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Laufberichte

147 km von Stettin nach Kolberg

 

3. Ultramarathon 147ultra.pl von Szczecin (Stettin) nach Kolobrzeg (Kolberg) in Polen: Läufst du noch oder walkst du schon?!?

Immer wieder gibt es ja Diskussionen über das Tempo bei Ultraläufen. So sind viele empört über den Einwand, dass, gemessen an den Zielzeiten, mancher Lauf  ja eher ein Wandern gewesen sein muss. Beim 147ultra.pl wird ein für alle Mal Abhilfe geschaffen. Es darf jeder starten, das Limit von 48h ist großzügig. Aber nur wer unter 24h finisht, gilt als Läufer und bekommt die heißbegehrte Läufermedaille. Danach werden die Medaillen getauscht und alle, die jetzt ankommen,  sind laut Aufschrift Wanderer.

Wir starten hier nun schon zum zweiten Mal und gehen auf die Strecke von Stettin nach Kolobrzeg. Im letzten Jahr waren es noch 147km, aufgrund einer Baustelle sind es nun aber 152km.

Fand der Start letztes Jahr noch recht unspektakulär auf dem Platz Orla Bialego statt, so ist er nun in das Schloss der Pommerschen Herzöge verlegt worden. Die Kusnierska-Straße mit dem gotischen Gefängnisturm und dem Barockeingangstor führen in den Schlossinnenhof , der heuer die großartige Kulisse rund um den 147 Ultra gestaltet.

 
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Das neue Ambiente passt nun auch zu der Veranstaltung, denn dieses Jahr ist das Starterfeld mehr als doppelt so groß als letztes Jahr. Von 235 gemeldeten Läufern stehen 175 am Start. Die Teilnahme ist in diesem Jahr kostenlos, nur eine Kaution von 50 Zloty (umgerechnet ca. 14 EUR) ist zu entrichten. Diese bekommt man zurückerstattet, wenn man zum Start antritt.

Das Schloss wurde durch die Bombenangriffe der Alliierten im zweiten Weltkrieg total zerstört. Es dient zurzeit den Einwohnern von Stettin als Kulturzentrum. In den geräumigen Gemächern des Schlosses werden zahlreiche Ausstellungen organisiert. In der ehemaligen Schlosskapelle gibt es Konzerte mit Orgel- und Chormusik, in einem der Säle in der ersten Etage mit Kammermusik und im Innenhof finden viele Kulturveranstaltungen statt. Das Schloss wurde auch zum Sitz der Oper- und Operette sowie des Wojewodschaftsparlamentes der Wojewodschaft Westpommern.

An der großen Bühne im Innenhof werden die Startunterlagen ausgegeben und obwohl die Strecke gut markiert ist, bekommt  jeder Läufer ein Road Book. Es gibt 6 Verpflegungspunkte unterwegs und jeder Läufer kann dort Drobbags deponieren lassen.

Pünktlich um 18 Uhr geht es los, der Läufertross setzt sich, wie bei Ultras üblich, gemächlich in Bewegung. Die Sonne hat den ganzen Tag geschienen und die Stadt und der Asphalt sind dementsprechend aufgeheizt.

 
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Es geht zunächst stadtauswärts parallel zur A10 Richtung Danzig. Brücken führen uns über den Fluss Odra (Oder), der in Stettin in die Ostsee fließt. Auf der A10 neben uns ziehen immer wieder hupende Autos vorbei, um uns Läufer anzufeuern.

Nach etwa 8 km führt uns die Strecke weg vom Asphalt auf Wald- und Wirtschaftswege. Es geht jetzt durch die Puszcza Goleniowska (Gollnower Heide) nach Sowno zu unserem ersten Verpflegungspunkt (VP) bei 32 km.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir Sowno. Vor dem Gebäude leuchtet ein großes Lagerfeuer. Hier gibt es Isogetränke, Wasser, süße Teilchen und Obst. Wer möchte, bekommt von den Helfern Kaffee, Tee o.ä.

Schnell werden Getränke aufgefüllt und die Ausrüstung für die Nacht gerichtet. Beim Verlassen des VP entdecken wir eine Helferin, die wir vom letzten Jahr her kennen. Sie hat uns ein Bosmann (pol. Bier) besorgt, welches wir natürlich gerne annehmen bevor wir weiter müssen.

Dann geht es zunächst an einer Landstraße entlang weiter. Gut beleuchtet setzen wir unseren Weg auf der linken Seite fort. Aus dem Nichts taucht ein Streckenposten auf, der uns den Weg in den Wald weist. Wir freuen uns sehr darüber  und sind beeindruckt, dass auf einem perfekt markierten,  152 Km langen One- Way-Kurs in der Nacht auch noch Helfer für uns bereit stehen.

Wir laufen gemütlich weiter durch die Nacht nach Masewo und sind bei Km 52 an einer weiteren Verpflegungsstation, die nichts zu wünschen übrig  lässt. Als wir eintreffen, staunen wir darüber, wie viele Läufer schon ausgiebig pausieren müssen. Die Abendhitze hat doch einigen die Kraft genommen.

