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6 Foot Track: Berglauf in den Blue Mountains

13.03.10

Unzählige Male gestolpert, viele Überraschungen, kein Sturz, dies ist meine erste persönliche Bilanz von der 45 Kilometer langen Strecke von Katoomba zu den Jenolan Caves.

Theoretisch 6 Fuss breit, zumindest was die maximale Breite betrifft, und wie jeder weiss, ist dies die nötige Breite, um mit einem Zwei-Pferdegespann überall durchzukommen (natürlich Englisch geprägt); daher der Name des kilometerlangen Weges. Von mir als Gondo-Event-Berglauf-Spezialist wurde dieses Hinauf-und-wieder-runter, River-und-Creeks per-Pedes-durchqueren völlig unterschätzt, aber ich durfte einer von den maximal 850 LäuferInnen am Start der diesjährigen Austragung sein.

Es fing am 1. Dezember 2009 um 0 Uhr an, als ich mich auf die Internet-Seite stürzte, um einen der limitierten Startplätze zu ergattern. 90 Minuten und zwei Computerabstürze später war ich bereits der 250. Angemeldete und schon am Mittag waren alle Startplätze vergeben, trotz der Erhöhung auf 1000 Glückliche, um mögliche Ausfälle zu kompensieren. Und natürlich eine unendliche Warteliste von Frustrierten. Allerdings für diese war es noch nicht ganz vorbei. Jeder Startende musste entweder bei der Anmeldung oder zwischen Anmeldung und Start die Qualifikationskriterien vorweisen können: Mindestanforderung war, den Marathon unter 4 Stunden zu bewältigen. Wie gewohnt bietet hier unten ein solcher Anlass die Möglichkeit Geld zu sammeln, um eine Organisation zu unterstützen, gegebenenfalls  das NSW Rural Fire Service, und auch zur zusätzlichen Finanzierung über Merchandising von allerlei Rennklamotten mit dem 6FT-Logo. Dies erklärt die langwierige Prozedur am PC für die Anmeldung und die regelmässigen E-Mails bis zum Start am 13. März 2010.

Endlich der ersehnte 13. März, glücklicherweise ein Samstag. Nach 3,5 Stunden Schlaf war um 1:30 Uhr früh morgens Tagwacht. Der Weg von Pennant Hills zu Katoomba ist entfernungsmässig nicht einmal 100 Kilometer, aber mit öV in Australia fast eine Weltreise. Dazu kam die Meldung, dass auf die CityRail Western Strecke Arbeiten durchgeführt werden, gerade an diesem Samstag und dass der Zugsverkehr mit Bus gewährleistet wird. Auf jeden Fall sollten wir mit einer zusätzlichen Stunde rechnen.

Erster Nachtbus planmässig 2:26 Uhr. Gut zehn Minuten früher war ich am Bahnhof, kämpfte mich gegen die renitente „Katoomba“ Taste des Automaten durch und mit gültigem Fahrausweis in der Tasche wartete ich auf dem Coach bei der Busstation. 2:30 Uhr, kein Bus in Sicht und erste Zweifel kommen auf. 2:40  Uhr und noch immer nichts. Könnte es sein, dass ich am falschen Ort warte?

Zurück zur Wohnung, PC an, NSW Transport Homepage und Abfrage der Detailkarten. Bingo! Ich stand auf der falschen Seite des Bahnhofs! Erneute Abfrage einer neuen Buskombination und siehe da, die rechtzeitige Ankunft sollte noch immer drin liegen. Um 3:29 Uhr mit nur wenigen Minuten Verspätung kam der Bus. Wen wundert’s, erwartungsgemäss war ich zu dieser frühen Stunde der einzige Fahrgast und ich erklärte dem Chauffeur mein Ziel, Katoomba über Burwood.

Zunehmend kamen neue Gäste hinzu. Nähe Burwood schaltete ich mein GPS auf dem Handy zur Kontrolle ein. Als wir relativ lange, nach meinem Gusto zu lange auf der Parramatta Road fuhren, ging ich zum Fahrer und fragte wieder nach. „Do not worry, mate, we are quite far, you should go over Central!” war seine Reaktion. Ich versuchte zu erklären, dass ich auf der anderen Strassenseite den Bus N70 nach Blacktown nehmen sollte. Der Fahrer liess mich bei der nächsten Station hinaus und ich sah auf der anderen Strassenseite gerade den N70-Bus. Bis ich dort ankam, fuhr er gerade weg.

