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Marathon Sofia: Ländersammler unter sich

 

Motiviert durch die Ankündigung des Country Marathon Club, dass fast ein Dutzend Mitglieder den 34. Marathon Sofia eingeplant haben, entschließe ich mich wieder recht kurzfristig für eine Registrierung. Im Ranking würde ich nach dem Finish mit 48 Ländern wieder einen Platz gutmachen und an der Fünfziger-Marke kratzen – die ich heuer noch erreichen könnte.

Vor zwei Jahren habe ich mich von einem Start abhalten lassen, weil laut Ausschreibung angeblich auch Ausländer ein tagesaktuelles ärztliches Attest vorweisen müssen. Der Organisator Daniel Dukov hat mich dann bei der Expo im Rahmen des Athen-Marathons aufgeklärt, dass dies nur für Bulgaren erforderlich sei.

Dazu kommt, dass Sofia doch 1.000 km von Wien entfernt ist und man mit dem Auto 12 Stunden bräuchte, preiswerte Flüge bspw. mit der AUA müsste man mehrere Wochen vorher buchen. Ich lasse mir immer viel Zeit mit den Anmeldungen, steige daher kostenmäßig selten günstig aus. Aber ich lasse mir diese Freiheit nicht nehmen.

Ich reise bereits am Freitag nach Sofia und habe davor drei Nächte im Ramada gebucht – mit 60 Euro inkl. Buffetfrühstück recht preiswert. Ich kaufe mir am Samstag um 4 Lew (ca. 2 Euro) ein Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsmittel und bin um die Mittagszeit im Fußball- und Leichtathletikstadion Wasil Lewski (1953 eröffnet, derzeit  43.632 Sitzplätze), wo sich in einem Zelt nahe dem Start- und Zielareal die Expo befindet. Als ich eintrete, strahlt mir Brent Weigner von weitem entgegen. Er ist Jahrgang 1949, super in Form – so finishte er den Karthago Marathon heuer im Februar knapp über 4 Stunden und führt mit 143 Ländern das Ranking im Country Club souverän an.

Für die bezahlten 50 BGN (25 Euro) erhalte ich ein schickes adidas Funktionsshirt. Hauptsponsor ist die ungarische Fluglinie WizzAir, die ähnlich günstig wie Ryan Air ihre Tickets anbietet, aber in Wien keine Landerechte hat – falls ich richtig informiert bin.

 

 
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Der Sofia-Marathon scheint stetig zu wachsen, das hat auch Brent verfolgt. Seit zwei Jahren hat man sich auf vier Runden beim Marathon eingependelt, früher waren es 5 und sogar 6 Runden auf unterschiedlichen Kursverläufen. Beim morgigen Bewerb stehen neben dem Marathon, der um Punkt 10 Uhr beginnen soll, auch ein Halbmarathon (Start um 10 Uhr 10), ein Viertelmarathon mit 10.550 km (Start um 10 Uhr 20) sowie ein 3 km-Lauf, der bereits auf verkürzter Strecke um 9 Uhr 40 gestartet werden soll, auf dem Programm.

Das schöne Wetter, das schon die ganze Woche über Mitteleuropa herrschte, wird auch hier in Sofia in den kommenden Tagen – ich bleibe ja bis Montag hier – bestimmend sein. Ob allerdings angesagte Temperaturen über 20 Grad Celsius im Spätherbst vorteilhaft beim Marathon sind, wird sich herausstellen.

Ich war vor über 30 Jahren zum ersten und auch letzten Mal in Sofia, mit ca. 1,2 Mio. Einwohnern auch Hauptstadt Bulgariens, das mit 7 Mio. Einwohnern bevölkerungsmäßig kleiner als Österreich ist, aber mit 110.000 km² eine um ca. 30 Prozent größere Fläche aufweist. Im Juli 2013 wurde das Land in die EU aufgenommen und beansprucht seither ein großzügiges Förderprogramm in allen Bereichen.

