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Laufberichte

Ultra-"Laufen" in einer neuen Dimension

22.04.05

Mein erster Gedanke, als ich vom 1. Mount-Everest-Treppenmarathon in Radebeul hörte, war: „Was für eine bescheuerte Idee.“ Mein zweiter Gedanke war: „Da muss ich hin.“

 

Die Idee kombiniert das Rundenlaufen, wie wir es von den Stundenläufen kennen, mit dem Treppenlaufen und bringt das Ganze durch hundertfache Wiederholung auf Ultraniveau. Konkret: Start ist am „Gipfel“ beim Bismarckturm, dann geht es 50 m auf einem Weinbergweg minimal bergab. Die Spitzhaustreppe führt danach 52 mal 7 Stufen, dann 3 mal 11, insgesamt also 397 Stufen hinunter. Anschließend trabt man noch150 m leicht abfallend, umrundet den Wendepunkt, und dann das Ganze wieder hinauf. Damit hat man 843,90 m zurückgelegt und 88,48 Höhen- meter absolviert. Multipliziert mit 100 ergeben sich also 2 Marathons und die Höhe des Mount Everests. Putzige Idee!

 

Einige Tage nachdem ich Anfang Dezember zum ersten Mal im Internet über den Lauf gelesen hatte, stand eigentlich ein flotter Tempolauf auf dem Programm. Es regnete, es stürmte, das Thermometer zeigte 6 °C. Beim besten Willen kein Tempolaufwetter. Da könnte man doch kurze Laufhosen und ein T-Shirt anziehen und im heimischen Einfamilienhaus das erste Treppenlauf- training inszenieren. Meine Frau ist zwar Kummer gewohnt, aber jetzt erklärte sie mich endgültig für verrückt. Unser 14-jähriger Sohn war wesentlich aufgeschlossener: Im Erdgeschoss richtete er mir eine Verpflegungsstelle ein und unter dem Dach drehte er richtig die Musik auf. So hüpfte ich erst mal fröhlich die Stufen hinauf und hinunter. So richtig Spaß gemacht hat´s trotzdem nicht: Die Luft war recht trocken, der Treppenradius zu eng und obwohl ich läuferisch keine Probleme hatte, ließ ich es nach 70 Wiederholungen (2.100 Stufen) wieder sein. Immerhin besser als ein Tempolauf bei diesem Wetter.

 

Der nächste Morgen war furchtbar. Die Oberschenkel waren hart, die Waden schmerzten und die Fußgelenke waren entzündet. 4 Tage dauerte es, bis normales Laufen wieder möglich war. Offensichtlich hatte ich auch 15 Jahre nach Beginn meiner läuferischen Aktivitäten noch einmal ein Aktionsfeld entdeckt, das Neuland für meine Muskeln und Gelenke war. Aber alles Neue, ist irgendwie auch reizvoll und so begann die Suche nach einer geeigneteren Trainingstreppe. Ich zählte die Stufen in unserer Ortsmitte (ca. 110), las die Forenbeiträge im "Steppenhahn“ (Treppenhäuser von Hotels) und erhielt dann kurz vor Weihnachten von einem Geschäftskollegen den ultimativen Tipp. Nur ca. 5 Km von meinem Wohnort, 525 Stufen, ca. 100 Höhenmeter - meine Trainingstreppe war gefunden. Das war etwas völlig Anderes als mein Treppenhaus. Spätestens nach 150 Stufen hing ich keuchend am Treppengeländer (das nennt man wohl anaerober Bereich). Die Stufen waren sehr ungleichmäßig in Höhe und Breite und beim Versuch, schnell wieder talwärts zu kommen, war mal der Oberkörper schneller als die Beine, die Stufen waren kürzer als meine Schrittlänge und häufig verwechselte ich im Eifer des Gefechts linken und rechten Fuß (das nennt man wohl Koordination).

