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Laufberichte

7. SkyMarathon Trofeo Scaccabarozzi

16.09.07

Excuse me while I kiss the sky beim Sentiero delle Grigne

 

Wem der Jungfrau Marathon zu überlaufen und der Swiss Alpine Marathon zu leicht, dem bietet sich jedes Jahr Mitte September die Möglichkeit, seine Grenzen beim SkyMarathon Sentiero delle Grigne kennenzulernen. SkyMarathon – was ist dies? Einfach gesagt, die Weiterentwicklung des normalen Bergmarathon, wie er in Zermatt oder in Davos angeboten wird. Die Definition des internationalen Verbandes FSA, der weltweit 7 Läufe zu einer Serie anbietet, lautet: ein SkyMarathon muß mindestens 2.000 m bergauf und 2.000 m bergab auf der Marathondistanz führen. Beim Sentiero delle Grigne, letzter und längster Lauf dieser Serie, addieren sich auf ca. 43 Kilometern im Ziel dann ca. 5.500 Höhenmeter, die von ca. 350 LäuferInnen (160 davon Marathon, 190 Halbmarathon) erfolgreich absolviert wurden.

 

 
© Veranstalter 5 Bilder

Bella Italia – schon beim Abholen der Startnummer am Vortag  in Pasturo die erste Überraschung: das Startpaket enthält 2 T-Shirts, ein funktionelles und ein normales. Dazu gibt es 1 Flasche italienischen Wein, italienische Äpfel und  Salami – alles kulinarische Köstlichkeiten, die im Startgeld von nur 40 Euro enthalten sind. Sprachprobleme gibt es keine, denn die Organisation antwortet sowohl überaus freundlich in englisch oder eben italienisch. Dazu ist der ganze Ort mit Plakaten vom Lauf geschmückt und man merkt bei dem abendlichen Briefing(Pressekonferenz), wie stolz diese Region ist, Gäste aus der ganzen Welt begrüßen zu dürfen. Im Rahmen dieser Pressekonferenz werden alle Spitzenathleten begrüßt (es fehlt keiner!) und Videosequenzen der Strecke aus den Vorjahren gezeigt. Die Flaggen aller vertretenen Nationen geben allem einen ganz besonderen Flair.

 

Und dann ist es endlich so weit. 16.09.2007, 7:30 Uhr. Partenza concorrenti SkyMarathon: 350 LäuferInnen starten zum Abenteuer in der Alpenregion Grigne nur unweit vom Lago di Lecco in Pasturo, 650 m ü.M.


Die Startphase erinnert an das SkyRace Valmalenco – Valposchiavo, wo auch direkt nach Verlassen des Startortes die Steigung hinauf in ein Waldstück beginnt. Auf steinigen, mit Wurzeln durchsetzten Wegen gewinnt man schnell an Höhe, „autobahnähnliche“ Wege wie z.B.  beim Jungfrau Marathon, die gibt es heute nicht. Trailrunning, Erlebnislaufen, vielleicht auch Querfeldeinlauf mit Cross-Country Charakter – egal, wie man es nennt, schwierig, aber faszinierend. Keiner spricht, im Sound of Silence versucht jeder, so kraftsparend wie möglich
bergan zu laufen.

 

Km 9 , Rifugio Soldanella – mitten im Aufstieg die erste offizielle Verpflegungsstelle auf 1.425 m ü.M. Im Aufstieg hierher floß der Schweiß in Strömen und deshalb heißt es schon jetzt: Trinken, Trinken, Trinken. Das Läuferfeld hat sich bereits weit auseinandergezogen und die Spitzenläufer haben ihre ersten Marken gesetzt. Bei den Männern ist dies heute vor allem Kilian Jornet (Katalonien), während bei den Frauen die weltbeste SkyLäuferin der letzten Jahre, Corinne Favre aus Frankreich, zusammen mit  Emanuela Brizio aus Italien die Führung innehat. Im Anstieg zum Grignetta, 2.177 ü.M., wird nun an vielen Stellen mit herrlichen Ausblicken auch die Schwindelfreiheit getestet. Nicht nur, daß die Wege immer schmaler werden, nein, gelegentlich muß man sich an Seilen durch besonders felsige Abschnitte hangeln. Zum Glück ist es heute trocken warm, so daß diese Stellen nicht auch noch rutschig sind, wie 2005 und 2006, wo der Lauf wegen Nebelnässe auf 2/3 verkürzt werden mußte, da die Gesundheit der LäuferInnen ernsthaft gefährdet schien.


Auffallend auch hier oben die perfekte Streckenmarkierung, man merkt, daß die Veranstalter rund um Mastermind  Maurizio Torri  alles erfahrene Extremsportler sind. Gewidmet ist dieser Lauf dem Künstler und „Bergmenschen“ Giacomo Scaccabarozzi, der 1998 tödlich verunglückte. Was auch außergewöhnlich ist, daß ein Teil des Startgeldes für Kinder in Not gespendet wird. Als Unicef Laufbotschafter ist es mir deshalb eine besondere Ehre, hier starten zu können.

