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Laufberichte

„Frauen bitte rechts laufen“

 

Der Warnhinweis am urigsten Teil des P-Weges hat mich lange beschäftigt.  Erst nach  73 Kilometern und 2000 Höhenmeter habe ich verstanden.  Ich denke ja nicht nur an das eine, an Bier, sondern…..

„Moin, Moin“ rufen die Helfer einem vermummten Motoradfahrer hinterher. „War das der Jürgen?“ „Nee, ich glaub´ der Manfred, oder der Ralf.“ Ich frage, warum die denn grüßen, wenn sie nichtmal wissen, wer es ist. „Wir grüßen immer, der muss ja im Dorf wohnen.“

Der P-Weg ist trotz 1000 Läufern und 1000 Radfahrern eine regionale Veranstaltung.  44 Vereine und zusätzlich viele private Helfer engagieren sich für dieses Wochenende, und jeder von denen kennt jemanden, der an einem der vielen Wettkämpfe teilnimmt. Mich sowieso.

Eigentlich gehört Plettenberg ins Erzgebirge, aber heutzutage ist kaum noch ein Krümelchen Erz in den 250 Schächten zu finden, deswegen nennen wir dieses Gebirge nun Sauerland. Zuerst machte das Blei Plettenberg reich, die Römer brauchten das Erz für Kochtöpfe, Becher und vor allem Wasserleitungen. Auch Weinpressen und Vorratsbehälter bestanden aus Blei. Dem Wein wurde Bleioxyyd beigesetzt, um die Säure zu neutralisieren. Außerdem gab man dem Wein Traubensirup dazu, der tötete jedes Bakterium, eben, weil er Blei enthielt. Das brachte das Eindicken des Saftes mit sich, denn die Trauben siedeten stundenlang in riesigen Bleitöpfen. Da vornehmlich die römische Oberklasse sich Wein und Sirup leistete, litt die  römische Aristrokatie unter Bleivergiftung, sie bekamen kaum noch Kinder. Plettenberg ist also Schuld am Untergang des Römischen Reiches.

Als die Römer weg waren, konnte man auf heimaltliches Bier umstellen:  Krombacher, Warsteiner und das Sauerland-Bier aus der Nachbargemeinde Schmallenberg. Die Römer sind dann wiedergekommen, im letzten Jahrtausend, als Gastarbeiter für die metallverarbeitenden Industrie. Pizzerien und Eiscafés dominieren das Gastronomieangebot in der abgesperrten Innenstadt, wo freitags die Spassrennen des P- Weg Wochenendes ausgetragen werden.

 

 
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Der P-Weg ist der Grenzweg der Stadt Plettenberg. Schon zu Zeiten der Plettenberger Ritter wurde der Grenzweg jährlich abgewandert, um die Grenzen zu kontrollieren. Grenzsteine gab es erst im 18. Jahrhundert, bis dahin markierten Bäume und Hecken den Verlauf. Jungen Männern gab man richtig einen hinter die Löffel, damit sie sich die Grenze merken mögen: „Schreib dir das hinter die Ohren“. Das war notwenig, denn bei diesen Grenzwanderungen wurde mächtig gesoffen. Die Preußen verboten den sogenannten Schnadegang, es gab zuviele Prügelleien. Der Schnadegang, hier im Plettenberg Markenumzug genannt, erfährt seit Jahren ein grandioses Comeback in Nordrhein Westfalen und Niedersachsen mit wunderbaren IVV-Wanderungen.

Die Startplätze für das P-Weg-Wochenende sind innerhalb weniger Stunden nach Anmeldungsbeginn ausgebucht. Vor allem die Bikerstrecken und kurzen Laufstrecken sind sehr beliebt. Lediglich für den Ultra und den Marathon gibt es auch noch Nachmeldemöglichkeiten.

 

Samstag 7 Uhr Start

 

Im Anmeldebüro herrscht entspannte Ruhe, nebenan gibt es Frühstück für 5 Euro, all-you-can-eat. Langsam geht man hinter die Startlinie, ein Schuß und los geht’s. Es geht recht steil die Brachtsstrasse hinauf, hier entscheiden sich eigentlich schon die Endsplazierungen.

Oben angekommen, ist es ausdrücklich erwünscht, der Bergzeige das Euter zu streicheln. Das mögen nicht nur Ziegen, auch der lila Kuh des Schokoherstellers aus der Partnerstadt Bludenz gefiehl das. Aber die Kuh ist trotz Euterkontakt abtrünnig geworden, so gibt es seit drei Jahren dieses luftgefüllte Gummitier als Symbolfigur für den P-Weg. Die Bergziege des großen Sponsors steht für alle, die sich an diesem Wochenende abrackern.