Jetzt hatte ich ernste Zweifel, überhaupt noch rechtzeitig am Start zu sein. Es gab keine Informationen oder Fahrpläne über Nachtbusse. Nur ein paar Besoffenen und einige ausgeflippte Mädchen auf dem Rückweg nach Hause. Frustriert ass ich meine mitgenommenen Brötchen. 20 Minuten später, -Glück!-, kam der nächste N70-Bus nach Blacktown. Ich war zwar noch immer etwa 90 Kilometer entfernt, aber ich sah wieder Licht am Ende des Tunnels, es doch noch rechtzeitig zu schaffen.

Von Blacktown aus ging es mehr oder weniger nach Erwartung und nach zwei weiteren Busswechseln kam ich um 7:15 Uhr in Katoomba an. Wie komme ich jetzt aber bis zum Park’n’Ride, wo die Shuttle die Läuferschar zum Start bringt? Zwei Kilometer zu Fuss, gerade noch zeitig um die Startnummer zu fassen, (Startnummer 463! Was würde hier wohl Ruth mit ihrer Numerologie dazu sagen?), am Leibchen fixieren, die Jeans ausziehen und im Rucksack verstauen, den Rucksack abgeben und schon steige ich mit den letzten Personen im letzten Shuttle zum Start.

Die zwei ersten Wellen waren schon weg. Zum Glück startete die dritte Läufergruppe um 8:20 Uhr, sonst wäre für mich das Spektakel schon vorbei gewesen. Es war bedeckt und trocken, aber doch etwas kühl in den Bergen. Noch 5 Minuten bis zu meinem Start. Auf einem Tisch standen Vaseline und Sonnencreme zur Verfügung. Ich schützte noch die heiklen Bereiche mit Vaseline und ganz optimistisch strich ich mir die Arme mit Sonnencreme ein. Sicherlich würde dies nicht schaden, denn die Sonne hier unten kann sehr angriffig sein.

Startschuss der dritten und vorletzten Welle. Es ging ganz gemütlich los. Gemäss Beschreibung nach wenigen hundert Metern mussten schon Treppen steil hinunter gehen und dort war zu erwarten, dass es Stau gibt. Und genau so war es, ein ziemlich schwieriges Gelände, mit vielen Steinen, Wurzeln und vielen Pfützen. Es erinnerte mich stark an meine Trainingsparcours in den Wäldern rund um Pennant Hills. Ich gab mir enorm Mühe die Schuhe und somit die Füsse nicht nass zu bekommen. Es war hingegen nicht hektisch und ganz fair im Feld. Wenn es nicht weiter ging, wurde gewartet und geplaudert. Es war schlussendlich noch ein langer Weg bis zum Ziel.

Dann ging es gerade aus, ziemlich flach, durch riesige Wälder von Eukalyptusbäumen (Blue gum trees), die die typische Farbe und somit den Name diesem Gebiet geben. Eine Frage war noch immer offen: Wie werde ich den Cox’s River überqueren? Schuhe und Socken ausziehen oder wie die Hartgesottenen einfach durch. Gemäss Beschreibung sollte das Wasser vom Knie bis zum Oberschenkeln reichen.

Dann wurde der Weg schmaler; ich dachte an die englischen Pferdegespanne und schmunzelte. Es war etwa wie bei uns auf den Alpenwegen mit Durchquerungen von Weiden für Angus Rinder. Hier ging es nur noch in Einer-Kolonne vorwärts. Bei Kilometer 7.5 war die obige Frage beantwortet, denn vor mir lag der Megalong Creek angeschwellt vom Regen der letzten Tage. Da musste ich wie alle andern durch und ich versuchte mit wenigen Sprüngen, möglichst schonend so wenig Wasser wie möglich in die Schuhe zu schöpfen.

