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Laufberichte

Auf „kurzem“ Weg durch Laurins Reich

08.07.17

Der Rosengarten ist Laurins Reich. Leider hat sich der Zwergenkönig - ist schon sehr lange her - mit seinen Nachbarn angelegt und wurde gefangen gesetzt. Sein Stärke verleihender Zaubergürtel  und auch seine Tarnkappe (seine Unsichtbarkeit ist legendär) haben ihm nichts genützt - die Rosenbüsche haben bewegt und seinen Standplatz verraten, so kriegten sie ihn. Stinksauer auf seine Rosen sprach er einen Fluch aus: bei Tag und bei Nacht soll keines Menschen Auge seine Rosen sehen können. Nur in der Dämmerung, da leuchten sie immer noch...

 

 
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Die bizarren Berge des Rosengarten bilden zusammen mit dem Schlern einen von der Unesco geadelten, gewaltigen Naturpark. Alles ist und bleibt wild. Und da hinein schickt uns der Veranstalter. 2016 gab es einen Testlauf, nur mit Eingeweihten, jetzt beginnt die erste öffentliche Austragung. Vorbildlich und sehr sorgfältig ist alles organisiert. Vom Starterpaket mit vielen Überraschungen (Schüttelbrot, Armlinge, Räucherschinken usw.) bis zum Shuttleservice, alles läuft präzise und reibungslos ab. Noch ein Briefing, es knallt, und ab.

Bereits die ersten Meter zeigen: so einfach lässt Laurin uns da nicht hoch. Der Startelan legt sich schnell und nach 100 Metern gehen alle. Von der Wiese in den Wald, auf breite und schmale Wege, immer steil. Aber so richtig. Schnell gewinnen wir an Höhe und erreichen die Baumgrenze. Die Versorgung an den Hütten ist reichlich und lecker. Aber weiter bergauf. Immerhin wird es flacher und wir können laufen, endlich. Atemberaubend schöne Ausblicke lassen schnell jede Anstrengung vergessen, aber in der prallen Sonne auf steilem Schotter ist alles wieder ganz anders...

 

 
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Links liegt der Bergstock. Den Rosengarten mit den markanten Vajolettürmen kann ich noch identifizieren, dann weiß ich nur noch, nach Süden und  dann drum herum. Am südlichsten Punkt steht ein Adler, guckt würdevoll  auf die Wanderer. Errichtet 1912 zu Ehren des Herrn Christomannos, ein Förderer des alpinen Tourismus. Nicht weit weg, wieder eine Versorgung. Cola. Das Leben.

Auf schmalen Steigen geht es weiter. 6 km sind es, aber erstmal 250 m hoch, wieder runter, in Serpentinen, auf Steinen und losem Geröll. Eins meiner Knie findet das nicht so toll und beginnt einen zaghaften Protest, was mein Bergab-Tempo drosselt. Blöd. Aber das Panorama ist gewaltig. Ein Blick zurück lohnt sich immer!

Der erste große Pass, der Cigoladepass, muss überquert werden. In weitem Bogen unter den gigantischen Felstürmen erreichen wir die Vajolethütte. Der Blick zurück ist gigantisch! Nur eine kurze Pause, das Team scopa (Besen!) ist nämlich auch schon da. Vor lauter Begeisterung bin ich wohl etwas zurückgefallen. Aber noch ist Zeit, rauf zum Grasleitenpass,  2600m. Hoch auf gutem Weg. Es sind viele Tageswanderer und Kletterer unterwegs, richtig was los hier. Und alle ackern wie blöd. Nur das Team Scopa nicht. Sie haben Spaß, sammeln die Wegefähnchen ein und -ab und zu- ein lauter Jodler. Die sind richtig gut drauf. Oben auf dem Pass ist ein cut off, 6 Stunden.

 

 
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Ich bin noch gut in der Zeit, aber mein Knie sagt mir, den nächsten Pass hoch, ja, da bring ich dich noch hin. Aber dann sieh zu, wie du wieder runterkommst. Ohne mich. Verhandlungen sind sinnlos, ich weiß ja, wie stur mein Knie sein kann. Also nehme ich die unerwartete Abkürzung. Hier, am Abhang, zweigt die 35km-Strecke ab. Ein letzter Blick auf den Molignonpass, der mir nun entgeht. So ist das nun mal. Nächstes Jahr dann eben.

Dieser Teil der Strecke war also nicht vorgesehen. Durch fürchterliches, loses Geröll arbeite ich mich runter. An so mancher Stelle, auch schon vorher, ist der Weg einfach weggewaschen. Klettereinlagen lockern auf. Kurze Sprünge, Flanke über den Fels, Handarbeit... das ist Hochgebirgstrail! Etwas weiter unten sogar mit Drahtsicherung.

Der Abstieg erreicht nun in einem wunderbaren Hochtal einen echt laufbaren Abschnitt. Das Tal tief eingekerbt, die Wände ringsum senkrecht hoch, man wird plötzlich soo klein. Die Grasleitenhütte auf 2100 m erlebt im Moment ein Duo mit Alphorn und Trompete in Aktion. Lange begleitet mich die Musik ins Tal.  Auf steilen Serpentinen ist Vorsicht geboten, lose Steine und erste Wurzeln tauchen auf.

 

 
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Das Tschamintal. Nur bergab. Das Knie freut sich über festen Boden. Ich mich über den Wald. Mal rechts, mal links ein Flüsschen,  kaltes, klares Wasser. Es stürzt über viele Stufen viele hundert Meter ins Tal. Eigentlich genau wie ich. Ab und zu ist an Quellen Abkühlung möglich, denn je tiefer ich komme, umso höher steigt die Temperatur. Oberhalb 2000m war es recht erträglich, hier unten wird‘s nun ziemlich warm. Der Weg wird zum Steig und schraubt sich am steilsten Abhang abwärts. Sagenhafte Ausblicke zurück auf die Gipfel und abwärts zum Fluss.

Letzter VP die Tschaminschwaige. Ein Glas Wasser geht noch. Und nun, exklusiv für die „Abkürzer“: Ein paar Meter Asphalt. Geht nicht anders. Noch eben am Hotel Panorama vorbei (nomen est omen), wieder Schotter, Häuser und Höfe und ein Rosengarten in klein. Passt ja. Recht spät erblickt man den Kirchturm von Tiers, daneben ist das Ziel. Hier treffen beide Strecken wieder zusammen. So komme ich mit anderen Marathonis zusammen an.

Jeder wird begeistert empfangen. Die Party beginnt. Die Stimmung ist ausgelassen, Planschen im Brunnen, Massage, Dusche, Stärkung und Verzehrbons a la carte ! Die Siegerehrung kann man wohl im ganzen Ort hören, den Applaus auch...


Fazit

Südtirol hat ab jetzt einen weiteren Lauf-Höhepunkt. Einfach großartig, wie gut alles organisiert ist. Kondition und Trittsicherheit muss man mitbringen, Trailschuhe und Stöcke auch, sich vorher etwas an die Höhenluft gewöhnen (dazu bietet sich ein Kurzurlaub an) ist vorteilhaft. Und erst die Berge...wer dabei war, wird Laurins Reich erstmal nicht vergessen!

 

Informationen: Sky Marathon Rosengarten Schlern
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