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Laufberichte

Drei-Herzen-Marathon in Radenci (SLO)

 

42,195 km durch slowenisch-südsteirisches Grenzgebiet


Als mir Werner Kroer, zweifacher erfolgreicher „10-Marathons-in-10-Tagen-Finisher“ in Orta/Italien, zwei Tage vor dem bereits zum 36. Male stattfindenden Laufevent in der slowenischen „Herzerlwasser“-Metropole Radenci eine Mitfahrgelegenheit anbietet, ist der Entschluss rasch gefällt, obwohl man sich zu diesem Zeitpunkt nur mehr vor Ort um 55 Euro nachmelden kann.


Anreise und Startnummernausgabe


Ich stehe am Renntag zeitig um 4 Uhr 30 auf – Treffpunkt ist der Parkplatz vor dem großen Spar in Kottingbrunn, ca. 40 km von Wien entfernt, direkt an der Südautobahn. Mit Werners komfortablen Volvo XC90 fahren wir knapp vor sechs Uhr von dort ab und erreichen über die A2 und den kurzen Umweg über die A9 nach ca. zwei Stunden Fahrzeit den slowenischen Kurort Radenci, wenige Kilometer vom südsteirischen Bad Radkersburg entfernt.

Radenci ist bekannt durch seine mildernden und heilenden Thermalquellen bei allerlei Erkrankungen  betreffend Herz, Gefäße, Nieren- und Harnwege sowie den Bewegungsapparat. Hauptsponsor des Marathons ist die hinter dem Radenska-Mineralwasser mit den einprägsamen drei Herzen auf der Flaschenetikette stehende Firma. Das seit 1869 abgefüllte Mineralwasser enthält natürliche Kohlensäure, sowie auf einem Liter über 3000 mg Mineralien und Spurenelemente, darunter Calcium, Magnesium, Natrium, Hydrogencarbonat, Fluorid, Zink und Selen.
Parkplätze hinter dem Thermenhotel auf einer abgegrenzten Wiese gibt es noch genug. Der Platzanweiser will uns zunächst auf eine Stelle ohne jeglichen Schatten dirigieren, doch Werner kommt ihm zuvor und stellt seinen SUV unter einen Baum neben anderen Edelkarossen mit slowenischen Kennzeichen. Für heute werden nämlich Temperaturen um 25 Grad und mehr angesagt, ein Vorbote des Sommers hat sich laut den Meteorologen angesagt.

Gut in der Zeit sind wir nicht, denn bis zum Lauf verbleibt uns nur eine Stunde. Werner ist schon registriert, ich hingegen muss mich nachmelden. Am 18. Mai 2013 bin ich hier schon einmal gelaufen, damals führte der Kurs über zwei Runden gleich zweimal über die Murbrücke in Radenci, deren Anstieg das Kriterium war. Doch der Marathon war nur fünf Stunden offen, die Halbdistanz musste man unter 2:15 h schaffen. Ich erinnere mich noch genau, wie heiß es an diesem Tag war und die Läufer/innen praktisch auf dem gesamten Streckenabschnitt sich in der prallen Sonne durchkämpften – und der starke Wind zudem bremsend wirkte.

Die Streckenführung des heutigen, inzwischen schon 36. Drei-Herzen-Marathons, ist neu. Nach einer 16-jährigen Pause bezieht der Marathonkurs die Umgebung um Bad Radkersburg mit ein. Er führt somit durch zwei Länder, aber er ist trotzdem keine länderübergreifende Gemeinschaftsveranstaltung wie z.B. der Europa-Marathon Görlitz – Zgorzelec/Polen am kommenden 5. Juni oder etwa der Visegrad-Ultra-Marathon von Podoliniec nach Rytro/Polen am 19. Juni 2016. Dennoch wird der heutige Rundkurs für die meisten Teilnehmer/innen neu sein, auch weil die wenigsten beim Marathonlauf eine Konstanz von 15 und mehr Jahren vorweisen können. Laut der Statistik von marathonaustria.com laufen in meinem Alter nur noch 1,6 Prozent der Männer einen Marathon, ab 65 sind es nur mehr 0,5 Prozent.

Wie immer herrscht hier im viel zu kleinen Startbereich starkes Gedränge, man kommt schwer vorwärts. Nach gut 300 Metern erreichen wir das von einer Absperrung begrenzte Zelt, wo man die Startnummer abholen muss und sich auch nachmelden kann. Die Schlange ist lang, geschätzte 30 oder 40 z.T. nervöse Akteure warten. Als ich endlich an der Reihe bin, drängt sich ein Slowene von der Seite rein und schiebt mich weg. „Cool bleiben!“, es geht sich ja eh alles aus.

Um 8 Uhr 30 bin ich endlich an der Reihe, für 55 Euro in Cash bekomme ich mein Startpaket mit der Nummer 394, Werner hat es auch geschafft. Wir eilen zu seinem Auto zurück, um uns für den Lauf fertig zu machen. Ich muss mich noch umziehen, doch die kurze Hose und das Kurzarmshirt sind bald übergestreift, die Laufschuhe zu schnüren dauert zwei Minuten. Auch die Zeit für ein Gemeinschaftsfoto haben wir noch.

