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Laufberichte

50 Km Skyline to the Sea Trail Run

12.10.13

100% Trail – 110% Natur


Samstag, 12. Oktober 2013, 4.30 Uhr morgens in San Mateo bei San Francisco in Kalifornien. Der Wecker klingelt, aber ich bin schon wach, denn 9 Stunden Zeitverschiebung bringen dies mit sich. Im Internet hatte ich von den tollen Pacific Coast Trail Runs gelesen, von denen jedes Jahr 8 Läufe an unterschiedlichen Terminen stattfinden. Dieser passte genau in mein Reiseschema und schien landschaftlich sehr schön zu sein. Wie schön, darf ich heute erleben.

Doch noch ist sehr früher Morgen. Also schnell fertig machen und die Wettkampfklamotten anziehen. Draußen sind es noch recht frische 8 Grad, doch es soll rasch wärmer werden, sobald die Sonne aufgeht. Also warme Klamotten erst mal drüber. Auf dem Zimmer schnell noch einen Kaffee gekocht, ein paar Müsliriegel dazu und fertig. Es geht los.

Etwas aufgeregt bin ich schon, denn die Beschreibungen im Internet sind recht spärlich und man muss erst zum Pickup Point der Shuttlebusse fahren. Der war einfach angegeben mit Highway 1, 2 Meilen hinter Rancho del Oso. Naja fürs GPS reicht das nicht, aber es ist noch ein Waddell Beach angegeben, der in Zielnähe liegt. Also früh losfahren, denke ich. Wird schon irgendwie ausgeschildert sein. Es sind ungefähr 1,5 Stunden zu fahren und der Highway führt entlang der Küste. Ortschaften – Fehlanzeige. Natürlich alles noch dunkel.

Dann irgendwann, ich denke, ich wäre schon zu weit, ein Schild Waddell Beach. Also ab jetzt noch langsamer und konzentrierter. Dann ein zartes Blinklicht am rechten Standstreifen und ich bin angekommen. Dort steht der Race Director John Brooks persönlich, um alle in Empfang zu nehmen. Er begrüßt mich recht herzlich und gibt mir noch die letzten Instruktionen: Busfahrt zum Startpunkt in den Bergen (Skyline) dauert ungefähr 90 Minuten. Warme Sachen kann man oben in seinen Truck legen.

Dann kommen auch schon die 4 Busse, die die Teilnehmer (42 km und 50 km) zum Start bringen sollen. Natürlich nicht wie bei uns Reisebusse, sondern wie ich es schon von anderen amerikanischen Läufen her kenne: echte gelbe (äußerst unbequeme) Schulbusse, die eben für etwas kleinere Erdenbürger gebaut sind. Insgesamt sind fast 200 Teilnehmer da, wovon gut 130 die 50 km angehen wollen. Bei km 25,5 kann man sich jedoch auch noch für die 42 km umentscheiden. Wenn man zu langsam ist, wird man automatisch auf die 42 umgeleitet.

 
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Also rein in die Busse, Abfahrt pünktlich um 7 Uhr. Immer noch dunkel. Wir versuchen, es uns so gemütlich wie möglich zu machen und noch ein paar Minuten zu schlafen. Haut irgendwie nicht so richtig hin. Aber langsam wird’s hell und man sieht etwas von der tollen Pazifikküste, bevor wir in die Berge abbiegen.

Der Start des Trailruns liegt am sogenannten Saratoga Gap im Saratoga Basin, dem ältesten Park in Kalifornien. Der Trail ist von dort aus genau 42 km lang und führt durch die Santa Cruz Berge bis zum Waddell Beach und ist hervorragend mit hölzernen Trailmarkern ganzjährig gekennzeichnet. Für die Veranstaltung selber haben die Organisatoren die Strecke zusätzlich noch mit pinkfarbenen Bändern markiert. Besonders wichtig ist für die Ultras, dass bei km 25,5 eine Schleife von 8 km über den Dool und Sunset Trail mit orangen Bändern zu laufen ist. Doch dazu später mehr.

Am Start angekommen (ein kleiner Parkplatz, von dem mehrere Trails starten), geht direkt der „Run“ auf die Toilettenhäuschen los. Die Startnummernausgabe ist jedoch recht unkompliziert. Einfach Nummer abholen fertig. Daneben steht dann ein Tisch mit allem, was man noch braucht (Sonnencreme, Sicherheitsnadeln, Gatorade, Wasser, Vaseline etc.) zur Selbstbedienung. Dann, als alle soweit sind, folgt noch eine kurze Ansprache von John, mit den wichtigsten Details zu den VPs, die in etwa alle 9 bis 12 km zu finden sind, und der Hinweis, dass beim gestrigen Markieren der Strecke keine Wespen störten. Auch sei der Trail in hervorragendem Zustand. Es hat hier schon seit Monaten nicht geregnet und die Waldbrände in Kalifornien, die gerade erst gelöscht waren, hatten diesen Teil zum Glück verschont.

 
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Klingt ja alles vielversprechend. Wir gehen noch ein paar Meter zum eigentlichen Start, der übrigens auf 900 müNN liegt, und dann geht es auch schon los, und zwar direkt mit einer Staubwolke, so trocken ist es also wirklich.

