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Laufberichte

Laufend durch den herbstlichen Nationalpark Eifel

08.11.09

Meinen diesjährigen Marathonabschluss mache ich in der Eifel. Jetzt werden wohl einige sagen: „Was denn, schon so früh - es sind doch noch 7 Wochen am Jahr“. Aber als 20sten in diesem Jahr muss der Körper auch Zeit haben zum Regenerieren und das will ich ihm gönnen. Weil ich das schon immer so mache, kann ich schon auf 22 erfolgreiche Marathonjahre zurückblicken. Sonst habe ich noch oft den Arolsen Marathon zum Abschluss genommen, aber da werde ich dieses Jahr Gast, Fan und Betreuer sein.

Nun zurück zur Eifel. Die Wälder der Eifel sind majestätische Buchen, knorrige Eichen und wilde Bäche. Seit 2004 ist die Nordeifel Nationalpark, der erste Nordrhein-Westfalens. Im Bereich der Nordeifel liegt der Rurstausee, der volumenmäßig als zweitgrößter Stausee Deutschlands gilt, nach dem Bleilochstausee und noch vor unserem nordhessischen Edersee. Ich bin mal wieder an der Rur ohne h, die bei Sourbrodt in Belgien entspringt und bei km 39 den Rurstausee erreicht. Nach 170 km mündet sie in die Maas. Die Ruhr mit h ist ein Nebenfluss des Rheins und etwa 219 km lang. Beide Flüsse, Rhein und Maas münden in einem Delta bei Rotterdam in die Nordsee.

Dies ist in diesem Jahr mein 3. Eifelstart. Am 9. August lief ich den Monschau Marathon, der ganz in der Nähe vom Rursee Marathon liegt (nur ca. 10 Km Luftlinie entfernt) und am 18. Oktober den Echternach Marathon am Rande der Südeifel. Ich will damit nur sagen, dass ich weiß, dass die Eifel bergig ist. Wie bergig, habe ich heute wieder erfahren.

Das Orga-Team mit Barbara Wollgarten, Ursula Claßen, Bernhard Pauls, Helmut Peters und Ralph Thoma bieten ein Rursee-Marathon-Familien-Wochenende an, mit jeder Menge Aktion bereits am Samstag, sowie dem 16.5-km-Walk/Nordic-Walk, einer anspruchsvollen 40 km Eifelhöhen-Mountainbike-Fahrt und einem 5-km-Lauf. Heute am Sonntag startet der Marathon und ein 16,5 km Lauf.

Ich fahre schon sehr früh zu Hause los und treffe 1 ½ Stunden vor dem Start in Einruhr ein, wo sich auch Start und Ziel befindet. Die Temperaturen hier in Einruhr sind heute Morgen gerade mal 2 Grad Plus. Im beheizten Zelt sind die Startunterlagenausgabe und eine Gute-Morgen-Verpflegung. Hier sind schon einige am Frühstücken, um sich für den Berg-und-Tal-Lauf zu stärken. Neben den Unterlagen gibt es einen schönen und praktischen Day-Pack (Rursee-Marathon-Rucksack) der bei den Marathonstartern im Startgeld mit enthalten ist. Es kommt die Sonne raus, aber bei den Temperaturen bleiben die meisten im warmen Zelt und gehen erst kurz vor dem Start zum nahegelegenen Startbanner.

 
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Um 10:30 Uhr gibt es noch eine Ansprache und dann zählen die LäuferInnen von 10 auf Null und mit dem Startschuss setzt sich das Feld von 470 MarathonläuferInnen in Bewegung. Auf den ersten Metern im Ort bilden die späteren 16,5 km Starter und BegleiterInnen ein Spalier für uns. Es geht über die gepflasterte Ortsstraße an schönen Fachwerkhäusern auf der Rurstrasse leicht bergauf vorbei an der neoromanischen Pfarrkirche St. Nikolaus in Richtung See. Am Ortsende von Einruhr liegt links von uns das Schwimmbad, das heute ein Naturbad ist und ohne Chemie auskommt. Hier werden die Männer nach dem Lauf duschen.

In Einruhr endet eine historische Römerstraße und in der Gegend gibt es Bodenfunde einer römischen Besiedlung aus dem 2. und 3. nachchristlichen Jahrhundert. Am früheren Ufer der Rur, jetzt im See verschwunden, gab es 1470 eine Eisenhütte, die Roheisen aus Raseneisenstein gewonnen hat. Im Zuge der Rurstauung wurde das Eisenwerk geschlossen und die Menschen auf die höher gelegenen Ufer umgesiedelt. Noch heute gibt es aus dieser Zeit alte Fachwerkhäuser, wie z.B der Winkelhof in der Römerstrasse, der laut Türsturz von 1634 ist.

Noch vor dem Ortsende geht es wieder leicht bergab und wir kommen an den See, dem wir ein Stück folgen. Der Untergrund ist matschig und der Weg zieht sich in Wellen am See entlang. Nach knapp zwei Kilometern verlassen wir das Wasser und es folgt eine erste Steigung auf Naturuntergrund. Wir laufen über den früheren Truppenübungsplatz Vogelsang und haben die ersten 5 Km geschafft.

