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Laufberichte

Der Atem von Köln

 

Treffpunkt Freitag, 9:00 Uhr, auf dem Parkplatz der Einkaufsstadt Dodenhof vor den Toren Bremens. Im Bus tüteln wir gemütlich Richtung Süden. Wir, das sind 30 Runner vom Laufteam Dodenhof. Die Einkaufsstadt hat einen Running-Shop. Die Verkäuferin dort ist auch gleich die Trainerin und heißt Dagmar. Mit ihrem Mann Thomas organisiert sie als Krönung eines 12 Wochen langen Marathontrainings mit individuellen Trainingsvorgaben eine dreitägige Reise nach Köln.

Das erste, was wir von Köln schnuppern, ist die staugeplagte Nachmittagsluft. Irgendwann langen wir dann doch in der Kölner Rennbahnstraße an und besichtigen das Gestüt „Rennstall Schieren“, in dem erfolgreiche Galopprennpferde untergebracht, versorgt und trainiert werden. Die Pferde rennen zwar schneller als wir, aber nicht soweit. Marathonläuferin Annike hat gleich doppeltes Glück: erst tritt sie in Hunde AA und dann wird sie von der Fuchsstute Lacazar feucht angeschnaubt. Ein besseres Omen für den Marathon gibt es nicht.

Im stop and go tüteln wir durch den Feierabendverkehr bis nach Köln/Deutz. In der LanXESS-Arena sind Marathonmesse und Startnummernausgabe organisiert. Am Eingang wieder Stau. Aber okay, wegen der Terrorgefahr werden die Taschen aller eintretenden kontrolliert. Wir schnuppern in die Messe hinein und sind sehr angetan. Sportartikel- und Gesundheitsangebote werden übersichtlich, locker und licht ausgestellt.

 

 
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Nach dem Check-in im Hotel flanieren wir zwischen Friesen- und Breslauer Platz. Verschiedene Kneipendüfte würzen die milde Abendluft. Die Kneipen sind gut besucht, nicht nur der Kölner liebt Kölsch und Haxe. Wir speisen lieber Spanisch zu Abend und stehen dann beindruckt vor dem sich gewaltig in den Sternenhimmel erstreckenden Kölner Dom. Gleich daneben bauen emsige Helfer bis in die Nacht die Zieleinlauftribüne auf. Es duftet nach Marathon.

Das Laufteam Dodenhof startet Samstagfrüh in der Dämmerung zum Morgenlauf. Verdutzt starren uns heimwärts pilgernde Männer mit Bierflaschen in den Händen an. Wir gucken nicht minder verdutzt zurück. Hier und da zerbrochene Bierflaschen auf den Wegen. Aber dann am Rhein atmen wir die erfrischende Morgenluft ein und freuen uns auf den Tag.

Der ist verregnet, hält uns aber nicht vom städtischen Pilgern ab. Im Dom zünden wir ein Lichtchen an: Glücksbringer für den morgigen Marathontag. Am Abend dann die Pastaparty im Hotel. Mit dabei auch die Lauftruppe um unseren Star Sabrina Mockenhaupt. Mocki ist herrlich offen und unkompliziert. Sie will morgen den Halbmarathon in 1h:15min gewinnen.

 

 
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In Köln regnet es nur jeden zweiten Tag und so haben wir beim Marathon sonniges Spätsommerwetter. Während wir auf die andere Rheinseite nach Deutz hinüberpilgern, sind an die 12 000 Halbmarathonläufer auf der Strecke. Den Marathon werden 5 000 Läufer bestreiten. Auf der Videoleinwand sehen wir Mocki mit Laura Hottenrott um den Sieg kämpfen. Die erfahrenere Mocki gewinnt das Ding in 1h12min02sec!

