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Laufberichte

Eisweinlauf 2016

 

In den letzten Tagen ist es kalt geworden. Schnell neigt sich das Jahr dem Ende zu, Weihnachten steht vor der Tür. Schon seit Wochen freut sich Norbert auf den Eisweinlauf, einem Gruppenlauf von Offenburg zum Weihnachtmarkt nach Baden-Baden. Beim Thema Weihnachtsmarkt ist auch Laura, unsere Tochter, gleich dabei. Weil die Gesamtstrecke von 63 km für sie nicht in Frage kommt, beschließen Laura und ich, uns der Gruppe für die beiden letzten Etappen, mit guten 20 Kilometern, anzuschließen. Norbert läuft die ganze Strecke.

Veranstaltet wird der Lauf nun bereits zum 15. Mal von Brigitte und Rudolf Mahlburg, beide versierte Ultraläufer, denen Laufen allein schon lange nicht mehr genug ist. Mit ihrer privaten Initiative laufendhelfen.de sammeln sie Spenden für anerkannte Hilfsorganisationen. Attraktive Laufveranstaltungen locken alle, vom Ultraläufer bis zum Gelegenheitsläufer. Jeder kann hier unter dem Motto „gemeinsam starten, gemeinsam ankommen“, die für ihn passende Veranstaltung finden. Das moderate Startgeld und sämtliche Spenden kommen ohne Abzüge Hilfsbedürftigen zu Gute.

Beim Eisweinlauf empfiehlt es sich, bereits am Vorabend anzureisen. In der Tullahalle in Bühl- Vimbuch kann man beim gemütlichen Abendessen die Gelegenheit nutzen, Veranstalter und Mitläufer kennenzulernen. Übernachtet wird in der Halle und nach dem reichhaltigen Frühstück wird man bequem mit dem Bus nach Offenburg gefahren.

Gerne kann man auch morgens anreisen oder direkt nach Offenburg zum Startpunkt am Bahnhof kommen. Dieser erfolgt dort um 8 Uhr. Auf der ca. 63 km langen Strecke werden 5 Stopps eingelegt. Das eingespielte Team von Helfern hat dann schon Verpflegung vorbereitet, die seines Gleichen sucht. Es gibt wirklich alles was man sich nur vorstellen kann: Weihnachtsstollen, Früchtebrot, Honigkuchen, diverse Kekse, Kartoffeln, saure Gurken, Oliven, Studentenfutter und noch vieles mehr. Dazu Tee, Bier mit oder ohne Alkohol, Malzbier und ab der dritten VP auch Glühwein. Außerdem liegen da auch die abgegebenen Taschen der Reihe nach bereit, so dass man seine Kleidung wechseln kann.

An jedem Verpflegungspunkt kann man Einsteigen. So kommt es, dass aus 80 Startern am Morgen 180 Finisher am Abend auf dem Weihnachtsmarkt in Baden-Baden werden. Die Strecke führt meist auf dem Ortenauer Weinpfad entlang. Dieser verläuft parallel zur badischen Weinstraße, allerdings oberhalb über die Weinberge hinweg, was in der Summe zu stattlichen 1800 Höhenmetern führt. Aber keine Angst: Anstiege werden gegangen und Brigitte Mahlburg als Führerin sorgt dafür, dass auch jeder mitkommt. Guter Trainingszustand für die angepeilte Streckenlänge ist trotzdem notwendig, denn hoch muss man, auch bei moderatem Tempo, erst einmal kommen.

 

 
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Laura und ich steigen an der 4. Verpflegungsstelle ein. Diese liegt im Schatten der Burg Windeck über dem Bühler Stadtteil Kappelwindeck. Die schmale Zufahrtsstraße ist ziemlich steil. Oben gibt es ein Hotel, das auf die ursprünglichen Gebäudeteile der Vorburg gebaut wurde. Außerdem laden ein Panorama-Restaurant, Cafe und Vesperstube mit großer Terrasse und herrlichem Ausblick nach Bühl, in die Vogesen, ins Rheintal und die Ortenau die Gäste aus Nah und Fern.