 

Die Muskeln schmerzten nach einer Stunde Treppenlauf diesmal nur 2 Tage. Mit einem Satz: Das Unternehmen schien anspruchsvoller als gedacht - aber damit auch reizvoller. Außerdem schmerzten nach einem längeren Treppenlauf genau die Muskeln, die mich letztes Jahr am Montblanc im Stich gelassen hatten und so beschloss ich, dass Treppenlaufen auch eine gute Vorbereitung für den 2. Montblanc-Versuch sein würde und nahm das Treppentraining ein Mal pro Woche in mein Programm auf. Über 3.000 Stufen am Anfang tastete ich mich langsam voran. Ich fand einen gewissen Rhythmus beim Wechsel zwischen Treppenlaufen und -steigen, entwickelte bergab so etwas wie eine Technik und wurde auf diese Weise vor allem schneller. Viel mehr als eine Stunde kam aber selten heraus, bei längeren Versuchen war die Muskulatur weiter unwillig. Auf diese Weise wurde mir bald klar, dass diese Geschichte sicher kein Spaß werden würde, wie es einige potentielle Teilnehmer im Internet-Forum meinten, sondern eher eine Grenzbelastung mit dem Risiko sich die ganze Saison zu verderben. Weitere Versuche, z. B. auch mal nachts zu laufen oder bei Regen, führten zu nicht ganz ungefährlichen Stürzen und jeder Menge blauen Flecken, so dass die Zweifel eher stiegen. Dennoch (der Mensch ist eben ein irrationales Wesen) - die Entscheidung war längst gefallen. Ich würde mitmachen. Ich war zwar fast sicher, dass es für mich kaum zu schaffen sein würde, es würde wahrscheinlich weh tun, es könnte mir viele Wochen der wertvollen sommerlichen Laufsaison kosten ....

 

Das weitere Treppentraining verlief durchaus weiter holperig. Der lange Winter mit, selbst für unsere Breitengrade, ungewöhnlich viel Schnee, machte meine Trainingstreppe 14 Tage lang unbegehbar. Meine Lauffreunde, die ich zur Trainingsbegleitung gewinnen wollte, zogen sich nach spätestens einem Versuch dankend wieder zurück und vor oder unmittelbar nach meinen Wettkämpfen verzichtete ich auch auf meine Treppe.

 

So richtig viele Treppentrainingskilometer kamen auf diese Art nicht zustande, aber Ende März schnupperte ich zumindest mal in die Marathondimension hinein. 18 Durchgänge, 9.450 Stufen, nahezu 3 Stunden - damit hatte ich zumindest ein Gefühl, was bei 39.000 Stufen in Radebeul in Sachen Laufzeit auf mich zukommen würde. In jedem Fall ein richtiger Ultra. Anfang April dann bei schönem Frühlingswetter 10.500 Stufen ganz ohne Muskelprobleme. Ich fühlte mich saustark. Radebeul, ich komme. Allerdings nicht nur ich. Die Internet-Seite verkündete: Der Weltrekordhalter im 24- Stunden-Treppensteigen hat sich angemeldet. Das es so was auch gibt. Es gibt eben immer weniger Nischen, die man noch besetzen kann. Dennoch, ich fühlte mich ganz gut vorbereitet und fuhr positiv gestimmt gen Radebeul.


Als ich allerdings dann am 16. April zum ersten Mal die Weinberge in Radebeul vor mir aufragen sah, wichen die positiven Eindrücke endgültig dem Respekt - war das steil ! Worauf hatte ich mich da eingelassen?

 

Stadtplan und Anfahrtsskizze, die der Veranstalter freundlicherweise zugeschickt hatte, lagen sinnigerweise zu Hause. So kamen wir zu einer kurzen Rundfahrt durch Radebeul. Schon die Lage (Elbe, Ort, Weinberge) ist einmalig schön und auch der Ort selbst bietet eine ganze Reihe netter Winkel. Perfekt kommt das alles aber erst von oben zur Geltung. Vom Spitzhaus bzw. Bismarckturm genossen wir die weite Aussicht und erkundeten die Zeltstadt, die Christian Hunn, der Chef der Organisation, mit seinem Team aufgebaut hatte. Umkleidezelt, Ruheraum, Massage und Verpflegung für Läufer und Zuschauer: Es fehlte an nichts und so konnten wir beruhigt den launigen Worten von Christian beim Briefing lauschen. Die Regeln waren recht einfach: Es galt Rechtsverkehr. Beim Überholen war Rücksicht zu nehmen. Und bei Sauerstoffnot, Glatteis oder dem Auftauchen von Yetis sollte einer der zahlreichen Streckenposten informiert werden.

 

Da das die Läufer schnell verstanden hatten, konnte es dann pünktlich um 16.00 Uhr losgehen und im Beisein eines Fernsehteams vom mdr und zahlreicher Zuschauer erfolgte der Startschuss.

