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Laufberichte

90. Košice Peace Marathon: Treff mit Freunden

 

Der Košice Friedensmarathon wird seit 1924 durchgeführt und ist damit der älteste Marathonlauf Europas und nach dem Boston-Marathon der zweitälteste der Welt. Er findet jährlich am ersten Oktobersonntag statt.

Die Stadt Košice (deutsch: Kaschau) liegt in der Ostslowakei, nahe der Grenze zu Ungarn am Fluss Hornád und nur  80 km von der Ukraine entfernt. Mit ca. 240.000 Einwohnern ist sie die zweitgrößte Stadt des Landes und gemeinsam mit Marseille Kulturhauptstadt Europas 2013.

Ich habe mich bereits Ende August für den IAAF/AIMS zertifizierten Košice-Marathon registriert und als erstmaliger Starter gleich 20 % Abzug von der Startgebühr bekommen. Grund für meine Teilnahme ist jedoch nicht die Ermäßigung, sondern das 90. Jubiläum dieses geschichtsträchtigen Laufes mit vielen großen Siegern und schnellen Zeiten auf dem flachen Kurs. Den Streckenrekord aus dem Vorjahr halten die Keniaten Lawrence Kimwetich Kimaiyo mit 2:07:01 bei den Herren und Hellen Wanjiku Mugo mit 2:29:59 bei den Frauen. Zum Zeitpunkt der Anmeldung hätte es für den 6. Oktober zahlreiche alternative Marathons gegeben, wie z.B. Bremen, Brüssel, Bukarest oder Sofia. Doch diese Städte hebe ich mir für die kommenden Jahre auf.

Tagwache ist am Samstag, den 5. Oktober, um 5.30 Uhr. Mit dem Rex fahre ich um 6.32 von Wien  nach Bratislava, dann mit dem Schnellzug ab 7.53 weiter nach Košice, wo ich gegen 13.50 Uhr ankomme. Die fast sechs Stunden dauernde Fahrt in der 1. Klasse auf bequemen Polstersitzen mit viel Fußfreiheit und einem fixierten Tisch für einen portablen Computer verläuft in diesem Ambiente an einem herrlichen Herbsttag, mit Sonnenschein ohne eine Wolke am Himmel, angenehm und ohne Stress.

 
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Das Hotel Ambassador finde ich nicht auf Anhieb. Grund ist eine fehlende Beschilderung. Man ist gewohnt, ein Hotel auf einer belebten Straße wie der Hlavná ulica, also der Hauptstraße, schon von weitem zu sichten. So gehe ich zunächst vorbei, weil ich die Hausnummer nicht notiert habe. Ich frage einen Einheimischen. Über den Hintereingang in der Kovaska ulica gelange ich auf Umwegen zur Rezeption. Mit 63 Euro ist die als Vier-Sterne-Hotel angeführte Unterkunft eigentlich günstig. Um weitere 15 Euro wird ein Late-Check-Out angeboten, den ich dazu nehme.

Bei schönstem Herbstwetter spaziere ich gegen 15 Uhr die Hlavná ulica nach Süden in Richtung Auhof Center, wo die Startunterlagen ausgegeben werden. Es ist kein gewöhnlicher Samstag, an dem die Menschen wie üblich im Zentrum einer Stadt anzutreffen sind und einkaufen, für Košice ist es ein besonderer Tag. Morgen wird hier der 90. Marathon gelaufen. Ich kann mir vorstellen, dass die Veranstalter mit recht sehr stolz sind, an diesem Wochenende Tausende Läufer aus vielen Ländern hier als Gäste zu haben. Dutzende Sportler kommen mir mit einem schicken Adidas-Tragebeutel in schwarz entgegen, sie haben bereits ihre Startpakete abgeholt.

Links und rechts der inzwischen schon für den morgigen Marathon teilgesperrten Hauptstraße befinden sich die schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ich bleibe beim historischen Rathaus mit dem markanten Wappen der Stadt auf Giebelhöhe stehen und knipse. Morgen würde ich beim Vorbeilaufen weniger Zeit für ein passables Foto haben. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sieht man das Stadttheater. Als ich hinüberspaziere, hört man Musik aus einem Park dahinter. Ich gehe näher ran und erblicke eine baumförmige Glockenspielkonstruktion, die von einer „singenden Fontäne“ mit passender, besänftigender Musik begleitet wird. Einige Hundert Meter weiter überragt der Dom der Heiligen Elisabeth die anderen Bauwerke. Diese Ende des 14 Jahrhunderts erbaute Kirche im spätgotischen Stil ist das älteste Gotteshaus der Slowakei. Als Marathontourist gehört es dazu, dass man sich auch etwas über die kulturellen Sehenswürdigkeiten vor Ort informiert. Vor 40 Jahren habe ich mich auch universitär u.a. mit Geschichte beschäftigt.

