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Laufberichte

Kurzer Ultra mit 1300 Höhenmetern

 

Der Saale-Rennsteig-Marathon wird heute mein 4. Marathon mit über 1.000 Höhenmetern hintereinander. Höhenmeter bedeuten für mich herrliche Landschaften mit vielen Fernsichten und Natur pur. Neben dem Marathon für Läufer gibt es heute auch einen Run & Bike Marathon sowie einen 23,8 km Lauf und einen 9km Lauf. Auch an die Nordic-Walker und die Kinder wurde gedacht. Der Marathon hat laut Veranstalter über 1.300 Höhenmeter.

Dem Saale-Rennsteig Marathon kann man drei Schlagzeilen verpassen: „Vom tiefsten zum höchsten Punkt im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt“  „Kürzeste Ultralauf Deutschlands“ (42,8km) und auch die noch „Einer der schönsten Landschaftsläufe Deutschlands“. Achtung, es ist nicht vom Rennsteiglauf, sondern vom Saale-Rennsteig-Lauf von Uhlstädt nach Schmiedefeld am Rennweg die Rede.

Frank Thomas, der Gesamtleiter des Saale-Rennsteig-Marathons, sagt zu seinem Lauf folgendes: „Der Saale-Rennsteig-Marathon ist ein Landschaftslauf mit anspruchsvollem Streckenprofil. Stadtmarathons, Rundenmarathons sowie flache Läufe gibt es genug in Deutschland. Wir, das Saale-Rennsteig-Marathon Team, wollen einen Marathonlauf mit Profil, Qualität und Anspruch ins Leben rufen. Wir denken, es ist uns gelungen und freuen uns, möglichst viele Teilnehmer im Ziel begrüßen zu dürfen.“

Für den Marathon zahlt man zwischen 23€ und 33€ je nach Meldetermin. Wer wie ich am Vortag anreist, kann für 5€ in der Turnhalle übernachten und am nächsten Morgen für kleines Geld auch frühstücken.

Der Ort Uhlstädt-Kirchasel gehört zu einer Großgemeinde mit 32 Ortsteilen. Die kleinste Gemeinde hat 7 Einwohner und die größte knapp 900 Einwohner. Die Orte sind überwiegend durch Landwirtschaft geprägt. Es gibt aber auch kleine Industriesiedlungen.

Ich bin zunächst mit Jan Prochaska der einzige Nächtigungsgast. Bernd Kalinowski soll später auch noch kommen, er war gestern bei einem 24h Lauf und kommt direkt von dort hierher. Wir haben viel Platz in der Turnhalle, denn es bleibt bei uns drei.

Gleich gegenüber der Sporthalle an der Saale ist das Flößereimuseum. Hier gab es ab dem 11. Jahrhundert viel Langholzflößerei. Die Saalfelder Benediktinermönche haben mit deutschen und slawischen Bauern die Wälder gerodet und die Holzstämme die Saale runter geflößt. Heute noch gibt es Flößervereinigungen, die das alte Brauchtum pflegen. Der Flößerverein Uhlstädt-Oberkrossen wurde sogar berühmt durch sein Mitwirken beim Film „Die Päpstin“. Ein Teil wurde hier auf der Saale gefilmt. Die Saale, die im Fichtelgebirge entspringt, ist mit seiner Gesamtlänge von 413km nach der Moldau der zweitlängste Nebenfluss der Elbe.

 
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Sonntag Marathontag: Schon früh am Morgen sind die ersten Geister unterwegs. So gegen 7 Uhr wälzen wir uns in den Schlafsäcken. Jetzt heißt es kräftig frühstücken. Die Wettervorhersage sagt uns einen frühherbstlichen sonnigen Tag mit Temperaturen um 15-18 Grad voraus. Das Niederschlagsrisiko liegt bei 20%.

Der Morgen ist ziemlich kalt und nebelig. Also ziehe ich doch noch eine dünne, langärmelige Jacke an, die ich mir später umbinden kann.

