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Laufberichte

Winter auf der Alb

 

Seit Tagen zeigt sich der Herbst von seiner schönsten Seite: der morgendliche Nebel löst sich auf, und die Sonne taucht das Herbstlaub in malerisches Licht. Die Temperaturen klettern am Nachmittag auf sagenhafte 20 °C. Der Albmarathon über die 3 Kaiserberge kann kommen.

Doch der Wetterbericht verheißt Übles: von plötzlichem Wintereinbruch ist die Rede! Bis in die Niederungen soll es schneien.

Am Samstagmorgen ist es soweit. Mein Mann Norbert wagt den ersten verschlafenen Blick aus dem Fenster: es schneit tatsächlich. Da der Boden noch warm ist, trauen wir uns, trotz Sommerreifen, auf die einstündige Fahrt nach Schwäbisch Gmünd.

Das Stauferstädtchen mit dem jetzt auch bundesweit bekannten Freibad (Bud Spencer Bad) empfängt uns mit Regen. Wir finden einen Parkplatz am Kongresszentrum (wie sich später herausstellt im Parkverbot), wo es nach dem Lauf Duschen und Massage gibt. Schilder weisen den Weg zum Johannisplatz. Dort ist Start und Ziel des Laufes.

Auf dem historischen Platz mit den vielen Fachwerkbauten haben die Veranstalter eine Zeltstadt aufgebaut. Hier befinden sich die Zielverpflegung und die Gepäckabgabe. Unübersehbar dominiert den Platz die imposante Johanniskirche. Im Reiseführer könnte man jetzt nachlesen, dass beim Bau des romanischen Glockenturms ein Konstruktionsfehler auftrat. Deshalb hat der Turm eine Schrägstellung von einem Meter. Ich dachte schon, dass das an meinem Weitwinkelobjektiv liegt.

 
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Das Wettkampfzentrum befindet sich im Prediger, einem ehemaligen Dominikanerkloster. Wenn nicht gerade Albmarathon ist, dient es als Kulturzentrum. Außerdem gibt es auch das „Museum im Prediger“. Bei einem Rundgang bekommt man einen Einblick in die Kunst und Kulturgeschichte, sieht Funde aus der Eis-, Römer- und Stauferzeit bis hin zu Schmuck und Malerei der Neuzeit. Es zählt zu den ältesten Museen in Baden-Württemberg.

Heute ist in den heiligen Hallen anderes geboten. Zwischen den Säulen und in den Gängen machen es sich die Läufer bequem. Im großen Treppenhaus sind die Ausgabe der Startunterlagen und die  Wertsachenabgabe. Unter der prunkvollen Treppe bietet die Verkaufsniederlassung eines großen Sportartikelladens seine Waren an und weiter hinten, etwas versteckt, liegt der viel besuchte Stand des Rennsteiglaufvereins. Hier können die Läufer des Europa-Cup der Ultramarathons (ECU) ihre Trophäe abholen. Dieses Jahr ist es eine schicke schwarze Mütze mit dem Logo des ECU.

Hauptgesprächsstoff ist das Wetter und daraus resultierend die Wahl der Kleidung. Das Gros der Läufer hat sich warm eingepackt: Jacke, lange Laufhose, Mütze, Schlauchtuch und Trekkingschuhe sieht man am häufigsten. Es gibt aber auch die Unerschrockenen. Wir sehen kurze bis sehr kurze Hose, halbe und gar keine Ärmel. Schon der Gedanke daran lässt mich schlottern. Einer preist seine Speedrace Schuhe für schnelle Zeiten an.

10 Minuten vor 10 Uhr leeren sich die Räumlichkeiten. Gepäck abgeben ist jetzt schnell gemacht. Der abgesperrte Startbereich ist voll. Es sind wieder an die 700 Starter beim 25- bzw. 50-km-Lauf. Wir suchen im Getümmel den Eingang. Mir fällt auf, dass, trotz der Enge, jeder gut gelaunt ist, es wird gescherzt und gelacht. Vielleicht liegt es daran, dass es in der Masse so schön warm ist?

