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Fuldaufer-Marathon: Zwei Runden um den Fuldastausee

 

Eigentlich sollte ja der Siebengebirgs-Marathon der 30. und letzte in diesem Jahr sein, aber das Fuldatal liegt praktisch bei mir vor der Haustür. Außerdem hat der Fuldaufer-Marathon auch noch gleich ein kleines Jubiläum, denn es ist bereits die 10. Austragung. Schon 1993 wurde die Strecke von Harry Arndt (IAAF und DLV Vermesser) vermessen. Der Fuldaufer-Marathon ist natürlich nach dem längsten Fluss in Hessen, der Fulda, benannt.

Seit 2010 heißt der Veranstalter kassel42 (Mannschaftssieger des Bertlicher Marathons im November 2010): Lothar Schneider, Jürgen Haschen und Manfred Stonczyk. Des weiteren Friedrich Iffert und seine Frau Helga, die für eine reichhaltige Verpflegung von Anfang an sorgen. Den Premieren-Marathon bei -3°C, Schneefall und 10cm Schnee finishten die drei Gründer, sowie als erster Gastläufer Peter Orth von der LG Vellmar, damals noch als Gruppenlauf.

Die Strecke sind zwei große Runden von 21,1km. Man kann auch nur eine Runde laufen. Egal, jeder spendet 5€ vor Ort (das Geld wird an einen Kindergarten in Kassel gespendet) und wird dafür auch noch verpflegt. Verpflegungsstellen gibt es bei km 6, km 13, km 21,1, km 27, km 34 und im Ziel (Tee, Wasser, Cola, Bananen, Brot, Salzstangen, Schokolade, Lakritz, Brühe).

Zum Jubiläumslauf haben sich 18 Läufer angemeldet.

 
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Es ist Samstagmorgen 9:30 Uhr und schon sind die ersten Läufer am Parkplatz, der Georg-Büchner-Schule in Kassel-Wolfsanger direkt neben dem Sportplatz. Das Wetter ist nicht weihnachtlich, sondern eher herbstlich, aber was soll’s. Es wäre ja zu schön, wenn man bei der Festlegung eines Marathons auch noch das Wetter bestellen könnte. Da wir aber alle wettergeprüfte Läufer sind, ist es egal.

Nach einer kurzen Einweisung wird die Strecke erklärt. Die erste Runde wird gemeinsam gelaufen, die zweite läuft jede(r) wie er (sie) will. Also ist es gut, sich den Verlauf gut einzuprägen. Um 10 Uhr geht es los in Richtung Fuldaufer. Bis zu unserer Runde, die am Uferradweg beginnt, sind es knapp 400 Meter. Am Ufer, das man wegen dem Kasseler Klärwerk gut riechen kann, geht es gegen den Uhrzeigersinn in Richtung Stadtmitte.

Schon nach 1km sehen wir auf der anderen Seite der Fulda den Hafen, den wir noch umlaufen werden. Unser Weg führt uns zwischen der Kleingartenanlage Schützenplatz und einer Häuserreihe, die direkt am Ufer liegt, zur Neuen Hafenbrücke. Da die Häuser am Ufer oft mit Hochwasser zu kämpfen haben, sind einige auf Stelzen gebaut.

Wir überqueren die Hafenbrücke und haben nach rechts einen herrlichen Blick auf Kassel mit Fulda, Wehranlage und der Martinskirche. Ganz im Hintergrund schaut uns der Herkules vom Bergpark, der 2013 zum Weltkulturerbe wurde, zu. Links hat man die Fulda-Uferidylle. Gleich hinter der Brücke geht es in die Hafenstraße. Auf der rechten Seite sind noch die Reste der ehemaligen Herkules Brauerei, vielen vielleicht nur noch als die spätere Binding Brauerei bekannt. Die Straße macht einen Rechtsknick und sogleich erreichen wir die Einfahrt zum Kasseler Hafen.

Der Kasseler Hafen war früher einmal ein wichtiger Warenumschlagsplatz zwischen Kassel und Hann. Münden. Als es noch keine motorgetriebene Schiffe gab, wurde auf der Fulda getreidelt. Ich erinnere mich noch an viele schöne Hafenfeste, die es heute leider nicht mehr gibt. Jetzt liegen hier kleine Privatboote, die die herrliche Fulda zwischen dem Hafen und dem Stausee befahren.

Wir biegen neben der Hafeneinfahrt ab und kommen an den Kleingartenverein Helleberg, den wir durchlaufen. Nach einem kurzen Stück erreichen wir die neue Lossebrücke, die in der Vergangenheit die Läufer zu einem kleinen Umweg nötigte. Jetzt geht es über die neue Brücke und links ab in Richtung Sandershausen. Der Radweg ist neuerdings beleuchtet.

Wir erreichen die ersten Häuser,  biegen jedoch gleich ins Feld ab und laufen eine Schleife, wobei wir an der Grundschule Sandershausen vorbei kommen. Wer seine Augen in der Natur hat wird im Feld Nistpfähle für Störche entdecken. Es geht ein kurzes Stück durch den Ortsrand, vorbei am Friedhof. Helga Iffert hat im Kofferraum ihres PKW ein tolles Buffet gerichtet. 

 
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Nach rund 100m biegen wir ab Richtung Ortsende. Vorsicht, Mützen richten und lächeln, die Blitzanlage ist immer in Betrieb. Kurz vor der Bootsanlegestelle am Ortsrand steht ein 10m hoher Pfahl, der Nistplatz für 25 Schwalbenpärchen ist. Auf den leicht welligen Radweg entlang der Fulda kommen wir zum Sportplatz Spiekershausen und wechseln von Hessen nach Niedersachsen.

