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Laufberichte

Herbert am 4. Advent in Pisa

18.12.11

Pisa – Tirreno - Pisa 


2010 wurde der Pisa-Marathon wegen Schneefalls und Eis abgesagt. Heuer nicht!

Samstag. Ein wolkenloser Tag mit mittags deutlich über 10 Grad. Im Palazzo dei Congressi ist die Marathonmesse. Es werden Startnummern, Chip und langärmelige Laufshirts mit Sponsorlogos ausgehändigt. Von gut aufgelegten Damen und Herren jeden Alters. Auch die Sponsoren präsentieren ihre Waren, andere machen für Laufbewerbe im nächsten Jahr Werbung. Für Marathon und Halbmarathon gibt es etwa 2.600 Anmeldungen. 20 Höhenmeter und Meeresluft, gute Voraussetzungen für eine gute Laufzeit. Und heiß wird es auch nicht werden.

07:00h Ab zum Frühstück. Da sind bereits an die 20 LäuferInnen und lassen es sich schmecken. Eine Stunde später mache ich mich auf den Weg zum Start. Es ist bewölkt und kalt, maximal 5 Grad schätze ich. Vorm Hotel steht das 4km-Schild. Auf die Straße ist ein grüner Strich gepinselt worden, der den Streckenverlauf markiert. Am rechten Ufer des Arno, 1km von Start und Ziel entfernt, sind reichlich Abschleppwagen im Einsatz. Die verparkten Straßen werden rigoros geräumt. Schilder warnen davor.

 
© marathon4you.de 21 Bilder

Je näher ich dem Schiefen Turm komme, umso mehr Leute sind unterwegs. Am Dom ist es windig. Gut, dass nicht weit davon das Zelt zur Beutelabgabe steht. Ich habe nach dem Ziel gerne etwas Trockenes zum Anziehen, daher gebe ich meinen Kleiderbeutel ab. Das geht ganz ohne Stress, es sind genügend Helferlein da, die sich darum kümmern. Im Zelt riecht es nach diversen Essenzen, vor allem aber: es ist wärmer als draußen.

Schließlich begebe ich mich in Richtung Start. In einem Café gleich beim Turm lerne ich zwei Briten kennen. Einer ist mit dem Flieger da, der andere mit dem Auto angereist. Da er derzeit in Grenoble lebt, wird er als Franzose geführt. „They say I’m a frog!“ - nimmt er es mit Humor. Nach dem Aufwärmen suche ich in der Startaufstellung die orangen 3h45-Ballons. Da will ich mich mit Günther treffen. Aber keine 3h45-Ballons sind da. Alle anderen Ballons kann ich erkennen, wenn auch in eigenartiger Anordnung. 4h-, 4h15-, 4h30-, 5h-Ballons schweben nebeneinander, in etwa auf meiner Höhe. Ich bin fest eingekeilt zwischen den anderen Startern, als ich die 3h45-Ballons herantanzen sehe. Sie drücken sich an der Hauswand entlang und kommen ganz weit vorne zur Ruhe. Ich bin geschätzte 1500 Starter von meinen Ballons entfernt!

08.55h Die etwa 20 weißen Ballons in der ersten Reihe setzen sich in Bewegung, als die Läufer mit Teilnehmern in Rollstühlen loslaufen. Wie in Limone sul Garda Anfang Oktober. Was der Startsprecher sagt ist nicht zu verstehen, zu laut und aufgeregt sind die Läufer. Viele sind mit dem ganzen Verein da, und da gibt es viel zu reden.  

09.00h Start: Ich habe noch keinen Schritt gemacht, als meine Ballons nicht mehr zu sehen sind. Als ich mich endlich bewegen kann ist auf der Straße an ein Überholen nicht zu denken. Ich weiche auf den Gehsteig aus, wie viele andere auch. Dieser ist recht uneben und immer wieder auch von Eingangstreppen unterbrochen. An der Uferstraße des Arno kann ich nach 1km die 3h45-Ballons erkennen. Nur mehr 50m vor mir. Passt! Bei km2 habe ich sie eingeholt, kurz davor läuft Günther. Wir laufen über den Fluss wieder stadteinwärts, ich schließe zu Günther auf. Rein in Altstadt, eine Runde in der Fuzo, an unserem Hotel vorbei und raus Richtung Küste.

09.25h Kurz vor km5 laufe ich rechts knapp am Hauseck vorbei und beinahe in zwei abgestellte Motorräder. Bei der Labestelle gibt es „Sali“ und Becherchen mit eiskaltem Wasser. Eigentlich zu kalt zum Trinken. Ich will mich von meinen Ballons nicht überholen lassen und laufe weiter, bei der Gelegenheit verliere ich Günther. Eine Unterführung, rauf auf den Damm und wieder runter, wir verlassen Pisa. 