Kurz vor 9 Uhr heißt es dann für alle das warme Vereinshaus verlassen, Treffpunkt Startbanner, das zwischen Saale und dem Sportplatz ist. So nach und nach treffen alle Starter hier ein. Von den insgesamt 55 gemeldeten Marathonis treten 48 an.

Nach einer kurzen Ansprache wird des spannend. Es wird eine Handyverbindung nach Schmiedefeld zum Ziel hergestellt, von wo dann die Zeitnahme gestartet wird. Wir zählen die letzten Sekunden gemeinsam runter und los geht’s in den Nebel.

 
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Wir umlaufen den Sportplatz und kommen erst gar nicht nach Uhlstädt, sondern biegen nach Süden ab. Zwischen Kleinkrossen und Oberkrossen überqueren wir die Saale.  Dort gibt es noch ein Sägewerk mit Vollgatter von 1902. Das Besondere ist jedoch die 1943 aufgestellte Dampflokomobile zum Betreiben der Sägegatter. Früher waren  solche Lokomobile viel im Einsatz,  mit der beginnenden Industrialisierung verschwanden wie aber immer mehr. In den 1950er Jahren waren noch einige als Antrieb von Dreschmaschinen in Betrieb.

Es geht weiter zum 270-Seelenort Weißen. Hinter dem Ort biegen wir ab zur Klinik Weißenstein. Schon hier warnt uns das Radwegschild 7% Steigung auf 280m. Am steilsten Stück wird gegangen, um so Körner zu sparen, denn es werden noch viele Höhenmeter folgen. Der Veranstalter empfiehlt, die erste Hälfte besonnen anzugehen, denn in der 2. Hälfte kommen die meisten Anstiege.

Wir sind oben an der Klinik und dem Schloss Weißenburg auf dem Elsterberg. Nun geht es durch den Nebel leicht wellig die nächsten 3km bis nach Kolkwitz, das auch nicht mehr als 200 Einwohner hat. Ein Schild  kündigt die erste Verpflegungsstelle an.

Auf den nächsten Kilometern nach Langenschade geht es wellig aufwärts. Der Nebel weicht und die Sonne begrüßt uns. Kurz vorm Ort grüßen uns zwei Esel, hintern Ortseingangsschild liegt der Friedhof. Aufregenderes gibt es nicht zu berichten.

Hinter Langenschade bei km 9 geht es das erste Mal richtig zur Sache. Es stehen auf den nächsten 3km rund 200 Höhenmeter an. Aber die Landschaft  durch das Tal nach Schloßkulm ist einfach herrlich. Wir erreichen die Siedlung, die am Nordhang des Berges Kulm liegt. Es geht durch den kleinen Ort, vorbei an vielen schön restaurierten Fachwerkhäusern. Im Ort gibt es einen Versorgungsposten vom Verein Schloßkulm. An der großen Eiche hängt eine originelle Wetterstation aus der ich aber nicht schlau werde. Es geht weiter über einen schmalen steilen Pflasterpfad.

Weiter oben haben wir dann nochmal einen schönen Blick auf den schönen kleinen Ort, der von vielen Streuobstwiesen umgeben ist. Es geht weiter hoch zum Kulm. Kurz vor km 12 weist uns die Feuerwehr rechts ab. Auffällige Markierungen sind hier nicht erlaubt, also ist auf den nächsten Kilometern ziemlich viel Personal im Einsatz, um den Läuferinnen und Läufern den richtigen Weg zu weisen.

Es geht jetzt abwärts nach Dorfkulm. Während Schloßkulm noch zur Gemeinde Uhlstädt gehört sind wir jetzt in der Gemeinde Oberwellenborn, falls das jemand interessiert. Vom Oberdorf geht’s ins  Unterdorf. Die Saalfelder Benediktiner begannen hier einst mit dem Weinbau, ein Erdrutsch machte 1588 dem ein Ende.

