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Marathon Ravenna citta d’arte: tutto era perfetto

 

Italien gilt als große Sport-, Kunst- und Kulturnation. Fast jede Stadt hat eine geschichtsträchtige Bedeutung. In Ravenna wurden gleich mehrere Bauwerke in das UNESCO-Kulturerbe aufgenommen, an denen der Marathonkurs vorbeiführt.

Die 15. Austragung des Marathons fällt diesmal mit einem internationalen Festival zeitgenössischer Mosaikkunst zusammen, das vom 12. Oktober bis zum 24. November in Ravenna abgehalten wird. Als ich am 6. November 2011 dort meinen 92. Marathon auf dem Wege zum Hunderter lief, den ich im darauffolgen Jahr am 18. März in Rom vollendete, bekamen die Finisher im Zielbereich eine handgemachte Mosaikmedaille ausgehändigt, die zu meinen wertvollsten Erinnerungsstücken zählt. Auf der Veranstalter-Homepage wird für 2013 ähnlich wie jedes Jahr das von Maestro Alfiero Nena für den kommenden Rom-Marathon angekündigte, einzigartige Prunkstück in einem gediegenen Bronzeguss beworben.

Während ich also schon vor zwei Jahren die Kirche San Vitale, das Mausoleum der Kaiserin Galla Placida aus dem frühen 5. Jahrhundert n.Chr., ferner Sant‘ Apollinare Nuovo, die Hofkirche des Ostgotenherrschers Theoderich sowie dessen Grabmahl besichtigte und auch im Dante-Museum war, ist diesmal die Zeit wegen der rund 600 km langen Anreise am Vortag mit dem Auto von der Steiermark aus über Slowenien für Sightseeing zu knapp. 

Ernst, Schriftführer im 100 Marathon Club Austria, mit dem ich nach Ravenna fahre, ist hier, um seinen 28. Marathon in diesem Jahr zu absolvieren. Nach Möglichkeit läuft auch er wie der Südtiroler Hartmann in einer Stadt nur einmal einen Marathon und baut so seine Orte- und auch Länderstatistik kontinuierlich aus. Mein Ziel im heurigen Jahr 2013 ist, 52 x anzuschreiben.  Rechne ich Ravenna dazu, fehlen mir dann nur mehr 4 Marathons.

Als wir gegen 17 Uhr unsere Zimmer im Cube-Hotel etwas außerhalb von Ravenna beziehen, wird es rasch dunkel. Im Zentrum  von Ravenna herrscht akuter Parkplatzmangel, Ernst stellt seinen Wagen in eine Garage nahe der Piazza Garibaldi, wo sich die Marathon-Expo befindet und die Läufer am Samstag bis 19 Uhr 30 das Startpaket abholen können. Das Ziel des Marathons befindet sich einen Steinwurf daneben – auf der Piazza del Popolo, wo ich auch 2011 eingelaufen bin.

Als wir gegen 18 Uhr das Marathonzelt betreten, ist der Andrang spärlich. Es dauert nur wenige Minuten, bis jeder von uns sein prall mit Lebensmitteln (Nudeln, Riegel, Getränkepäckchen, Infomaterial) und einem Funktionsshirt in gelber Neonfarbe gefülltes Paket überreicht bekommt. Die Startnummer, auf der ein Transponder der Fa. TDS angeklammert ist, wird in einem Kuvert separat ausgehändigt.

Die Expo ist relativ klein, von einer Verkaufsmesse kann man nicht sprechen. Lebensmittel wie Käse und Brot aus der Region Emilia-Romagna werden zum Verkauf angeboten. Die Leute sind alle sehr freundlich. Sieht man von der Startnummer 1600, die ich bei meinem 5. Marathon im Dezember 2001 in Reggio Emilia erhielt oder der Nummer 1954, mein Geburtsjahr, beim Ironman Austria im Jahr 2004, so ist diesmal die Nummer 666 besonders reizvoll. Man kann Vieles in sie hineininterpretieren – ich nehme mir vor, das Rennen zumindest auf der ersten Hälfte etwas schneller anzugehen, um den Veranstaltern zu zeigen, dass ich diese Geste zu schätzen weiß. Ich kann es nicht oft genug wiederholen, die Italiener lieben Sport über alles, nirgendwo sonst werden Starterpakete mit so viel Anteilnahme und Herzblut gefüllt und ausgehändigt. Die ehrenamtlichen Helfer leben alle förmlich mit, an den Labestellen freuen sie sich sichtlich, einem Läufer den Becher in die Hand zu drücken.

