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Laufberichte

Eine höchst erfreuliche Überraschung

17.02.08

Ich bin völlig "happy"

Warum? Weil Thorsten, der jüngere von meinen beiden Söhnen, erstmals einen Marathonlauf bestritten und diesen auch erfolgreich beendet hat. Aber alles schön der Reihe nach:

Am Sonntag, dem 17.02.2008, richtete das "Running Solutions Team Mattejiet" in Lilienthal bei Bremen den "61. Kreuzdeich-Marathon" aus. Ich hatte bereits im frühen Vorfeld zu dieser Laufveranstaltung meine Anmeldung abgegeben. Als auch mein älterer Sohn Frank sein Interesse an einer Wettkampfteilnahme bekundete, meldete ich ihn ebenfalls an. Frank schlug mir vor, bereits am Vortag per PKW nach Hamburg anzureisen, in seiner Wohnung zu übernachten und am nächsten Morgen von dort aus gemeinsam nach Lilienthal zu fahren.

Dies passte mir gut, und ich befragte Thorsten, ob er Zeit und Lust habe, mich auf meiner Norddeutschland-Tour zu begleiten. Thorsten hatte beides, und so setzten wir unsere Überlegungen in die Tat um. Damit Thorsten in der Zeit, während der sein Bruder Frank die Marathondistanz durchlaufen würde, einen "Zeitvertreib" haben würde, empfahl ich ihm, auch ein paar Runden zu "joggen", und damit seine eventuell erforderliche Inanspruchnahme des Versorgungsangebotes korrekt geregelt war, meldete ich schließlich auch Thorsten bei Carsten A. Mattejiet an.

Thorsten war zwar seit jeher sehr sportlich, hatte aber nie irgendwelche Ambitionen. Er war für mich stets das Paradebeispiel für jemanden, der viel Bewegungstalent besitzt, dieses aber nicht zu einer Sportkarriere nutzt. Lediglich als recht akzeptabler Fußballspieler betrieb Thorsten in zwei Vereins- sowie in einigen Betriebs- und "Theken"-Mannschaften wettkampfmäßigen Sport. "Just for fun" nahm er auch an ein paar 10-km-Volksläufen teil, und im Vorjahr absolvierte er in Begleitung seines Bruders Frank im Rahmen der Bonn-Marathon-Veranstaltung seinen bislang einzigen Halbmarathonlauf. Dass ich Thorsten einmal am Start eines Marathonlaufes stehen sehen würde, hatte ich mir allerdings nicht vorstellen können. "Aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt."

Und so hatten sich schließlich am frühen Morgen des 17.02.2008 drei Berkas am "Veranstaltungszentrum" des "61. Kreuzdeich-Marathons", dem Vorgarten des Einfamilienreihenhauses der Familie Mattejiet, eingefunden, wo um 8.00 Uhr losgelaufen werden sollte. Dort hatte Carsten bereits wie üblich eine gut sortierte Verpflegungsstelle mit warmem Tee, Müssli-Riegeln und dergleichen eingerichtet. Die Sonne schien von einem fast wolkenlosen Himmel. Bei einer Temperatur von -6,0°C (in Worten: minus sechs Grad Celsius) war es aber bitterkalt, und ich konnte gar nicht so schnell zittern, wie ich fror. Dennoch, mit dem herzlichen Begrüßen netter Laufkameradinnen und Laufkameraden ließ sich auch das Warten auf die Startfreigabe überstehen. Ziemlich pünktlich wurden dann 2 Läuferinnen und 15 Läufer auf die Strecke geschickt.

Bei dieser handelte es sich um die ca. 6.080 m lange und mithin siebenmal zu durchlaufende "Kreuzdeich-Runde". Diese ist landschaftlich ungemein reizvoll und sehr abwechslungsreich, wobei zu ihrem Beginn und an ihrem Ende ein zum Teil innerörtlicher Wendepunktgegenlaufabschnitt von ca. 700 m (hin und zurück also ca. 1.400 m) absolviert werden muss. Das Streckenprofil kann als "flach" bezeichnet werden. Gelaufen wird fast durchgehend auf einwandfrei asphaltierten Wegen. Lediglich die beiden Brücken im Bereich der "Wümme" sind betoniert, und zwei kurze Teilstücke haben eine Verbundsteinpflasterung.

Thorsten hatte angeboten, bei mir, dem bereits nach wenigen hundert Metern Letzten des Teilnehmer/innenfeldes, zu bleiben und mich zumindest auf der ersten Runde zu begleiten. Ich nahm es dankend an, bedeutete dies doch Ablenkung, und ich ging dabei das Rennen auch deutlich schneller als sonst dort üblich an. Aus eigener Erkenntnis weiß ich jedoch, dass aus Rücksichtnahme auferlegtes Langsamlaufen manchmal strapaziöser sein kann als der Normalschritt. Und so forderte ich Thorsten zu Beginn unserer 2. Runde auf, von nun an nach seinem Wohlbefinden zu agieren. Er setzte sich daraufhin kontinuierlich von mir ab. Wir begegneten uns noch einmal auf dem Gegenlaufabschnitt, dann war Thorsten aus meinem Gesichtsfeld entschwunden.

Ich rechnete nun mit einer Beendigung seiner Aktivitäten, konnte aber zu meiner Freude bei meinem prüfenden Blick in die am Wendepunkt einsehbare "Rundenende-Zwischenzeiten-Erfassungsliste" immer wieder feststellen, dass sich Thorsten noch im Rennen befand. Kurz nachdem ich meine 6. Runde begonnen hatte, kam mir Thorsten auf dem Weg zur Vollendung seiner 6. Runde schließlich wieder entgegen. Er signalisierte mir, dass es ihm gut gehe und er nun durchlaufen werde. Dies löste natürlich eine riesige Euphorie in mir aus. Meine Beine wurden plötzlich wieder leichter und meine orthopädischen Wehwehchen zur Nebensache. Dennoch hätte es Thorsten beinahe geschafft, mich noch zu überrunden, aber "wir wollen die Bäume ja nicht gleich in den Himmel wachsen lassen".

Fakt ist, dass Thorsten - fast aus dem Nichts heraus - seinen ersten Marathonlauf geschafft, dabei auf der aus organisatorischen Gründen die Marathondistanz um ein paar hundert Meter übersteigenden Strecke mit 4:52:23 Stunden die 5-Stunden-Grenze unterboten und somit für ein unterwartetes Highlight in der sportlichen Historie der Familie Berka gesorgt hatte. Ein altes deutsche Sprichwort lautet: "Unverhofft kommt oft!" In der Realität kommt "unverhofft" jedoch eher selten, manchmal aber dann eben doch.

Thorstens überraschender Marathoneinstand überstrahlte natürlich die Laufleistungen der beiden anderen Starter namens Berka. Dennoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Frank den 3. Platz im Gesamteinlauf mit einem respektablen Resultat von 3:40:41 Stunden zu erzielen vermochte. Auch dessen alter Vater Volker, das 65-jährige "Auslaufmodell", konnte mit 5:42:39 Stunden eine neue persönliche Streckenbestzeit für sich verbuchen. Mir drängte sich folgender Text eines Karnevalliedes auf: "So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der sollte nie vergehn."

 

 


 

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