Wir geben die Kleiderbeutel ab, suchen die Toiletten auf, reihen uns in unsere Startblöcke ein. Doch das wird eng, nicht alle Starter passen in den Gelben Block. Vielleicht stehen einige Läufer verkehrt. Mit Köller Gelassenheit harren wir aus. Die Sonne steigt herauf und so dicht an dicht ist keinem mehr kalt. Der Startschuss wird mit AC/DC’s „Hells Bells“ und Konfettiregen vollzogen. Blockweise werden wir auf den Weg geschickt. Ohne Stau laufen wir gleich locker los. Allet jut in Kölle.

 

 
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Rechts vom Rhein war nur der Start, denn gleich geht es über die Deutzer Brücke links rüber, den blickfangenden Dom schräg voraus. Beim Heumarkt biegen wir südwärts und laufen am Rhein entlang. Der Atem geht leicht und unbeschwert. Die Straßenbäume driften mit noch grünen und sich schon gelb färbenden Blättern gen Herbst. Nach Km 3 kommt uns die Führungsspitze des Marathons entgegen. Von Tempomachern geleitet, bahnt sich schon jetzt ein Zweikampf um den Sieg zwischen Hendrick Pfeiffer und Dominik Fabianowski an.

Als wir im - beim Köln Marathon wieder neu zu durchlaufenden - Stadtteil Rodenkirchen die Wendeschleife umrunden, sind bereits 7 km geschafft. Jetzt kommen uns die langsameren Marathonis entgegen. Die Begegnungen sorgen für kurzweilige Abwechslung. Auch weil das Starterfeld international ist und einige Teilnehmer kostümiert laufen.

Was in Köln auf keinen Fall fehlen darf, ist Musik am Streckenrand. So heizen uns Spielmannzüge mit Trommelwirbeln, schrille Gitarrengruppen oder Konservenmusik von Karneval- bis Heavy Metal Hits ordentlich ein.

 

 
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Wir laufen zurück Richtung Zentrum. Die Sonne kitzelt angenehm am Rücken, die Erfrischungen an den Verpflegungsstationen circa alle 5 km tun gut, der Atem geht gleichmäßig. Beschwingt laufen wir durch Wohngegenden und sind nach dem Chlodwigplatz bald im Zentrum.

Neben uns tauchen plötzlich laufende Kinder in grünen Shirts auf. Ein schönes Bild und ein tragendes Gemeinschaftsgefühl. Am Neumarkt bei km 14 steht besonders viel Publikum am Streckenrand. Das spornt an und kann gefährlich werden. Wer jetzt schon überpacet, wird später büßen.

Wir laufen südwestlich nach Lindenthal und Sülz. Auf breiter Straße wird es an der Universität zu Köln am Streckenrand etwas ruhiger. Dafür kommen jetzt wieder die Schnelleren von vorn entgegen. Dann wieder eine Schleife und in den Kurven der Sülzburgstraße mehr Publikum, reichlich Kinderhände wollen abgeklatscht werden: Bitte!

 

 
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Würdevoll, aber nur halbstolz durchlaufen wir das Tor zur Halbmarathonmarke. Nein, umkehren will jetzt keiner mehr. Wir horchen in uns hinein, kontrollieren Puls und Atem, wissen, dass es jetzt zunehmend schwerer werden wird.

Die Verpflegungsstände sind übersichtlich und durchdacht angeordnet. Erst gibt es nur Wasser, dann auch Bananen, ab km 21 zusätzlich Energiegetränk, später zusätzlich Cola und Energiegel.

Bei Km 23 kann eine Spendenmatte zu Gunsten einer Charity-Aktion durchlaufen werden. Drei Euro für „Wir für den Kölner Sport!“ Wir steuern wieder das Zentrum an. Und vom Rudolf- bis zum Friesenplatz rennen wir durch ein dichtes Publikumsspalier. Da geht richtig die Post ab. An den hier schattigen Passagen liegt es nicht, dass uns Gänsehaut überzieht. So stimuliert geht es weiter, jetzt mit euphorischem Atem Richtung Norden.      