Auch wir rutschen weiter bergab nach Remschütz zur Saale. Im Ort hat die FFW Remschütz die Versorgung übernommen. Wie an allen anderen VP-Punkten auch, werden wir herzlichst begrüßt und gut versorgt.

Das kleine Örtchen hat in der Vergangenheit sehr gelitten. Nach den Soldaten im 30jährigen Krieg kamen Epidemien. Und auch in den nächsten Jahrhunderten gab es viele Verwüstungen durch verschiedene Kriege im Umland.

 
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Die Unterführung zu Saale ist so niedrig, dass sogar ich den Kopf einziehen muss. Ein Nackedei geht gerade zum Schwimmen.  Mutig, Mutig! Wir überqueren kurz danach die Saale und folgen dem Fluss  weiter in Richtung Saalfeld. Am linken Saaleufer, der sogenannten Bauernseite des Ortes, sehen wir eine fast geschlossene Fachwerkbauernhofreihe, die sehr schön restauriert ist. Unsere Laufstrecke führt uns an dieser linken Saaleseite auf dem Saaleradweg weiter.

Am Ortsende wurde 1994 das Kunstufer eröffnet mit vielen Sandsteinskulpturen und einem Abakus im Wasser. Der Abakus ist über 300 Jahre alt und ist ein mechanisches Rechenhilfsmittel, bestehend aus Kugeln oder Steinen.

Wir folgen weiter der Saale und erreichen hinter km 17 Saalfeld,  das Stadtbild ist von vielen Renaissancegebäude geprägt. Leider sehen wir von der historischen Altstadt nichts, wir bleiben am Saaleufer.

Am Ortsanfang kommen wir am barocken Schloss vorbei, wo vormals eine Benediktinerabtei stand. Von uns aus ist jedoch nur ein Teil des schönen barocken Giebels zu sehen. Wir folgen dem Radweg bis zum Sportplatz. Hier an den Saalewiesen ist der nächste VP vom Saalfelder LV. In der Saale hat gerade ein Angler ein Erfolgserlebnis, denn an seiner Angel zappelt ein Fisch.

Hier ist auch der Startplatz für den 23,8km langen Lauf. Die 60 Läufer und Walker sind zeitgleich um 9 Uhr gestartet, so dass sie uns jetzt weit voraus sind.

Bei  km 19 gegenüber von Köditz geht es weg vom Wasser. Auf den nächsten Kilometern kommt das Angekündigte:  ziemlich anspruchsvolle Steigungen. Hinauf nach Eyba gilt es alleine fast 300 Höhenmeter zu überwinden.

Am Ortseingang von Eyba grüßt uns ein Relikt aus vergangener DDR-Zeit, ein Trabi. Wir sind oben, in 200m ist der nächste VP. Hinter dem Ort steht eine Gruppe um den Versorgungstisch, von dem man einen herrlichen Fernblick ins Tal hat. Doch bevor es weiter geht, wird versorgt. Die Mitglieder der FFW Eyba haben hier einen ganzen Tisch voll Essen und Trinken aufgebaut, sich selber aber mit einheimischem Bier eingedeckt. Natürlich geben sie mir was ab. 

Eyba auf 550m ü. NN hat auch nur 170 Einwohnern, aber ein Schloss mit Park und viele schön restaurierte Häuser.  Es geht durch Felder und Wiesen, immer schönen mit Fernblicken, rauf und runter.  Die Sonne scheint und es ist herrlich, hier zu laufen. Der  Anstieg hinauf zur Hühnerschenke (km 28) hat es dann wieder ganz schön in sich. Dann geht es ab nach Königsthal.

Schon vor dem Ort hören wir laute Traktorengeräusche. Es ist Kirmes und dazu wird ein Traktor-Pulling veranstaltet. Dabei muss ein schwer beladener Wagen (Bremswagen) möglichst weit von e Traktoren, die in PS-Klassen eingeteilt sind, möglichst weit gezogen werden. Jedem seinen Sport.

