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Laufberichte

Marathon in Celje/Slowenien

 

Celje als ein Austragungsort der Euro Basket 2013 – aber wo geht’s hier zum Marathon?

Die alle zwei Jahre ausgetragene Basketball-Europameisterschaft 2013, an der 24 Mannschaften teilnehmen, findet vom 4. bis 22. September in Slowenien statt. Alle Vorrundenspiele der Gruppe C, der Slowenien als Gastgeber angehört, werden in der Slatorog Arena in Celje ausgetragen. Seit dem 78: 69 Sieg über Europameister Spanien herrscht hier Volksfeststimmung. Dass parallel dazu der inzwischen schon 29. Ultramarathon nach Logarska dolina am 7. September am Kalender steht, scheint viele Menschen in der sonst kleinen Stadt kaum zu interessieren. 

Als Ernst Fink und ich am Vorabend anreisen, haben wir größte Mühe, die Vereinsräume von „Taborniško društvo Celje“ in der Gledališka ulica 2 zu finden, wo bis 21.00 Uhr die Startnummern ausgegeben werden. Wir treffen Christian, einen Freund von Ernst, der seit einiger Zeit mit seiner slowenischen Frau Katja in Celje lebt, doch auch er muss sich durchfragen, bis wir mit Hilfe eines deutschen Ultraläufers zum Kellerlokal des Veranstalters gelangen. Im Startpaket ist eine Zeitschrift in Slowenisch, eine laminierte Startnummer, ein einfaches Baumwollshirt in weiß sowie ein Getränke- und Essensbon enthalten.

Vier Bewerbe sind vorgesehen: der 73 km Utramarathon von Cejle nach Logarska dolina (Start ab 06.00 Uhr), der Marathon von Mozirje (ab 09.00 Uhr) in den Zielort sowie ein weiterer 27 km-Lauf  (Start in Ljubno ab 10.30 Uhr) und ein 17 km-Bewerb (von Luče ab 11.30). Ernst und ich haben uns als Marathonsammler bewusst für die 42,195 km-Distanz entschieden, um im internen Ranking des 100 Marathon Club Austria wieder anzuschreiben. Ultramarathonläufe werden in unserem Verein separat gewertet – wie dies die meisten 100 Marathon Clubs handhaben.

Christian und Ernst haben sich längere Zeit nicht gesehen, sie kommen beide aus der Südoststeiermark und sind gute Freunde geblieben. Christian hat nach einem schweren Schicksalsschlag, bei dem seine Tochter auf tragische Weise tödlich verunglückte, wieder ins Leben zurückgefunden. Die größte Stütze für ihn ist nun Katja, mit der er seit einigen Monaten verheiratet ist. Ernst lädt uns alle zum Abendessen in ein Stadtlokal ein. Wir sitzen im Freien, es ist 20 Uhr. Auf  den Straßen flanieren die Menschen, um die Ecke hat jeder Zugang zu einer riesigen Vidiwall. Der Sieg über Spanien wird wiederholt und die Spiele des Tages gezeigt. Doch uns interessiert heute Abend das Fußballländerspiel Deutschland gegen Österreich.

 
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Das Hotel Štorman, in dem ich ein Zimmer gebucht habe, hat zwar Satelliten-TV, doch den ZDF-Kanal nicht eingestellt. Katja lädt uns in die mit Christian gemeinsam bezogene Neubauwohnung ein, wo wir den Abend verbringen. Nach dem 2:0 für die Deutschen herrscht allgemeine Frustration, das 3:0 sehe ich gerade noch beim Weggehen. Wir Ösis machen uns halt was vor, die Deutschen waren und sind einfach besser im Fußball – so bleibt uns nur der alpine Schilauf, auch beim Schispringen stellt Österreich den Weltcupsieger.

Christian bietet an, uns morgen ab 7.30 Uhr mit seinem Auto zum Start in Mozirje zu lotsen. Der Shuttlebus von Cejle dorthin würde bereits um 7 Uhr abfahren. Ich habe so Zeit für ein langes Frühstück. Das Hotel selbst würde ich nur dann weiterempfehlen, wenn das gebuchte Zimmer nicht auf die stark befahrene Durchzugsstraße hinaus gerichtet ist. Der Lärm ist auch im 7. Stock so stark, dass man dadurch um die Nachtruhe kommt.

Christian fährt voraus, Katja sitzt im Auto neben ihm. Sie kennt den Weg, im letzten Jahr hat sie bei der Organisation des Ultramarathons mitgeholfen. Ernst lenkt seinen schnittigen Swift und folgt dem Octavia von Christian mit steirischen Kennzeichen. Ich habe mein Auto im Carport von Ernsts Wohnhaus in der Nähe von Riegersburg geparkt, bin also mit ihm bis Celje mitgefahren. Unsere Fahrgemeinschaft hat sich bisher bestens bewährt, man teilt sich die Spritkosten, hat jemandem zum Plaudern und kommt nach einem Rennen auch rascher als z.B. mit dem Zug wieder weg.

