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Laufberichte

Marathon Cluj – Kolosvár – Klausenburg

 

Welche Stadt kann sich schon damit rühmen, 3 eigenständige Namen zu führen? Die rumänische 300.000 Einwohner-City von Cluj kann es! Und hat auch seit 3 Jahren einen internationalen Marathon als sportliches Aushängeschild neben dem Universitäts-Fußballklub, in dessen Stadion der Startschuss ertönt und die LäuferInnen ihre letzten Meter unter Publikumsbeifall genießen.

Aber der Reihe nach: Die 3. Auflage des Marathons mit seinem Halbmarathon als Paradedisziplin erreicht nach und nach Überlebens-Qualität. 20,-€ Startgebühr, bzw. 10,-€ für Halbmarathon sind ja wirklich keine Riesensummen, und wenn man am Rezeptionsschalter das Geschenke-Sackerl überreicht bekommt, meint man, das Dreifache dafür bezahlt zu haben. Schoko, Waffeln, Getränkefläschen, Shampoo und Duschgel, Finisher-Shirt, Kugelschreiber, Gutscheine und Pasta-Party zum mehrfachen Zugreifen und Schlemmern – alles im noblen VIP-Club des Fußballstadions im obersten Stock mit Tribünenbenützung vom Feinsten! Café und Mehlspeisen inbegriffen, für alle Teilnehmer und Begleiter ohne Leibesvisitation und Durchgangskontrollen.

Internationales Flair herrscht durch die vielen Studentengruppen, die durch das europäische Austauschprogramm quer durch die Staatengemeinschaft auch sportliche Vielfalt schickt. Dennoch ist man als Österreicher oder Deutscher willkommener Interviewpartner, denn schließlich war Cluj als Klausenburg bis 1946 eine deutsche Stadt! Die ältere Bevölkerungsschicht hat sich unsere Sprache auch als verpönte Minderheitengruppe unter der kommunistischen Diktatur bewahrt. Jetzt ist es Ungarisch, das hier viele sprechen und natürlich Englisch. Das junge Veranstalter-Team ist sehr bemüht, diesem Wochenende einen würdigen und professionellen Marathon-Touch zu verleihen. Und es gelingt auch!

 
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Keine Warteschlangen, perfektes Timing für ankommende Gruppen, einladendes Entreé im Foyer und liebenswertes Lokalkolorit am Vorplatz. Dazwischen poppiger Dancefloor und Show-Acts für die Besucher und Begleiter. Der Champion-Chip wird vom Veranstalter bereit gestellt, es gibt keine Leihgebühr, aber es stellt sich die Frage, warum ein eigener nicht verwendet werden kann. Das ungarische Timing-Team kann diese Frage auch nicht beantworten.

Am Renntag selbst emsiges, aber kein hektisches Tummeln vor dem Stadion und im Inneren. Knapp 200 Teilnehmer auf der Marathondistanz sind gemeldet, doppelt so viele für den Halbmarathon und knapp 50 Staffelteams. Das Interessante an all diesen Bewerben: Es sind jeweils 10km-Runden, immer durchs Stadion und Zieleinlauf ebendort, die auf die AthletInnen warten. Reiner Innenstadtkurs, mancher Abschnitt nur getrennt mit Pylonen auf der Asphaltstraße. Das bedeutet natürlich, dass man sich sehr oft wiedersieht und das Gefühl hat, niemals allein zu sein. Das sommerliche Wetter (29°C, Windstille) und der flache Kurs versprechen schnelle Zeiten, wenngleich der oftmalige 180° Wechsel beim Laufen echte Spitzenzeiten nicht begünstigt, sondern eher verhindert.

Unser Team der „Laufenden Botschafter des Österreichischen Jugendrotkreuzes“ hat Verstärkung bekommen: Mein Freund, Staatssekretär Dr. Reinhold Lopatka, startet seinen 80. Marathon ich nehme meinen 160. in Angriff. Pünktlich um 9:15 Uhr geht es mit lautem Applaus nach der rumänischen Hymne aus dem Stadion hinaus in Richtung Stadtzentrum. Die Zeitverschiebung von +1 Stunde ist bei diesem Prachtwetter gar nicht auffällig und für die vielen Zuschauer entlang der Strecke bestimmt angenehm.

