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Laufberichte

''Do kriagst a Ganslhaut''

05.10.08
Autor: Klaus Duwe

Ja, ist denn schon Weihnachten?

Schaut man in Richtung der Berge, könnte man es glauben. Bis auf 800 m hat es geschneit. Am Bodensee ist es 5 Grad kalt, es regnet und hagelt und es ist windig. Aber das Obst an den Bäumen signalisiert, es ist Herbst. Also nur eine Wetterkapriole. Das sagen auch die Wetterfrösche. Dieter Heidegger vom Orgateam geht einen Schritt weiter: „Morgen haben wir schönes Wetter.“ „Meinst du wirklich?“ „Nein, ich weiß es: 16 Grad und Sonnenschein.“ Abwarten.

Kinderläufe am Samstag in  Bregenz

 
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Den Kleinen nutzt die Prognose für Sonntag nichts, sie müssen heute im Bregenzer Casino-Stadion zum Mini-Marathon ran. Wenigstens legt der Regen Pausen ein. Aber die 700 Kids stört das Wetter ohnehin nicht. Sie sind mit einem solchen Eifer bei der Sache, dass es einen Heidenspaß macht, zuzusehen.

Drei Länder grenzen an den Bodensee: Die Schweiz, Österreich und Deutschland. Die Marathonstrecke führt durch alle drei Länder, das Veranstaltungszentrum teilen sich Lindau (Deutschland) und Bregenz (Österreich).

In Lindau finden seit Freitag in der Inselhalle die Marathonmesse und im alten Rathaus das Gesundheits-Symposium mit vielen interessanten Themen statt. Die Pasta-Party teilen sich Deutschland und Österreich, denn sie findet auf der „Austria“ statt, die im Lindauer Hafen vor Anker liegt. Der Start für alle Läufe ist ebenfalls in Lindau, das Ziel in Bregenz.

Als „Dreiländer-Marathon“ gab es die Veranstaltung bereits seit 2002, allerdings führten  finanzielle Schwierigkeiten und Streitigkeiten in der Organisation 2005 zu dessen Ende. Nach einem Jahr Pause feierte man dann als „Sparkasse Marathon im Dreiländereck“ ein glänzendes Comeback. Zu verdanken ist es Dr. Peter Mennel, dem Chef der Bregenzer Sparkasse, der als OK-Vorsitzender die Zügel (und die Brieftasche) in der Hand hält. Selbst Nichtläufer, ist es dem Bänker ein Anliegen, den Menschen in der Region ein breitensportliches Highlight zu bieten. Mit über 4000 Läuferinnen und Läufern (davon mehr als 1000 Marathonis) scheint das gut gelungen. Dennoch rechnet man mit einer weiterhin deutlich positiven Entwicklung.

 
Dr. Peter Mennel, Banker, Sponsor und OK-Chef des Sparkasse Marathon im Dreiländereck
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Das sind keine Träumereien, denn der Sparkasse Marathon im Dreiländereck ist das ziemliche Gegenteil einer 08/15-Veranstaltung. Das hat sich, zumindest in deutschen Landen nur noch nicht herumgesprochen. Was den Teilnehmern schon vor dem Start geboten wird, ist Ausflüglern und Urlaubern eine lange Anreise wert. Geparkt wird der PKW auf den großen Parkflächen beim Casino Stadion. Das kostet ein paar Euro. Wer zeitig dran ist, bekommt in unmittelbarer Nähe einen Stellplatz auch zum Nulltarif. Dann pilgert man zur Seebühne und am See entlang zum Hafen. Dort wartet eines der komfortablen Schiffe der Bodenseeflotte und bringt die Läuferinnen und Läufer in 20 Minuten nach Lindau.

