zu Hause frühstücken, da Maastricht von uns nur 135 Km entfernt ist. Laut Navi sollten wir dafür eine Fahrzeit von knapp anderthalb Stunden einplanen. Um 9 Uhr machen wir uns dann auf die Socken nach Maastricht,  pünktlich um 10:30 Uhr erreichen wir den Steinbruch bei schönem Wetter und 18 Grad, den wir zum Abschluss unseres Trailruns auf einer 3 km langen Runde kennenlernen.  Marita habe ich dazu verdonnert, falls ich mal wieder als Letzter das Zielgelände erreichen sollte, mit ihrem Fotoapparat Bilder im Steinbruch zu machen.

 
© marathon4you.de 10 Bilder

Das Höhenprofil erschreckt mich, es erinnert an ein Herzfrequenz-Diagramm.
Direkt nach dem Start geht es, entlang eines Wäldchen, gut 1 Km auf einem geschotterten Weg bergan. Mit Erreichen des Scheitels geht es über einen Wiesentrail sofort leicht bergab zu einem Gatter, wo es zum Läuferstau kommt.

Nachdem dieses Hindernis bewältigt ist, geht es auf dem Wiesentrail, vorbei an einer der Mergelhöhlen, zu einem Waldgebiet (Encibos). Hier kommt es an einer Holzstufenpassage erneut zum Stau. Der Trail ist so schmal, dass man nur einzeln weiterkommt. Oben am Scheitel geht es kurz aus dem Wald hinaus und rüber zur nächsten Waldpassage. Auch hier wird es wieder eng, da es plötzlich, zweimal kurz hintereinander, steil bergab geht.

 
© marathon4you.de 26 Bilder

Der folgende Aufstieg erfolgt dann über etliche Holzstufen aus alten Eisenbahnschwellen. Es bleibt nicht die einzige Treppe. Am Ende des Tages weiß ich nicht, wie viele es waren. Weiter geht es durch den Wald im ständigen Auf und Ab auf schmalen Pfaden. Wie es sich für einen Traillauf gehört, gehören auch diverse Matschpassagen dazu. Und immer wieder diese Stufen. Mal aus Rundhölzern, mal aus dicken Schwellen.  Auf diesem schweren Geläuf entdecke ich doch tatsächlich einen Läufer, der barfuß unterwegs ist. Autsch, das muss doch wehtun!!

Bei Km 4 geht es aus dem Wald hinaus und zur Querung des Mergelweges. Kurz darauf laufen wir über den Mühlenbach Jeker in ein kleines Weinanbaugebiet mit dem Apostelhof. Bei Km 6 sind wir aber wieder in einen Waldstück, dem Cannenbosch. Auf Trails laufen wir erst abwärts, um im Anschluss wieder bergan zu steigen. Nur im Gänsemarsch, wie an einer Perlenschnur aufgereiht, geht es in steilen Serpentinen und Stufen aufwärts.

Kaum oben, geht es durch eine enge und schöne Felsschlucht hinunter ins Örtchen Neerkanne und dort auf eine Fahrstraße mit einigen Mergelhöhlen. Die Fahrstraße verlassend, laufen wir weiter über eine Weide mit anschließendem Wiesentrail erneut in einen Wald. Südlich von Neerkanne erreichen wir Trailer einen Seitenarm der Maas, den Albertkanal, wo wir auf einem Fuß- und Radweg zu einer Brücke laufen, wo sich die erste und später die zweite VS (Km 9 und Km 21,5) befindet.

 
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Nachdem gut versorgt bin, laufe ich über die Brücke zur anderen Kanalseite, vorbei an einem Jachthafen auf der Mole bis zum Trancheè Forst, wo die Mole endet. Hier tauche ich wieder in einen Wald ein und bin in Belgien. Die Maas ist hier der Grenzfluss.