Den weiteren Samstag nutze ich für Sightseeing unter Verzicht auf öffentliche Verkehrsmittel. „Pedibus“ – wie der Lateiner sagen würde, erkunde ich im Umkreis von drei Kilometern die Umgebung, eigentlich das Zentrum von Sofia. Ausgehend von der Universität, benannt nach dem Heiligen Kliment von Ohrid und mit rund 14.000 Studenten die größte Universität in Sofia, spaziere ich zur weltberühmten Alexander-Newski-Gedächtniskirche. Diese bulgarisch-orthodoxe Kathedrale, die zwischen 1904 und 1912 im neobyzantinischen Stil erbaut wurde, ist heute eines der Wahrzeichen. Sie befindet sich auf dem Alexander-Newski-Platz im Zentrum der Stadt und ist dem gleichnamigen russischen Nationalheiligen geweiht. Weiter geht es zur Russischen Kirche Sweta Nikolai, die zwischen 1907 und 1914 errichtet wurde. Die fünf Kuppeln der Türme wurden mit Blattgold bedeckt, die Glocken wurden von Zar Nikolaus II. gespendet.

Hier sind viele Touristen anzutreffen. An den Verkaufsständen, an denen allerlei Relikte aus der Sowjetära und der Zeit des kalten Krieges angeboten werden, herrscht Ruhe – niemand scheint sich für das „Glumpert“ zu interessieren. Auf einen Besuch der zahlreichen umliegenden Museen verzichte ich bei dem schönen Herbstwetter, stattdessen setze ich mich in den Park vor dem „Iwan Wasow“ Nationaltheater, das um 1906 erbaut wurde, auf eine Bank. Hier im Park musiziert eine Band, gleich dreimal spielen sie den Country-Hit „Sweet, sweet home“ – die vorbeeilenden US-Touristen angeführt von einem Guide mit hochgehaltenem US-Wimpel, halten inne und leben auf und mit.

Zum Nationalen Kulturpalast, der ein Kongress- und Konzertzentrum im Stadtzentrum von Sofia ist und erst 1985 fertiggestellt wurde, sind es gut zwei Kilometer. Ich will mir die Gegend anschauen, wo morgen der Marathon gleich viermal vorbeiführen wird. Auf einer Parkbank breite ich mich dann aus, mit einer Dose Bier, die ich beim Billa (den gibt’s gleich mehrmals in Sofia) um 79 Stotinki gekauft habe (also ca. 40 Cent) und genieße den warmen Nachmittag.

 

Mein Lauf


Mit Brent habe ich ausgemacht, dass wir uns eine halbe Stunde vor dem Start um 9 Uhr 30 für ein Gruppenfoto mit den anwesenden Mitgliedern des von John Wallace gegründeten und geführten Country Marathon Clubs treffen. Es herrscht ziemliches Gedränge im Startbereich, auch dürften noch einige erst am Renntag ihre Startpakete abholen. Von hinten spricht mich Lichu Sloan an, sie sucht die Gruppe. Auf der andere Seite der gesperrten Startareals erblicken wir Dan Micola, der einem Weltrekord entgegensteuert: bei einem Finish in Sofia würde er sein 50. Land in diesem/einen Jahr verbuchen – aber auch schon 20, 30 oder 40 countries bedeuten enorme Reisekilometer, Ausgaben und auch Strapazen.

 

 
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Die Marathonläufer sind an ihren roten Nummern erkennbar, die Halbmarathonis mit blauen Nummern und die TeilnehmerInnen am Viertelmarathon (grüne Nummer) werden später an den Start gehen. 3 km-Läufer/innen bekomme ich keine mehr zu Gesicht, sie sind bereits um 9 Uhr 40 gestartet.

Geschätzt 400 LäuferInnen nehmen das Rennen auf. Der Kurs verläuft in westliche Richtung und ich bilde mir ein, dass wir gleich auf dem ersten Kilometer einen leichten Anstieg bewältigen. Wie gewohnt überlaufen mich Dutzende, zwar nicht das ganze Feld, aber viel fehlt da nicht. Brent Weigner zieht ab wie eine Rakete. Woher nimmt der bloß mit seinen 68 Jahren die Power? Nach ca. 2 Kilometern dreht der Kurs nach Norden. Hier sieht man die Steigung mit freiem Auge – aber auf der ersten Runde ist noch alles in bester Ordnung.

In einer Schleife geht es um den Park, wir laufen kurz auf einem Gehweg, zu unserer Rechten ist die Metrostation NDK und der Beginn des Vitosha Bulv., eine Flaniermeile mit vielen Lokalen und Geschäften. Die 180 Grad-Wende beginnt auf der nach Süden führenden Verlängerung der Vitosha. Auf dem Gehweg kommen uns Fußgänger entgegen, ihr Interesse am Geschehen ist gering. Jetzt um 10 Uhr 15 sind die Parkbänke rund um den Kulturpalast schon fast zur Gänze ausgelastet. Auf einer Rampe steht ein Kamerateam und filmt uns.

