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Lake Tahoe IRONMAN Triathlon 2013: High five

 

Fotos: Natascha Sambach

Nun ist es passiert, ich habe mein Ehrenwort gebrochen: Viermal IRONMAN ist genug, davon war ich fest überzeugt. An Plänen und Ideen hat es in den letzten Jahren nie gefehlt.  Noch ein letzter IRONMAN als sportliche Herausforderung zu meinem runden Geburtstag sollte es dann doch sein – aber gleich unter den härtesten Bedingungen? 


Think big


Amerika. Kalifornien. Die geheimnisvollen Mächte, die auch schon vor 150 Jahren Träume entfesselten halten bis heute an, nur die Träume und Ziele haben sich verändert. Ein Jahr ist es her, als ich, völlig verblendet, im Internet einem Werbetrailer für ein neues, nordamerikanisches Ereignis erliege. Gezeigt werden die Reize Kaliforniens, das Easygoing, dem Synonym für alles Neue und Fabelhafte. Neu ist auch der IRONMAN in Lake Tahoe. Das Kleingedruckte habe ich dabei wohl völlig übersehen, vielleicht auch übersehen wollen. Die IRONMAN Rennstrecke auf knapp 2000 Metern über N.N. gelegen und mit 1.900 Höhenmetern gespickt, führt durch ein Skigebiet der Sierra Nevada und verspricht im wahrsten Sinne des Wortes eine atemberaubende Landschaft. Think big:  Hier stößt meine Vorstellungskraft an Grenzen.  Dieser IRONMAN ist derzeit der höchstgelegene IRONMAN weltweit. Etwas jedoch haben alle IRONMAN-Veranstaltungen gemeinsam: Die Distanz! 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und 42,2 Kilometer Laufen.

Die Startplätze sind derart begehrt, dass sie innerhalb von Stunden ausgebucht sind. Die Startgebühr lies meine Kreditkarte zwar erbleichen, dennoch war ich voller Vorfreude. Ja, es kribbelt wieder und von nun an war sie da, diese Gewissheit, dass die nächsten Monate mit ständigem Training verdammt hart werden würden. Grund  für die Zielstrebigkeit und die damit verbundene Bereitschaft zum Quälen, ist sicherlich ein hartnäckiges, unverwüstliches Gen in mir.


Zwölf Monate und viele Trainingskilometer später…


Nein, ich will nicht auswandern, auch wenn mein Gepäck danach aussieht. 23 kg wiegt die Radtasche, 100 € zahle ich dafür beim Check-In. Nach über 10 Stunden an Bord des A380 landen wir in den Vereinigten Staaten von Amerika. Bis hierhin lief alles gut, nun heist es Ausdauer bewahren und Anstehen am hinteren Ende der Emigrationschlange. Quälend langsam geht es voran. Endlich, ein netter  Sir von Homeland Security beäugt erst unsere Pässe und dann uns. Er verzieht keine Miene. Aber er will wissen, wie lange („ four weeks“) und außerdem warum und wohin wir reisen wollen. Ich erzähle ihm vom IRONMAN und Marathon in Lake Tahoe.  Natascha, meine Tochter, wird beim IRONMAN in Lake Tahoe als Volonteer und zu meiner Unterstützung dabei sein und dann, eine Woche später, selbst ihren ersten Marathon laufen. Dort, so hoffe ich, werde ich sie dann unterstützen können. "Good luck and have a safe trip" wünscht er uns, nachdem er die Pässe überprüft, die Fingerabdrücke genommen und von jedem ein Foto gemacht hat.

Endlich sind wir sind in Kalifornien angekommen. Nicht etwa in Hollywood oder an der Golden Gate Bridge, auch nicht in der Nähe des Napa Valley. Stoßstange klebt an Stoßstange, mehrspurig drängt sich Auto an Auto. Wir verlassen mit unserem Mietwagen San Francisco und haben nach zähen vier Stunden das Skigebiet um den Lake Tahoe erreicht. Mit zunehmender Höhe wird die Luft auch dünner. Mit dem Hauch einer Westernstadt ist Truckee der bestgeeignetste Ort zur Höhenanpassung, denn schlafen werden wir hier die nächsten sechs Tage auf  1.822 Metern über N.N. Bis zum ersten sportlichen Event liegen nun nur noch sechs Tage vor uns.   

 

Nur noch zwei Tage


Die verpflichtende Wettkampfbesprechung findet in Squaw Valley statt. Squaw Valley ist eins von neun Skigebieten am nördlichen Ende des Lake Tahoe und war einst Austragungsort der Olympischen Spiele von 1960.