Es sollte zunächst erst mal ca. 8 Km bis zur ersten Verpflegung bergab gehen. Soweit die Theorie, denn nach 600 Metern geht es schon mal wieder hoch, Typisch Trail also, sehr wellig. Doch das hat den Vorteile, dass wir hier oben schöne Ausblicke auf die Santa Cruz Berge mit ihren Squoia Redwoods (den höchsten Bäumen der Erde) genießen können. Und dann geht es schließlich doch bergab und das Feld verteilt sich recht schnell. Der Untergrund hat es in sich und macht das Laufen nicht unbedingt leichter, aber die Natur um einen herum ist phantastisch.

Erstaunlicherweise hört man hier in den Bergen eigentlich überhaupt keine Geräusch, kein Zirpen, kein Rascheln, nur ab und zu die Stimme eines Adlers oder einer Amsel, oder das Hämmern eines Spechtes. Ich bin gerade mal 6 km gelaufen, als mich irgendetwas in Arme und Beine sticht.  Instinktiv spurte ich los, schlage mit meiner Mütze nach den Wespen und kann so gerade noch entkommen. Da war wohl einer der Läufer vor mir auf ein Nest getreten. Alle Läufer, mit denen ich in nächster Zeit in Kontakt komme, haben einen oder mehrere Stiche abbekommen. Die Stiche schwellen zum Glück nicht an, aber tun doch erheblich weh. Also weiter zur ersten Verpflegung bei km 10,5. Dort gibt es dann totale Vollverpflegung: Nüsse, Smarties, Powergel, Powershots, Salzstangen, Salztabletten, Cola, Gatorade, Gingerale und Wasser. Also in vollen Zügen genießen und die Trinkflaschen auffüllen und schon geht es weiter. Und zwar knapp 400 Höhenmeter bergan.

 
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Die ersten Sequoias lassen sich blicken und machen ihrem deutschen Namen Mammutbaum alle Ehre. Sie können bis zu 130 Meter hoch werden und bis zu 10 Meter breit. Einige Bäume sind über 2000 Jahre alt. Aufgrund bestimmter ätherischer Öle sind die rötlich gefärbt, weshalb sie auch „Redwoods“ genannt werden. Insekten usw. mögen diese Öle wohl nicht. Außer den Wespen sind jedenfalls keine auszumachen. Auch die häufig auftretenden Waldbrände können den Ungetümen nicht viel anhaben, denn in ihrer bis zu 30 cm dicken Rinde speichern sie jede Menge Wasser. Brennt trotzdem mal einer ab, wächst aus den Wurzeln schnell ein neuer Baum nach. Allerdings fallen schon mal Bäume Stürmen oder kleinere Erbeben zum Opfer, die nur dann nur grob beseitig werden und auf dem Trail natürliche Hindernisse darstellen.

Am Verpflegungspunkt 2 am China Gap angekommen, kann ich mich wieder am reichen Sortiment bedienen und es geht wieder rasch weiter. „Rasch“ ist hier aber, denn nach 18 km lese ich eine Zeit von 2.48 Std. ab. Jetzt begreife ich, dass die Sollzeit von 9 Stunden durchaus angebracht ist.

Meistens bergab wird am  VP 3 km 25 erreicht. Ich bin genau 4 Stunden unterwegs.  Man teilt mir freudig mit, dass ich der letzte Läufer bin, den man auf die Zusatzrunde lässt. Ungefähr 20 Läuferinnen und Läufer hinter mir bleibt dies zwangsweise „erspart“. Sie müssen sich an diesem Tag mit einem Marathon begnügen, während ich glücklich auf dem Ultrakurs weiterlaufe.

3 km mit 300 HM geht es nur bergauf. Mittlerweile ist die Temperatur auf über 26 Grad angestiegen und der helle Sandstein unter unseren Füßen reflektiert die Sonnenstrahlen so sehr, dass man meint, in der Wüste zu laufen. Oben angekommen, gibt es wieder tolle Ausblicke auf die Montery Bay und den Pazifik, und nach einen weiteren Kilometer sehe ich zum ersten Mal ein kleines Rinnsal, den Gozo Creek.

Extrem steil geht es ab hier  2 km bergab. Erschwerend blockieren viele umgestürzte Bäume den Trail fast völlig. Aber Kletterei schreckt keinen echten Trailer.  Ich kann auf dieser Runde drei Läuferüberholen und komme wieder zum VP3 an, wo mir zur Belohnung ein paar schmackhafte Wraps zubereitet werden. Wer kann diesen Service toppen?

 
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Hier noch einmal alle Vorräte auffüllen, denn das nächste Stück bis zu VP 4 ist fast 14km lang. Hier stehen die größten Redwoods weit und breit, fast 110 Meter sind sie hoch. Als weiteren Höhepunkt dürfen wir dann noch den Berry Creek Wasserfall passieren, bevor wir den flachen Teil des Trails erreichen, der uns zum letzten VP 3 km führt. Man kann schon fast das Rauschen des Pazifiks hören und sich denken: Jetzt gemütlich und genussvoll auslaufen. Doch dann kommt schon eine weitere, diesmal aber letzte Steigung. Zum Ziel zur Rancho del Oso, einer Rangerstation auf der landzuwandten Seite des Highways No.1 auf dessen anderen Seite der Waddell Beach liegt, geht es nur noch bergab.

Nach 8 Stunden und 10 Minuten, ca. 50 km und +1000 und -2000 HM hab ich den Pazifik erreicht. Hier gibt es heiße Suppe, das Finisher-Shirt und das Busshuttle zum Parkplatz, auf dem wir unsere Autos vor langer Zeit abgestellt haben.
Ein harter aber absolut erlebnisreicher Trail, den ich nicht vergessen werde und den ich nur empfehlen kann.

 


 

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