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Laufberichte

La Corsa della Bora

07.01.16

Danke Facebook! Ja, man kann sich auch mal bei diesem sozialen Netzwerk bedanken.  Im August letzten Jahres wurde mir dort der S1 La Corsa della Bora („Das Bora Wind Laufen“) als Ultratrail vorgeschlagen, 53 Kilometer für “Leute, die wirklich hart im Nehmen sind“.

Irgendwie hatten mich die Bilder auf der Homepage und die Ausschreibung so angesprochen, dass ich über Facebook nach Interessierten fragte, die mit mir dieses Abenteuer erleben wollten. Viele waren hierzu motiviert, am Ende blieb eine Gruppe von fünf Läufern übrig. Außer mir Daniel, Robert, Wolfgang und mein Sohn Alexander. Also alle rein in eine Whattsapp-Gruppe, um die Kommunikation zu vereinfachen (wie hat man sich früher ohne Facebook, Whattsapp und Co. verabredet?), früh angemeldet, die erforderlichen Dokumente hochgeladen, u.a. ein ärztliches Attest, und Reisepläne geschmiedet.

Dass Triest gar nicht so einfach zu erreichen ist, war mir anfangs nicht bewusst. Weder per Flugzeug noch per Bahn kommt man direkt und preisgünstig hin.  Also blieb am Ende nur das eigene Auto und die Gewissheit, damit mal kurz 1000 Kilometer einfache Strecke an die Adria zu düsen, über Salzburg, die Tauern-Autobahn, vorbei an Udine bis an die Adria. Robert hatte dankenswerterweise ein Hotel gebucht, sehr zentral gelegen.

Triest ist die Hauptstadt der autonomen Region Friaul-Julisch Venetien, hat  gut 200.000 Einwohner und liegt an der oberen Adria, direkt an der Grenze zu Slowenien. Nach Kroatien ist es auch nicht weit. Von 1382 bis 1918 gehörte Triest zu Österreich und war nicht nur der bedeutendste Handelshafen, sondern auch einer der Stützpunkte der k.u.k. Kriegsmarine sowie Sitz des Statthalters des Österreichischen Küstenlandes. Triest ist heute, wie vor 1918, wieder maritimes Tor zu  Österreich, Süddeutschland und Zentraleuropa. Schau an, was Wikipedia so alles weiß!

Vor der Fahrt hatte ich meinen A4 noch durchchecken lassen. Trotzdem war mir nicht ganz geheuer, zu fünft diese lange Fahrt anzugehen, da der Platz für die drei auf der Rückbank doch ziemlich beengt war, vom völlig mit Gepäck zugestopftem Kofferraum - was Ultraläufer halt so brauchen - ganz zu schweigen. Zudem mussten auch noch die obligatorischen Schneeketten rein, ein Muss bei einer Winterfahrt durch die Alpen.

Die Fahrt verging wie im Flug, stundenlanges unterhaltsames Gequatsche über all die Läufe, die wir schon absolviert hatten oder die wir uns noch als künftige Ziele ausmalten. Sehr kurzweilig, sehr spannend auch sehr lehrreich, weil wir Tipps und Tricks austauschten.

 
© marathon4you.de 11 Bilder

Das Hotel Roma liegt in direkter Nähe zum Bahnhof und zum Zentrum. Ein einfaches Drei-Sterne-Haus, völlig für zwei Übernachtungen ausreichend. Die städtischen Busse fuhren im Minutentakt direkt vor der Hoteltür ab. Nach dem Einchecken fuhren wir gleich zur Ausgabe der Startunterlagen, nach Portopiccolo bei Sistiana, etwa 20 km vom Hotel entfernt.

Ein Yachthafen mit Terrassenhäusern, Restaurants und kleinen Läden, die alles führen, was schick und teuer ist. Es machte auf mich den Eindruck, als wäre alles gerade vor ein paar Tagen gebaut worden. Die Startnummernausgabe war dann mit etwas Mühe gefunden, in einem leer stehenden Büroraum. Überhaupt taten wir uns so manches Mal schwer mit der Verständigung, umgekehrt auch die Italiener mit uns, aber immer von gegenseitiger Sympathie und Willen geprägt.

Wir erhielten eine Riesentasche, die neben der üblichen Werbung und Proben noch Spikes beinhaltete. Die Spikes waren ein Geschenk des Veranstalters für die frühe Anmeldung und bei etwas schärferen Wetterbedingungen wohl auch Bestandteil der Pflichtausrüstung gewesen. Eine Läufermesse, wie man sie von anderen Veranstaltungen her kennt,  gab es nicht.

