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Mumbai Marathon 2010 - Ein Marathon der anderen Art

17.01.10

Nachdem 2009 die Teilnahme am Mumbai Marathon wegen der extrem kurzen Anmeldemöglichkeiten schon nicht geklappt hatte, waren wir für die Austragung 2010 schnell genug dabei. Bereits im Juli 2009 war keine Anmeldung für Marathon bzw. Halbmarathon mehr möglich.

Als Läufer des Teams eines bekannten Pharmaunternehmens folgten wir somit endlich dem Ruf der indischen Kollegen aus Mumbai, die freundlicherweise die Anmeldemodalitäten für uns übernahmen.

Am 14.01.2010 ging es dann los. Ab Frankfurt mit Air India im Direktflug nach Mumbai. Aufgrund der 'Horrormeldungen' diverser Indienreisenden haben wir uns entschlossen, so kurz wie möglich vor dem Marathon anzureisen. Der Abflug erfolgte bei -5°C in Frankfurt. Nach ca. 8 Stunden landeten wir bei knapp 30°C in Mumbai.

Den Freitag nutzten wir zum Sightseeing, den Samstag verbrachten wir nach einem morgendlichen Lauf am Marine Drive, wo uns bereits die ersten Mumbaikas anfeuerten, 'fußschonend' am Pool.

Sowohl der Marathon, als auch der Halbmarathon sollten dieses Jahr zum ersten Mal über den neu eröffneten Radjiv Gandhi-Sealink, einer ca. 7 km langen Brücke die die Stadtteile Bandra und Worli auf direktem Weg verbindet, führen.

Dies hatte zur Folge, dass erstmals Marathon- und Halbmarathonstart an unterschiedlichen Orten erfolgte. Der Marathontag wurde der wärmste Tag unseres Indienaufenthaltes.

Sowohl der Halbmarathon- als auch der Marathonstart für die „normalen“ Läufer erfolgte um 06:45. Die Eliteläufer im Marathon durften erst um 07:40 starten, da war es dann bereits hell genug, damit die 'Verfolgung' per Hubschrauber durch die Presse sichergestellt war.

In unserem Hotel waren neben den gesamten Eliteläufern auch viele westliche Teilnehmer des Marathons untergebracht. Nachdem Walter von unserem Fahrer um 05:10 abgeholt wurde, um an den Halbmarathonstart gefahren zu werden -es ist von South Mumbai fast eine Stunde zum HM Start-, wo er sich mit den 26 indischen Teamkollegen traf,  habe ich mich um 05:30 mit zwei deutschen Marathonteilnehmern (Hirendra K. und Günter H. vom 100 MC) zu Fuß auf den Weg zum Marathonstart gemacht.

Grundsätzlich war alles recht gut organisiert. Ungewöhnlich war, dass man bei der Abgabe des Kleiderbeutels einen Abholschein erhielt, der eine eigene Nummer aufgestempelt hatte, die nichts mit der Startnummer zu tun hatte ?! Erste Frage....wohin mit dem Abholschein?? Naja, die Nummer habe ich mir gemerkt, an meinem Säckchen hatte ich vorsichtshalber meine Startnummer angebracht, also ab mit dem Abholschein in meine kleine Rückentasche neben das Powergel und die Ultra Gel Chips, mal schauen wie er die 42km überstehen wird.

So und nun noch eine Toilette!! Nachdem ich nach mehrfachem Nachfragen kreuz und quer durch den Azad Maidan geschickt wurde, fand ich endlich einen echt  indischen Toilettenwagen!!!

 
© marathon4you.de 13 Bilder

Vor dem Start  sammelten sich die Läufer in der 'Marathon Holding Area' bevor wir in das eigentliche Startareal eingelassen wurden. Pünktlich um 06:45 erfolgte der Start für die normalen Läufer vor dem CST Building (direkt bei der ehemaligen Queen Victoria Station).

Es war noch dämmrig – und doch schon 25°C. Nach ca. 1,5 km erreichten wir den Marine Drive, bis km 5 liefen wir entlang der Küstenlinie, vorbei am Oberoi Hotel (das war einer der Schauplätze der Terroranschläge vom 26.11.2008) und dem Chowpatty Beach (Drehort diverser Bollywood-Filme und DER Stand von Mumbai).

Anschließend bog die Laufstrecke nach rechts ab und es ging mehrfach auf und ab, vorbei am Babulnath Tempel. Hier kamen uns bereits die ersten Halbmarathonläufer entgegen, bevor wir die nächste Küstenlinie erreichten. Zur Linken ließen wir das Haji Ali (ein Tempel auf einer Insel im Meer, die nur bei Ebbe erreichbar ist) liegen. Weiter ging es, vorbei an kleineren Slums, am Mahalaxmi Race Course - der Pferderennbahn in Richtung Sealink.

Bei km13 habe ich dann Walter getroffen, der mir als Erster unseres Teams auf seinem Halbmarathon entgegen kam. Dank unserer auffallenden Shirts waren unserer Teamläufer leicht zu identifizieren.

Bei km16  trafen wir Marathonläufer auf die Massen der Halbmarathonis, die gerade den Sealink verließen, um dann ca. 3km zusammen mit ihnen zu laufen, bevor wir abzweigen mussten um über das Festland nach Bandra zu laufen.

