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Laufberichte

Maratona S. Antonio / Padua

23.04.06

 

Marathon made in italy

 

Dieses Jahr haben wir uns, aufgrund des nicht enden wollenden Winters nördlich der Alpen, für einem Marathon in Italien entschieden, der auch schon von der Ausschreibung her viel erwarten ließ.

 

Die Strecke verläuft als Punk-zu-Punkt-Kurs in Nord-Süd-Richtung mit leichtem Gefälle Vedelago nach Padua. Der Zieleinlauf ist im malerischen Prato della valle mitten in Padua.

 

Als maximale Laufzeit lässt der Veranstalter 8 Stunden zu. Das kommt uns angesichts des witterungsbedingten Trainingsrückstandes sehr entgegen. Bei Frühtemperaturen von bereits16 Grad und vorhergesagten 30 Grad freuen wir uns auf einen gemütlichen Sommerlauf.

 

Die Startnummernausgabe wie auch die Pastaparty am Samstag ist gut organisiert - sehr gute ist die Pasta, jedoch leider nur in der für Italien üblichen Menge einer Antipasto, ohne Nachschlag -  dafür wurde neben Mineralwasser auch offener Wein vom Fass angeboten.

 

Am Sonntagmorgen ist es auch  für den italienischen Nahverkehr eine gewisse Herausforderung, ca. 4.000 Marathonis zum Start nach Vedelago zu bringen. Das sorgt dann auch an den Busstationen am Bahnhof und am Stadio Euganeo bei der Abfahrt der Busse ab 7.00 Uhr für eine gewisse Hektik.

 

Nach der Ankunft in Vedelago laufen wir einfach den Einheimischen nach - der lange Weg zum Start ist gesäumt von stretchenden Läufern bereits im kurzen Renndress (Nordeuropäer?) und solchen, die sich immer noch nicht schlüssig sind, ob sie nun doch in langen Hosen und mit Handschuhen laufen wollen (Sizilianer?). Aber nach was riecht es  hier? Nein, ich meine nicht die Muskelöle - es ist der Geruch von frisch gebrühtem Espresso! Der wird hier neben Mineralwasser und Powerdrinks an die Athleten frei verteilt - wir nehmen gerne einen Becher, mit viel Zucker, denn wir sind immer noch nicht im Startfeld und es ist ja auch noch eine halbe Stunde bis dahin.

 

Endlich, nach geordneter Kleiderabgabe in nummerierten LKW´s finden wir uns in einem sehr bunt gemischten Starterfeld wieder. Viele Angehörige versorgen ihre Läufer noch immer mit dem Notwendigen. Neben uns steht eine kleine untersetzte Frau - nein, kein Helfer - auch sie hat eine Startnummer und will in den 8 Stunden ankommen. Ein kleiner Junge springt - auch stolz eine Startnummer tragend - nervös neben seinem Vater her. Die Sonne scheint uns beim Start um 8.45 Uhr bereits schön warm ins Gesicht.

 

 
Start in Vedelago
© Veranstalter

Nach dem Startschuß und dem Wunsch „Bonna strada per tutti “ gehen wir bei leichtem Rückenwind in Richtung Padua auf die vor uns liegenden 42,195 km. Aufgrund der schön breiten und völlig verkehrsfreien Strassen zieht sich das Läuferfeld schnell auseinander. Wie man es von den Italienern kennt, wird erstmal auf Teufel komm raus losgerannt - aber wartet nur, einige von Euch werden wir wieder sehen …

 

Frische Morgenluft streicht über die üppig grünen Felder, die Bäume und Sträucher blühen, die Sonne strahlt vom makellos blauen Himmel - der Kontrast zur noch  völlig farblosen Vegetation nördlich der Alpen ist perfekt.

 

Es wird von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation wärmer - statt langärmliger T-Shirts trägt man  inzwischen nackten Oberkörper. Die Verpflegungsstände sind gut sortiert, es gibt das übliche ‚Aqua minerale’ und Gatorade-Mineraldrink in praktischen 0,5 L - Flaschen mit Drinkverschluß zum Mitnehmen, Eistee, Kekse, Würfelzucker in unvorstellbaren Mengen und frisches Obst. Das Angebot geht von der gängigen Banane, über Apfel und Orange bis hin zur Zitrone!! (nein, kein Witz), alles in mundgerechte Stücke geschnitten.

 

Kilometer für Kilometer laufen wir auf der „Strada del Santo“, dem letzten Weg des heiligen Antonius vom Padua, bevor er in der Basilika di Sant Antonio beigesetzt wurde. In den einzelnen Orten, die wir passieren herrscht Volksfeststimmung. Wir verstehen zwar nicht viel, aber die Menschen, teilweise mit Mikrofonen,  sprechen unheimlich schnell unheimlich viel. Dazwischen rufen sie immer wieder: „Forza, Bravi!“ Als Frau wird man in Italien besonders gefeiert. Das beginnt schon bei der extra niedrigen  Startgebühr von 15,00 €. Da können viele andere Veranstalter sich etwas abschneiden. Trotzdem liegt die Frauenquote mit ca. 10% relativ niedrig.

 

In Campodarsego (km 30) zeigt die Temperaturanzeige an einer Bar 32°C , die Hitze fordert langsam ihren Tribut. Viele Läufer (die Vernünftigen) sind mittlerweile zum Gehen übergegangen. Andere, die sich angesichts der äußeren Bedingungen übernehmen und zu den  „Unvernünftigen“ zählen,  müssen sich mit Krämpfen, Kreislaufproblemen, Überhitzung oder anderen Problemen in die Hände der fleißigen Helfer des Crocce Rosso begeben.

 

40 Kilometer sind erreicht, wir nähern uns Padua. Jetzt wird nicht mehr geschwächelt, die Kür beginnt,  es wird wieder gelaufen. Doch leider haben wir die Rechnung ohne das Straßenpflaster gemacht: die letzten beiden Kilometer - höllisches Kopfstein- bzw. Kieselsteinpflaster fordert das letzte von den heißgelaufenen Fußsohlen der Läufer ab.

 

 
Das Ziel in Padua
© Veranstalter

Plötzlich dann, nach unzähligen Kurven und Windungen an pittoresken Altstadtfassaden vorbei, öffnet sich der weite, sonnendurchflutete Prato della valle. Den Zielbogen in greifbarer Nähe genießen wir noch einmal das Bad in der Menge und laufen ins Ziel.

 

Die Sonne scheint, die Zielverpflegung ist reichlich , es ist warm und wir haben es geschafft!


Der krönende Abschluss ist dann die herrlich warme Damendusche (ja, ja, die Frauen werden besonders gefeiert  - in Italien).  Weil es weit aus mehr Männer sind, sind die Duschen nicht ganz so warm, aber dennoch sehr erfrischend!

 

Dann, nach vielen Stunden der absoluten Anstrengung, kommt der Letzte ins Ziel. Es sind inzwischen 8 Stunden 59 Minuten vergangen. Ziemlich kraftlos kommt er daher, aber er ist da – und er wird im Ziel erwartet. Auch das ist typisch Italien, das wir so lieben.

 

Wir können den Maratona S. Antonio in Padua ohne Abstriche nur empfehlen.

 


 

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