Lindauer Impressionen

 
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Die Fahrt ist ein Genuss, heute bei dem herrlichen Wetter (die Vorhersage war ein Volltreffer) ganz besonders. Ok, es hat nur fünf Grad über Null, aber die Luft ist klar und der Blick zurück auf Bregenz, die Seebühne, den Pfänder und die schneebedeckten Berge am Horizont ist sagenhaft und doch nur die eine Seite. Vor uns liegt Lindau mit ihrer auf einen kleinen Insel erbauten historischen Altstadt. 

Schon bald ist die Hafeneinfahrt mit dem Leuchtturm auf der einen und dem Bayerischen Löwen auf der anderen Seite zu erkennen. Direkt am Hafen ist das Startgelände, der Sprecher begrüßt die Ankömmlinge und die „Monroes“ spielen Musik aus den 60ern, handmade, authentisch, einfach klasse. An einem großen Verpflegungsstand  beim Mangturm gibt’s Obst und Getränke. Noch nie war warmer Tee so gut wie heute.

Informationen: Sparkasse 3-Länder-Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

Der Mangturm ist einer der ältesten Leuchttürme am Bodensee. Seine bunt glasierten Dachziegeln erhielt der 1180 erbaute Turm allerdings erst im 19. Jahrhundert. Direkt beim Turm liegt ein Schiff, das den Marathonis komplett als Umkleide zur Verfügung steht. Die Kleider werden gleich gegenüber abgegeben.

Man könnte hier leicht verweilen, sollte aber unbedingt einen kleinen Spaziergang in die Altstadt machen. Die vielen Häuser aus altem Fachwerk, mit Treppengiebeln, Zinnen und Erkern, muss man gesehen haben. Stößt man am Bismarckplatz plötzlich auf das etwas zurückgesetzte Alte Rathaus, bleibt man unwillkürlich vor Staunen stehen. Die prachtvolle, mit Motiven aus der Stadtgeschichte bemalte Fassade und die hölzerne Freitreppe sind einmalig schön. Wie der Mangturm gehört auch der Diebsturm zur im 12. und 13. Jahrhundert erbauten  Befestigungsanlage. Dass er einmal als Gefängnis diente, ist leicht zu erraten. Das Münster und viele andere Gebäude sind ebenfalls sehens- und erwähnenswert, jetzt aber zum Start. 

Marathontag - Lindau, vor dem Start

 
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11.11 Uhr soll der Startschuss fallen. Die krumme Zahl hat einen einfachen, aber nicht närrischen Hintergrund. Der Marathon wird im ORF-Radio Vorarlberg live übertragen und das geht erst ab 11.05 Uhr. Ein wenig Vorlauf muss schon sein und wenn schon krumm, dann richtig. „Ein bisschen verrückt sind wir doch alle,“ sagt man mir. Stimmt, Marathonis sowieso. Pünktlich geht’s los, Oberbürgermeisterin Petra Meier to Bernd-Seidl gibt den Startschuss.

 
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Nach bereits einem Kilometer hat man die kleine Insel schon fast durchlaufen, dann geht’s über die Seebrücke auf’s Festland und dort praktisch immer dem Seeufer entlang. Dass man dabei auch einige triste Industriegebäude passiert, stört gar nicht, denn rechts hat man den  Blick auf den See. Die Strecke ist bretteben und asphaltiert. Wer nicht schauen will, kann laufen auf Teufel komm raus. Auch am Grenzübergang (km 5,5) nach Lochau wird niemand aufgehalten.

Vor uns liegt der Pfänder, der 1064 m hohe Hausberg von Bregenz und DER Aussichtsberg der Region. Seit 1929 gibt es von Bregenz aus eine Luftseilbahn zum Gipfel, seit 1980 den Tunnel der Rheintalautobahn.

Die Seepromenade (km 9,5) strahlt in herbstlichen Farben. Sehr viele Zuschauer stehen hier entlang der Strecke und die Stimmung ist hervorragend. Wie in Lindau, so feiern auch in Bregenz die Menschen den Marathon durch die drei Länder, als gehöre er ausschließlich ihnen.