09.35h Wir laufen in La Vettola ein, hier gibt es die erste Schwammstation. 7km sind absolviert. „Bravi, Bravissimi!“  feuert uns eine der beiden Damen der Schwammstation an. Der Bedarf an kühlenden nassen Schwämmen ist heute nicht allzu groß. Nach 51min habe ich 10km hinter mir, wir laufen über die Autobahn Livorno-Firenze und es gibt wieder zu trinken, wieder viel zu kalt. In San Piero A Grado laufen wir ein großes U, sodass man einen guten Überblick über das Läuferfeld bekommt. Es ist flach und man sieht weit hier.

10.02h 12km, Wir sind nun auf der Via Vecchia di Marina, die Halbmarathonis und Marathonis werden sich bald trennen. Da sehe ich kurz vor mir den orangefarbenen 1h50-HalbM-Ballon rechts oberhalb schon in der Gegenrichtung laufen. Wir laufen nun an abgeernteten Feldern und Sträuchern vorbei, da und dort Schilf, das Getreide fürs nächste Jahr ist auch schon 10cm heraußen. Ich halte meine Position, der Wind kommt von links vorne. Ich freue mich auf den Rückweg, da wird es Rückenwind geben, denke ich. Brombeersträucher säumen den Straßenrand.

10.17h 15km, die Labestelle hier hat Kuchen, eiskaltes Wasser und eiskalte Bananen. Zudem steht dieser Versorgungsposten an einer Biegung zwischen ein paar Häusern, wo der Wind besonders gut durchpfeift. Das Standpersonal ist tiefwinterlich angezogen: Daunenjacken, Hauben, Handschuhe. Nichts wie weg hier! Noch ein paar Minuten auf freier Fläche, dann führt die Straße in einen Wald. Km16, die Straße verläuft in Windrichtung, d.h.: kein Windschatten. Ein Läufer vor mir sinkt zu Boden, sein Begleiter hilft ihm aus dem linken Schuh. Nun eine Rechtskurve und es ist windstill. Super. Bei km17 ist mein erstes PowerGel fällig. Während ich den Beutel von der Flasche löse, schließt die 3h45-Horde zu mir auf. Günther ist dabei.

10.34h Kurz nach km18 sind wir in Tirreno. Hier ist im Sommer sicher viel los, Pinien spenden Schatten. Km19: Meine rückwärtige Oberschenkelmuskulatur meldet sich, kein gutes Zeichen. Immer wieder queren wir Straßen, von der Polizei abgesperrt. Sehr zum Missfallen der Leute in den Autos! Es wird gehupt. Hat denen keiner gesagt, was da heute los ist? Günther und ich laufen knapp hinter den beiden 3h45-Schrittmachern, jeder davon mit zwei orangen 3h45-Ballons.   

1.50h 21,1 km, die beiden Schrittmacher bremsen, um nicht zu bald die Zwischenzeit auszulösen. Sie wissen, dass sie etwas zu schnell sind. Wir treten ihnen beinahe auf die Fersen. Würden wir jetzt links abbiegen, wären wir nach 7km in Livorno, stattdessen geht es  zweimal nach rechts und wir laufen die nächsten 7km parallel zur Mittelmeerküste.     

11.00h Km 23: „Jingle Bells“ wird von einer 10köpfigen Blechblaskapelle gespielt. Aber nicht feierlich, sondern à la Dixieland, sehr flott also und somit unterhaltsam. Ich werde das Tempo bald nicht mehr halten  können.                                                                                

Bei der 25km-Labestelle ist es soweit, ich verliere 20 Meter, kann die Lücke aber nicht mehr zulaufen. Ich rechne mir aus, dass mir ab nun 6min40/km reichen, um unter 4h ins Ziel zu kommen, mein vorrangiges Ziel. Schöner wäre es natürlich, eine neue persönliche Bestzeit zu laufen, dazu müsste ich 3h57min15sec unterbieten. Von den Trainingsergebnissen her müsste ich es schaffen. Nach ein paar hundert Metern hat Günther bemerkt, dass ich abgerissen bin. 

11.18h Km26: Nun sind wir unmittelbar am Meer, die Wellen brechen sich an der Uferbefestigung, das Meer tost. Kein störender Wind. Günther wartet, freut mich. Ich habe zu wenig getrunken, eindeutig! Nach km28 verlassen wir die Küste und der Wind wird unangenehm. Mehrere Kreisverkehre später sind wir auf der Via di Marina und laufen nun direkt auf Pisa zu, mehr oder weniger am Arno entlang,  während die linke Straßenseite hoffnungslos verstaut ist. Die Leute hier können seit einer Stunde oder mehr keinen Meter fahren, trotzdem laufen die Motoren. Der Diesel kostet EURO 1,619/Liter! Immer wieder wird gehupt. „Stronzo“, kommentiert das einer, der gerade neben mir läuft. 