Es bleibt am Streckenrand musikalisch belebt. Kluge, d.h. Kräfte einteilende Zurückhaltung wird bald wieder schwer, ja ist unmöglich. Es kommt das Revier vom Laufclub run squad cgn! Ein kurzes, aber das heftigste Zuschauerspalier beim heutigen Marathon. Harte Musik, frenetisch anfeuernde Leute, Konfettiregen, ein tanzender Löwe. Hier brennt die Luft, der Atem ist heiß. Wie halten die Mädels und Jungs das stundenlang durch? Die Kölner können halt richtig Party, wenn‘s geht, Karneval das ganze Jahr. Heute muss der Marathon herhalten. Das tut allen nur gut.

Ruhigere Passagen jetzt aber dann mal auch. Die einen gehen in sich, andere spulen ihr Ding ab, einige haben am Marathon zu knappern und werden langsamer. Wer kann und will, spürt nachhaltig auch den anderen Atem der Stadt. An der Strecke ist er an den Straßen und Gebäude spürbar. Die Wurzeln reichen bis in die Römerzeit zurück, führen über Industrie, Schifffahrt und Handel, bis zur Kirche, Kultur und Tourismus mit zahlreichen Museen.     

Es läuft weiter in den Norden und bei km 31 in der Amsterdamer Straße kommen wieder die Schnelleren von vorn. Das lenkt von den nun müder werdenden Schritten ab. Dass es um uns nie einsam wird, liegt auch an den Staffelläufern, welche immer mit wechselnden Leuten und verschiedensten Tempos um uns sind. Im Stadtteil Nippes drehen wir eine großzügige Schleife und werden ab Km 35 wieder südwärts geschickt.

Die langsameren Marathonis von vorn motivieren jetzt nicht mehr wirklich. Für viele ist jetzt der Kampf gegen sich selbst angesagt. Die Beine schmerzen, Krämpfe kommen, der Motor läuft heiß, der Atem kocht über. Da tut am Verpflegungspunkt kaltes Wasser übern Kopf und eine Cola in der Kehle gut. So schaffen wir es bis ins belebtere Zentrum zurück.

 

 
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Nach 40 km ein abgezäuntes Spalier für die Läufer, dahinter heißes Publikum. Wir dünken uns dem Ziel nahe. Aber das täuscht. Doch tief Luft holen, die Atmung intensivieren und ab dafür. „Da simmer dabei“, beim Rhein Energie Marathon: bis zum Finale. So tragen oder so werden wir getragen übern Neumarkt bis in die Hohe Straße. In der Einkaufspassage ragen die Domspitzen über die Hausdächer hinaus. Da simmer wirklich. Links rein in die Zielgasse. Unterm Zieltor Jubel pur, dahinter die Schmerzen schon vergessen.

 

 

Würdig und ganz stolz empfangen wir die Finisher-Medaille. Vom Laufteam Dodenhof haben die meisten ihr Ziel erreicht. Die schnellste ist tatsächlich Annike. Da haben Tretmine und Pferdespucke tatsächlich Glück gebracht. Wir tüteln jetzt gemäßigt durch das üppige Verpflegungsdepot. Es gibt außer Obst und Schorle auch Suppe, Hotdog und Schmalzstulle. Soviel kann man nicht essen. Und ohne Stau geht es an den Bierstand. Löblicherweise kommt erst der, an dem es Kölsch alkoholfrei gibt. Dann kommt auch der mit alkoholischem. Trink so viel du willst oder kannst, 22 000 Liter Kölsch stehen bereit! Aber wer schafft schon viel direkt nach dem Marathon?

Das sieht am Abend im Braugasthof am Friesenplatz anders aus. Notgedrungen wohlgemerkt. Denn dort gibt es kein alkoholfreies Bier, keine Cola, keine Schorle. Immerhin gibt es Wasser zu trinken, sonst bleibt nur das eine: das hausgebraute Kölsch. Doch wir wissen: Köln ist nicht nur Kneipen und Kölsch, Köln ist liebenswert und lebensfroh. Und Köln ist auch Marathon.

 

Informationen: RheinEnergie Marathon Köln
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