 

 
© marathon4you.de 16 Bilder

 

Ich nutze die verbleibenden 15 Minuten für ein paar Stimmungsfotos. Doch ganz nach vorne an die Spitze des wartenden Feldes komme ich nicht mehr, die Gitterabsperrungen sind bautechnisch zu nahe an den Ausstellerständen und Wartebereichen für die Zuschauer, dass ich einen langen Umweg durch das gesamte Areal machen müsste. Fünf Minuten vor dem Start ordne ich mich ziemlich weit hinten beim letzten Tempoblock ab 4:30 Stunden angestrebter Finisherzeit ein.
Geschätzte 1500 Läufer/innen für den Marathon und die Halbdistanz stehen für den geplanten Start um 9 Uhr bereit. Davor, um 8 Uhr, sind schon die Marschierer losgegangen und eine halbe Stunde später, um 8 Uhr 30, haben sich die Nordic Walker auf ihre 9.000 Meter lange Strecke begeben. Hinter uns werden um  9 Uhr 15 die 5.550 Meter- und 10.000 Meter-Starter/innen das Rennen aufnehmen. Am Nachmittag ab 16 Uhr ist dann auch noch ein Kinderlauf angesetzt. Die 5.500 Einwohner zählende slowenische Stadt Radenci steht am 21. Mai 2016 ganz im Zeichen eines Laufspektakels.


Der Rennverlauf


Keine Wolke steht am Himmel, als der Platzsprecher die slowenische Hymne ankündigt. Nach dem Start dauert es ca. drei Minuten, bis ich im hinteren Block stehend zur Matte komme. Mein alter Champion-Chip in Gelb aus dem Jahren 2001 wird hoffentlich wieder erkannt, ich hätte auch einen Einwegchip beim Nachmelden ausfassen können. Um mich herum sehe ich nur Läufer/innen mit weißen Startnummern, die sich für den Halbmarathon entschieden haben. Auf dem ersten Kilometer verläuft der Kurs aus der Stadt heraus leicht ansteigend, wie immer gehen es viele zu schnell an. Werner dürfte sich weiter vorne befinden, nach den bisherigen Ergebnissen sollte er auch heute wieder eine Laufzeit unter 4:30 erreichen.

 

 
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2013 sind wir bald nach dem Start nach Osten in Richtung Murbrücke abgebogen, heute laufen wir nach dem Kreisverkehr nach Norden. Viele Läufer/innen tragen das im Startgelt inkludierte Leiberl in Weiß mit dem Marathon-Logo vorne drauf, ich habe wieder mein superschickes M4Y-Shirt an, das bereits den vierten Einzelwaschgang hinter sich hat und qualitätsmäßig erste Wahl ist – Billigleibchen weisen bald einmal Verschleißspuren auf.

Es geht nach Norden, die Strecke ist keinesfalls superflach wie 2013 nach der Überquerung der Murbrücke, sondern – wie wir heute schon bei der Anfahrt mit dem Auto bemerkt haben, wellig mit langgezogenen leichten Anstiegen und ebensolchen Gegenverläufen um einige Höhenmeter nach unten. Endlich erblicke ich den ersten Marathonläufer im hinteren Schlussfeld mit einer braun unterlegten Startnummer, vielleicht hätte ich mich bei der Startaufstellung einfach nach vorne drängen sollen. Es kann gut möglich sein, dass kaum mehr welche nachkommen, die die 42,195 km laufen werden. Da muss ich danach trachten, zumindest ein paar auf der Strecke zu überholen, was im Verlaufe von 5 Stunden möglich sein sollte.

Wir nähern uns dem kleinen Ort Melle, links auf der Straße am Fahrbahnrand kommen uns Läufer mit blauen Startnummern entgegen, die in wenigen Minuten bei einem der kürzeren Bewerbe antreten werden, ihr Auto einige Kilometer von Radenci wegen der Straßensperre geparkt und es nun sehr eilig haben, zum Start zu kommen.

Bereits nach ca. 2 ½ Kilometern befindet sich die erste Labe, viele bleiben stehen, ich nicht, denn der Durst wird sich schon noch melden. Bald darauf erreichen wir das Miroslav Kurbus-Gartencenter, das sich in Laufrichtung zu unserer Rechten befindet – 2013 habe ich dort vier große Rhabarberwurzelstöcke gekauft, die bei uns mehr als doppelt so viel kosten. Es zieht sich, auf der  welligen Strecke am Anfang des Marathons werden wir auch wieder zurücklaufen, doch das wird bei meinem Tempo erst in gut drei Stunden der Fall sein. Wie es schneller geht, zeigen uns die farbigen Halbmarathonstarter, die uns entgegenkommen und mit 3:30 min/km schon am Weg zurück ins Ziel sind. Allerdings ist der Kursverlauf beim Halben anders gelagert, die Marathonis müssen auf eine große Zwischenrunde, bevor sie wieder die Murgrenze nach Slowenien überschreiten können.

 

 
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Die zweite Labe ist in Sicht, ca. 5 Kilometer sind erreicht. Ich trinke einen Becher Radenska, das Wasser schmeckt neutral, vom erhöhten und spezifischen Mineraliengehalt merke ich nichts. Allerdings wird es im Handel in mehreren Sorten angeboten, auch als stilles Wasser, das hier ausgeschenkt wird. Einige Läufer nutzen eine behelfsmäßig aufgestellte Duschvorrichtung auf der Marathonstrecke, um sich schon jetzt um 9 Uhr 45 abzukühlen, obwohl es noch gar nicht heiß ist.

Stolz auf sich ist hier und heute ein Läufer im weißen Shirt, der seine Erfolge am Rücken seines Leibchens notiert hat: Berlin 2010, New York 2011, Stockholm 2012, London 2013, Chicago 2014, Athen 2015, Boston 2016. Dazwischen scheint er eifrig auf Nebenschauplätzen wie hier zu trainieren.

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