 

Da sich zunächst alle vornehm zurück hielten, übernahm ich, ganz entgegen meiner Planung, bergab mit meiner sorgfältig einstudierten Technik, erst mal die Führung. Am Wendepunkt war nur Kurt Hess, der Schweizer Weltrekordhalter, in meiner Nähe und ich ahnte schon, dass ich da irgendwas falsch gemacht hatte. Das bestätigte sich, als ich die ersten Stufen zügig hinauf eilte. Mein Puls war sofort am Rasen, die Hitze, die sich im Weinberg staute, schlug wie mit einem großen Hammer auf mich ein. Ich war schon 5 Minuten nach dem Start am Limit. Natürlich war ich zu schnell losgerannt, aber das hätte sich nach einigen Minuten wieder regulieren müssen. Die Treppe war wohl steiler als meine Trainingstreppe. 8.848 Hm auf 84,390 Km hört sich zunächst nach gut 10 % an, aber da man die Hälfte bergab rennt, ist man bergauf schon bei 21 %. Wenn man dann noch bedenkt, dass je Runde noch jeweils fast 400 m auf der Straße mit nur mäßigem Gefälle/Steigung gelaufen werden, wird klar, dass die Treppe schon richtig steil war (und in einigen Abschnitten noch viel steiler).

 

Dennoch (zumindest redete ich mir das ein): Es war die Hitze. Erstens so früh im Jahr noch ungewohnt. Und zweitens in den steilen Weinberghängen verstärkt, wie in einem Backofen. Also nahm ich wohl oder übel einen Gang raus und musste viele Läufer passieren lassen. Der grundsätzliche Ablauf ähnelte dem 12- oder 24-Stunden-Lauf. Ich selbst überrundete beim 4. Durchgang zum ersten Mal und in meiner 6. Runde war ich zum ersten Mal dran. Kurt Hess brauste vorbei und in seinem Gefolge die anderen Spitzenläufer. Bei dieser Gelegenheit studierte ich so die verschiedenen Techniken und versuchte mir etwas für den eigenen Gebrauch abzuschauen.

 

Durchaus nützlich, aber auch nicht ganz risikolos. Denn plötzlich Bewegungsabläufe zu verwenden, die man vorher nicht eingeübt hat, führt nach einigen Stunden mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Muskelproblemen. Und das war bei diesem Selbstversuch sowieso die große Frage: Wie lange würden die Muskeln mitmachen?

 

Wie gesagt. Noch waren mein großes Problem nicht die Muskeln, sondern die Hitze. Daran änderte auch der Einbruch der Dämmerung wenig. Allerdings war der Blick über Radebeul hinüber zur Elbe jetzt noch zauber- hafter und verschaffte etwas Ablenkung. Weitere Abwechslung war dann ab 20 Uhr geboten, denn jetzt starteten die 5 Touri - Staffeln. Je 100 Läufer, die jeweils nur eine Runde zu absolvieren hatten. Da hatte ich schon große Bedenken, dass bei den großen Tempounterschieden auf der Treppe jetzt das große Chaos ausbrechen würde. Aber weit gefehlt. Erstens waren bei den Staffeln auch jede Menge Jedermannsläufer dabei, mit denen wir Einzelläufer auch nach mittlerweile ca. 25 Runden noch gut mithalten konnten und zweitens verhielten sich auch die schnellen Läufer vorbildlich. Auf der Treppe herrschte Fairness, es kamen keinerlei Aggressionen auf und selbst knappe Überholmanöver blieben die Ausnahme. Dafür brachten die Staffeln ein ganz neues Publikum mit. Viele Jugendliche, weil auch Schulstaffeln am Start waren und damit auch bei der Anfeuerung mehr Power als seither bei den Ultras und jede Menge dummer Sprüche. Das verführte mich dazu ab und an, im Wettbewerb mit den Staffeln, ein paar Sprinteinlagen einzulegen; ein deutliches Zeichen, dass es mir irgendwann doch besser ging. Obwohl es immer noch sehr warm war. Wie in Weinbergen so üblich, gaben die Felsen die tagsüber gespeicherte Hitze jetzt ab und auch nach Mitternacht war ich immer noch in Shorts und Netzhemd unterwegs. In der Rangliste war ich wahrscheinlich langsam wieder auf einem besseren Weg.


Wie bei Ultraläufen so üblich, gab es im Laufe der Nacht die ersten Ausfälle, andere Läufer legten mehr oder weniger lange Pausen ein. Ich selbst hatte, nachdem ich in den letzten 2 Jahren alle 24-Stunden-Läufe verpatzt hatte, endlich mal wieder eine gute Nacht erwischt. Gegen drei Uhr früh wechselte ich die Schuhe. Das war meine erste 5- Minuten-Pause nach mehr als 11 Stunden Laufzeit.