Es ist nicht mehr weit bis zum Aufhof Shopping Center. Am Eingang sind Verkaufsstände aufgebaut, im Vergleich zur Exhibition in Berlin letzten Sonntag gleicht dies eher einem Jahrmarkttreiben. Ein älterer Mann verkauft Marathon-Abzeichen, die den besonderen Anlass würdigen sollen. Ich nehme zwei unterschiedlich große und zahle 2,80 Euro dafür. Dann betrete ich die Einkaufshalle. Eine Ausstellung mit Plakaten bietet eine historische Schau des Kaschau-Marathons in neun Jahrzehnten. Ich bleibe stehen und sehe mir die alten Fotos, zumeist in s/w, an.

 
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Die Startnummern werden am hinteren Ende ausgegeben. Die Warteschlange für meinen Sektor ist überschaubar. Nach 10 Minuten erhalte auch ich den eleganten Startsack von adidas sowie das noch auffallendere Funktionsshirt, ebenfalls in schwarz. Ein Finne fragt in undeutlichem Englisch, wo er morgen seinen Kleidersack abgeben kann. Das junge Mädchen, das als Aushilfskraft eingesetzt ist, versteht ihn nicht. Leider sprechen auch die jüngeren Leute kaum Englisch, obwohl sich in der Stadt ein von US Steel betriebenes Stahlwerk befindet, das 15.000 Menschen aus der Region beschäftigt. Außerdem leben viele Amis in und um Košice. Ein einheimischer Läufer erklärt dem Finnen dann, dass sich die Kleiderabgabe und die Duschen im selben Gebäude befinden, wo McDonalds im Erdgeschoß untergebracht ist und er nur über die Straße auf Höhe des Auhof Centers gehen müsse. Mich betrifft diese Info nicht, ich werde mich morgen nach dem Lauf in die Badewanne legen und mir eine Stunde für die Körperpflege Zeit nehmen.

Auf der Veranstalter-Website wird als Ehrengast auf der Exhibition der Marathonweltspitzenläufer Patrick Makau aus Kenia angekündigt, der 2011 in Berlin mit 2:03:38 Stunden einen Weltrekord aufgestellt hat. Am 29. September 2013 hat Wilson Kipsang Kiprotich beim 40. Berlin-Marathon diesen um 15 Sekunden auf 2:03:23 verbessert.

Es ist jetzt bereits 17.30 Uhr, die Sonne steht schon tief, als ich die Hlavná ulica zurückgehe und dann über die Mlynská ulica vorbei am Jakob Palast durch den Mestský Park zum Bahnhof spaziere, um mir für morgen ein Ticket für den Expresszug um 15.28 nach Bratislava zu kaufen. Wegen der vielen Starter werden morgen die Züge überfüllt sein. Ich erfahre, dass dieser Zug ausgebucht ist, doch in der 1. Klasse sei noch ein Platz frei. Für 450 km und 5 Stunden Fahrzeit sind 31,80 Euro inkl. Reservierung günstig im Vergleich zu den Zugpreisen in Österreich.

Am Weg zum Hotel bleibe ich nochmals beim Elisabeth Dom stehen. Bei der Kapelle der Heiligen Elisabeth erblicke ich einen Steinfliesenboden, in dem mehrere Dutzend Zusatzfliesen eingelegt wurden, die prominente Namen von Politikern tragen. Der gegenwärtige österreichische Bundespräsident, Dr. Heinz Fischer, ist hier genauso verewigt wie der langjährige frühere Vizekanzler und Außenminister der BRD, Hans-Dietrich Genscher, Michal Kovac, slowakischer Staatspräsident, das ehemalige Staatsoberhaupt Polens, Aleksander Kwaśniewski, die tschechischen Präsidenten Václav Havel und Václav Klaus, um nur einige zu nennen. Bei uns in Wien im 3. Bezirk sind im Gasometer Center Fußabdrücke von Schauspielern und Popstars in den Boden eingelegt. Derzeit wird dort umgebaut – es wird sich zeigen, ob der Besucher diese für die „Ewigkeit“ gedachten „Vertiefungen“ in einigen Wochen noch vorfinden wird. Vor dem Dom hat sich ein Hochzeitspaar aufgestellt. Angehörige und Freunde beglückwünschen die frisch Vermählten. Schön war es damals, als ich 25 Jahre jung war.

Dass es ja auch eine Pasta-Party gibt, habe ich ganz vergessen. Ich bemerke es erst, als ich im Hotelzimmer die Startnummer aus dem Kuvert nehme. Jetzt ist es zu spät, ich habe schon in einer Gastwirtschaft in einer Seitengasse vom Zentrum weg ein Schnitzel gegessen. Von meinem Dachzimmer aus schaue ich hinunter auf die Hauptstraße. Die Stadt beginnt sich um 20 Uhr zu füllen, hunderte Menschen spazieren auf und ab. Es ist Samstagabend, alle sind ausgelassen. Ich gehe runter, um die Stimmung zu genießen. In einem Café trinke ich ein Gläschen Wein. Die Laufsachen für morgen kann ich ja auch um 10 Uhr abends noch herrichten. Auf den Boxkampf am RTL-Kanal verzichte ich, die Klitschkos werden noch lange Schwergewichtsweltmeister aller Boxing Associations bleiben.

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