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Laufberichte

Wettlauf auf der Baar

 

48 Mal wurde der Schwarzwald Marathon ausgetragen und damit ist man auf der Baar mit an der Spitze, wenn es darum geht, welcher Marathon der älteste ist. Hinter dem Essener Marathon (auch an diesem Wochenende) und dem Göltzschtal Marathon in Lengenfeld (Sachsen) liegt er in diesem Ranking auf Platz 3. 1968 wurde die Veranstaltung vom SV Donaueschingen und dem TuS Bräunlingen ins Leben gerufen. Seit einiger Zeit organisiert die LSG Schwarzwald Marathon den Event, bei dem man auch über Halbmarathon, über 10 Kilometer und als Staffel an den Start gehen kann. Auch für Schüler gibt es ein Angebot.

Einen neuen Weg ging man 1968, als Frauen erstmals offiziell bei einem Marathon teilnehmen konnten. Noch ein Jahr zuvor geschah es in Boston, als der damalige Race Director die als K. V. Spitzer gemeldete Kathrin Spitzer versuchte, ihr die Startnummer zu entreißen. Ein Mitläufer kam ihr zu Hilfe und wehrte den allzu forschen Race Director ab. Um die Voraussetzungen zu schaffen, legten die pfiffigen Schwarzwälder die Sollzeit für die 42,195 Kilometer auf zehn Stunden fest. Und „vergaßen“, den Teil der Ausschreibung, die die Läuferinnen betraf, an den Verband zu melden.

Der DLV vergab dann folgerichtig im Jahr 1975 die erste Deutsche Meisterschaft im Marathon nach Bräunlingen. Christa Vahlensieck holte sich damals den Meistertitel in 2.45.43 Stunden. Ich glaube, das Geschrei unter den Marathonis wäre groß, wenn man heute eine Deutsche Meisterschaft auf so einer hügeligen Strecke austragen würde.

Doch so schwierig ist der Kurs gar nicht, denn du startest auf einem Niveau von 700 Meter. Die 300 Höhenmeter müssen auf den ersten 17 Kilometer erlaufen werden. Auf der Höhenlage von 900 bis 1000 Meter verbleibt man etwa bis Kilometer 27, 28. Wer sich seine Kräfte gut eingeteilt hat, kann dann die letzten 14 Kilometer zurück zum Ziel hinunterbrettern. Vor langer Zeit bin ich hier schon an den Start gegangen, irgendwann in den frühen 90ern. Meine Zeit weiß ich nicht mehr, ich müsste mal nachforschen. Es ist also höchste Eisenbahn, wieder einmal in Bräunlingen zu laufen.

 

Vor dem Start

 

Am Samstag zuvor ist alles gerichtet: Die Ausgabe der Startunterlagen beginnt am Nachmittag ohne Wartezeiten. Für die Schüler sind 1,05 und 1,75 Kilometer ausgezeichnet. Die hügelige Zehnkilometerstrecke kann gelaufen oder gewalkt werden, auch können sich Firmenteams sportlich betätigen. Kirchenbesucher können sich ihren Segen bei einem Gottesdienst holen. Eine Kartoffelparty und ein Vortrag beschließen den Samstag. Am Sonntag finden dann der Halbe und der volle Marathon statt, ein nochmaliger Gottesdienst steht auf dem Programm, während die Siegerehrung und ein Bambinilauf die Veranstaltung abschließen.

 
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Bei frühzeitiger Anmeldung kostet der lange Kanten 36 EUR. Dafür erhält man reichliche Gegenleistungen: Verpflegung auf der Strecke sowie im Ziel, Urkunden zu Hause zum Download oder auf Papier vor Ort. Massagen, Medaillen und Sportsocken gibt es für alle Teilnehmer. Die Zeitnahme liegt in den bewährten Händen von mika-timing. Platzmäßig ist alles entspannt, denn die große Stadthalle steht zur Verfügung. Die Gepäckaufbewahrung ist in den Sporthalle nebenan, genauso wie das Massenquartier, wo sich aber nicht mehr als 15 Läufer einquartiert haben.

Wer nicht weiß, wo das 6000 Einwohner zählende Städtchen liegt, mein Hinweis: Donaueschingen, von wo aus sich die Donau auf den langen Weg zum Schwarzen Meer aufmacht, liegt nur ein paar Kilometer entfernt. Am Abend besteht die Möglichkeit, einen Vortrag von Herbert Steffny zu besuchen. Er berichtet uns recht kurzweilig von seinen sportlichen Erfolgen und bringt uns das Laufdorado Kenia näher. Nicht immer bolzen, sondern auch mal gemächlich, so waren seine Trainings in seiner aktiven Zeit. „One day easy, one day hard,“ so sein Credo, und das sollte man sich von den Keniaten abschauen. Die laufen den Wettkampf im Dreier-Schnitt (drei Minuten pro Kilometer) und die regenerativen Einheiten im Sechser-Schnitt. Herberts größter Erfolg war zweifelsohne sein dritter Platz in New York. 1989 gewann er in München den Marathon. Da war ich auch dabei.

Am nächsten Tag ist es mit knapp zehn Grad kühl, die Frage, was anziehen, beschäftigt die Läufer. Von der langen Hose bis zur Wollmütze, vom Singlet bis zur Sprinthose siehst du ein breites Spektrum. Irgendwo in der Mitte liegt wohl die zweckmäßige Ausrüstung. Vor der Stadthalle sind die Startbereiche ausgeschildert. Ganz vorne reihe ich mich nicht ein, ich stelle mich schließlich zur Gruppe mit 3.30 Stunden als Ziel. So habe ich eine gute Ausgangsposition und kann mit auf dem ersten Kilometer durch Bräunlingen Zeit lassen, um brauchbare Bilder zu schießen. Erst kurz vor dem Start um 09.30 Uhr begeben sich die Teilnehmer hinter die Startlinie. Die Halbmarathonläufer starten 30 Minuten später.