Nun geht es zügig hinab zur Lenne. Links, die Burg Schwarzenberg (1301) war einst militärischen Stützpunkt der Grafen von der Mark, die Gegend war jahrhundertelang schwer umkämpft zwischen den Erbischöfen von Köln und den verschiedenen Grafen.

 

 
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Am VP  Pasel (km 5) warten schon die Frühaufsteher-Verpflegungsdamen mit Kuchen auf uns. In Siesel am Wehr führte irgendein Amt eine „Kontrollbefischung“ durch, und stellte fest, daß sich täglich 0,5 Fische für den Weg die Lenne nach oben entscheiden, und 0,3 Fische für den Weg nach unten.  Und das in 42 Tagen! Man muss jetzt die Kosten für die Fischaufstiegshilfe und die Beamten von der Wasserwirtschaft pro Fisch rechnen, also 21 minus 13 mal 21250, dann kostet jeder Fisch 1634 Euro.

Wir Ultras haben 35 Euro für diesen Lauf gezahlt, also 48 Cents Euro pro Kilometer. Eine Aufstiegshilfe hätte ich jetzt auch gern, denn es geht hinauf zur Hohenwibbeke, von den drei Bewohnern liebevoll „Kuhschiß“ genannt, weil eigentlich nicht so fordernd.

Der Weg führt entlang eines  Hohlweges. Es ist ein alter Erztransportweg. Entgegen den Handelswegen, waren diese Wege nicht mit Baumstämmen überdacht gewesen. Von der Tiefe der Wege kann man auf das Alter schließen, dieser hier über 1000 Jahre alt. Dahinter erkennt man ein Landwehr, eine dichte Reihe von Buchen, einst eine dichte Hecke.

Der Eggenberg (557m) ist unsere höchste Stelle heute. Nach dem zweiten VP kommen wir zum Dreiländergrenzstein Olpe/Märkischer Kreis/ Hochsauerlandkreis, dann geht es abwärts nach Blemke.

„Wasserwirtschaftszone“ steht auf vergammelten Schildern an kleinen Häuschen aus der 70ern.  Es sind Pumpanlagen der Zinkgruben „Emilie“ und „Theodora“. Zink war für die Herstellung von Münzen gefragt, jetzt nutzt man das Wasser aus den Stollen für Trinkzwecke, denn, wegen des Zinkvorkommens ist es natürlich keimfrei.

Wir passieren den verfallenen Firmensitz der Firma Voss & Schröder. Man produzierte nicht nur Maschinen für den Bergbau, sondern lieferte Plantagenmaschinen bis nach Deutsch Neu-Guinea und Deutsch-Kamerun.

Die Überquerung der Landstraße mit dem schönen Namen „Reichstraße“ wird super von der Feuerwehr gesichert. Links hinauf wäre jetzt die Grube „ Neu Glück“, ein Museum. Der Hengstenbergtunnel führt durch das geheimnisvollste Gebirge des Sauerlandes. Augenzeugenberichte erzählen von schwerbewachten Nazizügen, die hier in geheimnisvollen Tunneln verschwanden.

Rechts der Lenne sind nun die Metallverarbeitenden Fabriken:  ATU ist klar, Walter Lumberg stellt Scheiben aus Messing, Kupfer Aluminium und Polyamid her, Dichtscheiben sind damit gemeint. Die Rapp GmbH stellt Fixmaßbleche, also Rohstoff aus Schrott für die weiterverarbeitende Industrie her, bei CD Wälzholz geht es nicht um Holz, sondern um Flach-und Formbänder für Durchlauföfen. Das sind keine Öfen für Ultraläufer, sondern für Pizzen und Bäckereiprodukte. Ach, und Lippenstifthülsen werden hier auch hergestellt. Für die von Dior braucht man für den besonderen „Plong“ zusätzlich Soundtechniker.

Wie jedes Jahr laufen wir einen winzigen Umweg über das Altenheimzentrum St Joseph, das unter dem Aspekt der  „Generationengerechtigkeit“  arbeitet. Das Rentnerdasein soll nicht im Heim enden, sondern durch die Reintegration in die familiäre Gemeinschaft. Wir Läufer sind nun Familie, morgen kommen die Biker. Die haben hier striktes Überholverbot, damit die Alten keinen Herzinfarkt bekommen.