Im Ort sehen wir die 1319 das erstmals erwähnte Kirche. Der Altaraufsatz von 1898 ist eine Stiftung von Professor Gustav Eberlein. Der berühmte Bildhauer und Maler ist am 14. Juni 1847 in Spiekershausen geboren und war am Hofe Kaiser Wilhelms II. sehr geschätzt.

Spiekershausen war im einstigen Königreich wegen seiner günstigen Lage ein idealer Standort für Schmuggler, bis die Hessen ein Wachhaus bauten und den Fluss und die sich anschließenden Wälder überwachten. Später wurde aus dem Wachhaus ein Wirtshaus, am dem wir noch später vorbei kommen.

Der Ort zieht sich 2,5 km der Fulda entlang. Wir verlassen den Radweg und folgen der Kreisstraße bergauf. Jetzt geht es zur Sache, denn wir müssen auf den nächsten 700m auch rund 100 Höhenmeter bewältigen.

Ist das geschafft, sieht man am obersten Punkt der Strecke die ICE-Strecke Kassel-Göttingen und kurz danach die Eisenbahnstrecke Kassel-Hann. Münden. Später bestaunen wir die zwei Eisenbahnbrücken auch noch von unten.

Wir sind über den Kulminationspunkt und es geht ein kurzes Stück auf der Asphaltstraße Richtung Gut Kragenhof und biegen auf den Pfad mit dem Hinweisschild „Schlechte Wegstrecke“ ab. So kommen wir wieder zum Fuldaufer und aus Niedersachsen wieder zurück im Hessischen. Wir sehen auf das Wasserkraftwerk bzw. auf die Fuldastaustufe Wahnhausen.

Die Entwicklung ging nicht immer so schnell vorwärts, wie wir das heute erleben. Bereits 1767 wurde das erste gusseiserne Wasserrad (vom Engländer John Smeaton) hergestellt, aber erst seit 1853 konnte man an den Niagarafällen erstmals mit Wasserkraft Strom erzeugen. Dabei wird das gestaute Flusswasser durch eine Wasserturbine geleitet. Die Drehbewegung treibt einen Generator an und schon hat man ökologischen Strom.

Wir laufen, bzw. gehen jetzt einen kurzen starken Anstieg hoch und überqueren das Stauwerk. Interessant ist der Blick über den Stausee, sowie zur anderen Seite ins tiefer liegende Fuldatal. Jetzt folgen wir dem Stausee Richtung Kassel. Wir kommen an einer Vogelinsel vorbei, auf der sich auch Graureiher aufhalten. Der Blick übers Wasser ist wunderschön und so vergehen die nächsten 3-4 Kilometer wie im Fluge.

In einiger Entfernung sehen wir auch bereits die zwei Eisenbahnbrücken die wir bei km 11 überquert hatten. Die erste Brücke wurde schon 1852-1856 gebaut, was den Spiekershäusern den schnellen Eisenbahnweg nach Kassel bescherte. Es geht über eine Holzbrücke und kurz danach steht schon wieder Helga Iffert mit ihrem Buffetwagen. Hier sind noch alle Läufer zusammen. Nur ich muss wegen der Fotoarbeit der Gruppe  immer wieder nachhetzen. Ab jetzt lass ich es aber langsamer angehen.

Wir laufen wellig weiter durch Baumreihen, dann einem schönen Uferweg entlang, bis wir bei km 16 das schon erwähnte Wirtshaus erreichen, das einst ein Wachhaus war. Hinter dem Gasthaus gibt es noch einen Schmugglerpfad aus der damaligen Zeit. Genau genommen sind es zwei Gasthäuser, deren Namen man anhand der aufgestellten Figuren leicht erraten kann: Roter Kater und Graue Katze.

Es geht immer weiter der Fulda aufwärts in Richtung Kassel. Es sind noch rund 5km bis zum Ende der ersten Runde zu laufen. Kräftiger Gegenwind macht die Sache nicht leichter. Bei mancher Böe ist es besser mal ein Stück zu gehen und Körner zu sparen, denn eine zweite Runde liegt ja noch vor mir.

Wir kommen über eine grüne Wiese an den Stadtrand von Wolfsanger. Rechts oberhalb befindet sich eine der ältesten Terrassenwohnanlagen der Stadt mit Blick zum Naturschutzgebiet Fulda. Wolfsanger wurde schon 811 in einer Urkunde von Karl dem Großen erwähnt und ist damit über 100 Jahre älter als Kassel. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine Kaltwasserheilanstalt und man nannte sich Bad Wolfsanger.

Die letzten 800m der ersten Runde laufen wir an den abgeernteten Kohlfeldern entlang und folgen dann der Fuldatalstraße bis zur Schule. Halbzeit. Einige Läuferinnen und Läufer steigen aus, 13 laufen eine zweite  Runde.

Ich bin nun völlig alleine, nur ein paar einzelne Spaziergänger begegnen mir ab und zu. Die Ruhe am Fuldaufer tut mir gut und ich kann mich mental auf Weihnachten einstimmen. Schade, das Ambiente nicht ganz passend ist, denn das Fuldatal ist vor allem mit Schnee wunderschön. Aber mit dem Fuldaufermarathon soll ja noch lange nicht Schluss sein und bestimmt gibt es mal die Möglichkeit, die Strecke im winterlichen Kleid zu erleben.

Aber auch Frühjahr, Sommer und Herbst haben ihre Vorzüge. Schaut bei Interesse einfach hin wieder auf der Internetseite http://kassel42.myblog.de/ nach, wann es den nächsten Fuldaufer-Marathon gibt.

 


 

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