Wir befüllen unsere Trinkblasen, pudern unsere Füße und wechseln die Socken. Für uns geht es weiter nach Nowogard zu VP 3 (KM 73).  Hier sind wir ziemlich alleine unterwegs. In einem der zahlreichen Tümpel tummeln sich unzählige Frösche, die mit lautem Quaken die laue Sommernacht feiern.

 
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Ca. 10 km vor VP 3  kommen wir auf eine Straße, die sich leicht bergab bis Nowogard zieht. Die Sonne geht langsam auf und wir sehen keine einzige Wolke. Wir freuen uns zwar über die Helligkeit, erkennen aber gleichzeitig, dass die Sonne im Laufe des Tages wohl ein Problem werden könnte.

Im Kulturzentrum von Nowogard ist der 3. VP eingerichtet. Es gibt wieder Iso, Wasser, Kaffee, Tee, süsse Teilchen und Obst. Auf dem Boden sind Matten ausgelegt für Läufer, die ein wenig ruhen wollen. Hier haben wir uns auf eine größere Pause eingestellt. Die Helfermädels machen uns extra heißes Wasser für die Brühe, die wir mitgenommen haben. In unseren Dropbags haben wir Wechselschuhe und frische Socken die jetzt genau zur rechten Zeit zum Einsatz kommen. Nach reichlich Essen, Trinken und Füße versorgen brechen wir wieder auf.

Als wir Nowogard verlassen, ist die Sonne bereits voll aufgegangen und lacht uns an.
Kurz nach dem Ortsausgang geht es wieder auf einen Wirtschaftsweg. Die Wege sind sandig, feiner weißer Sand, wie am Strand. Der Sand rieselt durch alle Fasern im Schuh und hinterlässt seine Spuren.

Es geht weiter nach Ploty (VP 4 - KM 95), es gibt kaum Schatten und die Sonne brennt bereits um 8 Uhr gnadenlos. Letztes Jahr wurden wir am Morgen von Moskitos praktisch aufgefressen.  Das passiert uns diesmal nicht,  wir haben mit entsprechender Insektenabwehr aufgerüstet.

Der VP in Ploty ist ein Kiosk.  Es gibt Wasser und Bananen gratis. Für kleines Geld kann man sich  Suppe, Grillwurst, Bier, Cola o.ä. kaufen. Auch hier sammeln wir wieder Läufer ein, die eine längere Pause brauchen. Wir gehen zügig zurück auf die Strecke Richtung Brojce zu VP 5 (KM 115). Es geht jetzt  auf Feldwegen weiter. Schatten gibt es keinen und die Sonne brennt erbarmungslos.

Unsere Getränkevorräte sind längst aufgebraucht, als wir endlich das Versorgungszelt in Brojce erreichen. Jetzt erst mal Wasser zur Abkühlung. Im Schatten füllen wir unseren Trinkrucksack auf. Es gibt auch heißes Wasser für unsere Brühe. Die Mädels haben für uns Beutel mit Brötchen und Waffeln zurechtgemacht. Recht zügig zwingen wir uns aus dem Schatten des Zeltes zurück auf die Strecke und in die erbarmungslose Sonnenglut.

Bis zum nächsten VP sind es 20 km, frisch aufgetankt kann es dann weiter gehen. An einer Haltestelle haben Dorfbewohner 5-6 Flaschen mit Wasser für die Läufer deponiert, an einer anderen Stelle hat man für uns eine "Barbietankstation" gebastelt mit Obst und Wodka. Weiter geht’s nach Byszewo (VP 6 - KM 132).  Auf der Strecke treffen wir immer wieder Läufer, die am Wegesrand im Schatten liegen, Pause machen oder aufgeben. Später werden wir erfahren, dass nur 105 Läufer das Ziel erreichen. Ein Läufer muss sogar ins Krankenhaus und dort für 5 Tage bleiben.
In Byszwo angekommen, tanken wir Wasser auf, obwohl dies langsam nicht mehr so recht in den Körper will. Wir haben für solche Fälle immer einen Notschnaps dabei  (Biggi ihren Prosecco).

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Mit drei weiteren Läufern machen wir uns nun auf die letzten 17 Km. Zunächst schlappen wir gemeinsam weiter, bis jeder wieder seinem eigenen Rhythmus folgt.
Etwa  6 km vor dem Ziel erreichen wir die Bebauung von Kolobrzeg. Es geht durch den Vorort Richtung Stadion und wegen einer Baustelle um das Stadion herum. Die Strecke verläuft nun entlang an der Flusspromenade des Parsęta. Mittlerweile haben wir die 24 Stunden überschritten und der Fluss präsentiert sich malerisch in der Abendsonne.  Als Läufer kommen wir heute sowieso nicht mehr an, deshalb können wir in aller Ruhe Bilder machen und diesen neuen Streckenabschnitt genießen. Die zwei letzten Kilometer sind wieder auf bekanntem Kurs: Nur noch wenige Meter und man kann am Balkon des Sanatoriums SAN das Banner mit der Aufschrift META (dt.: Ziel) sehen.

Die Treppen rauf und rein ins SAN. Geschafft!

Nach 25:52h finishen wir den dritten 147 Ultra. Und was glaubt ihr,  welche Medaille man uns gibt??

Im Ziel gibt es Piwo für alle Läufer und einen separaten Raum, in dem die Helden des Tages endlich schlafen und von neuen Heldentaten träumen können  ...

 


 

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