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Laufberichte

Von der Steinernen Brücke zur Walhalla

28.05.06

Warum Regensburg?

 

Ein Ausdauersportler kommt man an Regensburg kaum vorbei. Hier gibt es an einem einzigen Wochenende für jeden Geschmack und für jede Leistungsklasse einen eigenen Wettkampf.


Am Samstag findet, heuer erstmals, um 09.50 Uhr der Sprint-Duathlon über die Distanzen 5 km Laufen – 21 km Radfahren – 5 km Laufen statt. Der Duathlon hörte sich ganz interessant an und ich habe lange mit mir gekämpft, ob ich mich anmelden soll, aber schließlich gewann die Vernunft (?) Oberhand: Ich wollte meine Marathonzeit am Sonntag nicht gefährden und ließ es bleiben.

 

10 Minuten später startet der Frühstückslauf über 6 km, bei dem auch Zugläufer eingesetzt sind – aber nicht, um die Teilnehmer mitzuziehen, sondern um sie zu bremsen. Es handelt sich ausdrücklich nicht um einen Wettkampf, sondern  Langsamkeit ist angesagt! 


Am Samstagnachmittag werden dann die Kinderläufe durchgeführt. Richtiger Wettkampftag ist aber erst der Sonntag - und hier ist wirklich für jeden Ausdauersportler etwas Geeignetes dabei: Der Inliner-Halbmarathon beginnt um 08.30 Uhr, der Marathonlauf um 08.45 Uhr, der Nordic-Walking-Halbmarathon um 09.45 Uhr und schließlich der Halbmarathon  für  Läufer um 10.10 Uhr..

 

Das Rahmenprogramm


Parallel zu den Wettkämpfen läuft ein sehr interessantes und vielseitiges Rahmenprogramm ab. Im Start-/Zielbereich sei zunächst die Marathonmesse zu erwähnen, in der man rund um den Ausdauersport alles finden kann, was das Herz begehrt, mit etwas Glück lässt sich durchaus auch das eine oder andere Schnäppchen machen. Dann deckt man sich bei den Werbe- und Informationsständen anderer Läufe mit Ausschreibungen und Prospekten ein und holt sich auf diese Weise Ideen für die nächsten Sportveranstaltungen, an denen man teilnehmen könnte.

 

Natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt; man kann sich Kaffee und Kuchen holen, auch die Nudelparty beginnt bereits am Samstagmittags und wer es etwas deftiger schätzt, der holt sich frisch gegrillte Bratwürstchen aus dem kleinen Bierzelt.


Weiterhin ist vor allem das Sportsymposium der Universität Regensburg erwähnenswert, die musikalische Unterhaltung – Höhepunkt das Marathon-Rockkonzert um 19.00 Uhr – sowie die sportlichen Vorführungen, darunter etwa Rock`n` Roll und Karate, die über den ganzen Tag verteilt sind. Und wer nicht nur für das körperliche, sondern auch das seelische Wohl etwas tun möchte, der besucht den Gottesdienst im gotischen Dom St. Peter, der für einen Gast der Stadt ohnehin ein Ziel darstellt, das zu besuchen er auf keinen Fall versäumen sollte. Zudem wird die Messe von den Regensburger Domspatzen gestaltet – ein Hochgenuss für Freunde der Musik.

 

Die Strecke


Für einen Sportler wie mich, der vor den Toren Regensburgs wohnt, bietet sich der örtliche Marathon natürlich an. Dreimal bin ich ihn schon gelaufen und eigentlich hatte ich nicht mehr vor, nochmals teilzunehmen... jetzt aber wird eine neue Streckenführung geboten und die neue Herausforderung gilt es anzunehmen.


Zunächst zu dem Streckenabschnitt, der sich nicht ändert, und der heißt Regensburg/Innenstadt. Es bleibt beim Passieren wichtiger historischer Höhepunkte am Anfang und gegen Ende des Laufs, wobei hier auch die meisten Zuschauer stehen.

 

Bisher waren zwei identische Schleifen à 21,097 km zu bewältigen, von denen die weitaus größten Abschnitte durch den aus Läufersicht unattraktiven, ja eintönigen Osten der Stadt führten. Davon abgesehen finden viele Teilnehmer das zweimalige Durchlaufen jeweils der gleichen Strecke auch nicht sonderlich prickelnd.