 
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Ich war noch gar nicht geboren als Heidi Biebl aus dem Allgäu die Goldmedaille in der Abfahrt und das "Traumpaar auf dem Eis", Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler, Silber für Deutschland holte. Jetzt ist das ehemalige Olympiadorf für die nächsten Tage das „Dorf der Triathleten“. Heute, am Freitag, ist es kalt jedoch strahlt die Sonne über die Berge auf den großen Platz mit den Messezelten, die unter anderem die Athletenregistrierung beherbergen.

 
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Mit dem Vorzeigen des Personalausweises erhalte ich meine Startnummer und mein Athletenarmband, eine rosafarbene Badekappe, die Wettkampfbedingungen und einen großen Rucksack – alles verbunden mit den besten Wünschen („good luck“) für den Race-Tag. Jetzt noch ausgiebig shoppen, besonders nach den Merchandise Artikeln der Marke IRONMAN. Gegen Abend sprengen die 2.700 Teilnehmer, Freunde und Angehörigen fast die Kapazität des großen Festzeltes. Keiner will die Pasta und den Salat beim Welcome-Dinner verpassen. Feierlich wird es, als die US-Amerikanische Nationalhymne live gesungen von der Bühne und aus Lautsprechern ertönt. Das Jahr 2013 bedeutet 35 Jahre IRONMAN. 1978 versuchten erstmals 15, nur männliche Starter, den ausdauerndsten Athleten unter sich in einem Nonstop-Wettbewerb aller drei Distanzen zu bestimmen.

Heute Abend betritt der US-Amerikaner John Collins im Hawaiihemd und in kurzen Shorts die Bühne. Er hat graue Haare, blonde Augenbrauen und einen kleinen Bauch. Rein optisch könnte Collins auch in der amerikanischen Serie Dallas der achtziger Jahre mitgespielt haben. Wie sich herausstellt, war er 1978 U.S. Navy Commander und unter den ersten Teilnehmern des heutigen IRONMAN. Für das Rennrad bezahlte er 79 Dollar und 5 Dollar betrug die Startgebühr für den damaligen Wettkampf. Seine Zielzeit war über 20 Stunden und damit belegte er den 11. von 12 Plätzen. Drei Teilnehmer hatten das Ziel gar nicht erreicht. Heute gilt für alle IRONMAN Distanzen eine Cuttoff-Zeit von 17:00 Stunden und nur Frankfurt am Main als European  Championchip, hat eine Stunde weniger. Doch das ist eine andere Geschichte. 

Zurück im Hier und Jetzt ist auch die Geschichte eines Teilnehmers interessant, der mit dem morgigen Rennen seinen 99. IRONMAN Wettkampf bestreitet und mitunter auch schon mal fünf in einem Monat (!) absolviert. Das Unterhaltungsprogramm geht zu Ende und die geladenen VIP´s verlassen das Zelt, denn nun wird es ernst: Die Wettkampfbesprechung beginnt und damit auch die Erklärung der Do´s and Dont's des Wettkampftags.


Bären gesehen und Rehe getroffen


Keine Getränkeflaschen, Gels oder Riegel bei der Radabgabe über Nacht am Rad, denn die sind Leckerbissen für die Bären. Begreiflicherweise erhält jeder Teilnehmer daher mit den Startunterlagen auch fünf Plastikbeutel. In dem weißen, sogenannten Smoking-Beutel, verstaut man die Kleidung für nach dem Rennen, im roten die Bekleidung zum Radfahren und im blauen dann die Laufsachen. Alle Beutel, bis auf den weißen, werden bereits Samstag mit den Rädern abgegeben. Völlig neu und bis dato einmalig für ein IRONMAN weltweit, sind die zwei Extrabeutel. Hier als Special-Needs-Bag bezeichnet, müssen hierin die persönlichen Gels und Riegel eingepackt werden, da die Bären schlau und immer hungrig sind. Die Natur, die uns Athleten hier umgibt, ist eindringlich und trotz aller Zivilisation übermächtig. Zu nah die vielen, unüberschaubaren Flüsse und Seen, Berge und Wälder in denen Bären leben. Und tatsächlich ist uns Tage später so ein scheuer Schwarzbär auf den Serpentinen hinab zum Yosemite Nationalpark begegnet, als er direkt vor uns gemütlich die Straße überquerte. Einen Bären in freier Wildbahn zu sehen - so ein Zusammentreffen hat man im Leben nicht oft.

 
 

 

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