Dann geht es die erste richtige Steigung von 10% hoch zur Urftstaumauer. Gut, dass ich nicht im vorderen Feld bin, denn da müssen viele gehen, da es auf dem schmalen Pfad zu eng wird. Bei uns hat sich das Feld schon langgezogen und wir können ohne Pause die Mauer erklimmen. Vor mir läuft eine Frau die Steigung hoch, kann sich aber nicht von mir absetzten, obwohl ich gehe. Ich denke mir,  die Körner schon hier zu verschießen ist wohl nicht sinnvoll. Statt dessen genieße ich den herrlichen Blick auf die Mauer und den See. Wir überlaufen die Mauer und sehen kurz dahinter die Ordensburg Vogelsang. Zwischen 1936 und 1939 diente die Anlage der NSDAP als Schulungsstätte für den Nachwuchs ihrer Führungskader. Heute wird  sie zivil genutzt. Der See führt wenig Wasser und so kann man viel freies Gestein sehen, das sonst unter Wasser ist.

Kurz hinter der Mauer bei Km 7 erreichen wir die erste Verpflegungsstation. Jetzt geht es weiter auf dem schotterigen Untergrund. Bei jedem Schritt merkt man die Steine durch die Schuhe. Wir folgen weiter dem See Richtung Staudamm Paulushof. Der Weg führt jetzt erst mal leicht bergab und lässt sich gut laufen. Hier am Staudamm gibt es sogar Zuschauer, die uns bejubeln. Sind wohl Begleiter der Läufer? Hier trennt sich auch die 16,5 km Strecke von uns. Während die 16,5er über die Staumauer und auf der anderen Seite zurück nach Einruhr zum Ziel laufen, sind weiter entlang des Sees unterwegs.

Es geht zunächst erst mal flach weiter. Wir erkennen auf der anderen Seite vom See Rurberg, das wir erst viel später (km34) erreichen. Hinter Km 12 beginnt dann ein langer Anstieg auf Asphaltuntergrund. Auf der Höhe der Weidenauer Berge haben wir einen herrlichen Blick über den See, diesmal nach Woffelsbach, das wir ebenfalls später (Km 30) noch kennen lernen.

Es beginnt ein längeres Bergabstück durch den Wald zum nächsten Verpflegungspunkt bei Km 14,3, den das THW betreut. Danach geht es noch ein weiteres Stück durch den Wald. Dort, wo wir wieder das Wasser erreichen, befindet sich vor uns auf einer Halbinsel eine ehemalige römische Festungsanlage, bzw. was davon noch übrig ist. Dahinter wird der Blick schon frei zur nächsten Staumauer. Wir umlaufen noch eine Bucht und erreichen nach einer weiteren Steigung die 3. Verpflegungsstation bei Km 19. Hier ist der VFL Kommern mit der Versorgung betraut worden.

 
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Kurz danach erreichen wir den Staudamm Schwammenauel. Wir überqueren die Staumauer und haben einen herrlich freien Blick auf den nördlichen Teil des Rursees. Hier ist heute trotz des niedrigen Wasserstandes Schiffsverkehr für Ausflügler. Wir laufen am Ufer entlang und kommen an der Halbmarathonmarke vorbei. Auf der Höhe von Schmidt haben wir den nördlichsten Teil der Strecke erreicht und kommen am einzigen Strandbad am Rursee, dem Sonnenstrand Eschauel, vorbei. Heute ist jedoch von Strandbad nichts zu merken. Von nun an geht es auf den Heimweg.

Wir laufen direkt am See entlang und genießen die Aussicht über das Wasser. Durch die Sonne ist es entspannend auf diesem Stück zu laufen. Die Entspannung dauert aber nicht sehr lange, denn der nächste Anstieg steht uns bevor. Wir tauchen mal wieder in den Wald ein und auf dem Weg zum Versorgungspunkt bei Km 24 geht es noch mal heftig aufwärts.

Danach kommen wir wieder an den See und es geht wellig weiter um die nächste Spitze am Wildenkopf. Zwei Drittel der Strecke haben wir hinter uns, aber nicht alle Steigungen, denn die nächste erwartet uns schon bald. Zuvor kommen wir bei Km 29 an eine weitere Versorgungsstation beim Jugendferienheim Schilsbachtal. Hier werden wir mit lauter Musik und freundlichen Helfern erwartet. Um zum Km 30 zu kommen, heißt es jetzt einen langen Anstieg zu bewältigen.

Kurz danach erreichen wir Woffelsbach das sich als sehr hügelig erweist. Im Ort passieren wir den Km 31. Woffelsbach ist eine kleine Gemeinde, die zu Simmerath gehört und als Seglerzentrum vom Rursee gilt. Hier haben viele Wochenendsegler im Sommer ihre Yachten liegen.