 

Nun gibt es also als Neuerung für die Marathonis eine einzige lange Schleife. Da man aber irgendwie auf seine 42,195 km kommen muss, führt der Weg vom Start beim Westbad am Rand der Altstadt vorbei in den Osten und von dort weit hinaus in die Vororte; hat man  den Sarchinger Weiher hinter sich gelassen, strebt man der Wendemarke im Dorf Illkofen zu. Es geht wieder in Richtung Regensburg und von der Hügelkette an der Donau grüßt ernst und feierlich die Walhalla. Die eigentlichen Höhepunkte des Laufs, die mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten der Stadt, die sich kein interessierter Besucher entgehen lässt, kommen allerdings erst wenige Kilometer bevor man das Ziel erreicht. Nun ist die Masse der Läufer schon erschöpft – es tut zwar gut, hier durch die vielen Zuschauer, die an den anderen Streckenabschnitten eher rar sind, aufgemuntert zu werden, aber ob man dann, schon ziemlich kaputt, das einmalige Ambiente so richtig zu würdigen weiß, sei dahingestellt.

 

Größter Unsicherheitsfaktor freilich ist das Wetter: Wir schreiben Ende Mai, die Wahrscheinlichkeit, dass der Tag heiß wird und die Sonne sticht, ist sehr groß – und man muss sich dann darauf einstellen, so gut wie keinen Schatten zu finden.

 

Der Autor


Aber der Reihe nach. Zu meiner Person: Ich bin 49 Jahre alt, d.h. im Jahre 2006 starte ich erstmals in der Altersklasse M 50. Ich bin glücklich verheiratet und habe eine 13jährige Tochter. Ich laufe seit nunmehr 7 Jahren. Nach mehr als 20 Jahren ohne Sport, von gelegentlichen Wanderungen und Radtouren abgesehen, haben mich Midlife-Crisis und beginnendes Übergewicht (damals knapp 95 kg) zum Laufen gebracht.

 

Es war faszinierend zu beobachten, wie einerseits das Gewicht fiel und andererseits das körperliche Wohlbefinden anstieg. Bald war ich auf knapp 75 kg „abgemagert“ und brauchte eine komplett neue Garderobe. Da viele meiner Laufkameraden ambitionierte Marathonfans sind, stand es für mich außer Frage, dass auch ich die Königsdistanz angehen würde. Nach etwa einem Jahr war es so weit: Ich hatte mich im Training von „alten Hasen“ führen lassen. Lange Läufe, Bergstrecken, Bahntraining zur Verbesserung des Grundtempos,  sowie Kilometersammeln wechselten einander ab. Der erste Marathon war denn auch gleich ein Heimspiel, nämlich im Juni 2000 Regensburg.

 

Ich schloss mich dem Zugläufer für die Zeit unter 3 Stunden 45 Minuten an und beging sofort den typischen Anfängerfehler: In der ersten Euphorie lief ich der Gruppe nach einigen Kilometern davon, um dann, nachdem mich bei km 35 der Mann mit dem Hammer getroffen hatte,  wieder von ihr überholt zu werden. Ich finishte mit 3 Stunden 53 Minuten – und war, obwohl total erschöpft, der glücklichste Mensch der Welt.

 

Nun könnte man sagen, es ist das typische Suchtverhalten. Man möchte eine Droge immer wieder einnehmen und steigert die Dosis. Hier war es nicht anders. Meine Droge namens Marathonläufe gehört zu meiner fixen Lebensplanung, ich schaffe normalerweise fünf im Jahr und Regensburg 2006 ist meine „Nummer 24“.


Meine Erstlingszeit von 3 Stunden 53 Minuten habe ich nie wieder benötigt. Im Normalfall komme ich aktuell bei flacher Strecke auf eine Zeit unter 3 Stunden 20 Minuten, 2005 habe ich meine persönliche Bestmarke mit 3 Stunden 9 Minuten gesetzt.

 

Allerdings schätze ich auch Bergläufe; zweimal habe ich den Waldmarathon in Zeil am Main mit etwa 850 m, einmal den Fichtelgebirgsmarathon mit ebenfalls 850 m und den Obermainmarathon in Bad Staffelstein mit 700 m Höhenunterschied unter die Sohlen genommen – da muss man natürlich schon noch ein paar Minuten dazuzählen.


Na, dann bin ich ja mal gespannt, wie´s mir dieses Mal in Regensburg geht.

 

Der Lauf


Es ist sehr vernünftig, Marathon- und Halbmarathonläufer zeitlich versetzt starten zu lassen, so kommt man sich nicht gegenseitig in die Quere und die Strecke wird nicht überlastet.


