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Laufberichte

Im Sambarhythmus durch Duisburg

29.05.11

 

Der Marathon in Duisburg ist für mich immer eine schöne Pflicht.  Hier bin ich 1991 meinen ersten Marathon gelaufen und seitdem war ich in jedem Jahr dabei. Viele schöne Erinnerungen und Erlebnisse verbinden mich über die Jahre mit diesem Lauf. 

Seit 1995 wird hier das Konzept „Von Läufern für Läufer“ konsequent umgesetzt und erhält damit beim Gros der Hobbyläufer beigeisterten Zuspruch. Man investiert nicht in Spitzenläufer, sondern bemüht sich lieber um jeden einzelnen Läufer. Hier soll sich möglichst jeder Läufer als Star fühlen. So kommt man zwar nicht in die überregionalen Schlagzeilen, aber sichert sich einen treuen Läuferstamm von ca. 6000 Teilnehmern.

Für das gestaffelte Startgeld zwischen 40 und 65 Euro erhält man ein Finisher-Funktionsshirt, eine Medaille, einen Ergebnisdienst mit Liste, ein Video mit persönlichem Zieleinlauf, SMS-Service, Medaillengravur, Regenerationsschwimmen,  Massagedienst im Ziel, kostenlose Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln,  und frisch gezapftes Königs-Pilsener im Ziel. Läuferherz was willst Du mehr.

Damit möglichst viele Lauffreunde mitmachen können, wird neben der Königstrecke auch ein Halbmarathon und Staffelmarathon angeboten. Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit  auch als Inliner oder Handbiker teilzunehmen. Kein Wunder, dass hier in der Region fast alle Läufer auf dieses Ereignis fixiert sind und unbedingt dabei sein wollen. Mit der ASV Winterlaufserie haben sie auch eine ideale Möglichkeit sich auf diesen Lauf gründlich vorzubereiten und nutzen diese dann auch fleißig.

Natürlich kommen auch etliche Läufer von weiter her und so mancher der vor drei Wochen in Düsseldorf aussteigen musste, versucht es heute nochmals in Duisburg. Für diese Läufer hat man hier sogar extra noch einen Rabatt auf die Startgebühr gegeben.

Zusammen mit Berlin und Frankfurt hat bereits 1981auch Duisburg die ersten deutschen Citymarathonläufe organisiert.  Das war zur damaligen Zeit ein völlig exotisches Unternehmen und der damalige Etat betrug 8000 DM. Aber auch damals war man schon voller Begeisterung dabei im Ruhrgebiet einen Citymarathon zu etablieren. Mit den Jahren kamen und gingen wieder Konkurrenten, jedoch in Duisburg zeigte man Ausdauer und konnte immer alle Hindernisse und Klippen umschiffen. Das gehört sich ja auch so für eine Stadt zwischen Rhein und Ruhr. Duisburg ohne Marathon kann ich mir genau so wenig vorstellen wie ohne Hafen oder Zoo.

Also fahre ich am Samstag wieder die wenigen Kilometer in die Nachbarstadt. Der Sportpark Wedau ist  der größte Sportpark in Deutschland, und kann sowohl mit dem Auto als auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos erreicht werden. Kostenlose Parkplätze stehen hier auch heute trotz Kanu Worldcup massenweise zur Verfügung.

 
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Im Eisstadion direkt neben der MSV Arena erhalte ich die Startunterlagen und sehe mich noch auf der kleinen Marathonmesse um. Hier gibt es auch etliche Infostände für die nächsten Marathonläufe in der Region. Gerd Zachäus wirbt für den Essener Baldeneysee. Im nächsten Jahr feiert man dort schon das 50jährige Jubiläum.  Da muss ich auch wieder dabei sein. Wer möchte kann ab 16 Uhr noch an einer Pasta Party teilnehmen. Ein Angebot welches von den auswärtigen Teilnehmern gerne angenommen wird. Da man den Nachwuchs nicht früh genug fördern kann, gab es gestern bereits hier die Schülerläufe zwischen 800 m und 4.2 km. Mit 930 Schülern war man ganz zufrieden.

Am Sonntagmorgen mache ich mich mit dem bewährten Betreuerteam bestehend aus Inge und Christiane auf den kurzen Weg nach Duisburg. Wir schauen uns noch ein wenig in der MSV Arena um. Das Ziel ist bereits aufgebaut und das Stadion verbreitet bereits jetzt eine stimmungsvolle Atmosphäre.
Hier treffe ich meine Vereinsfreunde vom VfL Bergheide. Helmut und Reinhard wollen heute hier den Halbmarathon laufen.

Wir begeben uns zum Startbereich an der Kruppstr. und schlendern noch etwas über die Marathonmesse, welche sich heute hier an der Klönnewiese aufgebaut hat.