Am Abend regnete es, so dass wir wenig von der Stadt sahen. Wir stießen nach kurzer Suche das Pane Vino. Fantastisch, tolle Atmosphäre, viele nette Gäste, sehr nette Bedienung und eine Super Pizza zu annehmbarem Preis. Lecker gegessen, gut getrunken, zurück ins Hotel, und den Laufrucksack für das Abenteuer S1 La Corsa della Bora gepackt. Gute Nacht!

Im Hotel war man so zuvorkommend und hat uns Läufern das Frühstücksbuffet schon ab sechs Uhr zur Verfügung gestellt. Alles da, was das Herz von Reisenden begehrt, insbesondere von Läufern, die einen Ultra vor sich haben. Ich begnügte mich allerdings mit Kaffee, ein kleines Brötchen mit Wurst und eines mit Honig. Es logierten noch mehr Läufer in diesem Hotel, diese sprachen jedoch nur slowenisch. An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir fünf die einzigen Vertreter Deutschlands bei diesem Ereignis waren. Super, dann werden wir schon mal die Nationenwertung gewinnen.

Um 6 Uhr 45 holte uns ein Shuttlebus am Bahnhof ab, der sich rasch mit vielen Läufern füllte. Nach kurzer Fahrt kamen wir am Startplatz in Muggia an, ein kleiner Hafen auf der anderen Seite von Triest. Die Piazza, umgeben von hübschen Gebäuden und Kirchen, füllte sich zunehmend mit Läufern und langsam setzte trotz des Nieselregens die bekannte leichte Aufregung bei mir ein. Viele italienische Läufer nutzten noch die kurze Zeit bis zum Start um halb acht, um ihren üblichen Espresso in der nahegelegenen Bar zu nehmen.

Der Moderator sprach nur italienisch, aber wir waren gut vorbereitet und so guter Dinge, so dass wir keine Übersetzungshilfe brauchten. Unsicher waren wir nur noch etwas wegen der Pflichtausrüstung. Klar, Verbandspäckchen mit Rettungsdecke, ein, zwei Gels oder Riegel, Getränke, wetterfeste Oberbekleidung bei etwa drei Grad und lange Hose (ich lief in kurz). Aber musste man jetzt eine Stirnlampe mit sich führen oder nicht? Das Zeitfenster für den Lauf war mit 18 Uhr 30 angegeben. Schaff ich doch locker, dachte ich mir und führte nur eine zwar helle, aber kleine Lampe mit mir, die aus dem Campingbedarf stammt. Egal, es wurde nicht kontrolliert, auch nicht während des Laufs und pünktlich mit dem Glockenschlag ging es los.

Mist, meine Uhr wollte nicht funktionieren, aber da ich mit Alexander vereinbart hatte, dass wir zusammen laufen, hatte ich ja jemand mit Laufuhr an meiner Seite. Trotzdem wäre mir wohler gewesen, die für mich wichtigen Parameter ablesen zu können.
Vergiss die Parameter wie Geschwindigkeit und Höhenmeter, Stephan! Dieser Ultra wurde zu solch einem Brett,  dass sicheres  Ankommen alles war, was zählte!!
Nach einigen hundert Metern durch die Ortschaft ging es in den ersten Anstieg, matschig und schmal, an einer Stelle so schwierig, dass sich gleich der erste Stau bildete. Ich hoffte, dass Daniel, Robert und Wolfgang hier besser durchgekommen waren, denn durch meine Probleme mit der Uhr und den ersten Fotostopps waren Alex und ich schon im hinteren Drittel des Feldes. Dieser Stau, nach 1000 Kilometern staufreier Anreise, kostete uns jetzt schon zehn Minuten.

 
© marathon4you.de 12 Bilder

Aber nach dieser Engstelle konnten wir es besser laufen lassen, bald kam der erste Downhill, sehr schwierig, weil steinig und ausgewaschen. Trotzdem, wir waren frisch und ausgeruht und sprangen wie die Steinböcke (ich bin in diesem Sternzeichen geboren) abwärts. Das war so cool und so sehr Trailrunning, dass wir uns danach vor Freude abklatschen. Einige Plätze hatten wir wohl auch gutgemacht, da viele andere mehr Vorsicht walten ließen.

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