Dann sind die Marathonläufer in drei Leistungskategorien eingeteilt, die in verschiedenen Startblocks antreten: Kategorie A mit einer voraussichtlichen Zeit von weniger als 3:30 Stunden steht am Start ganz vorne, Kategorie B, Zielzeit weniger als 4:00 Stunden, in der Mitte und Kategorie C mit über 4:00 Stunden am Schluss. Dies ist deshalb ganz angenehm, weil es für die „schnelleren“ Läufer gerade über die ersten Kilometer ausgesprochen unangenehm und kraftraubend ist, ständig Haken schlagend die „Langsameren“, die sich ganz vorne im Starterfeld eingereiht haben, überholen zu müssen.

 

Es ist Sonntagmorgen, 28. Mai.Die Großwetterlage ist alles andere als typisch für die Jahreszeit: Polarluft wird nach Süddeutschland geschaufelt, es ist empfindlich kalt und es hat die ganze Nacht geregnet – nein aus Kübeln geschüttet. Ich verwerfe die Absicht, mit dem Fahrrad zum Start zu fahren. Stattdessen nehme ich das Auto bis zum Parkplatz des Köwe-Center, von dort bringt ein Shuttle-Bus die Läufer im Fünf-Minuten-Takt problemlos und zuverlässig zum Start.

 

Die Kleiderabgabe ist leicht zu finden und der Kleiderbeutel sofort abgegeben. Nun gilt es, warm zu bleiben. Zum Glück wurden Plastikleibchen ausgeteilt, die man sich überstreifen kann. So bleibt die Körperwärme drinnen und die Regennässe draußen.

 

Es stehen, nein: es fiebern etwa  1300 Läuferinnen und Läufer am Start. Die allgemein übliche, freudige Erwartung, gepaart mit Nervosität: „Werde ich durchhalten? Habe ich genügend trainiert? Sind meine Schuhe richtig geschnürt? Wird es mit dem Wetter passen?“


Der Moderator, ein regional bekannter Sportkommentator namens Armin Wolf, heizt mit seinen Kommentaren die Stimmung an.

 

Endlich wird heruntergezählt und pünktlich um 08.45 Uhr fällt der Startschuss.

 

Es dauert, wenn man im Block A startet, nur einige Sekunden, bis man die Matten mit der Zeiterfassungselektronik überschritten hat. Die Stoppuhr wird gedrückt: Es kann losgehen.

 

Wie jedes Mal legt sich die nervöse Anspannung sofort nachdem ich die Matten überschritten habe. Euphorie macht sich breit – endlich ist der Augenblick gekommen, für den man so lange und diszipliniert trainiert hat. Die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen, die Leute unterhalten sich angeregt über das Woher und die angestrebten Zeiten.

 

Vom Start-/Zielgelände am Parkplatz der Siemenswerke im äußersten Westen der Stadt führt der Weg zunächst in Richtung Zentrum. Erster Eindruck: Trotz des Regenwetters haben die Veranstalter alles unternommen, um die Stimmung volksfestmäßig anzuheizen, und hierzu zählt zunächst einmal Musik. Alle paar Kilometer steht eine Musikgruppe, wobei von Volksmusik bis Heavy Metal für jeden Geschmack das Passende dabei sein dürfte, und heizt Läufern wie Zuschauern ein. Und wer hat noch nicht erlebt, dass der frenetische Jubel der Sportfreunde am Straßenrand noch einmal einen nicht mehr für möglich gehaltenen Adrenalinausstoß verursachte und die letzten Kräfte für die letzten Kilometer mobilisierte!

 

Es geht zunächst am Stadtpark vorbei. Mit dem Jakobstor, einem Tor, das um das Jahr 1300 als Bestandteil der Umfassungsmauer der im Mittelalter Freien Reichsstadt Regensburg gebaut wurde, betritt man die historische Altstadt. Unmittelbar danach passieren wir die spätromanische „Schotten“-Kirche St. Jakob, eine von irischen Mönchen gegründete Kirche auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, deren Portal aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eines der merkwürdigsten und bekanntesten Meisterwerke romanischer Skulpturenkunst in Deutschland darstellt. Es gibt bisher mehr als 70 unterschiedliche Deutungsversuche zum Bildprogramm!

 

Nun eine kleine Steigung dann überqueren wir den Bismarckplatz mit dem Stadttheater und der ehemaligen Botschaft Frankreichs beim Immerwährenden Reichstag, der von 1663 bis 1806 in Regensburg stattfand. Nach etwa 4 Kilometern sind jetzt die Muskeln warm, es läuft „rund“. Ich genieße die Bewegung, die Stimmung, die Atmosphäre – und den Regen. Was tun schon die paar Tropfen...? Sieht man´s positiv, kann man sich ja eigentlich keine bessere Erfrischung wünschen...