Wir laufen weiter und bekommen am Ortsende (km 32) hinter dem deftige Verpflegung und Getränke und werden vor dem vermeintlich längsten und härtesten Aufstieg gewarnt. Solange rechts noch Wiese ist, ist es noch nicht steil, aber dort, wo der Wald den Weg verschlingt, geht es steil aufwärts. Königlich durchs Königsthal könnte man sagen und auch die nächsten rund 4 km haben es in sich, besonders aber der 35. Kilometer.  Am Ende wartet das DRK, was wir aber nicht brauchen. Dann die ersten Häuser von Gösselsdorf. Wir haben das Hochplateau erreicht. Es gibt erneut Verpflegung. Der Tisch ist reichlich gedeckt, unter anderem gibt es leckere selbstgebackene Krapfen. Nach einer kurzen Pause geht es weiter.

 
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Wo’s rauf geht, geht’s irgendwann auch runter. Folgerichtig sind die nächsten 4 km zum Erholen und Genießen mit wunderschönen Ausblicken. Nochmal einen Blick zurück nach Gösselsdorf und dann der Blick nach vorn. Vor uns liegt auf der nächsten Anhöhe der Rennsteig im Thüringer Wald. Bei km 38 sind wir in  Gebersdorf und schon beim nächsten VP. Diesmal interessiert jedoch mehr der Tisch, wo die netten Gerbersdorfer (der Name kommt wahrscheinlich daher, weil die netten Einwohner gerne anderen was abgeben) bei Kaffee, Kuchen und Bratwurst zusammen sitzen.  Der  Zwetschgenkuchen ist super, und Bernd bekommt sogar Klöße. Vielen Dank. Nebenbei bekommen wir auch noch das Originalrezept dazu.

Der Ort mitten im Thüringer Schiefergebirge ist umgeben von Tal-, Hang- und Höhenlagen. Das alte Fuhrmanns- und Urlauberdorf war die letzte Erholung, nun geht es nur noch aufwärts und das 5 Kilometer.

Lippeldorf, Schaubergwerk Morassina, immer im Bergschritt. Dann das letzte Stück  hinauf zu unserem Zielort Schmiedefeld.  Als wir die Asphaltstraße erreichen, zeigt mein Garmin an, dass die Marathondistanz geschafft ist und der Ultra beginnt. Die letzten 700 geht es nochmal richtig zur Sache dann sehen wir von weitem das Ziel auf dem Parkplatz. Der Mini-Ultra mit 1300 Höhenmetern ist geschafft. Nach der Medaille gibt es eine Bratwurst und eine Flasche Bier.


6€ kostet die Rückfahrt nach Uhlstädt. Auf der Fahrt können wir nochmal viele Blicke durch die wunderschöne Saalelandschaft genießen. Und in Saalfeld sehen wir einen Teil der herrlichen Altstadt, die uns beim Lauf vorenthalten wurde.

Der Lauf ist zwar schwer, aber es ist ein herrlicher Landschaftslauf, der viel mehr Teilnehmer verdient. Es ist nun mein vierter Landschaftslauf in Thüringen. Zum Rennsteig-Marathon, Pummpälz (Melborn) Marathon und dem Kyffhäuser Bergmarathon passt dieser Landschaftsmarathon ganz hervorragend. Die Strecke sollte eigentlich jeder Trailer oder Naturfreund (mindestens) einmal laufen. 

Übrigens, trotz der anspruchsvollen Strecke kommen alle Teilnehmer ins Ziel. Ausfallquote: Null.

Sieger:
Männer
1. André Fischer  USV Erfurt/TSV Dresden 3:12:19
2. Patrick Ratzka  SV Turbine Hohenwarte 3:20:04
3. Karsten Porth  Dresden   3:23:52

Frauen
1. Sandra Warweg PFC Ilmenau   4:07:00
2. Katharina Henkel Zwickau   4:17:44
3. Karoline Seidlitz Kath. Laufjugend Arnstadt 4:30:58

 

 

Informationen: Saale-Rennsteig-Marathon
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