Die Burg Alt-Windeck wurde um 1200 errichtet, jedoch im 14. Jahrhunderts durch einen Großbrand weitestgehend zerstört. Wieder aufgebaut, bewohnten die Herren von Windeck die Anlage noch bis in das 16. Jahrhundert. Leider wurden im Anschluss daran die Wohngebäude zu großen Teilen abgetragen und das damals wertvolle Baumaterial für andere Bühler Gebäude, zum Beispiel die Kappelwindecker Kirche verwendet. Der 24 m hohe Bergfried und andere hohe Mauerreste lassen erahnen, um welch stattliches Burgareal es sich einmal gehandelt haben muss.

Laura und ich erreichen die Burg gegen 14 Uhr und stellen unser Auto auf den Parkplatz ab. Hier ist schon einiges los. Die Verpflegungstische sind bereits aufgebaut und bestückt. Die Taschen der Läufer werden nach Startnummer geordnet sind übersichtlich aufgereiht. Wir suchen nach R(ud)olf und finden ihn umringt von einer Menschentraube. Eine ganze Laufgruppe aus Kiedrich, Befreundete vom Rheinsteigerlebnislauf, lässt sich soeben registrieren. Wir warten geduldig bis wir an der Reihe sind und werden herzlich begrüßt. Dann bekommen Laura und ich je einen Umschlag mit Namens- und Gepäckschild und werden auf der Liste abgehakt. Nun heißt es warten. Die Eisweinläufer sind für 15 Uhr avisiert.

Wir suchen uns einen netten Platz in der Sonne und genießen die tolle Aussicht. Mit dem Eintreffen der Läufer wird es hektisch. Es wird über die Verpflegung hergefallen, als gäbe es nicht genug. Laura und ich halten uns zurück und begrüßen Norbert, der sich mit einer heißen Bockwurst und Glühwein stärkt. Viele Bekannte sind dabei, der Lauf scheint wohl immer mehr Wiederholungstäter anzuziehen.

 

 
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Nach einiger Zeit gibt Rolf das Zeichen zum Aufbruch. Brigitte übernimmt erneut die Führung und wir folgen Ihr auf dem Fuß. Es geht bergab, für uns optimal, um langsam einzulaufen. Laura hatte etwas Bedenken, ob sie wohl folgen könne, aber das hat sich bereits nach den ersten kleinen Anstiegen erledigt. Immerhin hat die restliche Gruppe mehrheitlich bereits über 42 km in den Beinen und wir sind noch frisch. Daher ist das Mitlaufen auch kein Problem.

Zunächst führt der Weg im Wald entlang, immer wieder öffnen sich die Bäume und geben den Blick frei auf das sonnige Rheintal. Wir verlassen den Wald und befinden uns sofort mitten in den Weinbergen. Trailig fällt der Steig nun hinab. Ein schmaler Pfad führt uns anschließend wellig wieder in den Wald zurück. Im Gänsemarsch joggen wir vergnügt dahin bis wir erneut die Weinberge erreichen. Unter einem Rosenbogen hindurch führt uns Brigitte auf einen mit Treppen angelegten Serpentinenweg, wo wir an herbstlichen Pflanzenrabatten entlang schnell Höhenmeter verlieren. Wir landen auf einem schmalen asphaltierten Sträßchen. Nach weiteren 100 Metern müssen wir anhalten. Durch die letzten Engstellen hat sich die Gruppe weit auseinandergezogen. Es dauert etwas, bis auch die letzten angekommen sind.