 

Mit großen Schritten verlassen wir bald wieder die eigentliche Altstadt, vor uns liegt die Strecke, die einige mentale Härte abverlangt: Adolf-Schmetzer-Straße und Straubinger Straße sind breite Ausfallstraßen, normalerweise vollgestopft mit Autos auf zwei Fahrspuren in jeder Richtung, heute gesperrt für den Marathon. Es bleibt aber bei dem Eindruck, auf einer leeren Autobahn zu laufen und es geht Kilometer um Kilometer eintönig dahin. Für mich freilich gerade auf dieser recht freudlosen Strecke bei Kilometer 9: Der Wasserstand „meines“ Lauftreffs Hainsacker. Aus vielen Kehlen kommen aufmunternde Worte, Wasser wird gereicht, das gibt Kraft nicht nachzulassen.

 

Bis Kilometer 10,5 ist die Strecke mit der für die Halbmarathonis identisch. Wir lassen deren Wendepunkt hinter uns und verlassen kurz danach den Stadtbereich. Mittlerweile hat es aufgehört zu regnen, was ich ziemlich bedauere. Es wird schwül-dämpfig, der Körper fängt jetzt an, viel stärker zu schwitzen.

 

Der erste Ort im Landkreis Regensburg ist Barbing. Eigentlich nimmt ja der Marathon den Landkreisgemeinden, durch die er führt, den ganzen Vormittag die Möglichkeit, die Hauptstraße zu benutzen. Man müsste also Verständnis dafür haben, wenn die Bewohner dieser Orte nicht so gut auf die Veranstaltung zu sprechen sind...

 

Weit gefehlt! Am Dorfeingang von Barbing überrascht uns ein großes Transparent: „Barbing grüßt die Marathonläufer aus aller Welt“. Und die Bürger machen aus unserem Lauf wirklich ein Volksfest: Viele Häuser sind beflaggt (!), die Dörfer haben sich herausgeputzt, Musikkapellen spielen, Vereine haben Wasserstände, Hunderte von Zuschauern säumen den Weg, klatschen und jubeln.

 

Nicht anders der Eindruck in den nächsten Dörfern Sarching, Friesheim und Illkofen. Am liebsten würde ich mich dort bei jedem Zuschauer persönlich bedanken, so warmherzig war der Empfang!

 

Illkofen markiert ja den Wendepunkt. Etwa 200 Meter nach dem Punkt die Matten mit der Zwischenzeitmessung für die halbe Strecke, 21,097 km. Ich checke kurz meine Zeit und stelle verblüfft fest, dass ich mit 1 Stunde 31 Minuten und ein paar Sekunden deutlich flotter dran bin, als ich es selbst vermutet hatte. Na, wenn das mal gut geht...

 

Noch geht es flott dahin, es geht den gleichen Weg zurück, das heißt wir dürfen nochmals  die uns so freundlich gesinnten Gemeinden durchqueren.Man hat längere Zeit einen guten Blick auf die Walhalla, die auf der Hügelkette, die sich parallel zur Donau hinzieht, gut zu sehen ist. König Ludwig I. von Bayern hat sie aufstellen lassen, 12 Jahre dauerte der Bau, von 1830 bis 1842. Sie ist aus weißem Marmor errichtet, Vorbild war das Parthenon in Athen. Ludwig empfand die Besatzung Deutschlands durch Napoleon als so schmachvoll, dass er die Walhalla nach der Befreiung „als Ruhmeshalle für große Deutsche“ errichten ließ. Letzte Walhallagenossin wurde Sophie Scholl, mit der der Widerstand gegen jegliche Art von Tyrannei gewürdigt wurde.

 

Bald ist wieder der Stadtrand von Regensburg erreicht und damit der Wendepunkt für die Halbmarathonis. War man vorher fast alleine auf der Strecke, teilt man sich diese jetzt auf den letzten 10,5 km mit einem dichten Feld von deutlich langsameren und häufig grüppchenbildenden Läufern. Gerade jetzt, wo die Energien beginnen nachzulassen und der Körper allmählich müde wird, muss man Haken schlagen oder rufen, um die Pulks überholen zu können. Es wird sehr schwierig, ein vernünftiges Tempo zu laufen.