 

Durch Bräunlingen

 

Mit einem Schuss werden die gut 300 Marathonis losgelassen. Es geht nur mit ein paar Sekunden Verzögerung die Schulstraße entlang und dann biegen wir auf die Kirchstraße ein. Bräunlingens Vergangenheit geht bis auf das Jahr 802 zurück. Das Stadtrecht wurde 1305 verleihen. Heute gehört Bräunlingen zum badischen Schwarzwald-Baar-Kreis. Die Baar (Landschaft) ist eine Hochebene zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Der Neckar und die Donauquelle entspringen auf der Baar.

 
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Vorbei am Rathaus laufen wir auf das Stadttor zu, das einzige erhaltene Tor der Stadtmauer. Auf der Höhe des Tores rennen wir links auf den Marktplatz, den die katholische Stadtkirche „Unsere liebe Frau vom Berge Carmel“ prägt. Der heutige Bau wurde von Stadtpfarrer Carl Alois Metz geschaffen, der im Zeitraum 1876 bis 1906 hier wirkte. Die sechs Glocken sind auf der Baar weit hinaus zu hören. Einen schöneren Platz, von den aus man sich auf die lange Schleife begeben kann, gibt es nicht. Ich schieße einige Bilder und verliere natürlich viel Zeit.  Doch das ist es mir auf alle Fälle wert. Jetzt müsste eigentlich nur noch die Sonne scheinen. Doch der Hochnebel wird sich ohne Wind kaum vertreiben lassen.

Wir verlassen den Stadtkern, ein paar Meter weiter warten bereits die Radbegleiter auf die Halbmarathonspitze. Unsere Spitzen-Marathonis sind natürlich schon auf und davon. Den ersten Kilometer haben wir bereits im Stadtgebiet hinter uns gebracht. Übrigens, jeder Kilometer ist hier ausgeschildert. Vielleicht sind für einige Läufer die Schilder klein ausgefallen, doch an einigen Stellen werden wir noch zusätzlichen Markierungen auf dem Boden sehen. Dann geht es hinaus in die Natur.

 

Nach Bruggen und zum Bruggerwald

 

Ulrich Bucher habe ich am Vorabend mit seiner Marathonbegleitung getroffen und kurz geratscht über die Veranstaltung. Jetzt läuft er von hinten auf, schnappt sich kurz meine Kamera und macht sich dann nach vorne aus dem Staub. Da staunt der Berichterstatter, wie sich Ulrichs Streckenkenntnis positiv auswirkt. Ich muss mich heute ein wenig zurücknehmen. Viele Zuschauer stehen nicht an den ersten Kilometern, doch ganz allein bist du nie. Als „Adabei“ muss man heute bei dem bedeckten Tag gut angezogen sein, denn der leichte Wind kühlt stetig aus, wenn du dich nicht bewegst. Den Ortsteil Bruggen berühren wir kaum, da zeigt der Wegweiser nach links, das Gelände steigt sanft an. Der dritte Kilometer liegt hinter uns.

 
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Ein Biel-Shirt läuft vor mir, langsamer als ich. Ich schließe auf, spreche den Läufer an und siehe da, es ist ein Schweizer dem Dialekt nach. Martin meint, den Marathon musst du zügig laufen, damit die vier Stunden als Resultat stehen können. Einen Hunderter läuft er gemächlich an.

Die erste Verpflegungsstelle beim fünften Kilometer ist gut organisiert. Links und rechts sind die Tische aufgebaut, mit ausreichend Abstand zueinander. Neben Wasser erhalten wir Iso, warmen Tee und sogar Bananen. Später wird dann auch noch Cola gereicht.

Am Waldrand geht nun die Strecke Richtung Hubertshofen, 100 Höhenmeter liegt die im Jahr 1352 erstmals urkundlich erwähnte Gemeinde höher als unser Ausgangspunkt am Start in Bräunlingen. Der Ort ist bereits dem Schwarzwald zuzurechnen. Durch die Höhenlage ist auch Wintersport möglich. Vor Hubertshofen biegen wir links ab, die Asphaltpiste endet, die Steigung nicht. Ein riesiger Misthaufen am Waldrand müffelt vor sich hin, schnell weiter.

Die sanfte Steigung bleibt uns erhalten, die Waldwege sind durchwegs gut befestigt, nur sollte man die Augen schon offenhalten, denn an wenigen Stellen könnten einen die Wurzeln stolpern lassen. Aber die Gefahrenstellen hat man mit Neonfarbe gut kenntlich gemacht, vorbildlich. Anja und Nadja Bork lachen dem Fotografen in die Linse. Der lacht vielleicht am Schluss, oder auch nicht. Bei der Kati Schramm brauche ich ein paar Anläufe, bis ich was Brauchbares auf dem Chip habe. Der Hochnebel, die diffuse Sicht und die Bäume bringen die Kamera an die Grenze. Nach der zweiten Tankstelle laufen wir kurz auf einer Kreisstraße, die uns zur Streckenteilung bringt. Die Halben bleiben auf dem Asphaltband, wir biegen nach rechts ab, erneut steigend.

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Informationen: Schwarzwald-Marathon
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