Der Kurs dreht nach Süden, es geht gut 300 m abwärts, hier lege ich Tempo zu und mache nach gut drei Kilometern etwas Boden gut. Würden wir weiterlaufen, kämen wir zum Startareal zurück. Doch dann wendet die Strecke erneut um 180 Grad, die vorne Liegenden sehen uns und wir sie von oben herab. Fototechnisch könnte man auf diesem Abschnitt einiges probieren, aber dafür bräuchte man mehr Power, um die verlorene Zeit wieder wettzumachen.

 

 
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Der nun folgende Streckenverlauf ist ansteigend, noch zeigen alle ihre gute Kondition. Längst sind die schnellen HalbmarathonläuferInnen gestartet, bald werden sie uns im hinteren Feld einholen. Dorota aus Griechenland läuft vor mir, sie trägt ein Shirt vom Athen Marathon. 2015 war ich dort auch dabei, heuer begeht man auf der klassischen Strecke am 12. November das 35. Jubiläum. Noch habe ich mir kein einziges Rennen ab dem 5. Nov. ausgesucht, Athen wäre überlegenswert.

Wir laufen unter einer Betonbrücke durch, eben kommen die pfeilschnellen Schwarzafrikaner nach – es ist rechnerisch und de facto unmöglich, dass wir nach 4 Kilometern bereits überrundet werden, denn eine Runde beträgt 10,5 km, da müsste man motorisiert sein. So nehme ich an, dass es die Halbmarathonis sind, die uns eben überlaufen. Ein Läufer vom 100 Marathon Club Deutschland im nicht übersehbaren gelben Shirt zieht an mir vorbei – der Hinweis sei gestattet: der Kollege ist keine Vierzig.

Endlich wird  die Strecke flacher, bald kommt die Wende in Sicht. Es geht nun wieder in östlicher Richtung auf der anderen, durch einen Gleiskörper für die Straßenbahn getrennten Seite der Straße zurück. Hier befindet sich die Zeitnehmung, 5 km sind erreicht – ich liege mit 30 Minuten  – auf mein Leistungsniveau bezogen – gut in der Zeit. Auf der Rückseite der Startnummer ist der Chip, der unhörbar geortet wird.

Bevor wir wieder unter der Brücke durch müssen, kommt die erste Labe in Sicht. Als wir unter der Brücke durchgelaufen sind, steigt der Kurs wieder leicht, dann beträchtlich an. Hier ist Wohngebiet, die hohen Bäume sind Schattenspender, was vor allem im Sommer sicher angenehm ist. Doch Sofia selbst liegt auf 595 m Seehöhe, damit 170 Meter höher als z. B. Salzburg. Der höchste Gipfel im sich rings um Sofia erhebenden Vitoshagebirge erreicht 2300 Meter. Bereits im Herbst liegt dort Schnee.

Oben angekommen, werden die Startnummern der Teilnehmer handschriftlich notiert. Es folgt nun die nächste Kursänderung, der Marathon führt nach Westen. Ich freue mich, weil es nun auf gut 1 ½ km spür- und sichtbar abwärts geht, was das Gefälle der Strecke betrifft. Zu unserer Linken ist der höher gelegene Gleiskörper der Tram. Auf solchen Passagen kann ich selbst auf den letzten Kilometern eines Marathons zulegen, in der ersten Runde schaffe ich nun sogar eine Zeit unter 5 min/km – wenn auch nur für einen kurzen Abschnitt.

 

 
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Der Kurs dreht erneut, es geht nun wieder nach Norden weiterhin auf abfallender Strecke. Vereinzelt finden bereits auf der ersten Runde Positionskämpfe statt. Auf diesem kurzen, aufsteigendem Abschnitt kommt es zu einer Begegnung mit den voranliegenden Läufern – der deutsche Kollege mit seinem gelben Shirt wirkt sehr konzentriert.

