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Laufberichte

Mein erster Weihnachtsmarathon

24.12.13

Am Traisentalradweg in St. Pölten  

 

„Ich lade gern mir Gäste ein“, singt der Prinz Orlofsky in der Fledermaus, gerade um den Jahreswechsel eine in Österreich viel aufgeführte und immer gut besuchte Operette mit schmissiger Musik.  Und so dachte sich auch Susanne. Die Idee kam Dr. Susanne Schöberl bereits früher, heuer hat sie schon zwei Marathons von überschaubarer Teilnehmerzahl veranstaltet, jetzt zu Weihnachten folgen so viele wie nie ihrem Ruf. Schon wieder Freistart für alle!

„Warum sie das denn tut?  ’s ist mal bei mir so Sitte,  chacun à son goût" singt Prinz Orlofsky weiter.

Aus organisatorischen Gründen sollen es nicht mehr als 15 LäuferInnen sein. Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um am Heiligen Abend einen Marathon zu laufen, erstens. Zweitens hilft es, wenn man gerade keine kleinen Kinder zuhause hat und einen verständnisvollen und gut organisierten Partner. Im Idealfall macht der gleich selber mit, so wie Susannes Willi, der heute einmal mehr Renndirektor ist. 

Bei 0 Grad und Nebel brauche ich zum Start am Traisentalradweg in St. Pölten eine gute Stunde. Obwohl vor drei Tagen Sonnenwende war, ist es noch stockdunkel, als ich mich auf den Weg mache. Autobahnabfahrt auf der A1: St. Pölten-Süd. Zum Start ist es von da nicht weit. Susanne hat im Vorfeld jedem Starter Fotos und Plan von den letzten Metern der Anfahrt gemailt. Gestartet wird schon um 8 Uhr morgens, damit alle ohne Stress zur Bescherung wieder bei ihren Lieben sind.

Nur 30km vom Startort des Wachau-Marathons Emmersdorf sind wir hier entfernt. Das halbe Starterfeld, 7 von 14, war zuletzt vor neun(!) Tagen beim Wiener Indoor-Marathon im Einsatz. Mit dabei die eifrigsten Marathonsammler Österreichs in diesem Jahr. So ist für die meisten die Laufzeit heute ganz nebensächlich. Mir geht es darum, Freunde zu treffen, zu Weihnachten – ist ja doch ein besonderer Tag hierzulande -  in aller Gemütlichkeit einen Marathon zu laufen, und trotzdem abends beim Weihnachtsbaum noch eine halbwegs gute Figur zu machen.

 
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Susanne und Willi sind technisch gut ausgerüstet. Sie haben den Streckenabschnitt am 111km langen Radweg, der führt von Mariazell bis zur Donau, entlang der Traisen mit geeichtem Messrad genau vermessen. Ein Rundkurs zu 10km, mittendrin, unter der A1, die Labestelle, sodass wir uns alle 5km stärken können. Wir brauchen also nur ein kurzes Stück dieses Radwegs der in Nord-Süd-Richtung verläuft.

St. Pölten hat 52.000 Einwohner und ist seit 1986 Landeshauptstadt von Niederösterreich. Es ist die oder eine der ältesten Städte Österreichs. Je nachdem, da streiten sich die Experten. Davon, dass wir hier in einer Stadt sind, bekommt man auf der Strecke kaum etwas mit, sehr ländlich die Gegend.

Leopolds Frau hat ihm für alle Teilnehmer Kekse mitgegeben, die er nun verteilt. Susanne hat für jeden einen Lebkuchenmann im Sportdress mit Startnummer. Unsere Startnummern sind laminiert und für die Ewigkeit. Ich habe, sehr zu meiner Freude, die Nr. 1 bei meinem ersten Weihnachtsmarathon.

Nach kurzen Instruktionen geht es los. Wir starten Richtung Süden. Erst wird eine kleine Schleife gelaufen, 2,2km lang. Dann die Nordschleife zu 5km, Labestelle, dann die Südschleife zu 5km.

 
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Markierungen am Asphalt des Dammes gibt es zuhauf, für uns sind die gelben gedacht, andersfarbige kümmern uns nicht. Außer uns sind noch ein paar Freizeitsportler unterwegs, die meisten laufen auch, einige wenige sind mit dem Rad unterwegs.

Ich halte mich zurück, möchte im Verlauf der ganzen Strecke Fotos machen. Wenn ich einmal rundum bin, gibt es landschaftlich nichts Neues. Das Rennen geht auch nicht übermäßig schnell los, es scheint wirklich keiner besonders eilig zu haben, genau wie ich.

Der Damm ist etwas uneben, neigt sich zur Traisen. Stellenweise ist schon gestreut, Höhenmeter sehr wenige. Am Fluss treffen wir immer wieder auf Wehren, wo das Wasser gestaut wird. Wenn es dann über die Steine fließt, kann man das gut hören. Ansonsten ist es ruhig. Bei den Eingeborenen gewiss eine beliebte Trainingstrecke hier, gänzlich ohne motorisierten Verkehr. Als mir nach der ersten Wende die Läufer entgegen kommen, führen die üblichen Verdächtigen. Nach 2,2km geht es erstmals an der zentralen Labestelle vorbei. Ein Großaufgebot an Thermoskannen ermöglicht uns, für die nächsten Stunden warme Getränke und Suppe zu uns nehmen zu können. Stromanschluss gibt es hier nämlich keinen.

