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Crosslauf in Bad Aibling: Wo ist der Winter?

09.02.14

Manchmal ist weniger mehr. Wem ein Marathon zu viel ist, für den ist ein Lauf im Gelände über ein paar Kilometer eine Alternative. Und wer auf TRAILRUNNING.DE schaut, der kann sich Ideen holen nach dem Motto „Da war ich nicht, da will ich hin“ oder „Hört sich gut an, mal schauen und laufen“. Wer über dem Winter nicht (trainings)faul auf der Haut und Couch liegen will, dem empfehle ich ein paar Crossläufe, die für Trailrunner und solche, die es werden wollen, eine hervorragende Trainingseinheit darstellen.

Schaden verursacht ein solches Event nicht, außer dass der Schuhputz intensiviert werden und die Kleidung in die Waschmaschine muss. Wer seine Wadl mit einer Variante der Fangotherapie behandelt, wird sich später über eine zarte Haut freuen, wenn er den trockenen Schlamm runterkratzt.

Letztes Jahr habe ich Euch Markt Indersdorf nähergebracht, jetzt soll es Bad Aibling mit den diesjährigen Oberbayerischen Meisterschaften sein. „Oabling“, so die Einheimischen, ist heute eine Stadt mit rund 17000 Einwohnern, die liegt unterhalb von Irschenberg (wer kennt den Ort an der stauanfälligen A8 nicht). Die Kelten haben etwa 500 vor Christus die Gegend im oberbayerischen Alpenvorland besiedelt. Als Epininga wurde der Ort im Jahr 804 erstmals urkundlich erwähnt. Die Markterhebung folgte 1244, die zur Stadt 1933.

Wirtschaftlich steht die Region gut da, denn der Großraum München bietet Arbeitsplätze en masse und ist auch verkehrsmäßig über Autobahn und Eisenbahn schnell zu erreichen. Den steigenden Autoverkehr versucht man mittels einer Umgehungsstraße verträglicher abzuwickeln.

Eine ganz neues Erlebnis bietet sich mir heute als Crosser. Neue Strecke und neue Location, denn gelaufen bin ich in Aibling noch nie, und eine Meisterschaft sorgt doch bei einem Laufenthusiasten wie mir immer für ein wenig Nervenkitzel. Überrascht sind wir dann, als wir auf dem Parkplatz im Ortsteil Mietraching fahren. Denn das Gelände ist flach wie eine Kuchenplatte. Der Empfang der Startnummern wird sogleich abgehakt und erledigt.

 
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Danach ist genug Zeit für eine Streckenbesichtigung zu Fuß. „Immer gerade aus auf der Wiese, dann müsst ihr euch rechts halten“, so wird uns der Verlauf der Strecke beschrieben. Der Anfang der Rundkurses ist schon crosstypisch: Wiese, ein paar Kurven und stellenweise unebener Boden. Doch die Aussicht nach rechts macht alle neugierig: Einige Radome der früheren US Army sind wohl heute noch in Betrieb. Das Gelände ist eingezäunt. Was früher da alles abgehört wurde, ist nur bruchstückartig bekannt. So sollen neben dem militärischen US-Geheimdienst auch die National Security Agency (NSA) und der Bundesnachrichtendienst die Ohrwaschel zum Lusen weit offen gehabt haben. Zwar wurde 2004 die „Bad Aibling Station“ geschlossen und das Gelände größtenteils an die Bundesrepublik zurückgegeben, aber ob nicht doch der BND noch am Abhören ist, ich weiß nicht, denn aus den Radoms hören wir ein Gesurre. Nix Gwiss woass ma ned, um es auf Bayerisch zu sagen, was auf der Anlage noch geschieht.

Der Wiesenweg endet, ein Helfer zeigt uns den Verlauf der Strecke um ein eingezäuntes Solargelände. Befestigter Wege, nur wenige schmierige Stellen. Die Frage der richtigen Schuhe wird schwierig. Spikes sind nur bedingt tauglich, die Trailschuhe liegen daheim und was habe ich in der Tasche: Laufschuhe mit wenig Profil.

 
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Vielleicht einen Kilometer dauert die Solarparkrunde, dann spazieren wir parallel zum Wiesenweg zurück. Dort kommen nun die Mittelstreckler mit einem Karacho angerannt. Junge Burschen, der Boden dröhnt. Bis wir schauen, sind diese schon wieder verschwunden. Wir sind fast schon wieder am Start- und Zielgelände, da verlassen wir den befestigten Fahrweg nach links in eine Wiese. Ein kleiner Hügel, höchstens 2,5 Meter Höhendifferenz, gilt es zwei Mal zu belaufen, dann ist eine Runde geschafft.

Knapp 2,8 Kilometer misst eine Runde, drei davon sind für die Männer vorgesehen. Schätzungsweise ein knapper Kilometer ist auf crossigem Untergrund, der Rest auf befestigtem Boden. Eigentlich ideal für Crossneulinge, für Meisterschaften eine eher einfachere Strecke, aber dafür sind die schnelleren Läufer im Vorteil. Mehr Tempo- und Richtungswechsel, hinauf und hinab, das würde einen Cross ausmachen. Aber laufen muss halt jeder.

