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NYC Marathon: A perfect Day was over

04.11.07

Donnerstag, wir sitzen im Flugzeug. Was für unvergessliche Tage haben wir erlebt. Noch kann ich die vielen Eindrücke gar nicht verarbeiten.Was vor fast 2 Jahren begann, wurde am 4. November Wirklichkeit, wir waren Teil des New York City Marathon.

 

Im Januar 2006 hatten wir die Startnummern reservieren lassen, im Januar 2007 die Reise endgültig  gebucht. Als wir im Sommer bei Herbert Steffny waren, kam das große Kribbeln schon näher, aber es war ja noch so viel Zeit bis zum Race Day. Anfang August begannen wir mit dem Training, viele Berge haben wir eingebaut in die Läufe, besonders die langen Runs waren mit ordentlich Höhenmetern versetzt, denn der NY Marathon ist kein einfacher, flacher Lauf, die Brücken und der Central Park haben es in sich.

 

3.11.07, in unserem Hotelzimmer blinkt eine rote Lampe am Telefon. „Was ist das? Eine Nachricht?“ Alle Tasten am Telefon gedrückt, keine Nachricht. Das Handy klingelt, Hans ist dran. „Habt ihr keine Post bekommen?“ fragt er. Haben wir nicht, jedenfalls ist uns nichts bekannt, aber da ist ja dieses Blinklicht. Also 14 Etagen nach unten gefahren und tatsächlich lag dort ein Umschlag für uns, daher auch das Licht. In dem Umschlag war eine DVD. Das Notebook wurde angeworfen und was wir dann zu sehen bekamen, war einfach nur noch schön!

 

Hans hatte uns, das wussten wir, beim Training gefilmt. Was wir nicht wussten war, dass er viele unserer Vereinsmitglieder gefilmt hatte, die uns alle via Video ihre besten Wünsche schickten. Es war richtig toll, eine Nacht vor dem Race Day eine solche Grüße aus der Heimat zu bekommen. Das habt ihr richtig gut gemacht, das war sooooo schön. Danke an euch alle!

 

4.11.07 – 6:00h Abfahrt vom Hotel mit dem Bus nach Staten Island, dort auf dem Gelände von Fort Wadsworth war das Startgebiet. Wir haben in den Monaten vorher viel an diesen Tag gedacht, an die 3 Stunden, die wir im Fort warten müssen auf den Start. Wir haben versucht an alles zu denken, in dem Kleidersack war eine Fleece Decke, eine Rettungsdecke und aus dem Autozubehör eine Frostschutzplane für die Windschutzscheibe. Über dem neuen Laufoutfit hatten wir uralte Sportsachen, eine Jogginghose von 1990 und ein viel zu weiter Pullover aus vergangenen Tagen sollte vor der Kälte schützen.

 

Was hatten wir ein Bammel vor dem Wetter, es hätte ja auch in Strömen regnen können, doch New York zeigte sich uns von seiner strahlenden Seite, blauer Himmel und Temperaturen bis 15 Grad waren vorhergesagt.

 

12 Läufer aus Witten waren gemeldet, mit vieren aus Bommern hatten wir uns schon vorher mal getroffen und eigentlich wollten wir uns auch um 8h am Infostand treffen, war aber nicht nötig, wir haben sie schon viel früher gesehen und  zusammen auf den Start gewartet. Schön warm war es schon in der Sonne. Unsere Planung für diesen Morgen machte natürlich auch nicht vor dem „was essen wir denn vor dem Lauf“ halt. Den Läufern wurden Bagels, Kaffee, Tee und Dounats angeboten, „bloß nichts Süßes“, war da immer unsere Angst. So haben wir uns am Vortag ein Sandwich mit Truthahn gekauft, und eine salzige Brezel, außerdem hatten wir noch Powerbar’s dabei. Wasser und Gatorade gab es im Überfluss, was ebenfalls total reichlich vorhanden war, das waren die Toilettenhäuschen, anstehen war da eine Sache von 2 Minuten. Selbst als wir schon in unserem Startblock standen, war ein Besuch dieser Häuschen kein Problem.