 

 
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Von der Lennebrücke in Ohle sieht man hinauf zu einem bewaldeten Berg, es ist der 375 Meter hohe Sundern. Einige Häuser dort oben haben wunderbaren Blick auf unsere Laufstrecke im Lennetal. Sie gehören zur Siedlung „Auf der Burg“. Tatsächlich sind hier Reste einer großen Burganlage. Man schloß zunächst auf eine keltische Burganlage, weil sie genauso angelegt war, wie Cäsar es in seinem Buch beschrieben hat. Aber es ist eine sächsische Anlage aus dem 8. Jahrhundert. Solche Ringwallanlage wurden von den Kelten gebaut, aber auch im Jahr 926, als Heinrich I, König der Ostfranken den sogenannten Burgenerlaß befahl. Der enthielt genaue Vorschriften für die Verstärkung der Burgen, damit endlich die permanenten Überfälle der Ungarn eingedämmt werden konnten. Teil des Erlasses war die Bildung einer Truppe von Panzerreitern. Die waren hier am Sundern stationiert. Den Ungarn schickte man zunächst die herkömmlichen Truppen entgegen, die freuten sich über das Kanonenfutter.  Doch dann kamen die Panzerreiter, ausgerüstet mit bester Plettenberger Panzerung.  933 war Schluß mit den Ungarn. Plettenberg ist also Schuld, dass die Ungarn ab da zuhause bleiben mussten.

MJ-Gerüstbau ist einer der großen Sponsoren des P-Weges. Ohne deren Arbeit kämen wir nicht über die Außenbecken von AquaMagis. Insgesamt 12 Rutschen gibt es hier. Die gelbe Röhre beinhaltet Deutschlands erste AquaLooping-Rutsche:  12 Meter im freien Fall hinab, dann hat man 65 Stundenkilometer erreicht und ist im Looping, wenn nicht die Badehose reisst. 605 pg/ml Adrelalinausstoß hat das Pro7 Galileo-Team gemessen, das erreiche ich mit einem Bier nicht.

 

 
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Weiter geht es entlang des Lennetales, unter der alten Bahnbrücke (1914) hindurch. Man nennt sie Fischbauchbrücke, wegen der genialen Stahlfachwerk-Konstruktion. Nun ist auf der Brücke eine Aussichtsplattform gebaut worden, das nennt man jetzt „Freizeitpark“.Durch den Glasboden könnte man in die Lenne schauen, wenn sich nicht das eigene Gesicht im Glas spiegeln würde.

Am Ufer der Lenne steht das Rosa Springkraut in voller Blüte. Das Zeug ist ein indischer Einwanderer, wird dort als Brechmittel genutzt, ich bin allergisch dagegen. Die Lenne ist hier sehr tief, dunkelschwarz. Auf der gegenüberliegenden Seite fasziniert das felsige Steilufer, das in einen steilen Anstieg übergeht. Oben war einst die Keltensiedlung „Hühnenburg“.

An der Brücke von Elhausen stehen die Bierkästen in der Lenne, das geht nur, weil hier eine Landungsstelle aus Beton gebaut wurde, ansonsten ist das Ufer zu steil. Hier ist der größte Verpflegungspunkt mit wirklich allem, was man braucht, außer Tiernahrung. Die letzten Jahre haben mich hier die ersten Marathonläufer überholt, heute nicht. Ich bin ich also sehr viel schneller. Weiter geht es am lten E-Werk enlang, dann am alten Kanal von 1889.
 
Die Luft wird besser beim Anstieg entlang der Almecke hinauf nach Pungelscheid, dem Heimatort des Königs von Korsika. Theodor von Neuhoff landete am 12.März 1736 mit zwei englischen Schiffen auf der Insel. Am 15. April wurde er schon zum König gekrönt. Neun Monate später musste er flüchten, sein gesamtes Geld war verbraten. Er starb 1756 im Schuldgefängnis in London.

Es wird heiss auf unsere Strecke, aber die „Gummibärchenbande“ hilft seit 9 Jahren. Einst waren es drei Damen, jetzt sind es nur noch zwei, die hier gerne Vorbestellungen für das Folgejahr entgegennehmen. Das Angebot, finanziert aus eigener Tasche, reicht von Gummibärchen bis zu Redbull. Nagut ist ja dasselbe, es gibt aber auch eiskaltes Bier. Wie jedes Jahr fotografiere ich das „Finder Pfad“ Schild, und wie jedes Jahr warte ich auf eine Leserzuschrift, denn Finder muss besonderer Naturliebhaber gewesen sein. Es ist wirklich ein wunderschöner Trail.