Willi führt Protokoll, jede Durchgangszeit eines jeden Läufers notiert er. Richtung Norden, wir kommen am Nullerstein beim Stattersdorfer Steg vorbei, etwas grob behauen der Stein. Möwen kreischen lauthals, die Schwäne verhalten sich ruhig. Am nördlichsten Wendepunkt kommen wir an den Rand des St. Pöltener Regierungsviertels. Neu erbaut, denn bis Mitte der 1980er Jahre saß die Landesregierung von NÖ in Wien.

 
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Vor lauter Fotografieren bin ich momentan an letzter Stelle, egal. Entweder ich bin zu warm angezogen, oder die winddichte Jacke lässt meinen Schweiß nicht an die Luft, eher beides. Nach wenigen Kilometern schwitze ich schon mehr als mir lieb ist.

Zum zweiten Mal die Labestelle, diesmal von Norden kommend, weiter nach Süden. Man kann deponieren, was man haben will, wenn man nach weiteren 5km wieder vorbei kommt, dann wird es wunschgemäß vorbereitet. Wir werden vielleicht verwöhnt. Nur laufen müssen wir noch selber.

Die ersten 1,1km kennen wir bereits, da war die erste kleine Wende. Wir laufen darüber hinaus und betreten Neuland. Die Landschaft ändert sich nicht gravierend, die Traisen macht einen weiten Bogen, der Damm ebenso. Schließlich der südlichste Streckenpunkt, Susanne knipst mich, jedoch ist das Objektiv beschlagen. Wenn ich das nächste Mal bei meinem Auto vorbei komme, werde ich die Kamera dort ablegen. Das mache ich dann auch, 12,2km sind geschafft.

Im Sommer gibt es hier ein Musikfest, das Frequency-Festival für Zig-Tausende Teens und Twens, über viele km sind dann hier unzählige Zelte aufgebaut. So weit das Auge reicht. wie mir Susanne erklärt. 

Ich laufe auf Josef auf, bei der Anzahl der Marathons ist er noch einstellig. Es wären schon viel mehr, wenn er nicht immer wieder Motorradunfälle hätte, meist fremd verschuldet. Diese Unfälle setzen in oft für viele Wochen außer Gefecht. Nun aber ist er fit und er ist froh, mitlaufen zu können. Zwei Schwäne führen ihren halbwüchsigen Nachwuchs aus, der ist noch nicht ganz weiß. Ansonsten hält sich die Abwechslung in Grenzen. Im Läuferfeld kann man wegen der Begegnungsstrecke dann aber schon Veränderungen in der Reihenfolge erkennen.

Nach 17,2km  ist mein erster Beutel MulticarboGel fällig. Mittlerweile ist die Labestelle mit Bananen, PowerGel, Waffeln, Keksen und Süßigkeiten sonder Zahl bestückt worden. Zu trinken gibt es neben Wasser und Iso auch Coca Cola und Red Bull. Willi läuft selber, der weiß was Läufer brauchen. Vorige Woche erst hat er seine persönliche Marathonbestzeit um zwei Minuten verbessert.

Josef läuft mit Computer, nach 126min haben wir den ersten Halbmarathon hinter uns. Die gelaufene Entfernung vom GPS stimmt mit der Markierung am Asphalt überein.

„2:13:17 für die ersten 22,2km“, informiert mich Willi wenig später. Zwei Nordic Walker haben sich auf die Strecke verirrt und lächeln mitleidig. Auch junge Eltern mit einem kleinen Mädchen, das seine ersten Schritte läuft, überbrücken die Zeit, bis das Christkind kommt.

Josef läuft wie aufgezogen und entschwindet mir. Wie ich erkennen kann: Nicht nur ich habe zu kämpfen. Der Weihnachtsmann, namentlich Andreas, hat seinen privaten Fanklub mit, wir anderen müssen ohne auskommen. Nicht ganz, ein Spaziergeher applaudiert doch tatsächlich, als ich an ihm mit schweren Beinen vorbei laufe.

Als ich noch 10km vor mir habe, kommen Alexandra und Gerhard aus nördlicher Richtung auf die Labestelle zu. Sie haben also noch 5km vor sich.

Ich komme an einer Parkbank vorbei, darauf sitzt ein junger Mann. Katja, kommt mir entgegen und biegt ab zur Parkbank. Ich sehe den Grund: ein braunes Schweinchen, etwa 30cm lang, ist auf Weihnachtsausflug, es grunzt zufrieden. Jetzt müsste man eine Kamera dabei haben! Katja hat.

Das war aber schon der letzte Aufreger. Als ich noch 5km vor mir habe, kommt gerade Ernst als 4. ins Ziel. Ich lege noch einmal ab für eine letzte Südschleife, die Positionen sind bezogen. Ich bin froh, als ich dann endlich im Ziel bin.

Bemerkenswert 1:

Es siegte eine Dame: Alexandra Heiml mit 1 Sekunde Vorsprung auf Ihren Partner Gerhard Eigner.

Bemerkenswert 2:

Alle 14 TeilnehmerInnen finishten innerhalb von nur 51min.

Als Erinnerung gibt es für jede(n) ein rotnasiges Rentier, in Handarbeit von Susanne hergestellt, nicht in China. Auch die Sternschnuppen, der Pokalersatz, sind made by Susanne.

Ich freue mich jetzt aufs Regenerieren. Am 1.1. um 5h früh fange ich an damit, einen ganzen Monat lang.

 

Bilder aus St. Pölten

 

 
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