Der letzte Kilometer auf der ersten Runde führt erneut vorbei am Wassil Lewski Stadion. Hier stehen einige Zuschauer, aber Stimmung kommt da keine auf. Bis in den Zielbereich sind ca. 300 m zurückzulegen. Dort stehen nun doch viele Zuschauer und applaudieren. Für die 10,5 km habe ich 1:04 h benötigt – das zeigt die Uhr im Ziel so an. Es beginnt die zweite Runde. Den verwinkelten, drehfreudigen Kurs habe ich mir eingeprägt. Rundenlaufen ist meine Sache zwar nicht, aber wenn man weiß, wie es auf der Strecke weitergeht bzw. davon ausgehen kann, dass sie gleichbleibt, kann man sich auf die Gegebenheiten gut einstellen.

Einige setzen nun von hinten zum Überholen an, darunter einer mit der Aufschrift „Speed, Embrace, Enjoy“ auf der Rückseite seines Shirts. Auf der Wende rund um den Kulturpalast habe ich ihn dann wieder eingeholt. Ebenso eine Läuferin aus Schweden, die an der Strecke offenbar ihren bulgarischen Gatten mit geschultertem Kleinkind herzlich begrüßt. Als wir wieder die Vitosha nach Westen entlanglaufen, versuche ich diesmal die Berge im Hintergrund zu fotografieren – es bleibt beim Versuch, denn die Hochhäuser verstellen mir die freie Sicht.

Die nächste Schleife ist wieder die Begegnungszone – wenn auch aufgrund der Distanz und des Gefälles der Böschung nicht in unmittelbarer Nähe. Der nachfolgende Anstieg unter der Brücke durch bringt uns zur 15 km-Anzeige, die ich nach 1:35 h erreiche. Unter Zeitdruck bin ich heute einmal nicht, der Marathon ist 5 ½ h offen.

Erneut wird die Startnummer von den Helfern am Wendepunkt zurück notiert – ich komme zum zweiten Male zur Zeitnehmung. Bei der Labe vor der Brücke verweile ich kurz – es gibt zwar kein Iso, dafür kaltes Wasser und Schnitten. Danach kommt die Passage durch Wohngebiet, die einem ziemlichen Anstieg aufweist. Endlich bin ich oben, nun geht es wieder im schnelleren Tempo weiter.

Das Procedere bleibt dasselbe, die Startnummern werden auch bei der folgenden Wende verifiziert, danach ist die 20 km-Anzeige Ansporn, da in wenigen Minuten die Halbdistanz erreicht sein wird. Als ich dann mit etwas Verspätung – die 2:15 schaffe ich ganz knapp nicht – rechts im Zielbereich vorbeilaufen will, während die Läufer mit den blauen Nummern sich links halten, werde ich von einer Schar Fotografen blockiert. Man glaubt es nicht, aber sie umringen mich, ich bin eingekesselt. Der Grund dafür ist, dass in wenigen Momenten der Sieger einlaufen wird. Ich muss mich richtig zusammennehmen, um durchzukommen.

Auf der nun folgenden dritten Runde hat sich das Feld gelichtet, die Halbmarathonis sind im Ziel, ich kann die Läufer vor und hinter mir an einer Hand abzählen. Ich fühle mich eigentlich in guter Verfassung, habe noch Reserven. So kann ich den einen oder anderen wieder einholen, werde aber selbst auch überlaufen – von Dorota, die heute schon einmal hinter mir war. Nach dem Anstieg kommt die 25 km-Anzeige. Bei der Labe nahe der Unterführung, die im Schatten platziert ist, hat sich auch nach 2:50 Stunden das Wasser nicht erwärmt – dort ist einfach ein kaltes Eck.

Dorota, deren Mann oder Begleiter sich vom Straßenrand einschaltet und ihr eine Erfrischung reicht, versucht wieder an mich ran zu kommen. Doch sie hält meinen „downhill“-Speed nicht durch und fällt zurück. Ein Läuferpaar im Schottenrock geht nur mehr langsamen Schrittes dahin – wenn die auf der dritten Runde keine Kraft mehr haben, sind sie Kandidaten für den Sidewalk nach der offiziellen Schließung des Kurses.

Ich nähere mich der 30 km-Anzeige. Die kurze Wendestrecke mit dem Auf und Ab bietet wieder Gelegenheit, in der Begegnungszone einige Bilderzu machen.