 

Die Platzierung war nicht immer so ganz transparent. Die Rundenzählung funktionierte einwandfrei. Wenn einem einmal eine falsche Zahl zugerufen wurde, so bestand spätestens in der Folgerunde wieder Einigkeit. Wirkliche Diskrepanzen habe ich nicht mitbekommen. Allerdings gab es Ranglisten nur sehr unregelmäßig. Mich hat das nicht wirklich gestört. Erstens war erste Priorität noch wie vor einfach das Durchkommen und zweitens war der Sieg sowieso längst vergeben. Mochten sich auch die Läufer auf dem zweiten und dritten Platz immer wieder abwechseln, vorne zog Kurt Hess unbeirrbar seine Bahnen. Talwärts hängte er sich an das Geländer und schlidderte in irrem Tempo bergab. Bergauf zog er zwar häufig ein grimmiges Gesicht, aber so wirklich anzustrengen schien ihn diese Übung nicht. An seine Grenzen musste der 53-jährige sympathische Schweizer, der von seiner Frau betreut wurde, glaube ich nicht gehen.

 

Die Nacht kam mir vor allem aufgrund des Staffeltrubels sehr kurz vor, aber so zwischen 3 und 6 wurde es doch merklich ruhiger. Das Einzelläuferfeld war jetzt ziemlich ausgedünnt und den Fans der Staffeln war es offensichtlich zu kalt geworden, zumal am „Gipfel“ mittlerweile ein recht frischer Wind blies. Harald, der mich die ganze Nacht betreute, vermeldete irgendwann Rang 7 in der Gesamtwertung und als meine Frau, nach kurzer Nachtruhe, meinen Betreuerstab wieder verstärkte, sogar Rang 6. So furchtbar interessierte mich das nicht, denn obwohl der Morgen heraufdämmerte, so dämmerte ich doch langsam einem Tiefpunkt entgegen. Nachdem ich in den ersten Stunden ca. 10 Minuten pro Runde gebraucht hatte, waren es mittlerweile eher 14 und auch wenn ich mittlerweile 75 Runden erreicht hatte, bedeutete mein derzeitiges Tempo von 4 Runden / Stunde noch weitere 6 Stunden Arbeit. Da konnten mich selbst die morgendlichen Vogelstimmen und die ersten Sonnenstrahlen nicht wirklich aufmuntern.

 

Dann die nächste Ansage von Harald: „Du bist in der Männerwertung jetzt auf Platz 3. Der Vierte ist eine halbe Runde hinter dir“. Meine emotionslose Antwort gefiel ihm, der mich ja nur motivieren wollte, gar nicht. „Interessiert mich überhaupt nicht. Das kannst du mir in vier Stunden wieder erzählen“. Aber was wirklich im Kopf oder Körper eines Ultraläufers vor sich geht, kann wohl niemand erklären. Manchmal nicht einmal der Läufer selbst.

 

Für die Runde vor Haralds Information benötigte ich 14 Minuten. Für die Folgerunde dann 11 und von da an machte ich Druck. Die Beine wuselten wieder die Treppen hinunter. Auf der Gefällstrecke machte ich plötzlich wieder richtig lange Laufschritte. Und treppauf hangelte ich mich am Treppengeländer entlang dem Gipfel entgegen. Der Abstand zum Viertplatzierten wuchs langsam, aber konstant und in der 91. Runde konnte ich sogar zu Ulrike Baars aufschließen. Diese führte von Beginn an im Frauenrennen, lief nach meinen Beobachtungen unheimlich konstant und auch jetzt nach mehr als 17 Stunden, zumindest nach außen hin, sehr locker und flüssig. Absolut beeindruckend.

 

Jetzt, wo ich doch voller Adrenalin und für meine Verhältnisse aggressiv lief, begann ich sogar mit der Treppe und dem Berg zu schimpfen. Aber auch das half und Kurt Hess, der Schweizer Sieger, feuerte mich in dieser Phase kräftig an. Er hatte nach 17:09 Std. das Rennen beendet, danach ein kurzes Siegerinterview gegeben und jetzt versuchte er erst mal die 10.000 Hm voll zumachen. „Damit ihr nicht so allein seid“, meinte er, als ich ihn fragte, ob er noch nicht genug habe. Harald und Elke versuchten derweil mit vereinten Kräften und Erfolg einige Wolken vor die Sonne zu schieben, um mir einen erneuten Hitzeschock zu ersparen. Das hätte mir jetzt noch zu meinem Glück gefehlt. Aber das Wetter benahm sich am zweiten Tag sehr ordentlich. Bedeckt, aber nur ganz wenige Tropfen Regen, angenehme Temperaturen und mit fortschreitender Tageszeit kamen auch wieder mehr Zuschauer an die Treppe.