Nach Untertal, einem Ortsteil von Bühlertal, fällt zunächst die Straße, dann ein Wiesenweg gewaltig hinunter. Wir laufen ein Stückchen durch den Ort und hinten einen kleinen steilen Weg wieder hinauf. Ein Blick zurück zeigt den markanten Glockenturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael. Die Weinbergstraße führt oberhalb von Untertal entlang und leitet uns vom Ort weg. Wir befinden uns inmitten abgeernteter Rebflächen. Die Sonne wirft ein goldenes Licht auf die sanften Hänge. Im Weinberg führt die Strecke wellig weiter bis zum Waldrand. Dort biegen wir auf eine Treppe ab, die in Serpentinen nach oben führt. Bevor es nun sanft hinunter nach Neuweier geht, sammelt sich die Gruppe abermals. Im Stehen wird es jetzt, vor allem im Schatten, richtig frisch. An Stellen, wo die Sonne nicht hinkommt, liegt sogar noch Reif und selbst auf der Straße ist es manchmal rutschig.

 

 
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Gemeinsam laufen wir dann bergab. Vor dem Friedhof von Neuweier wird nochmal angehalten, damit auch jeder weiß, dass man den heiligen Ort mit Respekt durchqueren soll. Nur eine Ecke weiter erreichen wir die 5. VP an der Freilichtbühne Rebland von Neuweier.

Da Laura und ich Warnweste und Stirnlampe bereits bei uns tragen, begeben wir uns direkt zum Verpflegungstisch. Norbert muss sich noch warme Sachen anziehen und seine Nachtausrüstung holen. Die Sachen sind etwas unterhalb abgelegt. Rolf mahnt schnell zum Aufbruch. Ich versorge noch unsere Trinkbecher, da ist Laura bereits verschwunden. Weil ich Brigitte ebenfalls nicht mehr sehe, hoffe ich, dass unsere Tochter bei Ihr ist. Es ist schon recht dunkel und im Meer von gelben und orange farbigen Warnwesten sind die Personen schwer zu erkennen.

Es geht noch einmal zurück durch den Friedhof und dann aber rechts auf die Straße. Erst hier kann ich Laura bei der Vorhut erkennen und bin erleichtert. Eine Schleife bringt uns um die Freilichtbühne herum, wir können sie nun von unten sehen. Sind da noch Läufer? Das ist schwer zu unterscheiden. Wir durchqueren Neuweier. Ein steiler Anstieg bremst uns ab. Da ertönt ein Pfiff von hinten. Brigitte lässt anhalten. Wir haben wohl einige Läufer verloren. Auch Norbert hat den rechtzeitigen Abmarsch verpasst. Aber alles kein Problem: wir warten bis alle wieder da sind.

 

 
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Während wir zügig bergauf gehen, bricht nun schnell die Nacht herein. Auf der Höhe angekommen, liegt ein wahres Lichtermeer unter uns. Wir genießen die wunderbare Atmosphäre und das großartige Rot der untergehenden Sonne. Irgendwann geht es in den Wald. Jetzt folgt noch ein weiteres Highlight des diesjährigen Jubiläumslaufs. Wir treffen auf die Kinder einer Schulklasse, die sich uns anschließen, um zusammen auf den Weihnachtsmarkt laufen. Es handelt sich hierbei um die 5. Realschulklasse aus Kappelwindeck, die sich als Sportklasse auf dieses Ereignis vorbereitet hat. Die Schüler haben ebenfalls Spenden gesammelt und vergrößern so den Spendenbeitrag der Veranstaltung.

Die Schüler werden instruiert, viele haben ebenfalls Stirnlampen dabei. Es wird vereinbart, dass sie die Gruppe anführen werden und von den Läufern keinesfalls überholt werden dürfen. Mit Brigitte und Rolf an der Spitze setzen wir unseren Weg fort. Immer wieder drehen sich die Kinder um und sind begeistert über die lange Schlange von Lichtern, die sich im Wald hinter ihnen her bewegt. Die beleuchtete Yburg über uns ist eine richtige Sensation, ebenso die tief fliegende Flugzeuge vom Baden Airport.