 

Dies ist aber alles vergessen auf der Stairway to heaven, hinauf zum höchsten Punkt Rifugio Brioschi „Grigna“, 2.409 m ü.M.. 28 Kilometer in den Beinen, bereits 2.671 Meter bergauf – die Pause ist vollverdient. Essen und Trinken, so viel man kann. Und staunen – das  man hier oben ein solch reich gedeckten Tisch vorfindet. „Forza Germania“ sagt ein Italiener zu mir. Ich sage nur: „Mille grazie“, mehrmals.

 

Der Blick reicht über den Lagi di Lecco zum Lago di Como bis hinüber zur Mode- und Fußballmetropole Mailand. Mit 2 Läufern aus Mailand, natürlich beide Ferrari- und Fußballfans, beginnt nun der Abstieg. Auf 4 Kilometern geht es schlappe 989 Meter bergab. Jedes Gramm zuviel, daß sich in den letzten Jahren rund um die Hüften gesammelt hat, macht den Rucksack immer schwerer. Ich schwöre mir, in Zukunft auf Schokolade und Chips zu verzichten, kurzfristiger Genuß soll in Zukunft nicht mehr gewinnen. Dabei bin ich bei 1,75 m und 65 kg normalgewichtig, aber für einen SkyMarathon ist dies eindeutig zu viel.

 

Erschwert wird der Abstieg durch viele Steine, die schnell zu rolling stones werden, wenn man sie nicht richtig umläuft. Eindeutig: Bergablaufen ist schwieriger als Bergauflaufen. In dieser Schlüsselpassage wird auch das Rennen des HalbMarathon entschieden, wo sich die italienische SkyRacelegende Lucio Fregona vom DolomitenMann und ZermattMarathon-Sieger Helmut Schiessl aus dem Allgäu absetzen kann.Zum 1. Mal wurde dieses Jahr ein Halbmarathon angeboten, der gleich auf Anhieb mit 192  LäuferInnen eine gute Resonanz fand.

 

Auf der langen Strecke, wo von KM 32 bis KM 37 noch einmal eine flache Erholungsphase mit nur 74 Metern Höhendifferenz folgt, läuft der 19-jährige Skitourenspezialist Kilian Jornet mit 4:43:54 Stunden eine grandiose Bestzeit, die im Ziel ungläubiges Staunen auslöst. Auch der Zweitplatzierte Mitja Kosovelj vom starken K2 Sportteam aus Slowenien bleibt noch unter dem bisherigen Streckenrekord von Mario Poletti aus dem Jahr 2004. Bei den Frauen siegt wiederum Corinne Favre, die als einzige Läuferin unter 6 Stunden und nur knapp über ihrer Streckenbestzeit von 5:56:06 das Ziel erreicht. Völlig erschöpft – hinter der Ziellinie sinken alle(!) LäuferInnen zunächst einmal auf die bereitgestellten Stühle in sich zusammen. Was alle in den letzten Stunden hier geleistet haben, ist faszinierend. Aus vielen sprudeln die Lobeshymnen nur so heraus und die Reporter vom regionalen Fernsehen sind dankbare Zuhörer. Aber: mit Worten beschreiben kann man einen solchen Lauf nicht, man muß ihn erleben mit allen Facetten und Muskeln des Körpers.

 

Bei der anschließenden Siegerehrung, wo  die italienischen LäuferInnen mit der Nationalhymne geehrt werden, ist jeder ein Teil dieser SkyMarathon Familie, egal ob Aktiver oder Zuschauer. Nur gemeinsam kann eine derartige Strapaze bewältigt werden und als dann im Festzelt das Finishermenü kunstvoll fürs Auge  mit italienischen Spezialitäten serviert wird, da weiß ich, wie der Qualitätsbegriff „Bella Italia“ entstanden ist. Mit  Helmut Schiessl, der mit seiner humorvollen Allgäuer Art bei der Siegerehrung in Lederhosen besonders gut ankommt, bin ich der Meinung: Ti amo Sentiero delle Grigne per sempre.

 

SkyMarathon Sentiero delle Grigne, ca. 120 km von St. Moritz entfernt, 30 km von Lecco Immer im September 1 oder 2 Wochen nach dem Jungfrau Marathon, wieder am 21.09.2008 Marathon, 43 Kilometer mit 5.500 Höhenmetern
Halbmarathon, 21,5 Kilometer mit 2.500 Höhenmetern

www.gsamissaglia.it
www.fsa-sky.org/ita
www.international-skyrace.org

 

Marathon  Frauen

1. Corinne Favre, Frankreich      5:58:07
2. Emanuela Brizio, Italien         6:09:50
3. Daniela Gilardi, Italien           6:28:57

 

Marathon Männer

1. Kilian Jornet, Katalonien        4:43:54
2. Mitja Kosovelj, Slowenien     5:00:10
3. Fabio Bonfanti, Italien            5:09:23

 

Halbmarathon Frauen

1. Mateja Kosovelj, Slowenien   2:20:33
2. Angela Baronchelli, Italien     2:22:57
3. Lucija Krkoc, Slowenien        2:29:45

 

Halbmarathon Männer

1. Lucio Fregona, Italien               1:58:11
2. Helmut Schiessl, Deutschland  2:00:39
3. Mikhail Mamleev, Russland    2:02:28

 


 

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