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MMM: 5 mal Stößchen

 

Vor 5 Jahren startete bei minus 16 Grad und mit 9 Läufern der erste Mainzer Maarauen (Ultra)Marathon, kurz MMM. Ich verglich damals die Veranstaltung mit dem Mainzer Hoftag, der auf der Maaraue, der Halbinsel im Mündungsgebiet des Maines, vor über 800 Jahren stattfand. Der Mainzer Hoftag fand anlässlich der Erhebung der beiden Söhne Kaiser Barbarossas in den Ritterstand statt. Mit 50.000 – 70.000 Gästen die größte Party, die es bis dahin in deutschen Ländern gab. Der Vergleich war gewagt. Aber wer heute die Ehre hat, zum MMM eingeladen zu sein, kann seit Tagen nicht schlafen. Zu groß ist die Freude, r bei dieser großartige Sause dabei zu sein. 

Auch die Bürgermeister der drei beteiligten Städte Mainz, Wiesbaden und Ginsheim-Gustavsburg konnten nicht schlafen. Jeder wollte der Erste sein, der ein Grußwort zum diesjähren MMM zum Besten gibt. Der Innenminister und der Landtagspräsident waren so aufgeregt, die stellten sogar Schecks aus!

Der MMM ist nämlich ein Charitylauf, das Geld geht an den laufclub21, der bundesweit über 200 Sportler mit Down-Syndrom betreut. Nähere Infos auf der Website der M4Y- Heroin Anita Kinle.

Eine Einladung zum MMM erhielten in diesem Jahr 100 auserwählte Läufer. Die Logistik setzte hier ein Limit. Fast kein Limit setzen die Sponsoren. Em-Eukal, runnerspoint, das Sportgeschäft Wildwechsel Mainz, Bitburger und Red Bull verhindern, dass man zu schnell am Verpflegungsstand vorbeiläuft. Nur die Wirte vom Mainzer Landtag sollten den Grill eigentlich erst später anwerfen. Ihr Angebot bremst nämlich allzu sehr. Aber niemand nimmt Rücksicht auf uns Läufer, ist ja auch für einen guten Zweck.

 
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Der Leser hat nun ein wenig Vorwissen, sodaß ich nicht erklären muss, warum ich mit der  S-Bahn zum MMM anreise. Doch es wird nicht mein Glückstag heute: Alex hat sich zu mir gesetzt und textet, und das viele Stunden vor Sonnenuntergang! Dabei hat die S-Bahn doch 3 Waggons, ein sogenannter Langzug, und so kommt er mir jetzt auch vor. Ich bin Schweiß gebadet, als ich in Gustavsburg ankomme.

Biggi gibt die Startnummern aus: „ Haste noch ne kleine Spende für den laufclub21?“ „Kannste wechseln?“ „Klar!“  Eine Kellnerin sagt immer, dass sie wechseln kann, wühlt dann aber solange, bis man man Mitleid hat: „Stimmt so!“ Ich sagte schon, ist nicht mein Glückstag.

Biggi macht wochentags politische Basisarbeit in der Kantine des Landtages, wahrscheinlich sammelt sie dort von jedem Gast auch den unterschriebenen Haftungsausschluß ein. Ist doch wahr! Warum muss ein Läufer einen Haftungsausschluß zugunsten des Veranstalters unterschreiben, oder gar eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung vorlegen, ein Abgeordeter aber nicht?

Biggi hat ihr Sektglas hinter dem Brotkorb stehen. Hatte.  Der Leser wird erahnen, warum erfahrene Läufer zwei Stunden vor Startbeginn anreisen.

Umkleidemöglichkeiten gibt es natürlich nicht, was Sascha, der Paparazzi zu nutzen weiss. Ultraläufer können oft nicht mehr auf einem Bein stehen. Gut für den Fotografen, schlecht für den Ultra. Lustig für Zuschauer, die sich wegen ein bisschen Hüpferei total beömmeln. Wie gesagt, ist nicht mein Glückstag heute.

Dafür muss ich nicht warten, bis die Kloanlage aufgeschlossen wird. Die bleibt heute nämlich geschlossen, weil der Klowart den ganzen Tag pennt. So, und nun lache ich! Die Redaktion hat nicht nur die Namen der betroffenen Personen unkenntlich gemacht.

Unkenntlich und unleserlich ist auch der Merkzettel von Sascha, auf dem er Stichworte für seine Rede notiert hat. Unkenntlich, aber lustig. Was hat er nochmal gesagt?

 
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Und dann gibt’s noch den Lauf, einen Ultralauf. Der beginnt jetzt. Schon erstaunlich!

Über die Kostheimer Brücke überqueren wir den Main. Da sich auch 100 Läufer schnell verlieren, muss ich auf den ersten 300 Metern meinen gesamten 16er Film verschiessen. Nee, habe nen 24er Film eingelegt.