 
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Läufer in fast allen Vereinstrikots der Umgebung tänzeln jetzt nervös herum. Alle Starzeiten verzögern sich noch um 10 Minuten. Die Handbiker und Inliner sind bereits um 8:05 bzw. 8:10 Uhr gestartet.  Um 9:10 Uhr folgen nun die Halbmarathonläufer. Mit 3500 Teilnehmer stellen sie das größte Kontingent. Da sie bereits nach 4 km von der Marathonstrecke abbiegen, werden sie nicht stören. Ich wünsche meinen Vereinsfreunden noch viel Erfolg und mache mich  dann selbst startbereit.

Unser Start ist nun für 9:30 angesetzt und zwei Minuten vorher werden noch die Ekidenläufer auf die Strecke geschickt. Hier teilen sich bis zu 7 Schüler die Marathonstrecke und müssen zwischen 5 und 10 km Teilstücke mit einer Schärpe als Staffelstab zurücklegen. Auch eine gute Idee um Nachwuchs für den Marathonlauf zu gewinnen.

Ich treffe hier am Start noch Dietrich. Er war gestern noch beim Mittelrhein-Marathon und nutzt heute mit einigen 100er MC Läufern den Rückweg zum Start in Duisburg. Der Sprecher stellt uns noch Karl Pavan vor. Der 86jährige ist heute der älteste Teilnehmer. An ihm sieht man deutlich, dass Sport jung hält. Mit 6:50:09 wird er heute erfolgreich finishen. Einfach toll!

 
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Dann zählen die fast 1000 Marathonläufer die Sekunden herunter und es erfolgt der befreiende Startschuss für unseren Lauf. Mit einem langen Zuschauerspalier geht es über die Kruppstr. bevor wir dann Richtung Innenstadt in die Koloniestraße abbiegen. Bei Kilometer 1 zeigt meine Uhr 6:01. Nicht schlecht wenn man bedenkt, dass es die Bruttozeit ist. Die Zeitnahme erfolgt hier mit dem bewährten Champion-Chip und alle 5 Kilometer werden die Zwischenzeiten auf einer großen Uhr angezeigt. Die Strecke ist flach, asphaltiert,  natürlich amtlich vermessen und jeder Kilometer ist groß ausgeschildert. Brems- und Zugläufer im 15 Minutentakt stehen für die Zeit zwischen 3 und 5 Stunden zur Verfügung. Der Zielschluss ist für 15:00 festgelegt also hat man 5,5 Stunden Zeit.

Schon bald schließt Peer zu mir auf. Der sympathische Vielläufer hat schon 12 Läufe in diesem Jahr gemacht. Für Juli plant er mit dem Thüringer Ultra einen 100 Meilenlauf.

In der Innenstadt geht es für uns am Citypalais - mit dem modernsten Casino in Europa  - und Theater  vorbei, und bei Kilometer 5 erreichen wir die erste Verpflegungsstelle.  Insgesamt gibt es 18 Verpflegungsstellen welche auch bei hohen Temperaturen die Versorgung der Läufer sicherstellen. Hier gibt es jetzt erst einmal Wasser, aber später kommen auch Isogetränke, Cola und Banane dazu.

Das Wetter ist heute trocken und im Moment noch bei bedecktem Himmel sowie 15 Grad sehr angenehm.

Über die Ruhr erreichen wir den Innenhafen, welcher sich in den letzten Jahren immer mehr zur Party- und Erlebnisszene gewandelt hat. Auch etliche große Unternehmen haben sich hier  mit imposanten Glaspalästen niedergelassen.  Wieder geht es über eine Brücke in den Duisport, dem größten Binnenhafen der Welt. Heute am Sonntag sind wir Läufer hier unter uns und nur die parkenden LKW und die großen Kräne erinnern an das geschäftige Treiben innerhalb der Woche.  Bei Kilometer 10 zeigt uns eine große Uhr wieder die Zwischenzeit  und wir verlassen das Hafengelände ohne Zollkontrolle. Peer hat sich jetzt warmgelaufen und zieht langsam nach vorne weg.

Jetzt ist wieder einer der 18 Sambapunkte erreicht, wo die Läufer von Sambabands und Trommlergruppen unterstützt werden. Bei diesen Klängen wird man automatisch  schneller und Duisburg nennt sich daher auch zu Recht Sambamarathon. 

Nun kommen wir in den Stadtteil Meiderich, die Heimat des MSV. In der letzten Woche haben die Zebras mit dem Pokalfinale in Berlin ja wieder einen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte erreicht. Mit der Friedrich-Ebert-Brücke überqueren wir den Rhein und haben von der Brücke einen schönen Blick auf den Fluss. Behäbig ziehen die Lastkähne hier ihre Bahnen, aber uns bläst ein kräftiger Wind ins Gesicht. 