Verpflegungsstationen gibt es alle 3km, reichlich stehen den SportlerInnen Wasser, isotonische Getränke, Cola und Bananen zur Verfügung; auf der 2. Schleife auch zusätzlich Müsliriegel und Traubenzucker. Ständig begegnet man Radfahrern, die in ihren Umhängetaschen zusätzlichen Proviant anschleppen. Den Marathonis darf es an nichts fehlen.

Es wird einem auf dieser 10km-Schleife nicht langweilig –  vorbei am Botanischen Garten, der Schneider-Bastion, dem Ethnographischen Museum und auch an der großen orthodoxen Kathedrale erwarten einen die Zuschauer, die den Sonntagvormittag dazu nützen, ihre herzliche Gastfreundschaft zeigen zu können.

 
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Ich freue mich jedes Mal, wenn mir Stefan Deák entgegen kommt, der einst aus Rumänien zu Fuß über Ungarn geflüchtet ist, weil er es gewagt hatte, in seiner Muttersprache Ungarisch die Gemeindepolitik eines verschlafenen Dorfes zu kritisieren. Dann kommt mir auch schon Michael Lagler entgegen, der schnellste Marathonläufer unserer Gruppe und bald auch sein Sohn Benedikt, flott unterwegs bei seiner Marathon-Premiere! Staatssekretär Lopatka und Bergdoc Christoph Hohn aus Gmunden folgen bald, und diese Begegnungen wiederholen sich in derselben Reihenfolge noch mindestens 12mal, denn so oft hat man „Gegenverkehr“.

Ich versuche einen konstanten Rundenschnitt zu laufen und freue mich, dass ich nach Ljubljana 2012, Bad Füssing im Februar und Bratislava im März endlich keinen Schnee beim Laufen sehen und spüren  und mich nicht bei Temperaturen unter 0°C mit dem kalten Wasser der Verpflegungsposten herum schlagen muss. Das gleichmäßige Tempo (rund 53min.) schaffe ich in Runde 1, 2 und 3, aber in der 4. geht mir die Luft aus und als Rotkreuz-Sanitäter komme ich auf der Strecke immer öfter in Versuchung, den anderen zu helfen, wenn ich schmerzverzerrte Gesichter sehe oder sogar einen Achillessehnen-Riss live miterleben muss. Kompliment an die Streckenposten und die Ambulanz-Teams, die rasch und kompetent helfen können.

Schließlich ist unser Team der „Laufenden Botschafter“ an diesem Marathon-Wochenende auch in einer Hilfsmission unterwegs; im Landesinneren versorgen wir Ambulanzstattionen, Pflegeheime und Schulen mit gesammelten Gütern im Wert von mehr als 5.000€. Stolz können wir also auch von einem Marathon der Nächstenliebe sprechen!

Ich bin auf diesen letzten Kilometern doch wirklich langsamer geworden, gönne mir beim Trinken auch Stehpausen und merke meinem Körper die bald 50 Jahre an… Schließlich überquere ich dennoch happy die Ziellinie im Stadion nach knapp 3:54 Minuten und flüstere dem Herrgott ein rumänisches „mucu mesc“ (= Danke) zu, weil er mich auch während dieser 42, 195km nicht im Stich gelassen hat.

Stefan wurde sogar toller 3. M50+ im Halbmarathon, Michi Lagler erzielte persönliche Bestzeit in 3:36h, Reinhold „Lopi“ Lopatka finishte in 4:00h, Benedikt schaffte seinen 1. Marathon trotz Krämpfen in 4:07, und Dr. Christoph Hohn packte die Distanz in 4:24h. Motiviert verließen wir die Arena auch dadurch, dass wir am nächsten Tag auf der Heimfahrt nach Wien auch noch ein Ärzteteam in Hodod mit Medikamenten versorgen durften.

„Helfen macht Schule und Freu(n)de“ – genauso viel Freude wie das Laufen!

 


 

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