 

Ich bin froh, mit dem Ostentor – ebenfalls ein Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung – wieder die Altstadt zu betreten. Wenn auch das Wetter nicht schön ist, so ist es doch trocken und viele Regensburgerinnen und Regensburger haben sich aufgerafft, die Läufer anzufeuern. Sie stehen dicht gedrängt an den Straßenrändern. Zunächst werden wir über zwei Brücken auf die Nordseite der Donau geführt – nur so ist es ja möglich, dann die Steinerne Brücke zu überqueren.

 

Die Steinerne Brücke, erbaut von 1135 bis 1146, das „achte Weltwunder des Mittelalters“, ein Meisterwerk romanischer Ingenieurskunst, nicht nur funktional, auch ästhetisch. Sie überspannt die Donau mit einer Länge von 330 Metern – freilich sind auch 5,5 Höhenmeter zu überwinden. Von der Brücke hat man einen einmaligen Panoramablick auf die Stadt – ein vieltausendfach fotografiertes Postkartenmotiv. Für mich bedeutet heute die Brücke aber Kilometer 38: 90 % der Strecke sind überstanden!

 

Wo es bergauf geht, geht es auch wieder bergab. Nachdem der Scheitelpunkt der Brücke erreicht ist, nutze ich das Gefälle, um noch einmal Gas zu geben, an den johlenden und lärmenden Zuschauermassen – ja, hier kann man wirklich von Massen sprechen – vorbei.


Noch ein kleiner Anstieg: die Brückstraße. Es geht in die Fußgängerzone, das schönste Viertel der Altstadt. Der Platz vor dem Alten Rathaus, dem am besten erhaltenen gotischen Rathaus Deutschlands, ist schwarz von Menschen, ebenso der Haidplatz, eine italienische Piazza mitten in Bayern.

Wir werden wieder an Donau geführt, es sind nicht mehr so viele Zuschauer am Wegrand.


Nur noch 3, nur noch 2 km. Wie geht es mir? Nun, die sonst häufig auf den letzten Kilometern auftretenden Wadenkrämpfe blieben mir erspart. Natürlich muss ich jetzt kämpfen, die Bewegungen verlieren an Behändigkeit. Der „Mann mit dem Hammer“ hat zugeschlagen, nicht sehr fest, aber er hat doch zugeschlagen. Ich motiviere mich mit dem Gedanken an die Freude und den Stolz im Ziel.

 

Der Zielbereich. Dicht an dicht stehen die Zuschauer und treiben jeden Läufer nochmals für die letzten paar hundert Meter an. Ich schaffe es, die Arme hochzureißen und mit Triumphgeheul die Zielmatten zu überschreiten. Geschafft!

 

Die Anspannung fällt von mir ab und weicht einer breiten Erschöpfung. Stolz nehme ich die Medaille in Empfang, hole mir eine Banane und setze mich erst einmal eine Minute hin.


Meine Nettozeit beträgt 3 Stunden 11 Minuten und 7 Sekunden. Damit habe ich auf der zweiten Hälfte doch deutlich länger gebraucht als auf der ersten. Eine oder zwei Minuten habe ich sicherlich auch dadurch verloren, dass auf den letzten 10,5 Kilometern das Feld so dicht war.

 

Am Getränkestand gibt es Coca Cola und Mineralwasser, soviel man trinken kann, die Brauerei Thurn & Taxis schenkt alkoholfreies Bier aus, das durch seinen hohen Kohlenhydratanteil stark kräftigend wirkt.

 

Die Duschen im nahe gelegenen Westbad sind eine Wohltat, auch wenn sie jetzt natürlich stark überfüllt sind.

 

Später werde ich lesen, dass 1073 Männer und 166 Frauen den Marathon erfolgreich absolviert haben. Und ich, der ich dieses Jahr mein halbes Jahrhundert vollenden werde, belege mit meiner Zeit Platz 4 der Altersklasse M 50. Auch das ein Trost, wenn sich schon das Älterwerden nicht aufhalten lässt.

 

Resümee


Der Regensburger Marathon hat durch die neue Streckenführung sehr gewonnen. Die Abschnitte durch die Landkreisgemeinden haben mir eigentlich am besten gefallen.


Nicht gut fand ich, dass auf den letzten 10,5 km Marathon- und Halbmarathonläufer gleichzeitig auf der Strecke waren. Damit wurde das Feld zu dicht und das ständige Ausweichen und Hakenschlagen beim Überholen kostete Zeit und Kraft.

 

Insgesamt aber eine gelungene Sache, die ich jederzeit weiterempfehlen kann.

 

Informationen: Regensburg Marathon
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