Ich deute bei den Kontrollposten auf meine Nummer 347, sie winken ab, offenbar bin ich ihnen schon aufgefallen. Kaum einer außer mir trägt ein Langarmshirt. Was wäre meine Wunschzeit nach der dritten Runde? 3:20 wären nach 31,5 km ein gutes Polster, 3:29 sind es geworden. Auf in die vierte Runde!

Etwa 500 m hinter dem Ziel befindet sich die zweite Labe auf der Strecke – man liest richtig: es gibt nur zwei Versorgungstellen. Ein Gel ist fällig, dann geht’s weiter. Ziel meiner Begierde ist ein vor mir laufender Kollege, der ein gelb-oranges Shirt mit der Aufschrift „jcoutinho“ trägt – ob er Portugiese oder Brasilianer ist? Er bewegt sich wie einige andere auch auf Sparflamme und wird so zum Beutestück. Ich habe diesmal wirklich noch Reserven, obwohl es gegen Mittag  – die Uhren in Bulgarien gehen eine Stunde vor zur MEZ – noch warm werden wird.

 

 
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Inzwischen ist wieder eine Viertelstunde vergangen, um 13 Uhr 45 bewege ich mich zum vierten Male auf dem Bulv. Bulgaria aufwärts. Kurz nach der Unterführung steht die 35 km-Anzeige: 3:55 auf meiner Uhr wären eine tolle Finisherzeit, aber mir fehlen noch 7 km. Die Kontrolleure am Ende dieses Abschnittes sind verschwunden. Unerwartet hat sich Dorota in ihrem blau-violetten Shirt wieder herangekämpft. Ob sie auf den letzten 4 Kilometern mithalten wird? Ich habe noch Reserven, zahlreiche andere LäuferInnen nicht mehr – sie gehen längst. Wird es eine Finisherzeit unter 4:50? Eher nicht, aber mit 4:53 laufe ich ein, die Amis würden sagen: „You made my day!“ Korrekt bin ich ja selbst für die Laufzeit verantwortlich, aber wenn die Umstände gar nicht stimmen, kommt es oft zu unliebsamen Überraschungen.

Die Verpflegungsstelle ist um diese Zeit schon geplündert, ich presse Zitronensaft in den Becher mit inzwischen durch die Sonne aufgewärmtem Wasser und nehme ein Minibrezerl. Brent ist längst weg, doch Dan Micola kommt gerade um 15 Uhr 15 in die Zielgerade, als ich mich aufmache, das Areal zu verlassen und am Wege in den Park beim Kulturpalast bin. Die Medaille habe ich verstaut, mit dem Marathon in Sofia habe ich ein Land dazugewonnen.

 

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Was fällt mir sonst noch dazu ein?


Für Hauptstädte- und Ländersammler ist die Teilnahme in Sofia früher oder später naheliegend – alternativ könnte man in Varna antreten oder bei einem Ultratrail im Landesinneren in Tryavna oder Persenk teilnehmen. Gemäß dem Lebensstandard und dem BNP sind Startgelder von 40 bis 60 Lew (20 bis 30 Euro) für alle Besserverdiener preiswert, nicht für die Einheimischen. Allerdings wird mit dem sehr schönen Funktionsshirt und der herzeigbaren Medaille einiges an Gegenleistung geboten. Die Versorgung an den Laben ist eher bescheiden, die Strecke hingegen lässt trotz der Anstiege und der vielen Wenden und Schleifen schnelle Zeiten zu.

Seit 1973 war ich nicht mehr in Sofia – damals hätte ich nie gedacht, im Alter wegen eines Laufes über 42.195 km je so weit zu verreisen. Ich sollte mich vielleicht irgendwann wieder selbst fragen, wohin mich mein Weg resp. meine Laufambitionen noch hinführen werden. 

 

Sieger bei den Herren:

1. Barmao KIPRONO (KEN) – 2:14:47
2. Ahmed NASEF 1975 (MAR) – 2:17:27
3. Vitalis KWEMOI (UGA) – 2:19:41

 

Damenwertung:

1. Ruth MATEBO (KEN) – 2:40:27
2. Koech CHERONO (KEN) – 2:40:31
3. Leena EKANDJO (NAM) – 2:42:34

390 Finisher (313 Männer, 77 Frauen)

Letztgereiht ist das Läuferpaar Peter BENNETT und Lichu SLOAN (beide USA) vom Country Marathon Club mit 6:09:30 bzw. 31 Sekunden.

 


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