Der nächste VP hat Schnaps aus Schwarzer Johannisbeere, Richtung Magenbitter. Wer gewinnen will, sollte mal probieren. Es gibt Preisgelder!

Beim Wanderheim Wiehardt ist wieder ein VP, wie all die Jahre brauche ich den nur, um die netten Helfer zu fotografieren.  Ich bin gut versorgt.

 

 
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Steil geht es nun hinab über einen wunderbaren Weg Richtung Hüingshausen, ins Tal der Else. Zunächst über den Weiler Kuhlen, an der alten Dorfschreiberei vorbei. Die Überquerung der L561, über die wir alle zum Startort angereist sind, ist gut gesichert. Der ganze Ort ist auf Transport und Verkehr spezialisiert: Hier ist das Bahnbetriebswerk der Sauerländer Kleinbahn, die mit  historischen Dampfloks die Touris nach Köbbingshausen fahren. Hier ist auch der Flugplatz, auf dem 1910 Ernst Fastenrath die erste Motorflugmaschine testet. 1933 landete im Rahmen einer Flugshow seine erst 18 jährige Tochter mit dem Motorflugzeug. Ernst Fastenrath war Schlosser, produzierte zunächst Vierkantmuttern, dann setzten sich weltweit seine Sechskantmuttern durch. Die Fastenrath Gmbh hier in der Herscheider Straße produziert jetzt 6 Millionen Schrauben, am Tag. Manche Läufer sagen, sie mögen diese Industrie nicht, sie wollen Natur. Ich dagegen bin begeistert davon, eine Strecke zu erleben, wo Firmen ihren Sitz haben, die sich vom Bergbau zur mitteltstandsbasierten Firma mit weltweiten Abnehmern entwickelt haben.  

Immer wieder stosse ich auf Berichte über die Dicke Bertha, die hier in den Eisenbahntunnel versteckt gewesen sein soll. Gemeint ist nicht die Tochter Bertha des Kanonenherstellers Krupp, sondern die gewaltige Mörserkananone, die eigentlich wegen des Versailler Vertrages nicht mehr existieren durfte, jedoch mutmaßlich bis 1939 hier versteckt wurde, bevor sie 1942 bei der Belagerung von Sewastophol und 1944 beim Warschauer Aufstand eingesetzt wurde.

Ganz Plettenberg engagiert sich für unseren Lauf, deswegen dürfen wir auch über die Firmengelände rennen: Wilhelm Schröder stellt Metall-Kunstoff-Hybride für Autos her, schnitt+form baut High-Tech Werkzeuge, fix n´go, auch in diesem Firmenverbund stellt u.a. Kältespray und Balsam für Läufer her. Da muss ich nochmal nachdenken:  Warum sollen Frauen rechts laufen?

Das Schöne am P-Weg ist, dass nach einem langen Abstieg immer ein langer Aufstieg folgt. Jetzt geht es also hinauf nach Himmelmert und zur Oestertalsperre. Nur 16 Kilometer lang ist die Oester, kann aber die Oestertalsperre füttern, deren Rundweg 2,6 Kilometer beträgt. Dieser Wasservorrat ist für die Industrie in Hüingshausen vorgesehen.
Es geht rechts hoch, steil. Neben unserer Laufstrecke höre ich, wie Hammer auf Meißel schlägt: Nackte Oberkörper schlagen Steine auf, leider nur männliche Oberkörper, die weiblichen geben Anweisungen auf Polnisch. Es gäbe gleich Mittagessen. Sie suchen Pyrite, goldglätzenden Schwefelkies, den sie in Polen an die Deutschen verkaufen. Verboten ist das nicht, die Bergbaurechte sind vor 40 Jjahren erloschen, aber fotografiert werden wollen sie trotzdem nicht. Ob ich ein Bier haben kann? „Oczywiscie!“ Sind halt auch Menschen.

Meine zwei Brandoberbezirksregierungsmeister sehe ich schon von weitem, sie sichern die Straße: „ Da kommt doch der Joe!“  Das ist ein Treffen von Bekloppten und wird dementsprechend gefeiert. „Wir hatten gedacht, du kommst dieses Jahr nicht mehr!“ „ Ach Quatsch!“

In den vielen kleinen Wildhausen-Dörfern beginnt meine Lieblingstrecke. Ich bin hier allein, der Wind tut gut, die Aussicht ist toll und die Luft kommt direkt von der Nordsee, denn bis dorthin gibt es keinen höheren Berg.  Es ist aber auch der schwierigste Part, man läuft auf einer Straße, keine Autos, aber die Sonne brennt.