 

9:30h, wir wurden in die Startblöcke gerufen, der Countdown begann. Die lange Hose war längst weg, jetzt war auch der Pullover überflüssig, endlich kamen die neuen T-Shirts voll zur Geltung.

 

Langsam gingen wir los, schlängelten uns durch das Fort, kamen an die Mautstationen für die Verrazano Bridge vorbei, nun waren wir auf der breiten Straße, die direkt auf die Brücke führte. Endlich sahen wir den Start, das piepen der Zeitnahme schickte uns auf die Reise, auf die Brücke.

 

Die erste Meile ging es nur hoch, 70 Höhenmeter mussten überwunden werden. Dank meiner blauen Startnummer durften wir ja oben auf der Brücke laufen. Rechts im Wasser sah man ein Feuerlöschboot, das farbige Fontänen spritzte, links sah man Manhattan, da wollten wir hin. Ein sagenhafter Anblick war das.

 

Nun, wer hoch läuft, der darf auch wieder runter, die 2. Meile ging schön bergab, unten wartete Brooklyn, der 2. Von 5 Stadtteilen, die wir durchlaufen mussten. Unten wartete nicht nur Brooklyn, unten wartete Amerika auf uns. Wir wurden mit einer Begeisterung empfangen, wie wir es noch nicht erlebt hatten. Wir sind in Berlin, in München, in Duisburg und beim Ruhrmarathon gelaufen, was dort vielleicht mal für einige wenige Meter galt, begleitete uns jetzt über 24 Meilen bis zum Ziel.

 

Wir wurden angefeuert, unsere Namen wurden gerufen, man winkte uns zu, manchmal sogar mit einer Deutschen Fahne. Gänsehaut ohne Ende, ein besonders toller Moment war vor einer Kirche. Dort war ein großes Orchester und ein Gospelchor sang, es war einfach großartig. Wir hatten oft den Eindruck, wir laufen nicht für uns, wir vertreten hier auch unser Land, denn viele riefen auch „Come on Germany“. Beim NY Marathon gibt es nur Getränke. Kein Problem für die Amerikaner, sie verteilen Bananen, Apfelsinenstücke, Bonbons, Schokolade, alles Mögliche. Besonders gut fand ich, dass es immer wieder Leute gab, die Papiertaschentücher verteilten. Wenn ich jemals einen Lauf nur als Zuschauer miterleben muss, dann werde ich das auch machen, denn es ist einfach super, wenn man ein Taschentuch braucht, dann wird eines gereicht.

 

Auf Brooklyn folgte Queens, hier war der Halbmarathon erreicht. Zu diesem Zeitpunkt sah man schon viele Läufer gehen, offensichtlich ist die Vorbereitung nicht bei allen gleich gewesen, viele Amerikaner laufen in ihrem Leben nur einen Marathon, und das muss dann natürlich die Nr. 1 sein. Nach dem Passieren der Halbmarathonzeitmatte erhöhten wir das Tempo, waren wir vorher so um 6:40 Min/km gelaufen, so waren wir jetzt mir 6:15 Min/km unterwegs.

 

Die Queensborrows Bridge lag vor uns, noch mal ging es 50m hoch und wieder runter, wir mussten uns den Weg durch die vielen „Geher“ suchen. Diese Brücke verbindet Queens mit Manhattan, jetzt hatten wir nur noch 10 Meilen zu laufen, 10 Meilen, die wir nie vergessen werden. Welcome to Manhattan, so stand es schon auf der Brücke. Man muss sich das so vorstellen: Du läufst mit hunderten Mitläufern über diese lange Brücke, es ist still, du hörst nur die Läufer. Dann kommt das Ende der Brücke, eine Linkskurve, noch eine Linkkurve und du bist auf der 1st Avenue.