Als ich ungefähr den Halbmarathon erreicht hatte, überholten mich die ersten Männer der Eliteläufer. Das passiert einem als Hobbyläufer normalerweise ja nicht -  man steht ja sonst meilenweit hinter den Jungs. Ich bekam erstmals einen Eindruck, was für ein Tempo hier gelaufen wurde. Ich glaubte zu stehen, unbeschreiblich! Bei ungefähr km24 überholten mich dann die führenden Elitefrauen  - auch noch unbeschreiblich!

Bei Bandra tauchte dann der Sealink zu unserer Linken auf. Da ich meinte, ein leichtes Reiben unter den Armen zu verspüren, beschloss ich an der nächsten First-Aid-Station anzuhalten und nach Vaseline zu fragen. Ich wurde freundlich empfangen, meine Frage nach Vaseline mit Ja beantwortet und in das Zelt gebeten. OK, es hätte mich leicht verwundert, dass es in Indien Vaseline zum Sprühen gibt!! Nach je einem Sprühstoß links und rechts, der sich anfangs auch recht fettig anfühlte, ging es wieder weiter auf der Laufstrecke. Es dauerte nicht lange, bis mir klar wurde, dass die Vaseline in Wirklichkeit ein Muskelspray war....oh what a feeling!!

Mittlerweile war ich am Anfang des Sealink angelangt, es war ca. 09:15, sonnig, weitgehend windstill und ca. 30° warm. Ich sah, wie ein Eliteläufer, der aus dem Rennen ausstie,g von einem Fahrzeug aufgenommen wurde. Ein anderer Hobbyläufer vor mir fragte einen der 'Officals' aus dem Wagen nach Wasser. Da ich zu diesem Zeitpunkt auch gerade durstig war, habe ich mir (zum Glück, wie sich wenig später herausstellte) auch eine Flasche geben lassen.

Der Lauf über den Sealink war einzigartig. Einzigartig war allerdings auch, dass es auf der gesamten Strecke von 6,7km keine einzige Versorgungsstation gab. Ein Fehler, der allen Läufern schwer zu schaffen machte, vom Elite- bis zum Hobbyläufer. Trotz meiner kleinen (100ml!) Wasserflasche war ich heilfroh, als ich die Versorgungsstation am INS Trata Circle erreichte. ndlich wieder 'nachtanken' konnte.
Dann ging es an der Küstenlinie auf dem gleichen Weg wieder zurück. Erstaunlicherweise gab es Hier kam mir jetzt noch Marathonis entgegen, die erst 15 km hinter sich hatten . Wir liefen wieder vorbei am Mahalaxmi Race Course und kleineren Slums. Das Haji Ali ließen wir jetzt rechts liegen. 

Das Auf und Ab auf den  Hinwegen war in der Zwischenzeit zu kräftigen Anstiegen angewachsen und kostete ziemlich viel Kraft. Mittlerweile hatten wir ca. 33°C und kaum noch Schatten auf der Laufstrecke. Aber zum Glück folgt jedem Anstieg auch wieder ein Gefälle. So ging es dann abwärts zum Chowpatty Beach mit dem Wissen, dass die letzten Kilometer topfeben sein würden.

Während wir Marathonis unsere letzten 3-4 km eher ruhig und konzentriert liefen, kamen uns auf der Gegenspur die Massen des Kingfisher-Runs mit lauter Musik, verkleidet, tanzend, winkend, mit Transparenten und laut gröhlend entgegen. Die Bezeichnung Run ist eher irreführend, es war eher eine volksfestähnliche Prozession.

Nach 04:17 Stunden erreichte ich glücklich das Ziel. Walter erwartete mich bereits im Ziel. In der Marathon and Halfmarathon Resting-Area wurde ich dann vom gesamten Team mit einem lauten Hipp-Hipp-Hurra empfangen. Geschafft!

Dort gab es auch gleich eine Flasche Wasser und für die Marathonis eine Medaille (u.a. mit dem Audruck 'I have finished the marathon'). Dann gab es noch den Body Fuel Counter, wo die Läufer ein Säckchen mit einem Apfel, einer Mandarine, Keksen und einem Riegel erhielten. Ach ja, der Abholschein hatte den Marathon ziemlich nass und aufgeweicht, aber immer noch leserlich überlebt.

Der letzte Marathonläufer erreichte nach 12:55:28 Stunden das Ziel und wurde so in die offizielle Ergebnisliste aufgenommen. Diese Finishzeit ist auch deshalb bemerkenswert, weil nach 6 Stunden die Straßen für den Verkehr wieder  freigegeben wurden und die Läufer, die noch unterwegs waren, im Straßenverkehr laufen mussten. Und was das bedeutet kann sich ein Europäer, der noch nie den Verkehr in einer indischen Großstadt erlebt hat, kaum vorstellen.

Marathonsieger
Männer

1 DENIS NDISO   KEN   2:12:34
2 SIRAJ GENA   ETH   2:13:58
3 SAMSON LIMARENG  KEN   2:14:24

Frauen

1  MOHAMMED   ETH   2:31:09
2  HAILE KEBEBUSH  ETH    2:31:11
3  AZALECH MASRESHA  ETH    2:32:12

 


 

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