Es geht einen steilen Hohlweg hinauf, die dichten Buchenstämme an der Seite zeigen: Hier war einst ein Landwehr, es ist also tatsächlich die Grenze der Stadt Plettenberg. Ein Sanitätsauto steht einsam in einer Pinge, in einer Schürfstelle. Letztes Jahr war hier noch ein Drahtzug in einen Schacht zu sehen.

Der „Sauerland-Höhenflug“ ist ein 250 km langer Fernwanderweg über die Bergrücken der Mittelgebirge. Bis jetzt gibt es hier nur einen 21, 10 und 5 Kilometerlauf. Wer mehr haben will, der kann sich einen Ranger mieten. In Landemert werde ich das erste Mal mit dem Wort „Cut-Off“ konfrontiert. Ich war schon in der Schule ein Minimalist, weil ich Anstrengungen bermieden habe. Hört sich für den Nicht-Ultra unlogisch an, der gestandene Ultra-Läufer aber kapiert, dass ich mich jetzt mit meinen Laufkameraden lieber hinsetze und ein ..naja, Radler war nur noch da.

 

 

 
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Zwei Kilometer weiter düngt ein Landbesitzer seinen Grund und Boden mit der flüssigen Hinterlassenschaft seiner Haustiere. Augenblicklich kommt das Radler hoch. Es passiert halt, für mich stellt es kein Problem dar, ich habe genug Reserven. Jedoch gibt es die Vorschrift des Rennarztes, der die nächste Woche für mich zuständig ist, ein Antikotzmittel und Antibiotika dabei zu haben. Unsinn! Ich kotze, wann ich will! Und wenn ich Fieber habe, ist Ende Gelände. Das sind Vorschriften, die sich neuerdings bei Ultraläufen durchsetzen, die einfach Unsinn sind. Christoph steigt jetzt aus, er hat genug gereihert. In Landemert sehe ich ihn das letzte Mal.

Achtung!!! Frauen bitte rechts laufen

Ich bin ja ein Typ, der nicht nur an das Eine, an Bier denkt, sondern auch weiter! Gibt es jetzt doch noch Sex auf der Strecke? Also laufe ich links, denn angeblich wollen Frauen…..ach was, ich laufe rechts.  

Kurz vor dem Hof Bärenberg passieren wir den „Heiligen Stuhl“, einst Wohnort des Gottes Wotan, mit der Christianisierung dann umbenannt worden. Davor ist der Rabenkopf, immer noch benannt nach dem Symbolvogel des Wotans. Der Bärenberg ist durchlöchert. Hier ist der Stollen der Silbergrube „St. Kaspar“, die von  1046 bis 1900 betrieben wurde. Grube „Vorsicht“ und „Vorsehung“ sollen bald für das Publikum geöffnet werden, sie liegen quasi übereinander. 50 % Kupfer enthielten die Erze, dazu noch 40 Gramm Silber pro Tonne. Die Stolleneingänge sind sichtbar, ich habe nur keine Zeit dorthin zu laufen, rechts Grube „ Wilde Frau“, links „Wilder Mann“ und „Rabenkopf“

Vor 30 Jahren habe ich hier, in den sogenannten Pingen, nach Malachit gesucht. Pingen sind oberflächliche Grabungen, man findet sie überall entlang unserer Laufstrecke: es sind halbkreisförmige, 5-30 Meter breite Einbuchtungen.

Am nächsten VP laufe ich einfach vorbei, dort hatte ich mir vor zwei Jahren eine Pilzvergiftung geholt, weil die Helfer Hallimasch gekocht haben. Hallimasch heisst „Heil im Arsch“ . Ich wollte Pilze futtern. Man sagte mir, nein, erst in 20 Minuten. Aber ich bin ein  Kind und lerne nur durch Fehler. War nicht lustig!  

Lustig sind die 20 Helfer an der Brachtstraße: „ Da kommt der Joeee!“ „Da issser“ „Hier ist dein Bier!“

 

 

Ich bin auf der Zielgeraden, eine große Kurve durch die kleine Stadt Plettenberg, dann rauf auf die Bühne und rein ins Getümmel.

Also jetzt die Frage: Weshalb müßen Frauen in Plettenberg  rechts laufen?

Einen Hinweis gibt es in der Sauerlandhymne, die in der Neuen Deutschen Welle, damals 1983 von der Band Zoff gesungen wurde:  „Vergrabt mein Herz im Lennesand, wo die Mädchen noch wilder als die Kühe sind.“  Verstanden?

P-Weg, Leute, P-Weg! 

 

Informationen: P-Weg Marathon
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