Die Fahrt von Celje nach Mozirje dauert ca. 30 Minuten, knapp vor 8.30 Uhr kommen wir an. Im Startbereich für den Marathon befindet sich eine Verpflegungsstation für die Ultraläufer, die um 6.00 gestartet sind. Die schnellsten sind schon durchgekommen. Jene, die jetzt einlaufen und eine Trinkpause einlegen, haben für die rund 30 km von Celje nach Mozirje ca. 3 Stunden benötigt, was in Anbetracht der Ultramarathondistanz von 73 km ein gut kalkuliertes Lauftempo ist.

Armeeangehörige helfen bei der Organisation mit. Wer etwas ins Ziel nach Logarska dolina befördern lassen möchte, gibt seinen Kleiderbeutel bei einem Kleinlaster mit einer zeltstoffüberdachten Ladefläche in braunem Tarnlook ab. Es wird genauestes Buch geführt, der Beutel wird zusätzlich in einem großen grünen Sack gesteckt und verschlossen.

 
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Nur mehr wenige Minuten bleiben bis zum Start. Es ist ein strahlend schöner Tag, windstill, angenehm warm um 9 Uhr morgens. Der Wetterbericht verheißt spätsommerliche Temperaturen ab Mittag. Ich entscheide mich für ein Kurzarmshirt. Wir verabschieden uns von Christian und Katja, die wieder nach Celje zurückfahren müssen, um Katjas Sohn zu einem Fußballspiel zu bringen. Ich knipse noch ein wenig, um die Stimmung bildlich einzufangen. Ernst steht weiter vorne, ich wie gewohnt am Ende des Starterfeldes. Rund 50 Läufer nehmen nach dem Kommando eines uniformierten Veteranen den Marathon in Angriff, der nach Katjas Darstellung immer sanft aufwärts entlang des Flusses Save führt. Sieht man sich allerdings das Höhenprofil als jpg-Grafik auf der Website an, so verläuft der Kurs im letzten Drittel stark ansteigend, von ca. 300 Metern Seehöhe am Beginn in Mozirje geht es auf den 42 km bis 800 Meter hinauf ins Ziel.

Ich wundere mich seit meinen Laufanfängen ab 2001, dass bei jedem Rennen, ob Kurzstrecke oder Marathon, viele wie aufgezogen davonsprinten. Schon nach ein paar Kilometern holt man sie wieder ein, weil sie zu schnell gestartet sind und ihre Leistungsgrenze überschritten haben. Als Läufer im hinteren Pulk hat man weit weniger Stress und viel Zeit, die Strecke und vor allem die Umgebung zu sichten, Menschen, die einem zuwinken oder applaudieren, zu grüßen, mit Kindern abzuklatschen – kurz gesagt, der langsame Läufer ist ein Genießer, der mit seinem Hobby verschmelzt.

Als M4Y-Reporter hat man zusätzlich auch eine kognitive Aufgabe übernommen, nämlich so gut wie möglich jene Details bildlich und sprachlich zu erfassen, die die Läufergemeinschaft interessieren könnte. Mich fasziniert stets die göttliche Schönheit und Vollkommenheit der Natur bei Bergmarathons oder entlang von Flusstälern, über Wiesen und durch Wälder, Hügel und Felder – Strecken, die einem ein Leben lang in Erinnerung bleiben und durch Belegfotos zusätzliche Assoziationen voller Freude und Glück hervorrufen können.

Wenn man alleine einen Marathon läuft und vielleicht 5 Stunden unterwegs ist, kommt man auf allerlei Gedanken. Doch vorerst konzentriere ich mich nun auf die ersten Kilometer der Laufstrecke. Nach dem Start führt der Kurs auf einer asphaltierten Ortsstraße in ländlicher Umgebung bis Nazarje. Ich lasse mich etwas zurückfallen, hinter mir sind noch gut ein halbes Dutzend Läufer. Wenn ich für ein Foto stehen bleibe, kommen sie näher, einige überholen mich. Bald habe ich sie dann wieder eingeholt. Dieses Wechselspiel nervt einen Mann in den besten Jahren. Er flucht auf Slowenisch laut hörbar und benutzt ein in slawischen Sprachen geflügeltes Schimpfwort, das für Vieles herhalten muss, aber wegen der Derbheit hier nicht angeführt wird. Nach ca. 6 km erreichen wir die Ortschaft Pobrežje, wo sich aus Sicht der Marathonteilnehmer die erste Verpflegungsstation befindet.

 
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Ich mische einen Becher Wasser mit Iso, es ist wärmer geworden. Ein Singlet wäre nun angenehmer als mein Kurzarmshirt. Ich erblicke einen Läufer im Langarmtrikot und Wintertight, der gar nicht zu schwitzen scheint, so kommt es mir vor. Ich mache schnell ein Foto von der Labestelle, dann geht’s weiter. Auf den nun folgenden Kilometern erhöhe ich mein Lauftempo zeitweise auf 5:30 min/km, um wieder etwas Boden gut zu machen. Der Kurs ist scheinbar eben, man spürt die leichte Steigung nicht, wie Katja sagte. Auf Ortsstraßen geht es weiter bis Meliše, meine Garmin zeigt inzwischen 10,8  km und eine Laufzeit von 1:10 Stunden an. Auf einem Wiesen- bzw. Waldweg führt die Marathonstrecke bis nach Radmirje weiter, wo sich wieder eine Labestation befindet.

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