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Laufberichte

Aus der Not geboren

20.10.13

Es gibt offenbar Beschwerden , weil  auf Marathon4you  ein aktueller  Laufbericht vom Dresden-Marathon fehlt. Auch mir als treuen Leser ist das aufgefallen, schreibe es der Redaktion und oute mich gleichzeitig als Teilnehmer. Hätte ich nicht tun sollen - jetzt habe ich das Ding an der Backe. Denn der Chefredakteur antwortet postwendend mit dem Auftrag, doch selber einen Bericht zu schreiben.

Aber der Marathon liegt schon zwei Wochen zurück und ich bin 61 Jahre alt. Da ist manches schon gelöscht.  Man betrachte diesen Laufbericht also bitte als das, was er ist: Aus der Not geboren! Aber vielleicht immer noch besser als gar keiner. 

Sonntag, 20. Oktober – Marathontag. Ich bin um 7 Uhr mit meinem Lauffreund Uwe Gerstmann auf einem Parkplatz in Oschatz verabredet. Weil ich ihn kenne, bin ich bereits 6.50 Uhr am Treffpunkt. Weil er mich kennt, wartete er schon…

Eine gute Stunde später stellen wir das Auto in Dresden ab. Parkplätze gibt es genügend in der Nähe des Starts. Es herrscht schon reges Treiben bei der Ausgabe der Startunterlagen im Internationalen Congress Centrum. Bisher war ich immer schon am Vortag  in  Dresden gefahren, um die Unterlagen zu holen. Muss nicht sein, wie sich an diesem Morgen zeigt.

Ich finde ein schönes Plätzchen zum Umziehen. Kurze Hose, dünnes T-Shirt – und das Ende Oktober! Wenn es heute nicht so laufen sollte, das Wetter entfällt als Ausrede.

Aber wie sollte es Laufen? Eigentlich gar nicht, denn ich bin  erkältet. Vernünftige Läufer bleiben da zuhause. Ja, vernünftige Läufer…

Vernünftig, wie ich bin, nehme ich mir vor, das 6-Stunden-Limit voll auszuschöpfen. Na gut, wenn es sein soll, kann ich auch mit 5 Stunden leben. Also stelle ich mich am Start neben den 4.30-Zugläufer. Und nachdem man uns auf die Strecke geschickt hat, wir das erste Mal die Elbe überqueren, sehe ich den 4:30 Zugläufer – weit hinter mir. Ich bin schon etwas komisch…

Übrigens ist es ein unterhaltsamer Start in der Ostra-Allee. Läuferherzen erfreuende Musik, der Sprecher (der allseits bekannte und beliebte Artur Schmidt) hat sich allerhand interessante Sportlerpersönlichkeiten ans Mikrofon geholt.

Die Veranstalter freuen sich über einen neuen Teilnehmerrekord! 9045 Läufer, davon 1682 über die Marathon-Distanz, 4152 beim Halbmarathon und 2725 über die 10 Kilometer. Dazu gratuliere ich.

Da es sich für eine Stadt wie Dresden so gehört, wird den Läufern viel Kultur geboten. Nach nicht einmal drei Kilometern bietet sich uns von der Elbrücke der berühmte Canaletto-Blick auf die Altstadt. Wir überqueren den Theaterplatz. Die ebenfalls rekordverdächtige Zuschauerkulisse und die Stimmung sorgen für  Gänsehaut. Ich glaube die stehen in Zehnerreihen! Zudem präsentieren sich Zwinger und Semperoper in voller Schönheit. Ich denke,  ich sollte mir mal wieder die Gemäldegalerie ansehen. Sport treibe ich ja ausreichend, etwas dagegen Kultur könnte nicht schaden.

Entlang der Elbe bringen wir die ersten Kilometer hinter uns. Dann kommt ein  Verpflegungsstand. Ich bin enttäuscht. Seit dem Skatstadt-Marathon in Altenburg bin ich das  immer und überall. Obwohl es nichts zu meckern gibt. Sogar Rosinenbrot, das ich besonders mag, ist im Angebot.

Der Große Garten ist wirklich groß. Wer das noch nicht wusste, merkt es spätestens, wenn er ihn beim Marathon umlaufen bzw. durchqueren muss. Zu mir gesellt sich ein weiterer Läufer. Der meckert – über die langen Geraden, die wir hier laufen müssen. Mich stört das nicht. Wie überall muss ich 42 Kilometer laufen – wo und wie spielt da nicht die große Rolle.