Die Maaraue wird von einem kleinen Nebenarm des Maines zur Insel gemacht. Es ist der Floßhafen, in dem früher die Holzflöße geparkt wurden. Jetzt parken hier Jachten, die mit großen Planen zugedeckt sind. Am Ende ist das Revier der Wasserschutzpolizei, heute hätte eine Bierschutzpolizei mehr Aufgaben.

Jedenfalls höre ich eine liebliche Stimme von der Brücke hinter mir herrufen: „Wir treffen uns am Strand!“ – „Super, gerne!“ Dann realisiere ich aber, dass dies keine Einladung für mich war, sondern ihren beiden Kindern galt.

„Der Strand“ ist linker Hand, hinter dem hübschen Blockhaus „Bastion von Schönborn“. Hier legte das Trajektboot, die Eisenbahnfähre an, bis 1862 die Südbrücke gebaut wurde, über die wir später laufen werden. Hinter der Bastion ist die Reduit, die Kasernengebäude der früheren Festung Mainz.

„Henry, warte auf mich!“ ruft die kleine Schwester ihrem Bruder zu, der schon an den Ästen der Trauerweide hängt. Ich schau´ bewusst in die andere Richtung, die Mutter wird ja rechtszeitig hier sein, und laufe ein wenig schneller. 

In einem weiten Bogen geht es hinauf auf die Theodor-Heuß Brücke und direkt auf den Rheinlandpfälzischen Landtag zu. Das baroke Palais wird Deutschhaus genannt, weil der Erbauer des Gebäudes, der Erzbischof von Mainz,  seit 1729 der Hochmeister des Deutschen Ordens war.  Auf Mainzer Seite ist im Brückenbogen ein Aquarium eingebaut. Die Scheibe ist sogar geputzt, sodaß man die „einheimischen“ Fische auch sieht.

Linksrheinisch geht es auf dem Uferweg wieder rheinaufwärts. Beim Brunnen vor dem Hilton jedesmal die Überlegung, ob links oder rechts rum: Links hüpfen Kinder auf diesen Kupferplatten rum, die Töne abgeben, also die Platten: „Pling, Plonk, Peng“. Rechts sind Pfützen. Platsch, nächstes Mal halt links rum, sie können doch nicht Ewigkeiten dort rumhüpfen. Sie sollen mal lieber Weihnachtsgeschenke basteln, oder Bilder malen, der Mülleimer müsste auch mal rausgetragen werden!

 
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Michael läuft, passend zu seiner Lauffigur, als Weihnachtsmann. Aus seinem Rucksack wummert nicht weihnachtliches „Hells Bells“, weswegen ich gerne mit ihm laufe. Joe Cocker lebt da noch, Helene Fischer auch. Echt ey!  Der Michael hat „ Atemlos“ im Sack!

Eine große Gruppe ältere Amerikaner beömmelt sich. Die Männer waren hier einmal stationiert und schwärmten ihren Frauen von „good old Germany“ vor. Bei der nächsten Runde lernen die, was „Stößchen“ bedeutet. Denn auch die wissen, was zu einem Weihnachstspaziergang gehört.  Ja, die beömmeln sich. Das ist übrigens schwedisch: Wer mit der Fähre auf dem Festland ankommt, der gibt dem Anderen einen auf den Ömmel. Tradition halt.

Tradition ist es auch, auf der  Südbrücke (der Eisenbahnbrücke) die Liebesschlösser abzuzwacken. Es ist einfach unverantwortlich, Brücken mit solchem Aberglauben zu belasten. Kleiner Witz, 100 Läufer wissen von dem Liebespaar. 

Die 9 Km-Runde endet am bremsenden Verpflegungsstand in den Maarauen, weswegen dieser Lauf nicht bestenlistentauglich ist, zumindest auf die Laufleistung bezogen. Fünfmal werden wir hier ausgebremst. Fünfmal Stößchen!

Das ist das Letzte! Das letzte Mal, dass der MMM so ausgetragen wird. Nicht weinen, es darf weitergelaufen werden. Aus dem Mainzer Maarauen (Ultra) Marathon wird der Mainzer Mainspitz (Ultra) Marathon und noch bedeutend länger! Da der MMM im Prinzip zweimal im Jahr stattfindet, soll er nicht langweilig werden. Und so werden Biggi und Sascha aus dem einzigen Ultramarathon der Stadt Mainz den weltweit ersten 11Stunden - 11 Minuten- Ultralauf gebähren. Die Startzeit steht natürlich fest. Termin auch, wird aber nicht verraten, genauso wenig wie die Namen der Teilnehmer. Wer Interesse hat: Das soziale Netzwerk sollte man schon nutzen  (pheidippides.de).

Für den laufclub21 kommen auch diesmal wieder über 1300 Euro Spendengelder zusammen, und das bei einem Lauf, der vom Spaßfaktor bestimmt ist! Stößchen!

 


 

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