Bei der Expo nehme ich mir Zeit für die vielen schönen und liebevoll gestalteten Kinderzeichnungen, die alle zu Ehren des 15. Marathons in Ravenna abgegeben und auf den Schautafeln befestigt wurden. Die Bildaufschriften bzw. Statements der Kinder wie z.B. „Chi corre col cuore vince sempre“ („Wer mit Herz läuft, gewinnt immer“), „Correre é importante perché si tiene in forma“ („Laufen ist wichtig, um sich in Form zu halten“) zeigen, dass „ci sono tante motivazione per correre, per piacere, per salute, per la linea, …(„es  viele Gründe für das Laufen gibt, z.B. aus Freude, für die Gesundheit, für die Linie, …“) (aus dem Buch-Cover „Corsa su strada“ von Furio Oldani).

 
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Ernst und ich spazieren anschließend durch die Stadt, ich führe ihn zum Theoderich-Mausoleum, doch der Park schließt bereits um 16 Uhr. Hätten wir genauer ins Kuvert geblickt, hätten wir einen Bon für die Pasta-Party entdeckt. So aber suchen wir ein Restaurant und landen in einer exklusiven Trattoria. Ernst legt mehr als 25 Euro für einen Teller Spaghetti mit Muscheln, einen gemischten Salat und ein großes Bier ab. Ein Big Mac im Burger-Lokal  am Bahnhof wäre sicher billiger gewesen, doch manchmal muss man sich auch was gönnen, sagt Ernst. 

Tagwache ist um 6 Uhr 30. Beim Frühstück erblicken wir einen der vermeintlichen Campione des Marathons, einen ca. 185 m großen, sehr schlaksigen Farbigen, der es genießt, dass ihn die Hobbyläufer mit Bewunderung ansehen. Der Mann isst kaum etwas, nach wenigen Minuten verlässt er den Raum. Nach dem Auschecken parken wir das Auto strategisch so, dass wir nach dem Lauf gleich abfahrbereit sind. Eine Parklücke finden wird in der via maggiore, maximal einen Kilometer von der Piazza Garibaldi entfernt, wo laufend Shuttlebusse die Läufer in die ca. 10 Fahrminuten entfernte Piazale Pala De Andre, direkt bei der Viale de Europa, transportieren. Im Umfeld parken Busse und Privatautos, der Shuttledienst geht in beide Richtungen bis Zielschluss nach 6 Stunden.

 
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Bis zum Start des Marathons um 9 Uhr 30 verbleibt  uns noch eine gute Stunde. Das Wetter ist am Morgen so einladend schön, dass ich mein Langarmshirt wieder ausziehe und umbinde. Bei der Anreise nach Ravenna hatten wir von Slowenien bis Padua starken Regen. Doch heute scheint die Sonne, es hat um  8 Uhr 30 am Morgen laut Thermometer an einer Hauswand  11 Grad C.  Viele Läufer haben sich für ein ärmelloses Shirt und eine kurze Laufhose entschieden – wie überhaupt bei Marathons in Italien luftige Sportkleidung eher die Regel als die Ausnahme ist. Ich beobachte das Geschehen vor dem Start und mache einige Aufnahmen. Auch schaue ich mir die unterschiedlichen Shirts an - es gibt viele interessante und ausgefallene Kollektionen, die wohl auch von Modedesignern für Laufvereine gestaltet werden.

Das bunte Treiben vor einem Marathon ist bei italienischen Events besonders ausgeprägt – fröhliche Gesichter, euphorische Hektik, Angehörige, die so nahe am Geschehen sind, dass man annehmen könnte, sie würden selbst starten – zumindest ihrer Laufkleidung nach zu schließen. Doch in Wahrheit lösen sie einen Gutschein für eine Flasche Limonade oder eine Warenprobe ein und  fiebern mit. Die Stimmung knapp vor dem Start ist hervorragend, da kann man sich auch als eher nüchterner Mitteleuropäer nicht einigeln, denn der Funke springt über. Nach dem Sri Chinmoy Selbsterfahrungsmarathon im Auwald von Györ bei starkem Regen kommt mir eine Woche später die Startatmosphäre in Ravenna wie ein temporärer Aufenthalt in einem Trainingscamp bei besten Wetterbedingungen vor.

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