Inzwischen in trauter Gesellschaft mit dem 4.30-Stunden-Läufer passiere ich zum zweiten Mal den Theaterplatz. Nun wird es ruhiger auf der Strecke – die Halbmarathonis biegen ab, die hatten es geschafft. Könnte ich ja auch haben – selber Schuld…

Kurz vor der Waldschlösschenbrücke, die nur auf der zweiten Runde auf dem Programm steht, bekomme ich einen Fahrradbegleiter. Das ist gegen die Regel. Merkt aber keiner. Oder anders, es merkt natürlich jeder, aber keiner sagt was. Denn Klaus Franke ist schlau, er trägt die gleiche Weste wie die offiziellen Begleiter. Wobei – das hätte ich lieber nicht erwähnen sollen. Wegen der Trittbrettfahrer. Denn eigentlich mag ich auch keine Radfahrer auf der Marathonstrecke.

Klaus ist Trainer. Schwimmtrainer – aber die eignen sich auch für die Straße, wie ich feststelle.  „Komm, zieh an, der vor dir kackt ab. Hol ihn dir!“ „Lauf zu, der hinter dir ist fast ran. Du siehst doch noch gut aus…“ Ich sehe immer gut aus! Aber seine Hinweise helfen, der Knabe kommt nicht an mir vorbei.

„Du sollst laufen - nicht Geld sammeln!“ Das war ein Anschiss. Berechtigt. Ich sehe plötzlich eine Münze auf der Straße liegen. Mehr als ein Glückspfennig - 50 Cent! Die sind vom Bau der Waldschlösschenbrücke übrig, meint Klaus. Dieser Witzbold - da ist nichts übrig. Das Geld hat bestimmt ein Läufer verloren. Und ich möchte als ehrlicher Finder dastehen. Also, wer kurz vor der Waldschlösschenbrücke 50 Cent verloren hat – bei mit bitte melden.

Dann die Waldschlösschenbrücke. Das Bauwerk, das nicht nur viel Geld, sondern Dresden auch den Weltkulturerbetitel gekostet hat. Ich habe mich immer gefragt, ob Dresden diese Brücke wirklich braucht. Nun, nachdem wir in einer Schleife darüber gelaufen sind, weiß ich die Antwort: Dresden hat die Brücke gebraucht – zumindest für den Marathon.

Am großen Garten erlebe ich eine Peinlichkeit. Ich habe ihn gerade erreicht, da sehe ich etwas am Straßenrand liegen. Ich bin schon vorbei, da dämmert es mir – das ist mein Taschentuch. In der ersten Runde hatte ich es verloren – und sehr vermisst. Also die fünf Meter zurück, das Taschentuch aufheben und gleich die verschnupfte Nase putzen! Leider stehen in unmittelbarer Nähe zwei Frauen. verständnislos schüttelten sie den Kopf. Was die wohl denken? Der Alte hat doch nicht alle Latten am Zaun – schnappt sich ein am Straßenrand liegendes Taschentuch und putzt sich die Nase!

Obwohl es nach dem 3-Länder-Marathon am Bodensee und dem München-Marathon mein dritter Marathon in Folge ist, fühle ich mich gut bis zum letzten Meter. Natürlich denke ich nicht mehr darüber nach, wann ich nun endlich die Gemäldegalerie besuche, als ich das dritte Mal den Theaterplatz passiere. Ich will nur noch ins Ziel, das ich nach 4.34.50 Stunden erreiche.

Ich bin zufrieden. Mein Lauffreund Uwe Gerstmann auch. Da er schon geduscht an der Ziellinie steht, frage ich ihn lieber gar nicht erst nach seiner Zeit…

Übrigens, die Bilder habe ich nicht vergessen, sondern keine gemacht. Der Bericht war ja nicht geplant.

Marathonsieger:

Männer

1     Ronald Kurgat   (Kenia)                       2:16:45
2     Richard Chepkowny   (Kenia)              2:19:41
3     Isaac Chesiny   (Kenia)                         2:20:00

Frauen

1      Prisca Kiprono   (Kenia)                      2:42:54
2     Anita Kazemaka   (Lettland)                2:48:22
3     Lilian Koech  (Kenia)                           2:49:42

 

Informationen: Piepenbrock Dresden Marathon
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