Was können wir beim Cross lernen? Er verbessert die Kondition, stählt den Willen und Wettkampfhärte und bringt jetzt im ausgehenden Winter (dem Kalender nach) Schwung ins Trainingsgeschäft. In der Cross-Saison werden die Sieger gemacht, so das Credo vieler Trainer. Und Spaß machen tut das uns auch. Und wer später im Frühjahr einen anspruchsvollen Trail im Visier hat oder im Sommer einen knackigen Berglauf, für den sind Crossläufe im Spätherbst und Winter geradezu Pflichtprogramm.

Viel Aufwand braucht es dazu nicht, denn oft reichen schon ein paar EUR als Startgeld und Trailschuhe hat schon fast jeder im Schuhregal zuhause stehen. Wer noch einen besseren Stand haben will, der schafft sich Spikes an, die halten bei den wenigen Starts in der Saison jahrelang. Wer hineinschnuppern will, der wählt einen Jedermann-Crosslauf aus. Für eine Teilnahme an einer Kreis- oder Landesmeisterschaft sollte man schon im Cross erfahrener sein.

 
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Während wir uns umziehen, machen sich die über 60jährigen und alle Frauen fertig zum Start. Damit keiner verloren geht, wird jeder noch aufgerufen und abgehakt. Ein älterer Läufer, vielleicht sogar der Älteste, macht sich Sorgen, dass er zu langsam ist und nimmt gleich eine Stoppuhr mit. Dann geht es ohne Brimborium, aber mit einem schnellen Schuss für diese Teilnehmer auf die Strecke. Sie müssen eine Wiesenrunde, eine Solarparkrunde und zum Abschluss nochmals eine Wiesenrunde hinter sich bringen. Das Feld zieht sich sehr schnell in die Länge. Und, mich überrascht es nicht, diesen Lauf über 5,9 Kilometer gewinnt eine Frau, es ist Julia Viellehner vom TSV Altenmarkt.

Neben meinem kleinen Einlaufen glüht schon meine Kamera, denn ich will ja Eure Neugier wecken und Euch für so ein kurzweiliges Abenteuer motivieren. Zu guter Letzt entschließe ich mich, den Wettkampf mit den normalen Schuhen zu absolvieren, denn die älteren Semester sind ohne Spikes unterwegs.

Dann werden wir namentlich aufgerufen und kurz und knapp kommt das Startsignal. Los geht’s! Mein Ziel: Nicht letzter werden und Vollgas geben. Gedränge gibt es nicht, dafür ist die Startzone sehr breit und auch die Wiese bietet viel Raum zur Seite. Die Spitze drückt natürlich sofort auf die Tube. Auf dem langen Wiesenweg sortiert sich das Feld der knapp 50 Konkurrenten. Die Überholmanöver halten sich in Grenzen. Auf der Runde um den Solarpark treten einige in die wenige Pfützen, Dreck spritzt zur Seite.

 
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Mein Vereinskollege, der Filippo, dreht nun auf dem befestigten Weg auf und nimmt mir auf der Gerade hin Richtung Ziel 20, 30 Meter ab, ich werde abreissen lassen müssen. Aber alles was länger als Halbmarathon ist, da werde ich ihn kontrollieren. Wenn mein Abstand zu ihm nicht in Minuten zu messen ist, bin ich hochzufrieden. Beim Blick nach rechts können wir den rund 1800 Meter hohen Wendelstein sehen, tief verschneit.

Für Richtungs- und Tempowechsel sorgt dann die Schikane über den Mini-Hügel. Zwei Sprünge hoch und hinunter, rechts herum und wir laufen am Ziel vorbei. Runde eins ist geschafft. In der zweiten Runde läuft ein Gegner von hinten auf und kann sich von mir absetzen. Die letzte Runde reiße ich atemlos herunter. Wenigstens kommt die Spitze nicht von hinten, sonst wäre ich auf der Stelle stehengeblieben. Mein Zieleinlauf ist irgendwo im Nirwana. Der Abstand zum Vordermann ist über 100 Meter und den Hintermann kann ich im Ziel noch nicht sehen, der ist mit der hügeligen Schikane beschäftigt.

Unser Italiener Filippo findet den Streckenverlauf mit dem langen Wegstück für sich ideal. Verstehe ich, denn ein Ferrari liebt geraden Streckenverlauf! Aber wie schaut denn ein richtiger Cross aus, 2009 bei der „Deutschen“ war ich auch am Start und wer die Bilder sehen will:

Herold Demel, damaliger Macher in Ingolstadt, steht als Trainer am Rand der Strecke und hat Ideen, wie man den Streckenverlauf kurzweiliger und machen könnte. Schaun mer mal, wo die Oberbayerische 2015 stattfinden wird.

Die Ergebnisliste weist für mich Rang 10 aus, unser Pizzabäcker liegt zwei Ränge vor mir. Ich werde das wieder umdrehen, wenn es mit ihm auf eine längere Strecke geht, versprochen.

Zur Siegerehrung klopft der Winter an die Tür: Ein Graupelschauer, eine Sturmböe, am Zeltgestänge hängen einige Sportler und lose Urkunden gehen fliegen. Einer flucht, ich feixe, das ist Cross.

Ja, und wer jetzt mal in einen Cross hinein schnuppern möchte, der Laufkalender wird im Herbst 2014 wieder einige Möglichkeiten bieten. Schaut auf den einschlägigen Laufkalendern oder bei TRAILRUNNING.DE nach, ihr werdet sicher fündig. Viel Spaß beim Crossen.

 


 

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