Der schmale Weg ging mit Auf und Abs gemächlich weiter, bis wir zum Rande eines Tales kamen. Irgendwo dort unten sollte der Crox’s River sein. Man hörte unten das Wasser fliessen. Fast unerwartet war die Überquerung da und irgendwo in der Gegend, ich habe sie nicht gesehen, musste die für uns verbotene Hängebrücke sein. Ich sah nur noch die zehn Meter Wasser vor mir, die zu durchqueren waren, und die Leute, die bis zur Brust im Wasser an einer dicken, dank den Kunststoffkugeln schwimmenden, Leine hingen. Ich wagte mich langsam hinein und das Wasser stieg und stieg. Darüber hinweg war es 20-millimeter eiskalt. Die Startnummer verschwand im Wasser und der Wasserspiegel reichte bis zu den Brustwarzen, als es endlich der Aufstieg auf dem gegenseitigen Ufer anfing.

Es war keine Zeit mehr zu überlegen. Schuhe ausziehen? Wozu? Einige Läufer versuchten das Wasser aus den Schuhen zu drücken. Die meisten gingen jedoch einfach weiter. Nun war es richtig „cool“ mit den durchnässten Klamotten. Zum Glück war es jetzt recht sonnig geworden. Der Weg wurde breiter und alsbald fing der brutal lange Anstieg an. Dazu kamen die schweren, durchnässten Laufschuhe.

Mittlerweile hatte ich herausgefunden, dass alle 5 Kilometer kleine Tafeln für Wanderer standen. Bei Kilometer 20 wusste ich, dass ich für den letzten 5-km-Abschnitt ca. 50 Minuten gebraucht hatte. Ich fing an zu rechnen, wie hoch meine Chancen sind, noch innerhalb der vorgegebenen max. 7 Stunden am Ziel zu sein. Beim Aufstieg hatte ich die zwei 7-Stunden Pacemakers der Vorwelle überholt. Dies hiess, ich hatte eigentlich nur 10 bis 15 Minuten Reserve. Die Schuhe fingen gerade an, vom nassen wieder in den feuchten Zustand zu kommen, als ich an den Alum River kam. Dann war es wieder soweit! Der Parcours schlängelte sich und wir kamen insgesamt drei Mal dazu, frisches Wasser mit den Schuhen aufzufangen, bevor es wieder brutal hochging Richtung Pluviometer.

Die Müdigkeit setzte langsam ein und trotz des gemütlichen Weges hinauf war es kaum mehr möglich zu joggen. Es war nur noch ein ständiges Wechseln zwischen schnellem Gehen und Herumhopsen. Ich sah jeweils immer mit Erleichterung den nächsten Verpflegungsstand. Sie waren zahlreich, ca. alle 2.5 km, und freundlich betreut von den NSW RFS Leuten.

Nach 5 Stunden erreichte ich endlich Kilometer 35. Jetzt dürfte eine Ankunft innerhalb der vorgeschriebenen Zeit mit der „ersehnten“ Medaille definitiv drin liegen! Es ging zuerst gemütlich abwärts und ich begann wieder zu joggen. Nur noch wenige Aufstiegsstellen waren mit Laufen zu bewältigen. Auf einer Tafel war „3 km bis zum Ziel“ zu lesen und der Weg ging nun ganz steil hinab. Unten im Tal hörte man schon den Speaker. Der Weg ähnelte dem Gondo-Event. Endlich waren sie da, die Jenolan Caves. Eigentlich nur ein kleiner Touristenort zwischen den Bergen, aber für mich eine riesige Erleichterung und Freude zugleich! Ich stoppte ganz glücklich meinen Chronometer bei 6h35’35’!

Der Weg zurück nach Katoomba wurde mit Shuttle organisiert und dauerte mehr als eine Stunde. Vor mir hatte ich nun aber noch die Rückkehr nach Pennant Hills, zuerst mit dem Bus und danach von Blacktown mit dem Zug. Jetzt fing es an zu regnen ...

Fazit: Es gibt auch anstrengende und attraktive Bergläufe auf dem australischen Kontinent und wie bei uns in Europa gilt, wer sich besser vorbereitet, kommt auch besser durch!

 


 

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