Bei Km 11 geht es wieder steil über Stufen bergan. Drei Trailläuferinnen holen mich hier ein und für eine Weile bin ich mal nicht alleine. Gott sei Dank gibt es an dieser Treppenpassage ein Geländer, an dem ich mich hochhangeln kann. Bei diesem Aufstieg gelange ich an eine Flakstellung aus dem 2. Weltkrieg, wo sich in den Schießscharten sogar noch Geschütze befinden.

Die Mädels sind mir inzwischen enteilt. Ich laufe entlang einer kleinen Seenlandschaft und komme zu einem Aussichtspunkt mit einer weiteren Bunkerstellung und schönem Ausblick auf die Maas. Wenig später biege ich auf den Montagne Saint Pierre ein, wo seltene Wildorchideen wachsen. Es geht auf einmal abwärts, natürlich wieder über viele Stufen aus dicken Schwellen, zu den Felsenhöhlen hoch über der Maas.

Weitere 3 Km lang geht es mal hoch und mal runter, immer und immer wieder über diese verdammten Stufen, zu  weiteren Felsenhöhlen. Ich habe mich damit abgefunden, den Rest der Strecke alleine zu laufen, da holt mich ein  schöne Maid, die sich verlaufen hatte. Als sich der Wald öffnet, legt die holde Maid einen Zahn zu und weg ist sie. Mir bleibt nur die schöne Aussicht. 

 
© marathon4you.de 31 Bilder

Bei Km 15 geht es aus dem Wald mit seinen vielen Felsenhöhlen hinaus und hinunter ins belgische Dörfchen Laumont und von dort hinüber nach Eben-Emael. Im Dorf zeigt die Streckenmarkierung dann in einen Wiesentrail, der sich ziemlich steil nach oben windet. Hier muss ich dann doch den Berggang einlegen. Kaum oben angekommen, geht es sogleich auf einer Betonfahrstraße in Serpentinen hinab ins Örtchen Opkanne und der Brücke über den Albertkanal.

Zur Brücke kommt man nur  über meine ach so geliebten Stufen. Wieder auf holländischer Seite kann ich an der VS meine mittlerweile leergetrunkenen Flaschen wieder mit Cola auffüllen.  Es geht hinüber zum Fuß des Sint Pietersberg, den man in einiger Entfernung schon sehen kann. Bei Km 25 erreichen wir schließlich den Wald des Pietersbergs.

Eigentlich mag ich keine Bilder ohne Läufer drauf.  Da aber niemand um mich rum ist, müssen halt doch ein paar schöne Naturaufnahmen von der Trailstrecke herhalten. Bei besagten Km 25 komme ich in einen schönen, verwunschenen Wald mit urigen Wurzelpfaden. Zeitweise ist der Wald so dunkel, dass ich sogar mit Blitzlicht fotografieren muss. Auch ist es steil, egal ob bergan oder bergab.

Bei Km 26 beginnt schließlich der steile Aufstieg zum Observant des Pietersberg auf 171 müNN. Es ist stellenweise so steil, dass ich mich auf allen Vieren fortbewege. Oben neben dem Observant muss ich erst Mal auf einer Bank kurz verschnaufen.

Von hier laufen wir auf einem breiten Forstweg bis zum Steinbruch bei Km 29 nur noch bergab. Kurz vor dem Steinbruch empfängt mich Marita und macht Fotos. Nachdem ich das Start- und Zielgelände durchlaufen habe, folgt die schon erwähnte Runde durch den Steinbruch. 35 lange Minuten brauchte ich für die 3 Km um die Mergelgrube. Nach knapp 5 Stunden erreichte ich dann das Ziel, wo Marita mich mit einem isotonischen Getränk in Form von Hollandbier empfing.

 

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Fazit:

Die Holländer können nicht nur guten Käse, sie können auch gute Trails. Diese 32 Km mit fast 1000 HöM haben mir, da ich mit Handicap laufe, alles abverlangt. Auf der langen Distanz war ich wieder mal der einzige Deutsche Teilnehmer. Egal wie weit und wie teuer, der deutsche Trailer fährt lieber in die Alpen.     

 

 


 

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