 
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Was jetzt kommt, ist der echte Hammer. Der Anblick des berühmten Festspielhauses, das sich nach Renovierung und Erweiterung jetzt als Kulturtempel von allererster internationaler Güte präsentiert, ist alleine schon imposant. Dazu kommen die vielen Zuschauer, durch deren Spalier die Marathonis, ja glaub’ ich’s denn,  hinauf zur Seetribüne laufen, wo sie sinnigerweise zu Klängen aus Aida empfangen werden. Ich sehe nur glänzende Augen. Ein toller Einfall der Organisatoren.

Seit das ZDF zur Übertragung der EM-Spiele auf der Seebühne sein Hauptquartier aufgeschlagen hat, kennt man die Location jetzt auch im hintersten Winkel. Sogar James Bond dient in seinem jüngsten Abenteuer die Seebühne als Kulisse. Und jetzt der Marathon. Da gerät Aida doch fast zur Nebensache.

Bei km 10 ist man zurück auf dem Strandweg, schaut über den tiefblauen See zum gegenüber liegenden  Lindau und denkt: „Schön ist es hier, einfach nur schön.“

Die Bregenzer Ach ist ein 80 km langer Fluss, der hier in den Bodensee mündet. Ihm führt die Strecke jetzt ungefähr einen Kilometer entlang, bevor es rechts über eine Brücke Richtung Hard (km 17) geht. Die Bodenseegemeinde hat immerhin 13.000 Einwohner. Bekannt sind die Schleienlöcher, ein Naturschutzgebiet im Rheindelta, so benannt wegen der vielen Schleie. Der schmackhafte, karpfenartige Fisch war 2007 Fisch des Jahres.

Neulandstraße, km 20

 
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Vielleicht wird der Marathon im Dreiländereck Marathon des Jahres? Die Fans in Hard und später in Fußach, das nach der Rheinquerung erreicht wird, hätten es verdient. Toll, was in den Orten abgeht. Vielleicht spielt ja eine Rolle, dass heute nationaler Spitzensport geboten wird, denn es werden die Österreichische Staatsmeisterin und der Österreichische Staatsmeister ermittelt. Nebenbei übrigens auch noch die Vorarlberger Champions.

Christian Pflügl ist Favorit auf den Staatsmeistertitel. Als er nach 2:23:30 Stunden als Sieger ins Ziel läuft, passieren viele Hobbyläufer gerade die Grenze ins schweizerische St. Margrethen (km 25). Das ORF überträgt live das Interview mit dem frischgebackenen Champion. Keine Spur von Enttäuschung, schließlich hatte er eine Zeit von unter 2:20 im Visier. Um sein Vorhaben zu realisieren, hat er sich einen Pacemaker aus Kenia engagiert. Einen, der schon 2:15 gelaufen ist. Eine Zeit, die offenbar tausende Kenianer aufweisen können. Der, den Pflügl  engagiert hat, musste allerdings bei km 6 passen. So war er fast die ganze Strecke alleine, was sicher eine bessere Zeit verhindert hat.

 
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Trotzdem war dem Christian nur zum Feiern. Glücklich sei er, Staatsmeister werde man nicht alle Tage. Und toll war’s, vor allem das Publikum. Er wird gar nicht fertig mit Schwärmen und verspricht, hier wieder an den Start zu gehen.Und dann liefert er mir auch noch den Spruch des Tages und den Berichtstitel: „Do kriagst a Ganslhaut“. Gratulation zum Titel und danke.

Wir sind immer noch in St. Margrethen, in der Schweiz, dort wo der Rhein in den Bodensee fließt. Schon zur Zeit der Römer war der Ort ein wichtiger Verkehrsknoten zu verschiedenen Alpenpässen. Noch heute dominiert die Logistikbranche die örtliche Wirtschaft, obwohl durch die Grenznähe auch fast alle namhaften Schweizer Banken eine Dependance in der 5000Einwohner-Gemeinde haben.

