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Laufberichte

Die Sache ist geritzt

21.07.12

Seit bald vier Jahrzehnten gibt es den Silvretta Ferwall Marsch. Dieses Jahr werden die Böcke aber von den Schafen getrennt, will heißen, es gibt eine Entflechtung von Wanderern und Läufern. In aller Stille hat der Tourismusverband Paznaun - Ischgl in Zusammenarbeit mit dem Schiclub Silvretta Galtür eine neue Laufveranstaltung vorbereitet, den Silvretta Run 3000. Drei Strecken sind im Angebot: Small, Medium und – nein, nicht Large – Hard.

Niemand muss mich überreden, mich als Premierengast zur Verfügung zu stellen. Aber das Privileg hat seinen Preis. Für den Griff nach dieser Krone muss ich ein Joch auf mich nehmen. Zuerst heißt das früh aufstehen. Um 4.00 Uhr mache ich mich auf den Weg und fahre auf direktem Weg über die Silvretta Hochstraße ins Paznaun. Auch nach Tagesanbruch bleibt es dunkel. Zwar schaltet die Scheibenwischautomatik nur selten ein, doch die Wolken hängen tief. Gegen die Bielerhöhe zu schöpfe ich Hoffnung, dass die Realität besser sein könnte als die Vorhersage, scheint es doch im Tirol im Vergleich zum Vorarlberg fast ein wenig aufzuklaren.

Bei der Ankunft in Ischgl sind die Berge wolkenverhangen, im Tal sieht es aber grundsätzlich nach gutem Laufwetter aus. Ischgl, Epizentrum des Eventtourismus, wo in der allgemeinen Perzeption Skifahren nur ein Vorgeplänkel für intensive Après-Ski-Aktivitäten ist, wirkt wie ausgestorben. Keine Spur von Remmidemmi und Halligalli. Eine kleine Gruppe von Läufern holt sich bei einem Zeltstand gegenüber der Talstation der Fimbabahn die Startnummern und die Transponder für die Zeitmessung und legt die Sporttaschen für den Transport ins Ziel auf einen PKW-Anhänger.  Geparkt habe ich geschätzte 50 Meter von der Startlinie entfernt und für den Boxenstopp vor dem Start stehen die gut dimensionierten Toilettenanlagen in der Seilbahnstation zur Verfügung.

Ich bin eben daran, meine Ausrüstung auf Gebirgstauglichkeit zu ergänzen, da kommt mir das Gerücht zu Ohren, dass der lange Kanten nicht gelaufen werden könne, was mir auf Nachfrage hin von offizieller Seite bestätigt wird. Auf Empfehlung der Bergwacht muss von einem Aufstieg zum Kronenjoch abgesehen werden. Jetzt habe ich das Joch des Frühaufstehens auf mich genommen und nun bleibt mir der Griff nach der Krone verwehrt. Die Enttäuschung ist groß, aber auch das Verständnis für diesen Entscheid. Dass letztendlich immer noch die Natur regiert, weiß man im Paznaun nur zu gut.

Dieser Herrschaft zollt man wieder einmal Tribut, allerdings auf harmlose Art. Es wird  Plan B gezückt, welcher vorsieht, dass auch die „Harten“ die Medium-Strecke laufen werden.  Diese ist zwar fast 15 Kilometer kürzer und weist 300 Höhenmeter weniger auf, verfügt aber über die gleiche Charakteristik. Während es beim Kronenjoch, wo streckenweise der Weg unter anderem über Schneefelder nicht als solcher zu erkennen ist und es bei dichtem Nebel praktisch keine Sicht gibt, sind auf der kürzeren Strecke in Sachen Sicht und Sichtbarkeit des Weges die Bedingungen im sicheren Bereich.

 
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Völlig unaufgeregt geht es um 08.00Uhr zur Sache, als wie geplant die beiden Teilnehmerfelder losgeschickt werden, nun also auch auf die gemeinsame Strecke.  Der Versuchung, zu schnell zu starten, stellt sich gleich zu Beginn die Steigung im Dorf entgegen. Kaum ist man an der Kirche vorbei, ist man schon über dem Dorf und steht vor der Frage, welche Gangart die effizienteste ist. Ich entscheide mich vorerst fürs Gehen.  Gegen die Mittelstation der Fimbabahn hin bin ich in einem gemächlichen Laufschritt unterwegs und das wird mit kurzen Unterbrechungen lange so dauern. Wie lange kann ich nicht sagen. Ohne Uhr am Handgelenk und ohne Kilometermarkierungen am Wegrand laufe ich einfach, aufs eigenen Wohlbefinden horchend.

 
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Ich bin froh, dass ich weiß, dass ich allenfalls auf meinen Trinkvorrat im Rucksack zurückgreifen kann, denn bis zum ersten Verpflegungsposten dauert es eine ganze Weile. Mit dem Regen, der zur Startzeit eingesetzt hat und der tiefen Temperatur stellt das kein Problem dar, bei sommerlichen Bedingungen wäre ich ohne eigenen Vorrat und ohne Wasserstelle bis zur Tränke an der Gampenbahn am Leiden. Dort, nach über acht Kilometern auf Asphalt, gibt es nach dem Auftanken mit Iso, Wasser, Bananen und Riegel einen Wechsel auf Naturbelag. Während vorher schon die Umgebung Berglaufgefühle verbreitete, ist es jetzt auch der Untergrund. Sicher ist das Fimbatal im Sonnenschein und mit Ausblick auf die umliegenden Gipfel  eine besondere Augenweide, doch auch jetzt, mit den wechselnden Wolken- und Nebelschwaden und dem sich daraus ergebenden Spiel von mehr und weniger Licht und einem Hauch von Schatten, hat es seinen Reiz.

 
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Irgendwann erinnern Hinweisschilder daran, dass quer zum Tal der Grenzverlauf zur Schweiz liegt. Was über weite Entfernungen hinweg und unter Berücksichtigung kultureller Unterschiede normal  erscheint, wird in einem solchen Augenblick zu etwas Abstraktem, Unverständlichen. Hüben wie drüben gibt es keine sichtbaren Unterschiede.

Weiter vorne liegt die Heidelberger Hütte, das bedeutet, dass es wieder Verpflegung gibt und dass mit 14km schon fast die Hälfte der Medium-Strecke hinter uns liegt. Mit Wasser, Cola, Iso und Schokoriegeln ist alles vorhanden, was es braucht, um den Speicher zu füllen, bevor es weitergeht.

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Informationen: Silvretta Run 3000
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