 

Mittlerweile näherte sich auch Steffen Clauss aus Radebeul dem Gipfel. „Der Läufer geht jetzt in die 98. Runde“, verkündete der Streckensprecher, der rund um die Uhr immer wieder informierte und motivierte. Toll hörte sich das an. Und veranlasste natürlich auch die Mitläufer zu Anfeuerung und Beifall. Wie so oft während den langen Rundenläufen waren wir während des langen gemeinsamen Laufens zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Man kämpft mehr miteinander als gegeneinander, obwohl natürlich beim Hintereinanderherlaufen auf der Treppe weniger Kommunikation möglich war, als sonst bei Rundenläufen.

 

Dann, gut 20 Minuten nach Steffen, war ich selbst an der Reihe. Zum letzten Mal diese phantastische Treppe hinunter. Zum letzten Mal diese verdammte Treppe hinauf. Die Mitläufer gratulierten und klatschten ab, die Zuschauer jubelten. Tolle Emotionen, Gänsehaut-Feeling, Gipfelerlebnis eben - und dann war ich zum letzten Mal oben. 19:19 Stunden hatte ich gebraucht. Das war etwa die Zeitspanne, die ich vorher auf Basis meiner Treppentrainingszeiten und meiner Ultralaufzeiten für theoretisch möglich gehalten hatte. Aber ich hätte vorher nie geglaubt, dass ich es schaffen würde.

 

Fast noch schöner als der Lauf selbst, waren dann die 5 Stunden bis zum Zielschluss. Zuerst genoss ich im Versorgungszelt eine schöne deftige Bratwurst. Normalerweise nicht meine Leibspeise, aber jetzt eine Wohltat, nach all den Riegeln, Gels und süßen Getränken. Die Verpflegung während des Laufs selbst wäre übrigens noch etwas verbesserungsfähig. Zwar gab es im Versorgungszelt eine reichhaltige Auswahl (incl. Spaghetti und Kuchen), aber dazu musste man von der Strecke. An der Versorgung, die man direkt beim Laufen passierte, waren die Bananen schon früh ausgegangen, so dass es an Essbarem nur Äpfel und Riegel gab. Ich ließ mich deshalb überwiegend von meinen Betreuern verköstigen. Mit denen zusammen feuerte ich jetzt die verbleibenden Treppensteiger an.

 

Ulrike Baars hatte nur 11 Minuten nach mir den Mount Everest bezwungen und souverän die Frauenwertung gewonnen. Robert Wenzel finishte nach 19:36 Stunden als Vierter. Und dann schafften es nach und nach noch 7 weitere Läufer die 39.700 Stufen voll zu machen, zuletzt nach über dreiundzwanzigeinhalb Stunden Alexander Helbig und Christian Kubsch aus Dresden. Sie alle wurden vom immer zahlreicher werdenden Publikum, zumindest im oberen Drittel der Treppe, fast nach oben getragen.

 

Die Stimmung war jetzt gigantisch. Dafür sorgte auch nach wie vor Kurt Hess. Er lief nach 24 Stunden immer noch, erreichte schließlich 133 Runden (=11.768 Höhenmeter) und war verdientermaßen der unumstrittene Star der Veran- staltung. Das soll aber das Lob für die anderen Teilnehmer nicht schmälern. Auch die, die den Gipfel nicht erreichten, boten tollen Sport. Vor dem Lauf war den meisten völlig unklar, inwieweit diese Kombination aus Treppen- und Ultralauf überhaupt machbar sein würde. Jetzt ist wieder Mal ein weißer Fleck auf der Ultrakarte ausgefüllt.

 

Die Siegerehrung startete nur 20 Minuten nach Abschluss des Laufs vor einem Panorama, das wirklich nur vom echten Mount Everest zu toppen wäre. Dazu Presse, Fernsehen und eine nach wie vor stattliche Zuschauermenge, die die Sieger gebührend bejubelte. So fand eine gelungene Premiere ein überzeugendes Ende - professionell organisiert und stimmungsvoll umgesetzt.

 

Informationen: Sächsischer Mt. Everest Treppenmarathon
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