 

50m breit, oder mehr. Rechts und links standen die Leute in mehreren Reihen und schrien, tobten, winkten, man kam sich vor wie ein Olympiasieger. Leider war an ein einfaches Geradeauslaufen nicht zu denken, wir überholten nun gleich blockweise, was manchmal auch anstrengend war. Am Ende des Marathons zeigte meine Polaruhr 42,435 km an, das waren die Umwege.

 

Die 1st Avenue führte uns in die Bronx. Noch eine Brücke, eine Eisenbrücke, die oben mit einer Matte ausgelegt war. Wir wurden in der Bronx von einer Dudelsackband begrüßt und ein Einheimischer schrie ohne Unterlass „welcome to the Bronx“. Irgendwie hat die Streckenführung des Marathons nicht so viel Vertrauen in diesen Stadtteil, denn nach der Brücke kam eine Kurve, dann führte uns der Weg direkt wieder zurück nach Manhattan, auf die 5th Avenue Richtung Süden, zum Centralpark.

 

Immer noch sind Menschen über Menschen an der Strecke. Bei Km 38 biegen wir erstmalig in den Park ein. Herbert hatte uns vor dem welligen Gelänge gewarnt, haben wir aber gar nicht bemerkt. Wer in den Ruhrbergen trainiert, der spürt diese Hügel gar nicht. Bei KM 40 ging es nochmals kurz raus aus dem Park, den wir dann am Columbus Circle wieder betraten. Die Zielgerade lag vor uns, hier waren wir vor 2 Tagen schon mit Herbert gelaufen. So viele Leute, alle waren hier wegen uns. In diesem Bereich mussten sie sogar 75$ Eintritt zahlen.

 

Eine letzte Steigung noch hoch, da war es, das Ziel vom New York Marathon.

 

Wir wählten das mittlere Tor, direkt vor der Videowand, es war einfach der Wahnsinn da durchzulaufen, sich auf dieser riesigen Wand zu sehen. Stoppuhr gedrückt, obwohl die Zeit absolut nebensächlich war. Wir hatten es geschafft, und wir hatten es gut geschafft. Meine Liebste hat hier bei diesem schwierigen Lauf ihre bisherigen Zeiten um 9 Minuten unterboten.

 

 
Finisher 2007: Kerstin und Jügen
© marathon4you.de

Endlich bekamen wir die ersehnte Medaille, eine freundliche Helferin fotografierte uns auch gleich damit. Dann wurden wir in Folien gehüllt, der nächste Helfer klebte die Folie zu, damit wir es schön warm haben. Als nächstes gab man uns einen Verpflegungsbeutel mit einem Riegel, einem Apfel, Gatorade und Wasser. Ich hatte mächtig Durst, da ich seit KM 32 fast nichts mehr getrunken hatte. Das hatte ich schon im Training so gemacht, die letzte Stunde fast nichts mehr getrunken.

 

Die Gatoradeflasche war ruck-zuck leer, Champagner war das. Der Apfel war ein Hochgenuss. Was nun folgte, war das Einzige, dass wir an diesem Tag kritisch betrachten mussten. Es ging im Gänsemarsch über einen engen, schattigen Weg vorbei an den Gepäckwagen. Es war kalt, der Weg zog sich ohne Ende. Irgendwann kamen wir doch an Wagen Nr. 26 an, schnell die Hose über, die Jacke, jetzt ging es mir besser. Jetzt noch zur Reiseleitung von Interair, mussten wir uns doch als Finisher anmelden. Dann mit der Subway zurück zum Hotel. Die Fahrt war umsonst, uns Läufern wurde die Tür aufgehalten. „Congratulations“ sagte der freundliche Mann.

 

Letztes Jahr haben wir nach dem Berlin Marathon im Funkturm gegessen. Da der NY Marathon gegenüber dem Berliner so viel großartiger ist, haben wir den Tag mit einem Essen im Empire beendet. Letztes Jahr standen unsere Namen in der Berliner Morgenpost, am 5.11. konnten wir unsere Namen in der New York Times lesen.

 

 A perfect Day was over.

 

Niemals werden wir diesen Tag vergessen.

 


 

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