 
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Los geht es! Wir laufen die Bocksgasse entlang. Links geht es über den Marktplatz mit seinem auffälligen Renaissancebrunnen. Die Brunnensäule zeigt ein Doppelbild der Madonna im Stahlkranz (datiert 1686). Maria trägt auf der einen Seite das Jesuskind und betet auf der anderen als Unbefleckte. Der Brunnentrog (1776) führt die Wappen von zehn Gmünder Geschlechtern.

Wir laufen direkt auf ein schön restauriertes Fachwerkhaus zu. Er stammt aus dem Jahr 1434 und war das Hospiz der Spitalbrüder. Heute ist hier u. a. der  Info Point der Stadt Schwäbisch Gmünd untergebracht.

Immer in Hörweite der B29 geht es auf einem gut ausgebauten Wanderweg in westlicher Richtung an der Rems entlang, bis diese sich nach Norden hin verabschiedet. Seit einiger Zeit ist aus dem Regen feiner Schneefall geworden. Mit jedem Höhenmeter bleibt mehr von der weißen Pracht liegen. Die Wiesen und Bäume sind schon überzuckert.

Kurz nach km 5 überqueren wir die K3229. Hier, wie auch an den folgenden Straßen, halten Helfer den Verkehr auf, um den Läufern freie Bahn zu gewährleisten. Etwas später macht unser Weg einen Knick nach links. Wir laufen jetzt nach Süden. Bei km 7 erwarten uns die Helfer der ersten VP. Warmer gesüßter Tee ist bei dieser Kälte ein Genuss.

Nach einem längeren Anstieg erstrahlt das erste Highlight dieses herrlichen Laufs: über uns thront majestätisch Schloss Wäscherburg (kurz auch Wäscherschloss genannt). Zu seinen Füßen eine verschneite Wiese mit friedlich grasenden Pferden. Das ist Postkartenidylle pur.

Laut eigener Homepage ist das Wäscherschloss vermutlich das Vorwerk der einstigen Burg Büren. Und die Herren von Büren, die hier im 11. Jahrhundert saßen, nannten sich später Staufer. So liegt die eigentliche Wurzel der Staufer-Dynastie hier im Wäscherschloss. Die Anlage hat die vielen Jahrhunderte seit dem Mittelalter so gut überstanden, dass sie heute das Paradebeispiel einer „Stauferburg“ abgibt.

Kein Läufer kann sich diesem schönen Bild entziehen. So ist der steile Anstieg schnell geschafft.

Den Radweg neben der K1406 entlang, erreichen wir Wäschenbeuren und die 2. VP. Hier gibt es auch schon etwas zu essen: Bananen, Brot und Müsliriegel. Den heißen Tee kann man auf Anraten der freundlichen Helfer mit Wasser abkühlen und umgekehrt.

Auf freiem Feld geht es jetzt bergab. Der Wind pfeift unangenehm und die Schneeflocken peitschen einem ins Gesicht. Wohl dem, der sich jetzt mit Schlauchtuch oder Schal vor der Kälte schützen kann. Kurz vor km 15 macht der Weg einen Linksknick. Wir laufen jetzt nach Osten. Es geht bergauf und der Schneefall wird stärker.

Bald ist der Wald erreicht. Hier ist es wenigstens nicht mehr so windig. Ich traue meinen Augen nicht: der Weihnachtsmann ist unterwegs. Ein Läufer hat tatsächlich eine Nikolausmütze auf. Na denn: Frohe Weihnachten!

Auf halber Höhe steht im dichten Schneegestöber die 3. VP. Gut, dass man die leuchtenden Feuerwehruniformen auch im dichten Nebel erkennen kann. Die Jungs sind froh gelaunt, und wir Läufer sowieso. Noch machen uns die tanzenden Schneeflocken richtig Spaß.

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Informationen: Sparkassen Alb Marathon
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