Wir überwinden eine weitere Steigung, dann geht es über die Landstraße Richtung Rurberg. Leicht wellig erreichen wir hinter Km 33 Rurberg. Am Ortseingang verlassen wir die L128 und laufen über die Woffelsbacher Strasse in den Ort. Kurz danach biegen wir ab und laufen auf dem Seerandweg entlang. Hier ist im Sommer auch ein Zentrum für die Segler. An mehreren Stellen befinden sich Anlegestellen für die Segelboote. Bei dem wenigen Wasser und wohl auch wegen der Jahreszeit sind diese heute jedoch verwaist. Wir umlaufen den Ort direkt am Wasser entlang. Noch vor dem Ende der Seespitze am Paulushof führt die Laufstrecke über den Eiserbachdamm. Hier holt mich Renate Werz vom 100 Marathon Club ein. Sie freut sich, dass heute auch von Marathon4you jemand den Weg zum Rursee gefunden hat. Sie läuft heute ihren 35. Marathon in diesem Jahr und wird den Lauf in 4:52:53 als 3. der W 60 beenden.

Am Ende des Damms kommt die 16,5 km Strecke vom Paulushof Staudamm auf die Marathonstrecke. Hier, bei Km 37, beginnt eine weitere Steigung. Jetzt werden aus den Läufern Wanderer, denn dieses ca. 500m lange Stück hat es wirklich in sich. Oben angekommen, gibt es einen herrlichen Blick nach links über einen Teil des Stausees. Dann geht es wellig durch Wiesen zum nächsten Versorgungspunkt hinter Km 38. Nach ca. 500 Metern geht es heftig nach unten zum See. Wegen des Untergrunds ist es besser, sich mit einer Hand am Geländer nach unten zu führen. Wir sind wieder am Seeufer. Der Weg führt uns relativ flach auf den nächsten 2 Kilometern über den Uferweg.

Hinter km 40 verlassen wir noch mal kurz das Seeufer und es kommt bei ca. 41,5 km die letzte richtige Steigung, die jedoch nur so ca. 200 Meter lang ist. Aber nach den vielen bereits absolvierten Steigungen können auch 200 Meter sehr lang werden. Am oberen Teil der Steigung hängt der Teufelslappen, der uns sagt, der letzte Kilometer hat begonnen. Hier oben steht eine Fotografin, die uns ablichtet. Hoffentlich sehen wir nicht allzu schlimm aus. Es geht bergab auf den Seeuferweg. Auch auf dem letzten Kilometer ist noch mal das Auge für die Unebenheiten auf dem herbstlichen Boden gerichtet, denn hier ist schon mancher entkräftet über kleine Wellen gestolpert und gestürzt. Den letzten knappen Kilometer laufen wir am Ufer entlang und hören schon die Begrüßung der einzelnen LäuferInnen im Ziel. Wir umrunden die Seespitze mit der B 266. Es geht scharf links vor dem Startplatz hinter dem Zelt entlang.

Dann ist es da, das Ziel. Jeder Finisher wird mit Namen angesagt, während es durch die Absperrgitter geht. Am Rande stehen kaum noch Zuschauer, denn die meisten LäuferInnen sind schon durchs Ziel. Hinter mir werden heute noch 55 finishen. Der Letzte braucht 6:24:42 Std.

Nach der warmen Dusche gehe ich noch mal ins Festzelt, wo das Kuchenbuffet leider schon leer ist, aber warmen Kaffee gibt es noch. Während der Siegerehrung ist das Zelt voll, was einen schönen Rahmen abgibt. In den Statuten der DLO steht ja auch, die Siegerehrung gehört zum Wettkampf. Ich komme gerade dazu, wie der Sieger der M80 (5:45:55) geehrt wird. Es ist Pol Defays aus Belgien. Er ist Ehrenmitglied und wird überschwänglich von den Anwesenden bejubelt.

Fazit: Ein landschaftlich schöner Rundkurs um den größten Teil des Rurstausees, mit teils heftigen Steigungen. Der Untergrund ist überwiegend gut zu laufen. Die Strecke ist ausreichend markiert, dass ein verlaufen schon schwierig ist. Stets freundliche Helfer an allen Stationen. Das Startgeld ist human, zumal man bei 25€ bzw. 28€ auch noch den schönen praktischen Day-Pack (Rursee-Marathon-Rucksack) beim Marathon inklusive hat. Wer eine Medaille als Erinnerung will, kann sich die für kleines Geld extra kaufen. Die Höhenmeter kumuliert sind fast exakt die vom Monschau-Marathon.

Ins Ziel kamen beim Marathon 68 Frauen und 469 Männer (71 Frauen, 394 Männer in 2008). TeilnehmerInnen und beim 16,5 km Lauf 509 Männer, 251 Frauen (486 Männer, 246 Frauen in 2008).

Marathon-Sieger:

Männer

1. Jürgen Austin-Kerl  PSV Grün-Weiss Kassel 2:40:14
2. Jean Herpers  Rae Run (Belgien)  2:53:56
3. Johannes Speck  Geilenkirchen-Sügg  2:54:09

Frauen

1. Sabine Kakomy  DJK Löwe Hambach  3:25:11
2. Claudia Schwan  SV Germania Eicherscheid 3:27:00
3. Annette Geiken  LG RWE Power   3:28:41

 

 

Informationen: Rursee-Marathon
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