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Die weißen Nächte von Sankt Petersburg

30.06.13

Weiße Nächte sind Nächte, in denen die Sonne eigentlich nicht untergeht, und es auch nachts noch hell ist. In Europa muss man schon recht weit nördlich fahren, um dieses Spektakel erleben zu können. Berühmt sind die Weißen Nächte von Sankt Petersburg, die besonders Ende Juni dort sehr ausgeprägt sind und die auch mit entsprechend vielen Veranstaltungen gefeiert werden.

Eine davon ist der White Nights Marathon. Der Marathon, mit seinem phantastischen Rundkurs durch die Stadt, führt die Läufer an unzähligen (und das ist hier wirklich wörtlich gemeint) Sehenswürdigkeiten dieser außergewöhnlichen Metropole vorbei.

Sankt Petersburg hieß auch mal Petrograd und bis 1991 als Leningrad. Ich reiste nicht alleine, sondern mit meiner Frau und einer Sportreisegruppe von Schulz Aktiv Reisen. Teil der Reise war eine Busrundfahrt, die uns zu den meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt und der Laufstrecke führte. Wir wurden somit gut vorab informiert und erfuhren von unserer einheimischen Stadtführerin Svetlana, dass Sankt Petersburg mit 5 Millionen Einwohnern die nach Moskau zweitgrößte Stadt Russlands und die viertgrößte Europas ist. Sie wurde 1703 von Peter dem Großen auf Sumpfgelände nahe dem Meer gegründet, um den Anspruch Russlands auf Zugang zur Ostsee durchzusetzen und ein zweites (östliches) Venedig zu schaffen, das ihn auf seinen Europareisen offenbar sehr beeindruckte.Fast 200 Jahre war St. Petersburg die Hauptstadt des Russischen Kaiserreiches. Das hat auch das Stadtbild maßgeblich geprägt.

Die historische Innenstadt mit ihren 6 Stadtbezirken und über 2.300 Palästen, Prunkbauten und Schlössern ist Weltkulturerbe der UNESCO. Wie Svetlana uns erzählte, steht die Stadt auf 42 Inseln und hat hunderte Brücken, von denen die Läufer zahlreiche überqueren. Die Stadt selbst musste künstlich einige Meter über dem Meeresspiegel gebaut werden, da sich die Neva hier fast auf Meereshöhe befindet und die Ostsee nur wenige Kilometer entfernt ist. Die Ufer wurden schon früh mit Granitgestein befestigt, was das Stadtbild erkennbar beeinflusst.

 
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Auf einer Bootstour am Abend vor dem Lauf wurden uns noch weitere Sehenswürdigkeiten erläutert. Jekatharina, vom Laufsponsor Ergo, wies auf zahlreiche Attraktionen hin, so auch den Eisernen Reiter, der Peter den Großen darstellt und auf dessen Sockel das Gedicht Der eherne Reiter (1834) vom berühmten russischen Dichter Alexander Puschkin ziert. Dieses zentrale Denkmal passieren die Läufer bei km 1 und dann nochmals bei km 22 aus der anderen Richtung kommend.

Dass Peter der Große trotz der widrigen Gegebenheiten diesen sumpfigen Ort schließlich für seine neue Hauptstadt auswählte, ist auf die Tatsache zurückzuführen, so unsere Führerin, dass hier vorzüglich ein Seehafen angelegt werden konnte und zudem der Anschluss an das binnenrussische Flusssystem über mehrere Seen bis hin nach Moskau, gegeben war. Dies kommt auch im Stadtwappen zum Ausdruck, das neben dem Zepter einen See- und einen Binnenanker zeigt. Auch auf der Marathonstrecke passieren wir immer wieder historische Schiffe vom Segelboot bis zum Panzerkreuzer „Aurora“. Des Weiteren war bei der Standortfrage die Nähe zu Westeuropa ausschlaggebend, ging es Peter dem Großen doch darum, Russland zu modernisieren.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurden zig Tausende Leibeigene im Zarentum Russlands zwangsrekrutiert und schon während der Errichtung der Stadt kamen vermutlich viele Tausend von ihnen ums Leben. Sie starben an dem dort grassierenden Sumpffieber und Mangelernährung, Infektionen und Entkräftung. Große Teile der Stadt sind auf Pfählen im Boden errichtet, wie in der Audioführung in der Isaaks-Kathedrale ausführlich erklärt wird.

Von all diesen Maßnahmen bekommen die Marathonläufer eigentlich nur die schönen Seiten mit. Der Start findet auf dem großen imposanten Platz zwischen der Ermitage (dem russischen Louvre) und dem Schloss statt. Auf dem riesigen Platz gehen die 3.000 Läufer, davon gut 1.000 für die 10 km, fast unter. Alles läuft hier noch etwas bürokratisch ab, denn bei der Abholung der Startunterlagen gab es neben der Startnummer mit integriertem Chip auch noch eine Startkarte, die am Start abzugeben ist, sowie eine Kleidersackkarte. Am Abend vor dem Start fand hier noch ein riesiges Feuerwehrfest mit der Parade von mehr als 200 historischen und modernen Feuerwehrfahrzeugen statt und bereits am nächsten Tag den Marathon.

Als ich 1 Stunde vor dem Start eintraf war noch nicht alles völlig aufgebaut und noch recht wenige Läufer da, aber in Russland geschieht vieles „just in time“ und die meisten Läufer trafen erst kurz vor dem Startschuss ein und dann war auch alles fertig. Ein großes Lob hier an den Organisator des Laufes, an Anton Uik.

 
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Um 9 Uhr ging es dann wirklich pünktlich an der Alexandersäule, die mitten auf dem Platz steht, los. Kurz nach der Überquerung des Platzes kamen wir dann auch schon am nächsten Highlight vorbei, der Isaaks-Kathedrale. Wie ich bei der Besichtigung erfahren hatte, ist sie die größte Kirche Sankt Petersburgs und einer der größten sakralen Kuppelbauten der Welt. Die Kirche ist 111 Meter lang, 97 Meter breit und 101,50 Meter hoch. Der Durchmesser der vergoldeten Hauptkuppel beträgt 26 Meter. In dem 10.767 Quadratmeter großen Inneren der Kirche finden 14.000 Menschen Platz, so dass dort alle Läufer bequem hätten Platz finden können.

Doch wir biegen rechts ab und treffen auf dem Senatsplatz den bereits zuvor beschriebenen „Ehernen Reiter“. Die Reiterstatue ist eines der weltbekannten Wahrzeichen von Sankt Petersburg. Zar Peter I. sitzt „hoch zu Ross“ auf einem sich aufbäumenden Pferd. Unter den Hufen des Pferdes wird eine Schlange zertreten – die Szene soll nach Auskunft unserer Führerin Peters Sieg über die Schweden symbolisieren.

Auch das Senatsgebäude ist sehr beeindruckend. Doch schon geht’s weiter und wir biegen auf die Uferstraße ein, die uns nun 1 km entlang der Neva Richtung Ostsee führt. Vorbei an vielen  Prachtbauten kommen wir zur Blagovescenski Brücke, auf der wir die Neva überqueren und Richtung Marinemuseum laufen.

 
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Dort sehen wir die roten Rostrasäulen mit den „Schiffsschnäbeln“ und überqueren dann den anderen Arm der Neva. Zur Rechten liegt ein nachgebautes Segelschiff, das ein Restaurant und ein Fitnessstudio beherbergt. Wir laufen weiter zum Petrowski Stadion und kommen an dem Gebäude vorbei, an dem wir am Vortag die Startunterlagen erhalten haben, übrigens inklusive eines asics Funktionsshirts.

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