Eine Two-Man-Band spielt „Highway to hell“. Bei km30 nehme ich mir die Zeit, mehr zu trinken. Erfreulicherweise kommt nun etwas die Sonne raus. Der Wind hat gedreht. Wir haben nun den Wind von vorne, die Sonne von hinten. Wir kommen an die Stelle, wo vorhin die Halbmarathonis abgebogen sind. Auch auf der Ausweichstrecke der Autofahrer ist alles verstaut.  Günther läuft meist ein paar Schritte vor mir. Ähnlich geht es einem Pärchen, beide tragen ein Shirt mit den Logos der 4 Marathons aus der Gegend: Lucca, Firenze, Livorno und Pisa. Er will sie wohl auch unter 4 Stunden ins Ziel bringen. Ab und zu gehe ich ein paar Schritte, damit sich die Muskeln erholen können. Es hilft. Ich konzentriere mich auf die entscheidende Labe bei km35.

Zweites PowerGel runtergespült, und erstmals und einzig: warmer Tee! Das tut gut! Dazu das kalte Wasser mit warmem Tee vermischt, endlich gut zu schlucken. Frisch gestärkt geht es weiter.

12.25h km37: Ich darf ab nun etwa 7min/km benötigen, will das aber möglichst nicht ausnutzen. Das sollten wir hinbekommen. Bei km39 nun zwei grüne Linien, hier waren wir schon mal am Hinweg. Eine markante Unterführung und km40. Ich werfe meine Wasserflasche weg. Günther mahnt mich, meine persönliche Bestzeit nicht zu gefährden, als ich ein paar Schritte gehe. Keine Angst.

Ab hier kenne ich mich aus, das hilft mir moralisch immer. An der Brücke über den Arno die nächste Two-Man-Band.  Sie spielt “Hey Jude“, Daumen nach oben!  Am gegenüber liegenden Ufer erhalten wir Applaus. Das ist selten, denn das Publikum besteht in erster Linie aus frustrierten Autofahrern. Da melden sich meine Waden, aufpassen!       

 
© marathon4you.de 16 Bilder

12.50h km41, die persönliche Bestzeit habe ich im Sack, durch meinen späten Start habe ich ein kleines Zeitpolster. Da werden wir noch von einem weiblichen Streckenposten ganz enthusiastisch angefeuert. Keine Ahnung, was sie wild gestikulierend ruft, aber es ist ein verbales Feuerwerk, das auf uns niederprasselt. Sie hat offensichtlich viel Freude damit, wir auch. Vor der letzten Kurve kommen uns bereits dekorierte Finisher entgegen, sie gratulieren uns schon und feuern uns noch an.

Wir sehen den Dom vor uns, rechts ein Blick auf den Schiefen Turm. Prachtvoll, wie er im Sonnenlicht schief dasteht. Links in die Zielgerade, ich kann keine mitlaufende Uhr erkennen. Ach, da oben ist sie. Ist die klein! Günther lässt mir den Vortritt. Um wie viel bin ich schneller als im Februar in Sevilla?  
Bei 3h56min brutto bin ich im Ziel. Wir bekommen auch gleich eine prächtige Medaille  umgehängt.   3h54min44,3sec waren das netto. Ich bin zufrieden, ein gutes Gefühl. Auch die Sonne strahlt.   

1.013 MarathonläuferInnen kommen ins Ziel, beim Halbmarathon waren es etwas mehr.

Gleich werden wir aufgefordert, unseren Chip abzugeben. Die Damen winken mit dem 5-EURO-Schein und fordern uns auf, diesen gleich für ein Herzprogramm zu spenden. Nur einer will sein Geld auch haben, alle anderen nicken die Spende ab, die umgehend in einer der großen Glasvasen verschwindet.
Ich hole meinen Kleiderbeutel, da ist auch der Fotoapparat drinnen. Jetzt habe ich endlich wieder Zeit Fotos zu machen.  Schön ist es hier! 
                                                                                               
Im Startgeld von 35 + 10 EURO für Frühanmelder waren inklusive:

 

Eine flache Strecke, stellenweise sehr windig, sehr schönes Shirt mit Lauf-Logo + Sponsorenaufdruck, Startnummer, Chip-Zeitnehmung, eine Finishermedaille am weiß/roten Band, alle 5km Labestellen (Kuchen, Bananenstückchen, bei km35 zusätzlich warmen Tee, sonst nur kaltes Wasser zu trinken, bei km40 Würfelzucker), Keine Ziellabe, sondern ein Säckchen mit 0,5-l-Wasserflasche, 1 Apfel, 1 Croissant, zwei Kekse.                                                  

 

 

Informationen: Pisa Marathon
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