Die Schweizer Grenzer, sonst eher Stauverursacher, sind heute kein Spielverderber und winken das bunte Völkchen freundlich durch. Alles andere als eine Spaßbremse sind auch die Einwohner. Sie haben sich wieder am zentralen Platz versammelt, um die Marathonis mit Musik, Cheerleader und viel Applaus zu empfangen. Genau 4 Kilometer ist der Streckenabschnitt durch die Schweiz, aber die Eidgenossen sind voll dabei und erweisen sich als citymarathontaugliches Publikum.

Während die Hobbyläufer das gastliche Land verlassen, lässt sich im Casino-Stadion in Bregenz Ursula Bredlinger (2:49:06) als Staatsmeisterin feiern. Auch sie ist ganz aus dem Häuschen, wegen des Titels, wegen der tollen Veranstaltung und vor allem wegen des Publikums: „Ich war den Tränen nahe, so eine Strecke und so eine Atmosphäre habe ich noch nie erlebt.“

Derweil geht es für die weniger Ambitionierten jetzt drei Kilometer durch Wiesenlandschaft mit herbstlich bunten Obstbäumen entlang des Rheins. Die Temperaturen haben die versprochenen 15 Grad gut erreicht und bieten bei strahlendem Sonnenschein einen optimalen Genussfaktor. Bei Fußach wird der Rhein gequert und auf der schon bekannten Strecke geht es zurück nach Hard und dann nach Bregenz.

Rechtzeitig vor dem Ziel kann, wer will, an sehr geeigneter Stelle ein Dankgebet los werden. Erstmals ist nämlich das Kloster Mehrerau in die Strecke eingebunden. Auch das ist mit Sicherheit ein Gewinn, denn das 1097 als Benediktinerkloster gegründete und heute dem Zisterzienserorden gehörende Kloster ist eine Sehenswürdigkeit erster Güte.

 
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Wem statt Besinnlichkeit nach Remmidemmi ist, kommt gleich auf seine Kosten, wenn nach einem Lauf entlang schier endloser Autoschlangen das Casino Stadion erreicht wird. Dem Sprecher gelingt es, fast jeden Finisher und jede Finisherin namentlich anzukündigen. Herzlicher Applaus ist der Mühen Lohn. Aber nicht ausschließlich. Auf die Finisher wartet ein großer, reich bestückter Verpflegungs- und Wellnessbereich. Am meisten Arbeit haben die Zapfer beim Erdinger-Stand, dann kommen die Masseurinnen und Masseure.

Marathonsieger

 
Christian Pflügl, Österreichischer Staatsmeister 2008
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Männer

1  Pflügl Christian  AUT LCAV Doubrava 2:23:30 
2  Bauer Harald   AUT TUS Kainach 2:25:37
3  Ruess Georg  AUT Kolland Topsport Asics 2:27:30

Frauen
1 Bredlinger Ursula, Mag.  AUT LT Bgld Eisenstadt 2:49:06
2 Tramoy Sylvie  AUT LC Villach  2:58:49
3 Bendl-Tschiedel Carola, MMag. AUT LG Wien 2:59:47

 
Ursula Bredlinger, Österreichische Staatsmeisterin 2008
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Streckenbeschreibung:
Flache Strecke (19 Höhenmeter!), durchgängig asphaltiert. Keiner reiner Stadtkurs, sondern viel und sehr schöne Landschaft.

Logistik:
Perfekt und attraktiv: Mit dem Auto zum Casino Stadion, von dort zu Fuß in 5 Minuten zum Hafen. Mit dem Schiff nach Lindau (ein Highlight). Umkleideschiff, Verpflegung am Start, Kleidertransport nach Bregenz.

Auszeichnung:
Medaille, Urkunde, Funktionsshirt gegen Aufpreis

Zuschauer.
Tolle Stimmung beim Start, im Ziel und in den Orten an der Strecke.

 

Informationen: Sparkasse 3-Länder-Marathon
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