Auf der anderen Rheinseite geht es schon in den Stadtteil Homberg und man nutzt dort den Marathon zum Stadtteilfest. Natürlich gibt es auch hier eine Sambaband und ein Moderator begrüßt die Läufer. Die vielen Zuschauer applaudieren auch im Sambarhythmus und freuen sich immer wieder, wenn sie im Feld Bekannte entdecken. Viele Kinder nutzen auch die Gelegenheit  mal richtig Lärm machen zu dürfen und halten den Läufern ihre Hände zum Abklatschen hin. Direkt am Rhein erreichen wir die Halbmarathonmarke und meine Uhr zeigt 2:02. Hier ist es nun richtig grün und wir laufen durch eine schöne Wohnsiedlung.

Über die Deich- und Rheinstraße kommen wir nach Rheinhausen und zur Abwechslung gibt es Musik durch einen Spielmannszug. Bei Kilometer 25 kommen wir wieder zu einem Verpflegungsstand und dann geht es mit der „Brücke der Solidarität“ wieder über den Rhein nach Hochfeld. Diese Brücke war am 20. Januar 1988 das Ziel von 50.000 Stahlkochern, welche gegen die Schließung des Stahlwerkes in Rheinhausen protestierten. An diesem Tag bekam die Brücke ihren Namen, der dann später auch offiziell übernommen wurde.

Von der Brücke aus können wir eine imposante Industriekulisse bestaunen. Jetzt haben wir auch Rückenwind und die Bewölkung reist auf. Schnell wird es nun warm, aber doch eigentlich erträglich.

Damit wir im Sambarhythmus bleiben spielt wieder eine Band und nach dem 10ten Verpflegungspunkt laufen wir auf der breiten Düsseldorfer Straße in den Duisburger Süden. Bei Kilometer 29 stehen meine Fans und feuern alle Läufer an. Vom Wedaustadion ist es nur knapp 1 Km und sie konnten bequem zu Fuß hierher kommen. Nun gibt es Fotos und moralische Unterstützung. Inge reicht mir noch ein Stück Traubenzucker für einen Energieschub. Den kann ich ganz gut gebrauchen, denn jetzt geht es etwas trist und schattenlos durch Wannheimerort, bevor wir in Buchholz wieder ein Bürgerfest mit viel Musik und Zuschauern durchlaufen.

 
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Natürlich wird es so um die 35 Kilometer immer etwas schwer und mancher Läufer beschließt mal ein paar Schritte zu gehen. Zum Glück gibt es jetzt mehr Verpflegungsstellen und dort kann man die Gehpause ja bestens kaschieren. Sambaklänge aber reißen die Läufer auch immer aus ihrer Trance und stärken ihnen wieder den Rücken. Nachdem wir nochmals eine hübsche Wohnsiedlung durchlaufen haben, geht es auf der langen Großenbaumer Allee direkt auf die MSV Arena zu.

Noch 3 Kilometer heißt es kämpfen und immer wieder kommen wir an Zuschauergruppen vorbei welche uns mit anerkennendem Beifall antreiben. Schon ist das Stadion in Sicht und viele Zuschauer hat es nicht mehr drinnen gehalten. Über Handy melden sie die Ankunft ihres Helden an die Angehörigen im Stadion. Mit flackernden Discolampen geht es für uns durch einen Tunnel ins Stadion. Was für einen Anblick bietet die volle Haupttribüne direkt  vor der Zielgeraden!

 
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Die große Uhr zeigt 4:08:49 und alle Last ist wieder abgefallen als ich die Ziellinie überlaufe. Das ist für mich der Platz 16 in meiner Altersklasse. Ich entdecke Inge und Christiane im Gewühle und winke ihnen glücklich zu. Ich erhalte meine Medaille und treffe Helmut, der mir schon was zu trinken besorgt hat. Wir setzen uns noch auf den Rasen und erzählen von unseren Erlebnissen unterwegs und genießen die tolle Stadionatmosphäre.

Ich hole mir das schöne Finisher T-Shirt  und gehe dann langsam zum Ausgang. Hier treffe ich auch Inge und Christiane mit den anderen Bergheide Fans und wir gehen erst einmal zur Regattabahn um den erfolgreichen Marathon zu feiern. Auf dem Rückweg zum Auto treffen wir noch Sigrid, und ich kann ihr noch nachträglich zum 1600 Lauf gratulieren. Heute hat sie auch wieder ihre Altersklasse gewonnen.

Fazit: Auch bei meiner 18ten Teilnahme ist mir der Rhein-Ruhr-Marathon kein bisschen langweilig geworden. Im Gegenteil, es ist wie bei alten Freunden, man freut sich schon auf das nächste Treffen.   

 

Informationen: Rhein-Ruhr-Marathon
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