Wir Erwachsenen freuen uns über die laufbegeisterte Jugend. Plötzlich hält Rolf die Gruppe an. Wir befinden uns bereits kurz vor dem Parkplatz der Baden-Badener Kliniken, wo uns die Polizeieskorte  erwartet. Ein paar kurze Worte von Rolf stimmen uns auf das nun Kommende ein. Wir laufen weiter. Wie versprochen empfängt uns das grelle Blaulicht. Schemenhaft können wir erkennen, dass Polizisten die Straße sperren um uns ein gefahrloses Überqueren zu ermöglichen. Dann folgen wir dem Vorausfahrzeug der L84 entlang.

Laura fragt vorsichtig, wie weit es denn noch wäre. Dann geht es auch schon rechts steil den Berg hinunter. Eigentlich ist hier für Fahrzeuge gesperrt, aber heute fehlen die Absperrpfosten und das Polizeiauto kann weiter vor uns bleiben. Unten sind bereits die Lichter des Weihnachtsmarktes zu erkennen. Die Gruppe der Nordic Walker ist schon da und erwartet uns am Eingang des Weihnachtmarktes. Sie sind eine Stunde vor uns an der Burg Windeck gestartet. Der Polizist im Fahrzeug verabschiedet uns über Lautsprecher und wünscht uns einen schönen Zieleinlauf.

 

 
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Wir haben es geschafft. Auf dem Weihnachtsmarkt ist extra eine Gasse abgesperrt. Unter dem Applaus der Zuschauer geht es Richtung Bühne. Brigitte und Rolf sind bereits oben. Während wir Läufer mit „Dambedeis“ (Hefegebäck), Punsch und Glühwein reichlich versorgt werden, kann Rolf die Spendenschecks übergeben.

„Gemeinsam starten, gemeinsam helfen, gemeinsam ankommen!“ Das Motto des Eisweinlaufs ist auch dieses Jahr wieder voll aufgegangen. Um mich herum sehe ich nur strahlende Gesichter. Laura scheint ebenfalls zufrieden und ist damit einverstanden, den Gang durch den Weihnachtsmarkt möglichst kurz zu gestalten. In der „Trinkhalle“ warten schon unsere Taschen mit den warmen Jacken. Der Fußweg zum Bus zieht sich dann noch etwas, wir sind doch schon ziemlich müde.

Nach der Ankunft an der Tullahalle in Bühl-Vimbuch kann man direkt heiß duschen und sich frisch machen. Anschließend gibt es Nudeln satt für alle und später noch Kaffee und Kuchen. Bei Rolfs Abschlussrede gibt er zu bedenken, dass es schön wäre, wenn sich interessierte Läufer rechtzeitig anmelden würden. Man könnte viel mehr Sponsoren aktivieren, wenn frühzeitig gefüllte Starterlisten vorliegen. Der Trend zum späten Anmelden kostet regelmäßig wertvolle Spendengelder.
Selbstverständlich kann in der Halle wieder übernachtet werden. Laura, Norbert und mich zieht es allerdings nach Hause. Zum Abschied erhält jeder noch ein Fläschchen Durbacher Spätburgunder von einem der Sponsor und einen Weihnachtskaktus.

 

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Fazit:

Saisonausklang bei netten Leuten auf einer wunderbaren Strecke und einmaligem emotionalen Zieleinlauf - was gibt es Schöneres? Wenn dann auch noch die Verpflegung stimmt und man mit seinem Hobby Bedürftigen helfen kann, ist man bei laufendhelfen.de an der richtigen Adresse. Brigitte und Rolf organisieren den Lauf perfekt und haben sich einen verlässlichen Stamm von Helfern aufgebaut. Vielen Dank an Euch alle!

Also liebe Läufer: meldet Euch gleich an und wir sehen uns nächstes Jahr beim Eisweinlauf. Bis dann, frohe Weihnachten und guten Rusch!

 


 

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